Die geschichtliche Entwicklung der Disziplinwerdung und Professionalisierung der Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2007

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Entwicklung der Sozialen Arbeit
1.1 Die Entwicklung der Sozialen Arbeit im 19. Jahrhundert
1.2 Entwicklungen der Soziale Arbeit im Deutschen Kaiserreich
1.3 Entwicklung der Sozialen Arbeit im 1. Weltkrieg
1.4 Entwicklung der Sozialen Arbeit in der Weimarer Republik
1.5 Entwicklung der Sozialen Arbeit in der NS- Zeit
1.6 Entwicklung der Sozialen Arbeit in der Nachkriegszeit

2. Entwicklung der Pflegewissenschaften
2.1 Entwicklungen der Pflegewissenschaft im 19. Jahrhundert
2.2 Entwicklungen der Pflegewissenschaft in der NS- Zeit
2.3 Entwicklungen der Pflegewissenschaft in der Nachkriegszeit

3. Entwicklung des Gesundheitswesens
3.1 Entwicklungen des Gesundheitswesens vor den 19. Jh.
3.2 Entwicklungen des Gesundheitswesens im 19. Jh.
3.3 Entwicklungen des Gesundheitswesens im 1. Weltkrieg
3.4 Entwicklungen des Gesundheitswesens in der Weimarer Republik
3.5 Entwicklungen im Gesundheitswesen in der NS- Zeit
3.6 Entwicklungen im Gesundheitswesen in der Nachkriegszeit

4. Quellenverzeichnis:

5. Literaturverzeichnis:

“Ein Studium der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, das geschichtslos vermittelt wird, also nicht nach den Wurzeln fragt, bleibt weitgehend nur an der Oberfläche seiner Professionalisierung.”[1]

Die Geschichte der Sozialen Arbeit, der Pflegewissenschaft und der Gesundheitswissenschaft zu kennen, ist sehr wichtig für das Verständnis der Berufe heute. Die geschichtliche Entwicklung der Wissenschaften bildet meiner Meinung nach die Grundlage für ein berufliches Selbstverständnis. Um mir selbst klar zu machen, welchen Beruf ich wähle, muss ich die Geschichte der Berufe kennen, wissen, wieso es diesen überhaupt gibt und wieso in dieser Form.

Aus diesem Grund beschäftigt sich die vorliegende Hausarbeit mit den wichtigesten

geschichtlichen Schritten der Disziplinwerdung und Professionalisierung in den Bereichen der Sozialen Arbeit, der Pflegewissenschaft und der Gesundheitswissenschaft.

1. Entwicklung der Sozialen Arbeit

1.1 Die Entwicklung der Sozialen Arbeit im 19. Jahrhundert

Hinsichtlich der, in der Geschichte nachweisbaren Ausbildungsberufe, kann man davon ausgehen, dass bis zum 18. Jahrhundert. es keine entsprechende berufliche Qualifizierung für eine Tätigkeit in der Armenpflege gab. Die ersten Belege für eine soziale Arbeitsweise findet man ab dem 19. Jahrhundert[2].

Durch Kriege und Krankheiten nahm die Armut in den Dörfern so sehr zu, dass das Problem familiär nicht mehr gelöst werden konnte. Daraufhin entstand das Gebiet der Armenpflege, welches gegen das Bettler- und Hausiererwesen gerichtet war. So etabliert sich um 1800 die staatliche Armenfürsorge als Hilfesystem ohne Rechtsanspruch heraus. Sie war nicht auf die gezielte Hilfe ausgerichtet, sondern sollten Betroffene durch die Pädagogisierung, Verhaltensregeln, wie Fleiß, Ordnung, Disziplin und Moral anerziehen.

Eine Besserungen der öffentlichen Armenfürsorge fand erst nach dem Vorbild des preußischen Gesetzes über die Verpflichtung zur Armenfürsorge (1842) und das Elberfelder System statt. Das „Elberfelder System“ wurde 1853 in der gleichnamigen Stadt entwickelt und prägte die Institutionalisierung einer modernen Armenpflege und – Fürsorge nachhaltig. Im „Elberfelder System“ waren inhaltliche und organisatorische Kriterien festgelegt. Besonders die Dezentralisierung und Individualisierung standen dabei im Vordergrund.

Neben dieser kommunalen Armenfürsorge prägten vor allem die „freie Liebestätigkeit“ der Kirchen und die Wohltätigkeit der freien Vereine, die soziale Unterstützung im 19. Jahrhundert. Bereits zwischen 1830 und 1860 wurden zahlreiche Orden und Genossenschaften als Hilfe für Familien, Kinder und Mütter, Kranke und Alte gegründet. Im kirchlichen Bereich entstanden erste Hilfsorganisationen, wie die Caritas, die Innere Mission, die Verein für Sozialpolitik und der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohltätigkeit.

