In dieser Arbeit wird ein Überblick über den Status der Frau in der DDR gegeben und es wird dessen Entwicklung bis zur Öffnung der Mauer verfolgt. Sie wird nicht nur die Fakten schildern, die etwas aussagen über die Situation der Frau, sondern auch berichten über veröffentlichte Zeuginnengeschichten und persönliche Gespräche mit Frauen, die die DDR-Zeit miterlebt haben. Damit wird bezweckt, die Lücke zwischen offizieller Geschichtsschreibung und erlebtem Alltag zu schließen. Außerdem will die Arbeit somit darauf hinweisen, dass mit Geschichtsschreibung nur ein Ausschnitt von Geschichte erfasst wird.
Um die politische und gesellschaftliche Lage der Frau in der DDR schildern zu können, werden zuerst die dafür notwendigen Begriffe und der historische Kontext erklärt. Danach werden die verschiedenen Lebensphasen und gesellschaftlichen Rollen der Frau im Rahmen der SED-Politik beschrieben. Außerdem wird separat eingegangen auf die Blickwinkel des Ministeriums für Staatssicherheit, dem vor allem die politisch aktiven und lesbischen Frauen, wie im Allgemeinen gruppenbildende Minoritäten der Gesellschaft, suspekt waren. Im folgenden und dritten Abschnitt wird auf die politische Lage der Frau im Besonderen eingegangen. Es wird die heutige Forschungsauffassung über Frauengruppen der DDR angesprochen, die schon lange kontrovers geführt wird. Einerseits wird nämlich behauptet, es habe Frauengruppen nie gegeben. Andererseits gab es unzweideutig eine Gruppenbildung von Frauen in der DDR. Die Lösung dieses Widerspruchs liegt in einer eindeutigen und unkontroversen Definition des Begriffs der Gruppe in diesem Kontext, die in dieser Arbeit gegeben wird. Im vierten und letzten Kapitel dieser Arbeit werden auch die persönlichen Meinungen von Frauen der DDR-Zeit in Betracht gezogen. Es wurden Gespräche mit Augenzeuginnen geführt, die in vorliegender Arbeit verarbeitet worden sind. Daraus folgt, dass in diesem Kapitel nicht nur Fakten dargestellt werden, sondern auch Meinungen, vor allem jener Frauen, die sich nicht in Frauengruppen beteiligt haben und deren Meinungen nicht offenbar wurden. Auch lesbische Frauen, die kein Risiko eingehen mochten oder sich den Aufwand, der aus einer gesellschaftlichen Beteiligung, zum Beispiel in Kirchengruppen, entstand, sparen wollten, kommen hier zu Wort. Schlussendlich werden im letzten Kapitel die Vor- und Nachteile einer Emanzipation, wie sie in der DDR stattfand, abgewogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Forschungsgeschichte des Themas
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Frauenpolitik der SED
2.1 Ideologischer Hintergrund
2.2 Frau und Arbeit
2.3 Frau und Familie
2.4 Lesbische Frauen
3. Frauenbewegungen
3.1 Frauenbewegungen innerhalb der SED
3.2 Frauenbewegungen in der Kirche
3.3 Lesbische Frauengruppen
3.4 Das Ministerium für Staatssicherheit
4. Augenzeuginnen und Geschichtsforschung
4.1 Frauenbewegungen als Spiegel der Gesellschaft
4.2 Kontemplation: Emanzipation als auferlegtes Streben
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Status und die Rolle der Frau in der DDR. Ziel ist es, mittels literarischer Quellen und eigener Umfragen ein neutrales Bild der Ost-Frauen zu zeichnen, das insbesondere auch jene Perspektiven umfasst, die außerhalb organisierter Frauenbewegungen lagen, um zu hinterfragen, ob diese Bewegungen tatsächlich repräsentativ für die gesamte weibliche Bevölkerung waren.
