Judentum und Christentum im Westgotenreich von Toledo. Ein Zusammenleben zwischen Konfrontation und Faszination


Hausarbeit, 2021

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Motivierung der Fragestellung

2 Die Zwangstaufe der Juden unter König Sisebut (612-621)
2.1 Die Problematik der Apostasie
2.2 Der Versuch der „Korrektur der getauften Juden im christlichen Glauben“

3 Die Verpflichtungserklärungen von Toledo aus den Jahren 637 und
3.1 Das placitum unter König Chintila (637)
3.2 Das placitum unter König Reccesvinth (654)

4 Der Epistula Severi

5 Fazit

6 Anhang
6.1 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Einführung

Die Beziehungen zwischen Juden und Christen werden seit jeher, insbesondere in der Geschichtswissenschaft, als eine Geschichte der christlichen Judenfeindschaft beschrieben und als Antijudaismus bzw. Antisemitismus charakterisiert.1

So findet sich das Bild eines auf Konfrontation basierenden jüdisch-christlichen Zusammenlebens unter anderem bei Theodor Mommsen, welcher schreibt:

„Das Zusammenleben der Juden und Nichtjuden erwies sich mehr und mehr als ebenso unvermeidlich wie unter den gegebenen Verhältnissen unerträglich; der Gegensatz in Glaube, Recht und Sitte verschärfte sich und die gegenseitige Hoffart wie der gegenseitige Hass wirkten nach beiden Seiten hin sittlich zerrüttend.“2

Doch wenn das Zusammenleben zwischen Juden und Christen einzig auf einem von Feindschaft und Konfrontation geprägten Verhältnis basierte, wie hat der Historiker demzufolge mit Quellen umzugehen, die sich zunächst eher als ein Beleg für die Feindseligkeit zwischen Juden und Christen zu eignen scheinen, die aber gleichzeitig und implizit ein zumindest zeitweiliges friedliches Zusammenleben der beiden Gruppen suggerieren? Welche Schlüsse lassen sich aus jenen Situationen ziehen, in denen Christen die Juden ignorierten und Juden von den Christen keine besondere Notiz nahmen, obwohl sie nebeneinander lebten? Welche Assoziationen liegen nahe, wenn antijüdische Gesetze über Jahrzehnte hinweg immer wieder ergänzt, bestätigt und herausgegeben werden (müssen)?

1.2 Motivierung der Fragestellung

Um eine bestmögliche Auseinandersetzung mit eben jenen Fragen zu gewährleisten, hat die vorliegende Hausarbeit das Zusammenleben der Juden und Christen im Westgotenreich von Toledo zum Untersuchungsgegenstand, mit dem Ziel einen alternativen Zugang zu den historischen Quellen vorzuschlagen. Dabei soll jedoch explizit nicht die antijüdische Haltung insgesamt in Frage gestellt, sondern vielmehr die Komplexität der Beziehungen zwischen Juden und Christen in der Spätantike ausgearbeitet werden, indem die als zu eng und zu einseitig anmutende Perspektive der Konfrontation kritisch diskutiert wird. Dafür bedarf es ebenfalls eines Bewusstseins für die Selektivität der uns zur Verfügung stehenden Quellen, thematisieren sie doch beinahe uneingeschränkt christliche Perspektiven.3 Ebenfalls gilt (wie es das bei der Arbeit mit Quellenmaterial immer tut) der Umstand, dass Quellen vor allem historische Ereignisse, Situationen und Prozesse wiedergeben, die etwas Neues, eine Veränderung, also eine Abkehr von der Normalität postulieren, sodass es letztlich auch die Aufgabe des Historikers ist, gerade die nicht explizit erwähnten Umstände hermeneutisch zu untersuchen.