1848 gründete Johann Hinrich Wichern den „Centralausschuss für die innere Missionen.“ Mit der Gründung der evangelischen Bruder- und Diakonissenhäuser entstand außerdem eine Organisation für die Kranken- und Armenpflege. Es kam zur Entstehung von Ausbildungsstätten für evangelische Brüder und Diakone/Diakonissen, welche sich 1861 Diakonissenberuf etabliert

Während dieser Zeit entstanden auch die ersten Wurzeln der Berufsausbildung in der Kleinkindererziehung und der Erziehung von Kindern und Jugendlichen in Rettungsanstalten und Waisenhäusern. Es kam zu den ersten Qualifizierungsbemühungen bei der Betreuung von kleinen Kindern. Um diese Bemühungen noch zu verstärken, richtete der evangelische Theologe Theodor Fliedner (1800-1864) in Kaiserswerth eine Ausbildung zur "Kleinkinderlehrerin" ein. Der Pädagoge Friedrich Fröbel (1782-1852) entwarf einige Jahre später dem Beruf der Kindergärtnerin. Ungefähr zur gleichen Zeit entwickelte der Pädagoge und Theologe Johann Hinrich Wichern (1808-1881) im Bereich der damaligen Heimerziehung, mit dem "Hausvater" und "Gehilfen", zwei weitere soziale Berufe. Er begann erstmalig eine unfangreiche Ausbildung durchzuführen, die mehrere Jahre dauerte und so das Wissensspektrum der zukünftigen Arbeiter verstärkte. Johann Hinrich Wichern gründete des Weiteren die Rettungshausbewegung in Hamburg. Sein Konzept zur Familienerziehung in Erziehungsanstalten beinhaltete außerdem den Aufbau von "Kleinfamilienhäusern" mit zehn bis zwölf Waisen- bzw. Armenkindern, die Ordnung des Kind-Eltern-Verhältnisses und die Ausbildung von Erzieherinnen im "Rauen Haus", die die Leitung übernehmen sollten. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es folglich zur verstärkten Gründung von Einrichtungen in den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern, sowie Initiativen und Vereine.

1.2 Entwicklungen der Soziale Arbeit im Deutschen Kaiserreich

Im Kaiserreich zog sich parallel zur Etablierung der kommunalen Wohltätigkeit die private Wohltätigkeit zunehmend aus der finanziellen Armenunterstützung zurück und begriff Erziehung und Betreuung als ihre eigentlichen Aufgaben. Es kam zur Pädagogisierung.

Neben den Stiftungen traten aus den stark expandierenden kirchlich- caritativen Organisationen zahlreiche Selbsthilfeeinrichtungen, Genossenschaftsbewegungen, Arbeiterbildungs- und Unterstützungsvereine, sowie Verbände und Vereine hervor.[3] Dadurch entstand eine unübersichtlich vielfältige Vereinskultur, bei denen die Koordination und Kooperation („Rationalisierung“) zum Hauptproblem wurde. Denn durch den Ausbau der kommunalen Fürsorge entstanden Abgrenzungsprobleme zwischen öffentlicher und privater Fürsorge. Damit hatte der Prozesse der Kommunalisierung, Bürokratisierung, Rationalisierung und Pädagogisierung der Armenpflege“ seine Höhepunkt erreicht[4]. Der Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert war der Zeitpunkt, an dem sich die soziale Hilfe von einer primär moralisch bzw. religiös inspirierten ‚Mildtätigkeit‘ deutlich zu wandeln begann[5].

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich da s Prinzip der Individualisierung und der persönlichen Fürsorge „von Mensch zu Mensch“ als „zentrales Merkmale einer rational organisierten Hilfeleistung.“[6] Die Verantwortung der Sozialen Arbeit für die unterschiedlichsten Problemfelder, aber auch ihr Bestreben um Kompetenz und fachliche Qualifikation, führte dazu, dass man den Menschen in der Not und das Individuum in seiner sozialen Umwelt fortan ganzheitlich betrachtete. 1905 setzte sich das Straßburger System gegenüber dem Elberfelder System durch. Es kam zur erneuten Zentralisierung und zum Einsatz beruflicher Armenpfleger, da es immer schwieriger wurde, freiwillige und qualifizierte Armenpfleger zu finden[7]. Die öffentliche Wohlfahrtspflege und die private Fürsorge etablierten sich zunehmend mehr in die Gesellschaft.

Das 20. Jahrhundert, in dem sich Soziale Arbeit entwickelt und auf alle Gesellschaftsbereiche ausgedehnt und etabliert hat, kann daher auch als das „sozialpädagogische Jahrhundert“[8] bezeichnet werden.

