Die Arbeit beschäftigt sich mit der Schüler:innen-Aktivierung im Philosophieunterricht, genauer mit der Frage: Wie können möglichst viele Schüler:innen im Philosophieunterricht aktiviert werden? Hierzu sollen zunächst anhand von ausgewählter Literatur didaktische und pädagogische Methoden und Aspekte beleuchtet werden, um möglichst viele Schüler:innen aktivieren zu können. Im Anschluss daran wird eine in der Praxis durchgeführte Philosophiestunde in der Oberstufe beschrieben und in Hinblick auf die Forschungsfrage analysiert. Die Ergebnisse sowie die Unterrichtsstunde und deren Planung werden daraufhin reflektiert, sodass mögliche Lösungsansätze vorgestellt werden können.
Der Unterricht beziehungsweise das Unterrichtsgeschehen setzt sich aus zwei wesentlichen Komponenten zusammen: das Verhalten der jeweiligen Lehrkraft und das Agieren der Schüler:innen. Durch die Planung und Vorbereitung, durch pädagogische und didaktische Kenntnisse formt und entwickelt die Lehrkraft den Unterricht. Sie wählt die Inhalte aus, entscheidet zwischen verschiedenen Sozialformen und Materialien, sie bestimmt die Struktur und plant den Verlauf einer Unterrichtsstunde und -reihe. Obschon die Schüler:innen an der Planung der jeweiligen Stunde nicht aktiv beteiligt sind, tragen auch sie maßgeblich zu dem Unterrichtsgeschehen und damit zu einem erfolgreichen Unterricht bei. Dementsprechend ist es für Lehrkräfte von besonderem Interesse Schüler:innen zu motivieren und ihnen Inhalte und Kompetenzen zu vermitteln.
Gleichermaßen essentiell ist das Wissen und die Fähigkeit möglichst viele Schüler:innen in den verschiedenen Unterrichtsphasen aktivieren zu können, damit ein für alle fruchtbarer Unterricht entstehen kann. Es ist weder sinnvoll noch zielführend (oder gar freudig) Unterrichtsgespräche immer nur mit den gleichen drei Schüler:innen durchzuführen, währenddessen die übrigen aus dem Fenster gucken, (heimlich) am Smartphone tippen oder dem Unterrichtsgeschehen mit nur einem Ohr und Auge folgen. Für den Philosophieunterricht, in dem die Schüler:innen zu der Entwicklung von Gedankengängen und kritischen Reflexionen angeregt werden sollen, ist es von besonderer Bedeutung möglichst alle Schüler:innen zu aktivieren. Für die Aktivierung der Lerngruppe ist wiederum die Lehrkraft verantwortlich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schüler:innen-Aktivierung im Philosophieunterricht
3. Beschreibung der Unterrichtsplanung im Philosophieunterricht
3.1. Lerngruppenbeschreibung
3.2. Einbettung der Stunde in die Gesamtplanung
3.3. Lernziele
3.4. Die Planung der Philosophiestunde
4. Reflexion der Planung und Durchführung
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie eine breite Aktivierung von Schüler:innen im Philosophieunterricht durch gezielte methodische Ansätze und eine adaptive Unterrichtsgestaltung erreicht werden kann, wobei die praktische Anwendung anhand einer Unterrichtsstunde zum Thema Schwangerschaftsabbruch analysiert wird.
- Strategien zur Schüler:innen-Aktivierung in heterogenen Lerngruppen
- Einsatz von Vehikeln und Problemöffnungen zur Förderung des Denkprozesses
- Bedeutung von adaptivem Unterricht und Methodenvielfalt
- Ethische Debatte zum Thema Schwangerschaftsabbruch im Philosophieunterricht
Auszug aus dem Buch
2. Schüler:innen-Aktivierung im Philosophieunterricht
Die Aktivierung der Schüler:innen ist eine der zentralen Aufgaben und Herausforderung der Lehrkraft im Unterricht. Es liegt in dem Verantwortungsbereich der Lehrkraft die Schüler:innen zu motivieren und ihr Interesse für den jeweiligen Unterrichtsgegenstand zu wecken. Insbesondere durch die Individualität der Lernenden, ihren Vorlieben und ihren unterschiedlichen Lernzugängen und die daraus resultierende Heterogenität in den Klassen und Kursen wird die umfassende Aktivierung aller oder möglichst vieler Schüler:innen erschwert. Heterogenität stellt daher auch einen der zentralen Begriffe in Bildungsdiskussionen dar. Die Schüler:innen bringen individuelle Voraussetzungen und Bedingungen für das gemeinsame Lernen mit.