Dabei soll deutlich werden, dass es neben den auf Konfrontation beruhenden Beziehungen zwischen dem Judentum und dem Christentum auch etliche, jedoch eher implizite Hinweise auf ein Zusammenleben gibt, das auf friedliche Koexistenz, Sympathie, ja gar auf eine gewisse Faszination vor allem von Seiten der Christen für das Judentum schließen lässt,4 denn „die Juden sind für die christliche Kirche immer ein mysterium tremendum et fascinosum gewesen und werden es bleiben. Die Beschäftigung mit der Erscheinung des Judentums und der jüdischen Fortexistenz gehört geradezu zum Wesen und zur Selbstidentifikation des Christentums als einer historischen Religion […]. Hinzuzufügen [ist], daß die Ambivalenz von Faszination und Ablehnung auch dem Judentum eigen ist und seine Einstellung gegenüber dem Christentum stärker bestimmt als gegenüber jeder anderen Religion.“5

Angesichts ihres begrenzten Umfangs konzentriert sich die Arbeit auf den geographischen Raum des Westgotenreichs von Toledo und richtet ihren Fokus auf den zeitlichen Raum des fünften bis siebten Jahrhunderts. Nichtsdestotrotz kann die folgende Untersuchung als ein exemplarischer Versuch gedeutet werden, der die historische Hermeneutik jener Beziehungsverhältnisse zwischen Juden und Christen zumindest teilweise zu hinterfragen, zu relativieren (oder besser:) zu ergänzen beabsichtigt.

Um dies zu bewerkstelligen, befasst sich die Untersuchung zunächst mit dem ca. 614/15 unter König Sisebut (612-21) verabschiedeten Gesetz zur Zwangstaufe der Juden im Westgotenreich. Anschließend stehen ausgewählte Quellen aus dem Westgotenreich im Mittelpunkt der Untersuchung: Die Verpflichtungserklärungen der getauften Juden von Toledo aus den Jahren 637 und 654 und der berühmte Brief über die Bekehrung der Juden des Bischofs Severus von Minorca aus dem Jahre 418.6 Beide Quellen gelten in der historischen Forschung als besonders aufschlussreich für die Beziehungen zwischen Juden und Christen in der Spätantike und bieten darüber hinaus einen gewissen Interpretationsspielraum an, der dem Zweck der vorliegenden Arbeit zugutekommt. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse verknüpft und im Sinne der Leitfrage interpretiert.

2 Die Zwangstaufe der Juden unter König Sisebut (612-621)

2.1 Die Problematik der Apostasie

Für die Gewährleistung eines gewissen Grundverständnisses bezüglich der Komplexität der Judenpolitik im Westgotenreich, bedarf es einleitend einer knappen Schilderung der historischen Situation, weshalb die Arbeit im ersten Schritt auf die ca. 614/15 zu datierenden Gesetze zur Zwangstaufe der Juden unter König Sisebut (612-621) Bezug nimmt. Während sich bereits unzählige Werke mit möglichen Motiven, Ursachen und Durchsetzungsstrategien auseinandergesetzt haben,7 konzentriert sich die folgende Untersuchung vor allem auf die Wirkmacht, sprich auf die langfristigen Folgen inklusive der geäußerten Kritik an jenen Zwangstaufen. Obwohl sich die Anzahl der tatsächlich durchgeführten Zwangstaufen jüdischer Personen nicht sicher ermessen lässt, scheint die Zahl zumindest groß genug, um ein erhebliches und neues Problem hervorzubringen: Apostasie8 unter den zwangsgetauften Juden. Nach theologischem und christlichem Verständnis waren die zwangsgetauften Juden nun Christen und hatten demzufolge christlich zu leben.9 Doch die zum Übertritt gezwungenen Juden befolgten im Stillen weiterhin die Riten und Sitten ihres alten jüdischen Glaubens.

