Das aktuelle Bildungssystem besteht aus komplexen Verhältnissen, die ohne historischen Hintergrund nicht erklärbar sind. Ausgehend von einer Vielfalt von unverbundenen höheren und niederen Schulen entwickelte sich vor allem im Laufe des 19. Jahrhunderts ein zusammenhängendes System mit professionellen Lehrkräften und verbindlichen Lehrplänen, das bis heute in seinen Grundzügen Bestand hat. Aufgrund der Tatsache, dass es bei der Schulgeschichte in Deutschland um verschiedene territoriale Einheiten und Kulturräume geht, in denen die deutsche Sprache praktiziert wird, ist es eine Herausforderung, die Vielfalt der Schulformen adäquat darzustellen und deren Entwicklungen und Fortschritte nachzuzeichnen. Andererseits wecken aktuelle Forschungsdiskussionen erneut das Interesse an der Beschäftigung mit der Bildung, dem Bildungswesen und den verschiedenen Schulformen. Aus diesem Anlass erscheint es aus bildungshistorischer Sicht lohnenswert, einen historischen Überblick über die verschiedenen Schulformen zu vermitteln.
In dieser Arbeit wird die Geschichte der Schule vom Mittelalter bis zur Gegenwart beschrieben. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung in Deutschland im 19. Jahrhundert unter Wilhelm von Humboldt: Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht sowie die staatliche Vereinnahmung der Schule gelten als nennenswerte Aspekte, welche prägend für
die bisherige Entwicklung und die zukünftigen Tendenzen sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schulen im Mittelalter
3 Schulen in der Neuzeit
4 Schulen in der Moderne
5 Schulen im 20. und 21. Jahrhundert
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung des deutschen Schulwesens vom Mittelalter bis zur Gegenwart, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den Reformen des 19. Jahrhunderts unter Wilhelm von Humboldt liegt, um die Genese des heutigen Bildungssystems nachvollziehbar zu machen.
- Historische Entwicklung der Schulformen in Deutschland
- Die Bedeutung der preußischen Bildungsreformen und des Neuhumanismus
- Einführung und Etablierung der allgemeinen Schulpflicht
- Strukturwandel des Bildungssystems in verschiedenen Epochen
- Einfluss politischer Systeme auf die schulische Organisation
Auszug aus dem Buch
4 Schulen in der Moderne
Schulpolitische Veränderungen im 19. Jahrhundert wurden hauptsächlich mit preußischen Bildungsreformen verbunden, welche durch den Staatsminister Freiherr vom und zum Stein konzipiert und eingeleitet wurden. Diese schulpolitischen Reformen zielten in erster Linie darauf,
„den schöpferischen Kräften des Volkes Raum zu geben und für den einzelnen Menschen Bedingungen seiner sozialen Existenz zu schaffen, die ihn vom Untertanen zum selbstbewußten Subjekt staatsbürgerlicher Identität werden lassen konnten“.
Auf Grundlage des Neuhumanismus sollte das gesamte öffentliche Bildungswesen neu strukturiert werden. Im öffentlichen Schulsystem sollte die Demokratisierung von Bildungschancen durch den Abbau von ständischen Privilegien erfolgen. Fortan sollte nicht mehr die soziale Herkunft, sondern die individuellen Fähigkeiten und Leistungen des Einzelnen für den anzustrebenden Beruf und die gesellschaftliche Position ausschlaggebend sein. 1809 wurde hierfür eine „Section für Kultus und öffentlichen Unterricht“ errichtet und 1817 in ein Ministerium überführt. Erstmalig wurde in Preußen hiermit ein zentrales Amt für alle Schulangelegenheiten eingerichtet, für das Wilhelm von Humboldt zum Geheimen Staatsrat und Direktor berufen wurde. In Zusammenarbeit mit dem Staatsrat Johann Wilhelm Süvern sollte mit dem Ziel der „Demokratisierung der Bildungschancen“ ein einheitlich strukturiertes Bildungssystem aufgebaut werden, das für alle Bürger unabhängig von den Standesunterschieden eine gemeinsame Bildung für die soziale Integration vorsah. Wilhelm von Humboldt, aus bildungspolitischer Perspektive der bedeutendste Vertreter des Neuhumanismus, formulierte in seiner Bildungslehre hierzu einige Grundsätze.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Relevanz der historischen Perspektive für das heutige komplexe Bildungssystem und definiert das Ziel, die Entwicklung der deutschen Schulformen darzustellen.
