In dieser Arbeit möchten wir auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufgrund der
unterschiedlichen Modalität von Laut- und Gebärdensprachen eingehen, indem wir
zuerst die Merkmale der verschiedenen Sprachsysteme erläutern und anschließend
auf die kognitiven Verarbeitungsprozesse eingehen. Hierzu ist es sicherlich hilfreich,
wenn kurz darauf eingegangen wird, wo sich das Sprachzentrum im Gehirn befindet
und ob es dort zwischen den beiden Sprachen Unterschiede gibt.
Als weiteren interessanten Punkt wollen wir die unterschiedlichen Sprachstörungen
ansprechen, die sich bei Schädigungen des Gehirns sowohl auf die Gebärden- als
auch auf die Lautsprache auswirken. Hierbei scheint es wichtig zu sein, zu
unterscheiden, welche Sprachfehler aufgrund welcher verletzten Region auftreten.
Abschließend wollen wir kurz auf einige Punkte aufmerksam machen, die in der
Literatur nicht eindeutig zu sein scheinen und eine zusammenfassende Stellungsnahme
ergänzen.
[...]
Gliederung
I Einleitung
II Merkmale der beiden Sprachen
II.1 Lautsprache
II.1.1 Phonologie
II.1.2 Morphologie
II.1.3 Syntax
II.1.4 Semantik
II.1.5 Pragmatik
II.2 Gebärdensprache
II.2.1 Die Phonologie
II.2.2 Morphologie
II.2.3 Syntax
II.2.4 Semantik
II.2.5 Pragmatik
III Lokalisierung der Sprachzentren
IV Die kognitiven Verarbeitungsprozesse im Vergleich
V Sprachstörungen bei Verletzungen der Hemisphären
VI Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Modalität linguistischer Systeme – konkret Lautsprache und Gebärdensprache – auf kognitive Verarbeitungsprozesse. Dabei wird analysiert, wie diese verschiedenen Sprachsysteme im Gehirn lokalisiert sind, welche Rolle die räumliche Komponente spielt und wie sich neurologische Schädigungen auf die jeweilige Sprachproduktion auswirken.
- Strukturelle Grundlagen von Laut- und Gebärdensprache
- Neurobiologische Lokalisierung von Sprachzentren
- Kognitive Verarbeitungsprozesse und Simultaneität
- Einfluss von Ikonizität auf Sprachstrukturen
- Sprachstörungen bei Läsionen der Gehirnhälften
Auszug aus dem Buch
II.2.4 Semantik
„Auf der Ebene der Semantik verfügen die Gebärdensprachen wie die deutsche über ein komplexes Lexikon bedeutungstragender Gebärdenzeichen, das keineswegs kognitiv dadurch eingeschränkt ist, daß es – wie häufig fälschlicherweise angenommen wird – durch eine vorherrschende Ikonizität geprägt und damit nur zum Ausdruck von Konkreta geeignet sei“ (Jäger: 313). Dies wird sich im weiteren Verlauf auch zeigen. So weist Wisch darauf hin, dass die Strukturen der zeichengebundenen Bedeutungsfelder im Gebärdenlexikon unterschiedlich sind (vgl. Wisch: 172). Hinzu kommt, dass Wort und Gebärdenzeichen nicht in eine Eins zu Eins Entsprechung zu bringen sind (vgl. Wisch: 172). Bei der Syntax ist dies im Hinblick auf die Klassifikatorgebärden und dem Inkorporationsprinzip immer wieder deutlich geworden. Im folgenden soll das von der Semantik dominierte Ordnungsprinzip der deutschen Gebärdensprache und die lexikalische Eigenständigkeit der deutschen Gebärdensprache anhand einer Beispielreihe zur Wortfamilie „fahren“ erläutert und illustriert werden. In der folgenden Erklärung wird zugleich die Schwierigkeit der Gleichsetzung von Gebärdenäußerungen und lautsprachlichem Inhalt sichtbar (vgl. Wisch: 172f.).
Verwendet man als Beispiel das Wort „fahren“ mit unterschiedlichen Verbindungen, so findet man im Deutschen folgende Formulierungen:
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung umreißt das Ziel, Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Laut- und Gebärdensprachen sowie deren kognitive Verarbeitung zu beleuchten.
II Merkmale der beiden Sprachen: Dieses Kapitel stellt die phonologischen, morphologischen, syntaktischen, semantischen und pragmatischen Strukturen beider Sprachsysteme gegenüber.
III Lokalisierung der Sprachzentren: Hier wird untersucht, in welchen Gehirnregionen die Sprachfunktionen von Laut- und Gebärdensprachlern liegen, wobei eine linkshemisphärische Dominanz aufgezeigt wird.
IV Die kognitiven Verarbeitungsprozesse im Vergleich: Dieses Kapitel analysiert Unterschiede wie die Sequenzialität der Lautsprache gegenüber der räumlichen Simultaneität der Gebärdensprache.
V Sprachstörungen bei Verletzungen der Hemisphären: Anhand von Fallstudien wird die Auswirkung von Gehirnläsionen auf die Sprachfähigkeit von Gebärdenverwendern diskutiert.
VI Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst zusammen, dass trotz unterschiedlicher Modalitäten die Sprachverarbeitung bei beiden Systemen in sehr ähnlichen Gehirnstrukturen stattfindet.
Schlüsselwörter
Lautsprache, Gebärdensprache, Kognition, Sprachzentren, Hemisphäre, Simultaneität, Inkorporation, Ikonizität, Aphasie, Gehirn, Sprachverarbeitung, Linguistik, Broca-Areal, Wernicke-Areal, Sprachstörungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit vergleicht die linguistischen Merkmale sowie die kognitiven Verarbeitungsprozesse von Laut- und Gebärdensprache im menschlichen Gehirn.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Schwerpunkte liegen auf der strukturellen Analyse beider Sprachsysteme, der neurologischen Verortung der Sprachzentren und den Auswirkungen von Gehirnverletzungen auf die Sprachfähigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Gebärdensprachen vollwertige Sprachsysteme sind, die trotz ihrer visuell-räumlichen Modalität neurologisch ähnlich verarbeitet werden wie Lautsprachen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autoren nutzen eine literarische Analyse linguistischer Fachliteratur sowie die Auswertung von Fallstudien über gehörlose Patienten mit neurologischen Schädigungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Sprachmerkmale, die Lokalisierung der Sprachareale im Gehirn, eine Analyse kognitiver Prozesse sowie die empirische Untersuchung von Aphasien bei Gebärdenverwendern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Lautsprache, Gebärdensprache, Neuropsychologie, Simultaneität, Ikonizität und Aphasie maßgeblich definiert.
Warum spielt die Simultaneität für Gebärdensprachler eine so große Rolle?
Sie ermöglicht es, verschiedene Informationen – wie grammatische und lexikalische – zeitgleich durch die manuelle Bewegung und den Gesichtsausdruck zu übertragen, was die Komplexität der Kommunikation erhöht.
Inwieweit unterscheiden sich die Gehirnreaktionen bei gehörlosen und hörenden Personen?
Es konnte festgestellt werden, dass sich Gehirnregionen, die bei Hörenden primär auditive Signale verarbeiten, bei gehörlosen Personen auf die visuelle Stimulation durch Gebärden spezialisieren.
- Quote paper
- Wafa Sturmann - Ben Omrane (Author), Lotte Marie Feiser (Author), 2006, Der Einfluss der Modalität linguistischer Systeme auf kognitive Verarbeitungsprozesse - Lautsprache und Gebärdensprache im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115830