- Politische Steuerung der Frauenemanzipation durch die SED
- Rolle der Frau im Arbeitsprozess und in der Familie
- Existenz und gesellschaftliche Wahrnehmung von Frauengruppen und lesbischen Organisationen
- Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit auf unabhängige Frauengruppen
- Diskrepanz zwischen offizieller Geschichtsschreibung und erlebtem Alltag von DDR-Frauen
Auszug aus dem Buch
3.3 LESBISCHE FRAUENGRUPPEN
Als Erstes versuchten Lesben zusammen mit Schwulen Vereine zu gründen oder Treffs zu organisieren. Anfang der achtziger Jahre gab es vor allem die Bewegungen in der Kirche, darunter die in der Gethsemane-Kirche in Berlin, kurz danach wurde der Sonntags Club gegründet, welcher weniger kämpferisch vorging und eher versuchte, auf dem Weg kleinerer Reformen etwas zu verändern. Für die Erlaubnis, diesen Club gründen zu dürfen, waren zahlreiche Verhandlungen mit Behörden und mit der Abteilung Inneres notwendig. Henrike, Mitgründerin des Sonntags Clubs, teilt in der Dokumentation ‚... viel zu viel verschwiegen’ folgendes über die Unterschiede zwischen den kirchlichen Gruppen und dem Sonntags Club mit:
„Diese Frauen dort [in der Kirche] waren sehr kämpferische Emanzen. Sie haben mir die Augen geöffnet für diverse Unterdrückung, was wirklich läuft für die Frau, was ich vorher eben so unreflektiert hingenommen hatte. Ich habe mich auch dagegen mehr gewehrt. […] Die waren total gegen die DDR eingestellt, haben sich da sehr konsequent verhalten, haben in keiner Weise paktiert. [...] Nach manchen Veranstaltungen hatte ich das Gefühl, mein Gott, wenn wir jetzt hier rauskommen, hoffentlich nimmt uns dann nicht gleich die Polizei in Empfang. Das wollte ich nicht unbedingt. Das war nicht so meine Natur. [...]“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Forschungsgeschichte zur Frauenrolle in der DDR, definiert das Ziel der Arbeit und den methodischen Ansatz, der über reine Fakten hinaus auch Zeitzeugenaussagen einbezieht.
2. Frauenpolitik der SED: Analysiert die ideologischen Grundlagen der SED-Frauenpolitik sowie die Umsetzung der Erwerbstätigkeit, Familienförderung und die spezifische Situation lesbischer Frauen.
3. Frauenbewegungen: Untersucht unterschiedliche organisierte Gruppen wie den DFD, kirchliche Frauengruppen und lesbische Vereinigungen im Spannungsfeld staatlicher Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit.
4. Augenzeuginnen und Geschichtsforschung: Reflektiert die Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung durch organisierte Bewegungen und den tatsächlichen, oftmals zufriedenen Alltagserfahrungen der breiten Masse ostdeutscher Frauen.
Schlüsselwörter
DDR, Frauenpolitik, SED, Emanzipation, Frau und Arbeit, Frauenbewegungen, Lesbische Frauen, Ministerium für Staatssicherheit, Frau und Familie, DDR-Geschichte, Geschichtsforschung, Zeitzeuginnen, Alltag in der DDR, DFD, Gleichberechtigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Status und der Rolle der Frau in der DDR von der Staatsgründung bis zur Grenzöffnung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der SED-Frauenpolitik, der staatlich gelenkten Erwerbstätigkeit, der Familienpolitik sowie der Entstehung und Beobachtung von unabhängigen Frauen- und Lesbengruppen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es wird das Ziel verfolgt, ein neutrales Bild der Frauen in der DDR zu vermitteln, das den Unterschied zwischen offizieller Darstellung und persönlichem Erleben verdeutlicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert die Analyse historischer und wissenschaftlicher Quellen mit der Auswertung von Umfragen und persönlichen Gesprächen mit Zeitzeuginnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Einordnung durch die SED, die Darstellung der verschiedenen Formen von Frauenbewegungen und die abschließende Reflexion durch den Einbezug der Perspektiven ostdeutscher Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie DDR-Frauenpolitik, Emanzipation, Frauengruppen, staatliche Überwachung und Geschichtsschreibung charakterisiert.
Welche Rolle spielte das Ministerium für Staatssicherheit gegenüber Frauengruppen?
Das MfS beobachtete insbesondere unabhängige Frauengruppen und Lesbengruppen unter dem Dach der Kirche, da diese als potenzielle politische Gefahr und Kontakte zur westlichen Welt wahrgenommen wurden.
Warum war die "Zweite Schicht" für Frauen in der DDR so belastend?
Trotz der staatlichen Forderung nach Vollzeitarbeit blieb die Verantwortung für Haushalt und Kindererziehung überwiegend bei den Frauen, was zu einer hohen Doppelbelastung führte.
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- Anonym (Author), 2008, Frauenpolitik und Frauenbewegungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115840