Digitale Teilhabe in Zeiten der Corona - Pandemie. Beitrag von Bedingungen der digitalen Lernangebote zur Bildungsgleichheit der Schülerinnen und Schüler


Hausarbeit (Hauptseminar), 2021

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

I NHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Die Corona-Pandemie

3 Digitale Teilhabe in Deutschland

4 Bildungseinrichtungen während COVID-19 in Deutschland
4.1 Bildungsungleichheit
4.2 Digitale Lernangebote - Chancen & Herausforderungen

5 Auswirkungen digitaler Bildungsangebote auf Bildungsungleichheiten während COVID-

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Corona-Pandemie wirkt sich enorm auf das alltägliche Leben aller Individuen aus. Je­doch sind die Bereiche Bildung und Schule mit am weitreichendsten von den Auswirkun­gen betroffen. SchülerInnen, Lehrkräfte und Eltern standen und stehen aufgrund der Ein­schränkungen des Schulsektors vor immensen Herausforderungen. Es wird befürchtet, dass existierende Leistungsunterschiede und soziale Ungleichheiten noch verstärkt werden. Ab dem Frühjahr 2020 schlossen die Schulen und stellten den Präsenzunterricht für alle Schü­lerinnen und Schüler ein. Stattdessen sollte der Unterricht digital auf Distanz erfolgen. Vie­le Lehrkräfte und Lernende waren und sind immer noch mit dem neuen Lernsetting über­fordert und hatten Probleme, sich auf die digitalen Lernmethoden einzustellen.

Grundsätzlich spielen digitale Medien in der Lebenswelt von Heranwachsenden zwar eine wichtige Rolle, jedoch geht dies nicht direkt mit Medienkompetenz einher. Die Pandemie zeigte auf, dass die wenigsten Lehrkräfte und SchülerInnen über ausreichende Kompeten­zen im Umgang mit digitalen Medien verfügen.Medienkompetenz stellt jedoch in der heu­tigen Zeit eine Schlüsselqualifikation dar, die unter Umständen Voraussetzung für die ge­sellschaftliche Teilhabe sein kann.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit digitaler Teilhabe in Zeiten der Corona- Pandemie und beleuchtet den möglichen Beitrag digitaler Lernangebote zur Bildungs­gleichheit der Schülerinnen und Schüler. Im ersten Schritt erfolgen grundlegende Informa­tionen zur Corona-Pandemie (Kapitel 2) und der digitalen Teilhabe in Deutschland (Kapitel 3). Danach werden die Auswirkungen der Pandemie auf die deutschen Bildungseinrichtun­gen (Kapitel 4) erörtert und insbesondere in Bezug auf die Bildungsungleichheit (Kapitel 4.1) in Deutschland gesetzt. Folglich wird der Nutzen digitaler Lernangebote (Kapitel 4.2) behandelt, ihre grundsätzlichen Vor- und Nachteile aufgeführt und ihre Wirkung auf Bil­dungsungleichheiten während COVID-19 (Kapitel 5) diskutiert. Im Fazit (Kapitel 6) wer­den sodann die wichtigsten Erkenntnisse der vorliegenden Hausarbeit zusammengefasst und die Fragestellung beantwortet.

2 Die Corona-Pandemie

Die COVID-19-Pandemie beschreibt den globalen Ausbruch der Atemwegserkrankung COVID-19, welche seit Dezember 2019 in über 200 Ländern zu dramatischen Auswirkun­gen geführt hat. (vgl. Goudz / Erdogan 2021, S. 11). Es kam und kommt zu massiven Ein- 1 schränkungen im Alltagsleben der Menschen wie z.B. der (vorübergehenden) Schließung von Schulen, Arbeitsstätten, Freizeitangeboten und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Außerdem nehmen Insolvenzen, Armut, Hungersnöte, häusliche Gewalt und psychische Probleme der Menschen zu, während die Gesellschaft unter dem Anstieg der Todeszahlen und der fatalen Wirtschaftskrise 2020/2021 leidet. (vgl. ebd., S. 13). Im „Kampf gegen die Pandemie“ wird die Welt vor enorme Aufgaben gestellt, wie z.B. „Ausgangsbeschränkun­gen, Grenzkontrollen, Kurzarbeit, soziale Distanz, Einhaltung der Corona- Schutzmaßnahmen usw.“ (vgl. ebd., S. 11-12). Während im Juni 2021 die Arbeitslosenquo­te auf 6,2 % (1,3 % höher als im Vorjahr) stieg, droht laut Autoren „jedem zehnten mittel­ständischen Unterneh men die Insolvenz.“ (vgl. ebd.).