2.2 Der Versuch der „Korrektur der getauften Juden im christlichen Glauben“

Sich der Problematik der Apostasie bewusstwerdend kritisierte das 4. Konzil von Toledo (633) unter König Sisenand (631-636) die Zwangstaufen und beschäftigte sich in zehn Kannones mit den Folgen der Zwangstaufen unter König Sisebut.10

Der 57. Kanon bestimmte, dass kein Jude mit Gewalt zum Glauben gezwungen werden dürfe. Für diejenigen aber, die bereits zwangsgetauft worden sind, blieb die Rückkehr zu ihrem alten Glauben verwehrt,11 12 sodass „der 57. Kanon zum Schlüsseldokument für das Verständnis der gesamten späteren Kirchen-und Reichsgesetzgebung zu den Juden im Westgotenreich wurde. Er verpflichtete die Kirche und das Königtum, fürderhin auf Zwangstaufen zu verzichten, schuf aber […] eine Klasse von Christen, deren Treue zu Gott, zum Glauben, zur Kirche und zum Reich einem grundsätzlichen Verdacht unterlag.“13

Indem der Beschluss sowohl Juden, die sich möglicherweise aufrichtig zum Christentum bekehrten, keine Möglichkeit bot, den diskriminierenden Regelungen zu entgehen, als auch den getauften Juden die Rückkehr zum Judentum verwehrte,14 trug das 4. Konzil von Toledo (633) zur Etablierung dieser neuen Gruppe der getauften Juden bei und förderte damit folglich auch die Praxis der stillen Ausübung der jüdischen Sitten und Riten.

Aus alledem ergab sich eine erhöhte Wachsamkeit und ein verstärktes Misstrauen von Seiten der Christen gegenüber den „verdächtigen“ zwangsgetauften Juden. Deutlich wird dies im Besonderen im 64. Kanon, denn dieser legt fest, „[that] one cannot be faithful toward men and stand unfaithful toward god; the Jews, therefore, who became Christians formerly and have now prevaricated against thr faith of Christ and must not be admitted to give evidence.“15

Bei der Betrachtung des 58. Kanons, welchem im Kontext des Untersuchungsgegenstandes der Arbeit eine besondere Rolle zukommt, lässt sich gleichzeitig jedoch auch ein mangelhaftes Verständnis sowie fehlende Identifikation innerhalb der Kirche für die antijüdische Haltung und Gesetzgebung erkennen. Denn da Juden offenbar den Schutz von Klerikern und Laien erhielten, sah sich das Konzil genötigt, den Schutz jüdischer Personen unter die Strafe der Exkommunikation zu stellen.16 Auch wenn es nicht möglich ist, die Ausmaße und vor allem die Motive jener Schutzgewährungen nachzuzeichnen, konstruiert der 58. Kanon dennoch ein Bild, welches eine zumindest in Teilen fehlerhafte Durchsetzung der Gesetze und insbesondere der Zwangstaufen aufgrund mangelnder Bereitschaft bzw. Mitarbeit einzelner Kleriker und Laien suggeriert.

Während die unter Sisebut vollzogenen Zwangstaufen also vor allem Kritik hervorriefen und langfristige Schwierigkeiten und Unsicherheiten sowohl für die getauften Juden als auch für das Selbstbild der Christen zur Folge hatten17, steht im Sinne der Hausarbeit primär die Erkenntnis im Vordergrund, dass es trotz der angeordneten Zwangstaufen einigen Juden im Reich gelungen war, sich der Zwangsbekehrung zu entziehen.18 Als Beleg für eine weiterhin existente jüdische Gemeinde dient der 62. Kanon, welcher den Kontakt zwischen getauften und ungetauften Juden unter Strafe stellte.19 20

