Diese Arbeit handelt von dem Buch "Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften" von Georges Devereux.
Das Werk „Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften“ von Georges Devereux kritisiert die verhaltenswissenschaftliche Methodologie und die damit einhergehenden Verzerrungen, welche in erster Linie durch die Angst des Beobachters entstehen und infolgedessen den Erkenntnisprozess maßgeblich verändern können.
Die Einstein’sche Anschauung besagt, dass Ereignisse nur am Beobachter beobachtet werden können. Dabei betont Devereux die Wichtigkeit, den Menschen durch den Menschen zu beobachten sowie die Notwendigkeit der Untersuchung subjektiver Gegenübertragung. Gegenübertragung spielt für Devereux eine wesentlich wichtigere Rolle als die Übertragung, da eine aus der Übertragung ableitbare Information, im Gegensatz zur Gegenübertragung, auch auf eine andere Weise gewonnen werden kann. Wissenschaftlich betrachtet liefert die Gegenübertragung daher mehr Daten zur Natur des Menschen
Inhaltsverzeichnis
1 Daten und Angst
1.1 Auf der Suche nach einer wissenschaftlichen Verhaltenstheorie
1.2 Reziprozität zwischen Beobachter und Objekt
1.3 Gegenübertragung in der Verhaltenswissenschaft
2 Gegenübertragung in der verhaltenswissenschaftlichen Forschung
2.1 Professionelle Abwehrstrategien
2.2 Sublimatorischer oder abwehrender Gebrauch der Methodologie
2.3 Irrationalität in der Sexualforschung
3 Der Wissenschaftler und seine Wissenschaft
3.1 Der soziale Hintergrund des Wissenschaftlers
3.2 Menschlicher Status und Selbst‐ Bezogenheit der Forschung
3.3 Das Selbst‐ Modell: Somatotyp und Rasse
3.4 Persönlichkeit und die Verzerrung von Daten
3.5 Ausgelöste Gegenübertragung: Die komplementäre Rolle
4 Verzerrung als Weg zur Objektivität
4.1 Auslösung als Störung
4.2 Ausnutzung von durch die Beobachtung bedingten Störungen
4.3 Die Theorie der Objekt/Beobachter‐ Trennung und die Natur verhaltenswissenschaftlicher Daten
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist eine zusammenfassende Analyse des Werkes „Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften“ von Georges Devereux. Die Arbeit verfolgt die Forschungsfrage, wie die Angst des Beobachters und die damit verbundenen psychologischen Gegenübertragungsprozesse den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess beeinflussen und welche Methodik notwendig ist, um objektivere Ergebnisse in den Verhaltenswissenschaften zu erzielen.
- Kritik an der verhaltenswissenschaftlichen Methodologie durch den Einfluss subjektiver Ängste.
- Die Bedeutung der Gegenübertragung für die Datengewinnung und Forschung.
- Der Einfluss der Persönlichkeit des Forschers und dessen sozialer Ideologie auf die Forschungsdaten.
- Die komplementäre Rolle als zentrales Element in der Beobachtungssituation.
- Konstruktiver Umgang mit durch Beobachtung ausgelösten Störungen zur Steigerung der Objektivität.