2 Schulen im Mittelalter: Das Kapitel skizziert die Entstehung erster Bildungseinrichtungen wie Katecheten-, Dom- und Klosterschulen bis hin zu den städtischen Lateinschulen als Grundlage des späteren Schulwesens.
3 Schulen in der Neuzeit: Der Abschnitt behandelt die Auswirkungen der Reformation und die Entwicklung hin zu ersten Schulordnungen, der Schulpflicht und der Etablierung von Gymnasien sowie Kollegien.
4 Schulen in der Moderne: Hier steht die Reformära des 19. Jahrhunderts unter Wilhelm von Humboldt im Zentrum, die auf den Neuhumanismus setzte und das öffentliche Bildungssystem maßgeblich umstrukturierte.
5 Schulen im 20. und 21. Jahrhundert: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen bildungspolitischen Phasen von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus und die DDR bis zur bundesrepublikanischen Struktur.
6 Fazit: Das Fazit resümiert die Beständigkeit des gegliederten Schulsystems und ordnet die Bedeutung der Humboldtschen Reformimpulse für das heutige Bildungswesen ein.
Schlüsselwörter
Schulgeschichte, Bildungssystem, Schulpflicht, Wilhelm von Humboldt, Neuhumanismus, Volksschule, Gymnasium, Schulreform, Bildungsgeschichte, Pädagogik, Preußen, Schulform, Bildungsreform, Bildungsanspruch, Bildungsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen historischen Überblick über die Entwicklung und Transformation der verschiedenen Schulformen in Deutschland von den Anfängen im Mittelalter bis in die Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung des Schulwesens durch Kirche und Staat, die Einführung der Schulpflicht, der Einfluss der Reformation sowie die bildungspolitischen Reformen im 19. und 20. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das heutige Bildungssystem durch seinen historischen Kontext erklärbar zu machen und die Entwicklungslinien der verschiedenen Schulformen nachzuzeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine bildungshistorische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert, um die Entwicklung der Schule im zeitlichen Verlauf zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, beginnend bei den mittelalterlichen Dom- und Klosterschulen, über die neuzeitlichen Schulordnungen, bis hin zu den modernen Reformen und der Schulentwicklung im 20. und 21. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schulgeschichte, Bildungssystem, Neuhumanismus, Schulpflicht und die Reformen Wilhelm von Humboldts charakterisiert.
Warum war der Widerstand gegen Humboldts Reformen so groß?
Der Widerstand speiste sich aus der monarchischen Auffassung, dass eine Gesellschaft ein hierarchisch gegliedertes Schulwesen benötige, was mit Humboldts Ansatz einer allgemeinen, demokratischen Menschenbildung kollidierte.
Welche Rolle spielten die Jesuitenkollegien in der Schulgeschichte?
Sie nahmen im 16. und 17. Jahrhundert eine wichtige Stellung als Ausdruck katholischer Bildungsbemühungen ein und führten mit der „ratio studiorum“ eine sehr strukturierte Form der Schulordnung ein.
Wie unterscheidet sich die Entwicklung des Schulwesens in der DDR von der Bundesrepublik?
Die DDR forcierte mit der Einheitsschule und polytechnischer Bildung ein ideologisch geprägtes, zentralistisches System, während in der Bundesrepublik das traditionell dreigliedrige System restauriert wurde.
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- Hatice Karaca (Author), 2021, Die Entwicklung der Schulformen im historischen Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158042