Der 60. Kanon ordnete an, dass die Kinder der Juden von ihren Eltern zu trennen seien, damit sie nicht dem vermeintlichen Irrtum ihrer Eltern verfallen. Sie sollten im christlichen Glauben unterrichtet und aufgezogen werden. Zum Umgang mit Kindern ungetaufter Juden findet sich hingegen keine Bestimmung, weshalb angenommen werden kann, dass diese weiterhin als Juden aufwuchsen konnten. Damit dient der 60. Kanon gleichzeitig als Beleg für die These, dass die jüdische Gemeinde durch die Beschlüsse des 4. Konzils von Toledo (633) weniger stark betroffen waren als von einigen Historikern angenommen. Die Beschlüsse desselbigen widmeten sich also vor allem den zwangsgetauften Juden und der Problematik der Apostasie, sodass „die Korrektur der getauften Juden im christlichen Sinne als der Kerngedanke der westgotischen Judengesetzgebung bezeichnet werden kann.“21 Auf den ersten Blick mögen die Beschlüsse des 4. Konzils von Toledo (633) wie ein Beleg für eine auf Konfrontation ausgelegte Judenpolitik erscheinen, doch die Motive der antijüdischen Gesetze waren zugleich komplexer und diffuser. Demnach scheint der dargelegten Judenpolitik weniger ein ausgeprägter und die Gesellschaft durchziehender Antisemitismus zugrunde zu liegen.22 Stattdessen rückt der geschilderte theologische Konflikt inklusive christlicher pastorischer Bedenken und Ängsten bezüglich des Sakraments der Taufe und der damit einhergehenden Fürsorgepflicht und Seelenheilsverantwortung für die ungetauften Juden als primärer Impulsgeber der Judengesetzgebung stärker in den Mittelpunkt. Des Weiteren mussten sowohl der König als auch die Konzilsväter ebenfalls aus politischen Gründen alles unternehmen, um der „Blasphemie“ ein Ende zu bereiten. Es dominierte die Angst, dass der Zorn Gottes über das Volk und das Reich der Goten kam, weshalb der König gegen die getauften Juden vorgehen musste, sodass „die getauften Juden das erste placitum unter König Chintila nicht nur auf die Dreifaltigkeit und das himmliche Jerusalem beschworen, sondern auch auf das Heil und die Siege König Chintilas. Darin bekräftigt sich die damalige Anschauung, daß die Rechtgläubigkeit der Christen, für die der König zu sorgen hatte, unmittelbar mit dem vom Gott verliehenen Sieg korrelierte […] ähnlich wie in Byzanz verstanden sich die Goten in Nachfolge des Volkes Israel als Volk Gottes. Ihr König stand entsprechend altbiblischen Vorbildern in einem besonderen Verhältnis zu Gott und wurde als Gefäß göttlicher Inspiration sowie als vicarius Dei begriffen. In dieser Vorstellungswelt barg die Apostasie eines Teil des Volkes wie in den biblischen Geschichten die enorme Gefahr, daß der Zorn Gottes auf das gesamte Volk herniederfuhr.“23

[...]


1 Antijudaismus wie Antisemitismus bezeichnen eine feindselige Haltung von Nichtjuden gegenüber Juden. Während der Antijudaismus sich vor allem auf religiöse Aspekte bezieht, greifen die (irrationalen) Argumente des Antisemitismus Personen und/oder Gruppen jüdischer Abstammung direkt an.

2 Vgl. Mommsen, Römische Geschichte, S.551f.

3 Ferner ist anzumerken, dass die Quellenknappheit ein grundsätzliches Problem für dieses Thema darstellt und das die Quellen bezüglich der westgotischen Gesetzgebung mehr über die Vorstellungswelten der Autoren als über die reellen Umstände aussagen (Vgl. dazu Bronisch, Judengesetzgebung, S.7).

4 In Anbetracht der harten antijüdischen Gesetzgebung erscheint es angebracht, das Beziehungsverhältnis zwischen Juden und Christen mit dem Begriff „Faszination“ zu umschreiben. Damit ist nicht gemeint, dass ein euphorisches Interesse das Miteinander dominierte, vielmehr soll diese Terminologie der anziehenden Wirkung gerecht werden, welche das Judentum zweifellos auf einzelne Christen ausübte. Auch unerklärliche oft irrationale Ängste vor der Macht und Einflussnahme des Judentums lassen im weiten Sinne auf eine Wirkkraft desselbigen schließen. Gleichzeitig kann der Begriff aber auch im engeren Sinne verstanden werden: Dann erscheint das Judentum als so faszinierend, anziehend bzw. lohnend, dass Christen bereit waren, sich dem Risiko der Sanktionen auszusetzen, um dafür an jüdischen Riten, Festen und Zusammenkünften teilzuhaben.