Die Individualität besteht unter anderem hinsichtlich des Alters und Geschlechts, ethnischer, kultureller und sozialer Herkunft, aber auch in Interessen, Motivation, Arbeitsweisen und -tempo, Leistungsfähigkeit, Lerntypen und dem individuellen Lernstand (vgl. Vock/Gronostaj 2017, S. 5). Heterogenität stellt entsprechend eine immense Herausforderung für Lehrkräfte und deren Unterrichtsgestaltung, für die Schüler:innen selbst und für das gesamte Lernen in der Schule dar. Dennoch kann und muss Heterogenität in der Schule auch als Chance betrachtet werden. Heterogenität bietet die Möglichkeit, einen Rahmen zu schaffen, in dem das gegenseitige Unterstützen und gemeinschaftliche Lernen gefördert und nachhaltig etabliert wird.
In der Praxis bedarf es enormen pädagogischen Wissen und Arbeit im Umgang mit Heterogenität in der Schule. Um Heterogenität angemessen zu begegnen und somit eine Vielzahl von Schüler:innen im Unterricht zu motivieren und zu aktivieren, sollten verschiedene Formen der Differenzierung umgesetzt werden. Nur so kann Schüler:innen angemessen und wirkungsvoll entgegengetreten werden, um sie individuell und nachhaltig fördern zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit der Aktivierung aller Schüler:innen im Philosophieunterricht und stellt die Forschungsfrage nach effektiven Methoden hierfür.
2. Schüler:innen-Aktivierung im Philosophieunterricht: Dieses Kapitel erörtert die Herausforderungen durch Heterogenität und erläutert Konzepte wie adaptiven Unterricht und den Einsatz von Vehikeln zur Förderung des gemeinsamen Nachdenkens.
3. Beschreibung der Unterrichtsplanung im Philosophieunterricht: Hier wird der Rahmen der analysierten Doppelstunde zum Thema Schwangerschaftsabbruch in einer 12. Klasse beschrieben, einschließlich Lerngruppe, Lernzielen und methodischem Ablauf.
4. Reflexion der Planung und Durchführung: Die Durchführung wird kritisch reflektiert, wobei das Spannungsfeld zwischen Methodenvielfalt, Zeitmanagement und der tatsächlichen Förderung eines Problembewusstseins bei den Lernenden beleuchtet wird.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Aktivierung von Schüler:innen ein kontinuierliches Bemühen um Methodenvielfalt und die Weckung echten Interesses durch die Erschließung relevanter Kernprobleme erfordert.
Schlüsselwörter
Philosophieunterricht, Schüler:innen-Aktivierung, Heterogenität, adaptiver Unterricht, Schwangerschaftsabbruch, ethischer Konflikt, Methodenvielfalt, Lernziele, Unterrichtsplanung, Reflexion, Denkräume, Vehikel, Problembewusstsein, Partizipation, Bildungsdiskussion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Herausforderung, im Philosophieunterricht eine möglichst hohe Anzahl an Schüler:innen aktiv in den Unterrichtsprozess einzubinden, anstatt nur einen kleinen Teil der Lerngruppe zu beteiligen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind der Umgang mit Heterogenität, Konzepte für adaptiven Unterricht, didaktische Methoden zur Aktivierung sowie die Anwendung dieser Prinzipien am konkreten Beispiel der Ethik des Schwangerschaftsabbruchs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Wie können möglichst viele Schüler:innen im Philosophieunterricht aktiviert werden?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verbindet eine theoretische Literaturanalyse zu didaktischen Aspekten der Aktivierung mit einer praxisorientierten Reflexion einer selbst geplanten und durchgeführten Doppelstunde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Voraussetzungen für aktivierenden Unterricht und die detaillierte Darstellung sowie Analyse einer Unterrichtsstunde, in der unter anderem digitale Werkzeuge wie Padlet und Breakout-Sessions zum Einsatz kamen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Schüler:innen-Aktivierung, Philosophieunterricht, Heterogenität, adaptiver Unterricht und ethische Urteilsbildung charakterisieren.
Warum ist das Thema Heterogenität hier so wichtig?
Da Schüler:innen individuelle Lernzugänge, Interessen und Voraussetzungen mitbringen, wird Heterogenität als zentrale Herausforderung identifiziert, die durch gezielte Differenzierung und methodische Vielfalt in eine Chance für gemeinschaftliches Lernen verwandelt werden soll.
Welche Rolle spielen die im Anhang erwähnten Philosophen Singer und Spaemann?
Sie dienen als inhaltliche Kontrahenten in der erarbeiteten Unterrichtsstunde, um den Schüler:innen unterschiedliche ethische Positionen zum Thema Schwangerschaftsabbruch und zum Begriff der "Person" gegenüberzustellen.
Was ist das Ergebnis der Reflexion der Unterrichtsstunde?
Die Reflexion zeigt, dass die Methodenvielfalt zwar zu einer höheren Beteiligung führte, aber das Ziel, bei allen Schüler:innen ein tiefgreifendes Problembewusstsein zu erzeugen, durch Zeitdruck und zu hohen Input teilweise erschwert wurde.
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- Lisa-Marie Osterhaus (Author), 2021, Aktivierung von Schülern im Philosophieunterricht. Planung einer Unterrichtsstunde für die Oberstufe zum Thema Schwangerschaftsabbruch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158220