3 Digitale Teilhabe in Deutschland

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts durchdringt die Digitalisierung „Arbeitswelt und Privatle­ben“ vieler Menschen und generiert durch ihre „Informationstechnologien“ völlig neue For­men des Wirtschaftens, der Kommunikation und der Meinungsbildung.“ (vgl. Socialnet 2018). Das Internet ermöglicht die „Vernetzung von Menschen, Dingen und Diensten ebenso wie flexibles, ortsunabhängiges Arbeiten.“ (vgl. ebd.). Die Art der Kommunikation und Pfle­ge von Sozialkontakten hat sich insbesondere in jüngeren Generationen gewandelt. Individuen kommunizieren nun vermehrt in der digitalen Welt, über soziale Medien und Messenger- Dienste. Außerdem dienen die sozialen Medien als „wichtigere Informationsquellen als klas­sische Massenmedien.“ (vgl. ebd.). Digitale Teilhabe gilt als zentrale Dimension der gesell­schaftlichen Partizipation. Sie zeigt sich in der „Ermöglichung der informierten, aktiven und verantwortlichen Mitgestaltung der Welt." (vgl. Schumann et al 2019).

Laut einer Studie der Initiative „Digital für alle“ (2021) wollen 90 % der Deutschen nicht mehr auf digitale Medien verzichten. (vgl. Digital für Alle 2021). 65 % der Befragten sehen das Land „digital gespalten“ und äußern, dass längst nicht „alle Menschen in gleichem Maße vom technologischen Fortschritt profitieren.“ (vgl. ebd.). 53 % der Befragten würde gerne mehr „am digitalen Leben teilnehmen,“ beklagen jedoch ein Defizit im Umgang mit digitalen Medien. (vgl. ebd.). 24 % der Teilnehmenden fühlen sich sehr unsicher im Umgang mit digi­talen Endgeräten, weswegen sie von einer Nutzung absehen. (vgl. ebd.). Ein Ergebnis der Studie war, dass Maßnahmen geschaffen werden sollen, die allen Individuen Zugang zur digi­talen Welt ermöglichen. Dies kann in Form einer verbesserten „Verfügbarkeit von Breitband­Internet (81 %) und der Förderung von Medien- und Informationskompetenzen in allen Al­tersgruppen“ (74 %) umgesetzt werden.“ (vgl. ebd.). 66 % der Befragten erwarten eine „barri- 2 erefreie Gestaltung digitaler Angebote, etwa durch einfache Bedienung und Erklärungen in leichter Sprache.“ (vgl. ebd.). Viele Menschen wünschen sich „mehr digitale Teilhabe durch Schulungen, Begleitpersonen und Lernräume.“ (vgl. ebd.). Es gilt als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, „allen Menschen den selbstständigen und souveränen Umgang mit neuen Technolo­gien zu ermöglichen.“ (vgl. ebd.).

Gemäß der Autoren Freese und Mayerle lässt sich „soziale Benachteiligung [...] an einem erschwerten oder nicht vorhandenen Zugang zu gesellschaftlich relevanten Ressourcen“ fest­stellen. (Freese / Mayerle 2013, S. 7). Die digitalen Informations- und Kommunikationsme­dien gelten als „fester Bestandteil der alltäglichen Lebenswelt“ und lösen nach und nach im­mer mehr analoge sozial-gesellschaftliche Prozesse und Handlungen ab. (z.B. Anmeldungen beim Bürgeramt, Teilnahme an Gewinnspielen, etc.). Abgesehen vom Zugang zum Internet bildet sich „soziale Ungleichheit und Benachteiligung“ auch in der digitalen Welt ab, da „spe­zifische Bildungsniveaus, soziale Lebenslagen, und sozialräumliche Kontexte“ die individuel­le Nutzung der Medien beeinflussen. (vgl. ebd.). So sind Menschen mit „Lernschwierigkei­ten“ oder anderen Beeinträchtigungen „von der digitalen Ungleichheit in besonderer Weise betroffen.“ (vgl. ebd.). Jedoch haben auch sie ein „Recht auf gleichberechtigte Zugänge zu (Medien-) Bildungsressourcen, um von den Potenzialen der Neuen Medien gleichermaßen profitieren zu können.“ (vgl. ebd.).