5 Funkenstein, Jüdische, S.234f.

6 Lange wurden sowohl bezüglich der Authentizität der Quelle als auch bezüglich ihrer Datierung (418) in der Forschung starke Zweifel und Vorbehalte geäußert. Die relative Vernachlässigung der Epistula Severi ist also auf ein seit langem bestehendes Misstrauen gegenüber der Authentizität und Zuverlässigkeit des Werks zurückzuführen. Da der Brief des Severus zusammen mit einer Reihe von hagiographischen Werken überliefert ist, in denen die Entdeckung der Reliquien des heiligen Stephanus, ihre Verbreitung und die in ihrer Gegenwart bewirkten Wunder beschrieben werden, wurde das Werk von vielen Gelehrten und Forschern aufgrund der heilsgeschichtlichen Anspielungen und der mirakulösen Elemente lange als unzuverlässig und unglaubwürdig klassifiziert. Im Mittelalter verloren gegangen, wurde es im 16. Jahrhundert von Baronius in Rom wiederentdeckt und dem Jahr 418 zugeordnet. Ebenfalls wurde die Datierung des Briefes auf das Jahr 418 als deutlich zu früh angesehen. So argumentiert Bernhard Blumenkranz, einer der größten Kritiker, für die Falschheit des Briefes, indem er zum Beispiel auf ein argumentum ex silentio, also auf ein Schweigen der Zeitgenossen des Severus über die wundersame Bekehrung der Juden von Minorca, hinzuweisen versucht (Vgl. Bradbury, Severus, S.4-15). Mittlerweile nimmt der Brief von Severus in der historischen Forschung jedoch eine primäre Stellung in der Untersuchung der Beziehungen zwischen Juden und Christen in der Spätantike ein, denn „these doubts are largely unfounded. The Epistula Severi is demonstrably an authentic text of the early fifth century and its manuscript tradition is, in fact, quite good“ (Vgl. Bradbury, Severus, S.3).

7 Fehlende Hinweise auf Blutvergießen u.a. im 57. Kanon des 4. Konzils von Toledo (633) legen nahe, dass die Art des Zwangs vermutlich ausschließlich auf Exildrohung zurückzuführen ist. Vermutlich stellte Sisebut die Juden vor die Wahl entweder zu konvertieren oder das Land zu verlassen (Vgl. u.a. Bronisch, Judengesetzgebung, S.43f.) Bezüglich möglicher Motive für die antijüdische Gesetzgebung beherrschen diverse Erklärungsmodelle die Debatte. Während einige Historiker wie etwa Bernard Bachrach wirtschaftliche Argumente (z.B. Enteignung jüdischen Vermögens) auszumachen meinen, sieht beispielsweise der Historiker González Salinero politische Motive (z.B. Religiöse Reichseinheit) als den primären Faktor an. Juan Gil Fernandez etwa postuliert vordergründig religiöse Gesichtspunkte als Motivationsquelle. Ausschlaggebend sei demzufolge die Endzeiterwartung, ausgelöst durch die persische Eroberung Jerusalems im Mai 614 (Vgl. ebd. S.45).

8 Apostasie bezeichnet in der Theologie die Abkehr bzw. den Abfall von einer Religion (in dem Fall Christentum) hin zu einer anderen Religion (hier Judentum).

9 Das 4. Konzil von Toledo nennt in Kanon 57 folgende Merkmale des Christseins: Empfang der Taufgnade, die Salbung mit dem Chrisam und die Teilnahme an der Eucharistie (Vgl. Linder, Jews, S.486).

10 Siehe Anm.1.

11 Vgl. Bronisch, Judengesetzgebung, S.61f.

12 Auch Isidor von Sevilla hatte in seinem Werk Gothorum florentissima gens die Zwangstaufen unter Sisebut kritisiert. Er verwandte aemulatio im negativen Sinne von „eigennützigem Streben“ und „Übereifer“. Gleichzeitig wurde das Faktum der Taufe jedoch als gottgegeben hingenommen (Vgl. Drews, Judentum, S.430f). Zur ausführlichen Analyse von Isidors Kritik an der Zwangstaufe siehe ibid. S.415-455.