Im 20. Jahrhundert entstand die erste professionelle frauenberufliche Sozialarbeit. Gleichzeitig begann man die sozialen Hilfen, den Kriterien der gesellschaftlichen Modernisierung, unterzuordnen. Durch die Modernisierung kam es zur Entstehung sozialer Arbeitsformen und Methoden der Sozialen Arbeit. Besonders Alice Salomon begann Ende des 19. Jahrhunderts ihre Vorstellung einer beruflichen Sozialen Arbeit umzusetzen.

1908 gründete sie die erste akademische Ausbildungsstätte für Soziale Arbeit: die Soziale Frauenschule in Berlin. Die dort auszubildenden Frauen sollten sich systematisch für ihre sozialen Hilfstätigkeiten qualifizieren und somit den Zugang zu einem anerkannten Beruf der Fürsorgerin/ Wohlfahrtspflegerin ermöglichen. Ab 1910 traten die Fürsorgerinnen schließlich als eigenständige Berufsgruppe hervor[9]. Dies gilt seither als Geburtsstunde der Sozialarbeit/ Sozialpädagogik in Deutschland. Alice Salomon prägte das Berufsbild der Sozialarbeiterinnen bis 1933 mit dem Prinzip der „geistigen Mütterlichkeit“[10]. Alle ausgebildeten Frauen verfügten von nun an über theoretische und fachliche Kenntnisse und prägten ein einfühlsames Verhalten . „Das ganzheitliche Konzept von Alice Salomon umfasste die beiden Funktionen der Sozialer Arbeit: Anpassen und Verändern. Zwei Pole, zwischen denen sich die Professionalisierungsdiskussion lange bewegte“. Die Tendenz zur Professionalisierung begann also mit der Gründung der ersten Ausbildungsstätten und der Vermehrung hauptamtlicher Kräfte in der Sozialen Arbeit“. [11] 1911 kam es in Preußen zu einer ersten staatlichen Ausbildungs- und Prüfungsordnung. Darin wurden unter anderem der Kindergärtnerinnenberuf und der Beruf der Jugendleiterin geregelt.

[...]


[1] Zeller, S.: Geschichte der Sozialarbeit als Beruf; Bilder und Dokumente (1893-1939);

Pfaffenweiler 1994

[2] Vgl.: Mühlum, Albert/ Bartholomeyczik, Sabine/ Göpel, Eberhard:

Sozialarbeitswissenschaften, Pflegewissenschaften, Gesundheitswissenschaften S. 32

[3] Vgl.: Mühlum, Albert/ Bartholomeyczik, Sabine/ Göpel, Eberhard:

Sozialarbeitswissenschaften, Pflegewissenschaften, Gesundheitswissenschaften S. 35

[4] Vgl.: Mühlum, Albert/ Bartholomeyczik, Sabine/ Göpel, Eberhard:

Sozialarbeitswissenschaften, Pflegewissenschaften, Gesundheitswissenschaften S. 35

[5] vgl.: Luhmann 1973

[6] Zitat: Mühlum, Albert/ Bartholomeyczik, Sabine/ Göpel, Eberhard:

Sozialarbeitswissenschaften, Pflegewissenschaften, Gesundheitswissenschaften S. 35

[7] Vgl.: Mühlum, Albert/ Bartholomeyczik, Sabine/ Göpel, Eberhard:

Sozialarbeitswissenschaften, Pflegewissenschaften, Gesundheitswissenschaften S. 37

[8] vgl.: Thiersch 1992 oder auch Rauschenbach 1999

[9] Vgl.: Mühlum, Albert/ Bartholomeyczik, Sabine/ Göpel, Eberhard:

Sozialarbeitswissenschaften, Pflegewissenschaften, Gesundheitswissenschaften S. 39

[10] Vgl.:http://www.fhbielefeld.de/filemanager/download/1834/Geschichte%20der%20Sozialen%20Ar

beit. pdf. S.9

[11] Ztat:http://www.fhbielefeld.de/filemanager/download/1834/Geschichte%20der%20Sozialen%20Arbeit.pdf. S. 9

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die geschichtliche Entwicklung der Disziplinwerdung und Professionalisierung der Sozialen Arbeit
Hochschule
Fachhochschule Nordhausen
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V115800
ISBN (eBook)
9783640173501
ISBN (Buch)
9783640173761
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Disziplinwerdung, Professionalisierung, Sozialen, Arbeit
Arbeit zitieren
Madeleine Hoppe (Autor), 2007, Die geschichtliche Entwicklung der Disziplinwerdung und Professionalisierung der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115800

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