Auszug aus dem Buch
1.2 Reziprozität zwischen Beobachter und Objekt
Um jegliche Angst und Desorientierung abzuwehren, entspringt jedes Gedankensystem im Unbewussten. Im Primärprozess wird das Gedankensystem auf affektive anstatt auf intellektuelle Weise in der „Sprache des Unbewussten“ formuliert, um anschließend im Sekundärprozess vom Unbewussten ins Bewusste transponiert zu werden und aus der Sprache des Primärprozesses in die logischere und realitätsorientiertere Sprache des Sekundärprozesses übersetzt zu werden (vgl. ebd., S. 41). „Das grundlegende Merkmal der Verhaltensforschung ist hingegen die aktuelle oder potentielle Reziprozität der Beobachtung zwischen Beobachter und Beobachtetem, die theoretisch eine symmetrische Beziehung konstituiert: der Mensch beobachtet die Ratte, die Ratte aber auch den Menschen.“ (Devereux 1984, S. 42) Devereux betont die Notwendigkeit der Beschränkung der Gegenbeobachtung und Gegenreaktion auf ein Minimum, da die Gefahr besteht, dass die „objektiven“ Resultate durch „unerwünschte“ Gegenbeobachtung des Experimentators durch das Versuchstier verhindert werden könnten. Freud strukturierte die Situation aus therapeutischer Sicht so, dass die Gegenbeobachtung des Analytikers durch den Analysanden verhindert wird, beispielsweise indem der schweigende Analytiker hinter der Couch sitzt, anstatt davor zu sitzen. Dieses Arrangement verfolgt das Ziel, eine Situation herzustellen, in der dem als „Wissenschaftler“ fungierenden Analysanden wenige reale Anhaltspunkte bei der Einsicht in den (beobachteten) Analytiker gewährleistet werden, sodass dieser lediglich auf seine Fantasie zurückgreifen muss (vgl. ebd., S. 42).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Daten und Angst: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahme, dass die Angst des Forschers den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess verzerrt und daher eine Analyse des Beobachters selbst anstelle des reinen Objekts erforderlich macht.
2 Gegenübertragung in der verhaltenswissenschaftlichen Forschung: Hier werden professionelle Abwehrstrategien und deren Auswirkungen auf die Forschung untersucht, wobei besonders die Bedeutung der Lehranalyse und die Problematik einer objektiven Haltung hervorgehoben werden.
3 Der Wissenschaftler und seine Wissenschaft: Dieses Kapitel thematisiert, wie der soziale Hintergrund, die Ideologie und die unbewusste Selbstbezogenheit des Forschers die wissenschaftliche Arbeit und die Objektivität der gewonnenen Daten beeinflussen.
4 Verzerrung als Weg zur Objektivität: Das abschließende Kapitel argumentiert, dass unvermeidbare Störungen durch die Beobachtungssituation nicht nur als Hindernis, sondern als Erkenntnisquelle genutzt werden sollten, um zu einer fundierteren Objektivität zu gelangen.
Schlüsselwörter
Georges Devereux, Verhaltenswissenschaft, Angst, Methode, Gegenübertragung, Beobachtung, Forschung, Objektivität, Psychoanalyse, Verzerrung, Selbstbezogenheit, komplementäre Rolle, Lehranalyse, Ideologie, Datengewinnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Zusammenfassung des Werkes von Georges Devereux über die kritische Reflexion verhaltenswissenschaftlicher Methoden unter Berücksichtigung psychologischer Einflüsse auf den Forscher.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die Wechselwirkung zwischen Beobachter und Objekt, der Einfluss von Ängsten auf die wissenschaftliche Datenerhebung sowie die Bedeutung der eigenen psychischen Verfassung des Wissenschaftlers.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch eine bewusste Auseinandersetzung mit der Gegenübertragung und den eigenen Ängsten eine methodisch reinere und wissenschaftlich wertvollere Arbeit geleistet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Devereux stützt sich maßgeblich auf psychoanalytische Ansätze, um die verhaltenswissenschaftliche Forschung methodisch zu hinterfragen und zu erweitern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse von Ängsten, Abwehrmechanismen in der Forschung, der Rolle der eigenen Ideologie des Wissenschaftlers und der konstruktiven Nutzung von Störungen in Beobachtungssituationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gegenübertragung, Beobachtung, Objektivität, psychologische Verzerrung, Methode und die Rolle des Selbst in der Forschung.
Was bedeutet die „komplementäre Rolle“ im Kontext der Forschung?
Es bezeichnet das Phänomen, dass ein Forscher durch das zu untersuchende Objekt in ein bestimmtes Verhaltensmuster gedrängt wird, das er unbewusst annimmt, anstatt die Distanz zu wahren.
Warum ist die „bloße Anwesenheit“ des Beobachters ein Forschungsproblem?
Devereux weist darauf hin, dass die Anwesenheit eines Beobachters das Verhalten der untersuchten Subjekte radikal verändert, was eine objektive Datenerhebung per se schwierig macht.
- Arbeit zitieren
- Rüya Arel (Autor:in), 2018, Methodologie und Verzerrungen durch die Angst des Beobachters. "Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften" von Georges Devereux, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158306