4 Bildungseinrichtungen während COVID-19 in Deutschland

Wie bereits in Kapitel 2 beschrieben, hat die Corona-Pandemie dazu geführt, dass an Schulen der Präsenzunterricht eingestellt wurde. Aufgrund dessen hat eine Vielzahl der Schulen ab dem Frühjahr 2020 ihren Unterricht auf Fernunterricht umgestellt. Dieser wurde im Früh­sommer 2020 wiederum durch gemischte Settings abgelöst. (vgl. Stade / Wampfler 2021, S. 82-94). So konnten vereinzelte „Klassen [...] in kleinen Gruppen die Schulen wieder besu­chen,“ während die restlichen Lernenden ihren Lernstoff weiterhin im Fernunterricht absol­vierten. (vgl. ebd.). Der Fernunterricht wurde je nach Schule und Lehrkraft mehr oder weniger begleitet und angeleitet. Es entstanden „Mischformen aus Präsenzunterricht im Klassenzim­mer und individuellen Lernformen an Lernorten außerhalb der Schule, oft unter Einbezug digitaler Medien.“ (vgl. ebd.). Mischformen, die verwendet wurden, waren beispielsweise „Blended Learning“ (abwechselnd Präsenz- und Fernunterricht), Videokonferenzen oder „Flipped Classrooms.“ (ebd.). Das Konzept des Flipped Classroom beschreibt einen bewuss­ten Wechsel „von Instruktion und Übungs- bzw. Reflexionsphasen,“ wobei der Fernunterricht von Zuhause aus dafür verwendet wird, „Anleitungen oder Lehrvorträge aufzunehmen,“ wäh­rend der Präsenzunterricht in erster Linie zur Übung der Inhalte und Reflexion genutzt wird. (vgl. ebd.).

4.1 Bildungsungleichheit

Im folgenden Kapitel wird erläutert, inwiefern sich die Corona-Pandemie auf die Bildungs­ungleichheit in Deutschland ausgewirkt hat und weiterhin auswirkt. Hierfür wird im ersten Schritt der Begriff der Bildungsungleichheit gemäß Raphaela Schlicht (2011) definiert und folglich die Auswirkungen der Pandemiesituation auf die Schulbildung in Deutschland unter­sucht.

Schlicht (2011) beschreibt den Begriff der „Bildungsungleichheit“ als ein Konstrukt, welches den „individuellen Bildungserfolg von der individuellen sozialen Herkunft“ einer Person ab­hängig macht. (vgl. Schlicht 2011, S. 35). Sie spiegele „Unterschiede im Bildungsverhalten und in den erzielten Bildungsabschlüssen (beziehungsweise Bildungsgängen) von Kindern“ wider, welche „in unterschiedlichen sozialen Bedingungen und familiären Kontexten auf­wachsen“ (vgl. Müller und Haun 1994, S. 3). So lässt sich ein Zusammenhang finden zwi­schen dem „elterlichen sozioökonomischen Status [...] und dem Bildungserfolg der Kinder, gemessen anhand der erreichten Punktzahl in Testergebnissen oder des Erreichens eines Bil­dungsabschlusses.“ (vgl. Pfeffer 2008, S. 543).

Unterschieden wird zwischen „primären und sekundären Disparitäten.“ (vgl. Schlicht 2011, S. 36). Primäre Disparitäten zwischen sozialen Schichten entstehen, wenn das Leistungspotenzi­al des Kindes durch seine „genetische“ Veranlagung und „Sozialisation im Elternhaus“ beein­flusst wird. (vgl. ebd.). Sekundäre Disparitäten kommen vor, wenn das „Leistungspotential eines Kindes nicht erkannt, nicht gefördert, nicht in Anspruch genommen, nicht eingesetzt oder falsch eingesetzt wird.“ (vgl. ebd.). Abhängig ist dies von den „Entscheidungen der El­tern“ und Lehrkräfte. (vgl. ebd.). Pandemiebedingte Schulschließungen und Fernunterricht brachten und bringen immense negative Veränderungen für eine Vielzahl der Schülerinnen und Schüler mit sich, die im Folgenden erörtert werden sollen.