13 Vgl. Bronisch, Judengesetzgebung, S.62.

14 Nach theologischem Verständnis war die Weihe, auch unter Zwang, nicht wieder rückgängig zu machen. Dies bedeutete, dass getaufte Juden alle christlichen Gebote zu beachten hatten und sich lossagen mussten, von den Riten und Geboten des alten Glaubens (zur unwiderruflichen Wirksamkeit ritueller Bräuche siehe auch: Sturz des Königs Wamba (672-80) (Vgl. Dartmann, Wamba, S.53-57).

15 Non protest erga homines esse fidelis qui Deo extiterit infidus; iudaei ergo, qui dudum christiani effecti sunt et nunc in Christi fidem praevaricati sunt, ad testimonium dicendum admitti non debent. 4. Konzil von Toledo, 64. Kanon. In: Linder, Amnon: The Jews in the Legal Sources of the Early Middle Ages. Detroit/Michigan: Wayne State University Press 1997, S.490 (im Folgenden abgekürzt mit: Linder, Jews).

16 Vgl. ebd. S.487.

17 Bereits in der unklaren Terminologie der getauften Juden zeigt sich die Problematik, wie die getauften Juden sowohl rechtlich, religiös als auch sozial zu behandeln seien. So wurde zunehmend etwa auf die Differenzierung zwischen ex Iudaeis und Iudaei qui baptizati sunt verzichtet.

18 Der Eindruck, dass die offensichtlich existente Unterstützung und Schutzgewährung selbst von Seiten christlicher Gelehrter seinen Teil zur mangelhaften Durchsetzung der Zwangstaufen beigetragen hat, lässt sich zwar nur vermuten, dennoch scheint es zumindest überlegenswert, ob hier eine gewisse Empathie mit den zwangsgetauften Juden vorlag. Womöglich könnten sogar freundschaftliche Beziehungen unter einzelnen Christen und Juden eine Rolle gespielt haben.

19 „There should be […] no more association between Hebrews or those brougt over to the Christian faith and those who still persist in their ancient rite, lest they be corrupted by their company. If any of the baptized, therefore, should not henceforth avoid the company oft he infidels, the ones shall be given to Christians, while the others shall be flogged in public.“ Nulla igitur ultra communio sit hebraeis aut fidem christianam translatis cum his qui adhuc in veteri ritu consistunt, ne forte eorum participatione subvertantur. Quicumque igitur amodo ex his qui babtizati sunt infidelium consortia non vitaverint, et hii christians donentur, et illi publicis daedibus deputentur (Vgl. Linder, Jews, S.489).

20 Einen Verfechter der These, dass sich die Judengesetzgebung vor allem auf die zwangsgetauften Juden fokussierte, findet sich im bereits mehrfach zitierten Alexander Pierre Bronisch. Dem Gegenüber steht u.a. Bernhard Blumenkranz (Vgl. Juifs et chrétiens dans le monde occidental, S.111 Anm. 178).

21 Vgl. Bronisch, Judengesetzgebung, S.175.

22 Die Haltung der westgotischen Reichskirche gegenüber den zwangsgetauften Juden geht in erster Linie auf die dargelegte Sakramentstaufe inklusive der theologischen Überlegungen zurück. Das weitere postulieren und heraufbeschwören von Gefahren dürfte dann eine Folge dieser Erwägungen gewesen sein und je nach Person und Erfahrungen in ihrer Schärfe variieren.

23 Vgl. Bronisch, Judengesetzgebung, S.142f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Judentum und Christentum im Westgotenreich von Toledo. Ein Zusammenleben zwischen Konfrontation und Faszination
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
18
Katalognummer
V1158454
ISBN (Buch)
9783346555489
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Judentum, Christentum, Westgotenreich, Alte Geschichte, Iberische Halbinsel, Toledo, Antijüdische Gesetzgebung
Arbeit zitieren
Bela Selzer (Autor:in), 2021, Judentum und Christentum im Westgotenreich von Toledo. Ein Zusammenleben zwischen Konfrontation und Faszination, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158454

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