Grundsätzlich ist anzunehmen, dass sich die „Lern- und Kompetenzentwicklung“ der Lernen­den durch die Pandemiesituation verschlechtert hat. Ein zentraler Aspekt ist, dass „Lern­pausen“ und mangelnde Betreuung die „Schere der Lernentwicklung“ zwischen leistungs­starken und (eher) leistungsschwachen Lernenden weiter auseinandertreiben. (vgl. El- Mafaalani, A. 2020). Insbesondere Lernende, die „aufgrund des Bildungsniveau[s] der Eltern und [ihrer] Schichtzugehörigkeit“ benachteiligt sind, finden sich durch die Notlage in einer noch prekäreren Lebenslage. (vgl. ebd.). Sie müssen in den meisten Fällen das Lernpensum alleine bestreiten, was zu Überforderung und Resignation führen kann. Weitere Faktoren, die die Situation der Heranwachsenden verschärfen können, sind „Suchterkrankungen, psychi­schen Erkrankungen und Gewalt“ im familiären Kontext. Die Pandemie zeigt „massive un­gleiche Familienverhältnisse“ auf, welche Einfluss auf die Psyche und Leistungsfähigkeit der Heranwachsenden nehmen können. (vgl. ebd.).

4.2 Digitale Lernangebote - Chancen & Herausforderungen

Die „ersten Schulschließungen“ zu Beginn der Pandemie verdeutlichten recht schnell, dass „nicht alle Schulen und Lehrenden gleich gut auf die Herausforderungen des Fernunterrichts vorbereitet waren.“ (vgl. BPB 2020). Viele Bildungseinrichtungen waren digital so schlecht aufgestellt, dass „nicht funktionierende[s] WLAN innerhalb des Schulgebäudes,“ fehlende Endgeräte und „Serverabstürze“ das Lernen mit digitalen Tools behinderten oder erschwerten. (vgl. BPB 2020). Einige Lehrkräfte nutzten bereits vor der Pandemie digitale Lernmethoden und stellten „für alle Lernenden entsprechende Endgeräte zur Verfügung.“ (vgl. ebd.). Sie waren auf die Umstellungen besser vorbereitet und konnten den Lernenden mehr Begleitung und Hilfestellung bieten.

Es besteht ein sehr „umfangreiches Medienangebot für Schule und Unterricht.“ (Tulodziecki 2019, S. 97). Durch die „Erweiterung herkömmlicher durch digitale Medien“ können Inhalte nicht nur in Text- und Bildform, sondern in „vielfältiger Form kombiniert und interaktiv ver­arbeitet werden.“ (vgl. ebd., S. 15). Digitale Medien sind sehr präsent in den „Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.“ (Holzwarth et al 2019, S. 213). Sie handeln gleichzeitig on- und offline und agieren in der realen und virtuellen Welt. Durch die Allgegenwärtigkeit und „Vernetzung“ digitaler Medien spielen auch „außerschulische Lernor­te eine zunehmende Rolle für das Lehren und Lernen.“ (ebd.).

Es lassen sich folgende „Formen medienunterstützter Lehr-Lern-Szenarien unterscheiden: [...] Medienunterstützter Präsenzunterricht“ in der Schule, „Blended Learning“-Einheiten, die Verzahnung der Präsenzlehre mit Online-Phasen“, „Online-Kurse, [die] ein eigenständiges, thematisch abgeschlossenes und didaktisch aufbereitetes Lernangebot“ darstellen, sowie „Lerngemeinschaften und Online-Communites [...] die [als] Lernarrangements in informellen Kontexten entstehen.“ (vgl. Tulodziecki 2019, S. 93 - 95).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Digitale Teilhabe in Zeiten der Corona - Pandemie. Beitrag von Bedingungen der digitalen Lernangebote zur Bildungsgleichheit der Schülerinnen und Schüler
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Allgemeine Didaktik und Schulforschung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
14
Katalognummer
V1158304
ISBN (Buch)
9783346555809
Sprache
Deutsch
Schlagworte
digitale, teilhabe, zeiten, corona, pandemie, beitrag, bedingungen, lernangebote, bildungsgleichheit, schülerinnen, schüler
Arbeit zitieren
Stefanie Schary (Autor:in), 2021, Digitale Teilhabe in Zeiten der Corona - Pandemie. Beitrag von Bedingungen der digitalen Lernangebote zur Bildungsgleichheit der Schülerinnen und Schüler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158304

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