Einsatz der Szenario-Technik zur Planung unternehmerischer Entscheidungen


Referat (Ausarbeitung), 2006

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Definition und Problemstellung
1.1 Herkunft und Anwendung
1.2 Szenario-Trichter

2 Die Phasen der Szenario-Technik
2.1 Problem- und Aufgabenanalyse
2.2 Einfluss- und Deskriptorenanalyse
2.3 Szenarioentwicklung
2.4 Auswertung und Maßnahmen

3 Anforderungen der Szenario-Technik
3.1 Anforderungen an die Szenarien
3.2 Anforderungen an die Szenario-Schreiber

4 Nutzen und Grenzen der Szenario-Technik
4.1 Nutzen
4.2 Grenzen

5 Abschließende Betrachtung

6 Literaturverzeichnis

1 Definition und Problemstellung

Unternehmen arbeiten heute in einer komplexen Umwelt, die zunehmend durch hohe Wettbewerbsintensität und stei­genden technologischen Fortschritt bestimmt wird.

Bedingt durch die stetige Internationalisierung und Globalisierung der Märkte sowie die Implementierung von IT-Systemen zur Vernetzung nahezu sämtlicher Unternehmens­bereiche, treten die Änderungen der Unternehmensumwelt nicht nur stärker, sondern auch schneller ein. Die Möglichkeit, auf diese Rahmenbedingungen Einfluss zu nehmen oder sie zu gestalten, ist dem einzelnen Unternehmen im Regelfall nicht oder nur bedingt möglich. Die Reaktionszeiten der Unternehmen werden durch politische Barrieren, aufwändige Kapitalbeschaffung und die stärkere soziale Verantwortung gegenüber den „Stakeholdern“ verlängert.

Der daraus entstehende Konflikt, die zunehmende Notwendigkeit zum flexiblen Handeln einerseits und der von einem verschärften internationalen Wettbewerb diktierte Zwang zur Ausschöpfung von Größeneffekten andererseits stellen zusehends eine Bedrohung für die Existenz von Unternehmen wie auch ganzer Branchen dar.[1]

Mit der Szenario-Technik sollen realistische Entwicklungsmöglichkeiten bzw. -korridore in vergleichsweise ferner Zukunft und bei relativ großer Unsicherheit in Abhängigkeit von bestimmten Rahmenbedingungen aufgezeigt werden.[2]

Ziel der Szenario-Technik und deren Anwender ist es, mehrere alternative Vorstellungen der Zukunft und Entwicklungspfade dorthin zu entwerfen, um so konkrete Handlungsoptionen zu gewinnen.[3]

Da die Zukunft nicht vorausgesagt werden kann, erhält die Unternehmensleitung durch dieses Verfahren wichtige Informationen, um ihre strategische Planung gerade im Hinblick auf globale und längerfristige Fragestellungen auszurichten und auf mögliche Änderungen der Umwelt zu reagieren. Somit lässt sich die Szenario-Technik der Zukunftsforschung zuordnen.

1.1 Herkunft und Anwendung

Ihren Ursprung hat die Szenario-Technik im Militär. Um sich auf den Ernstfall vorzubereiten, haben Militärstrategen Szenarien möglicher Kriegskonstellationen entworfen und die Erfolgsaussichten möglicher Kriegsstrategien eruiert.[4]

Auch in der Theaterwissenschaft und bei der Filmproduktion spricht man von einem Szenario. Dieses Szenario bildet das Umfeld und den Rahmen, in dem sich die Handlung abspielt.

Die Einsatzmöglichkeiten der Technik sind vielfältig. Ihr Einsatz reicht über die Erforschung möglicher Entwicklungen und der Ableitung erforderlicher Reaktionen in bestimmten Unternehmensbranchen und Märkten hinaus auch in die Städteplanung und Bevölkerungsentwicklung.

Eine bekannte Studie ist „Grenzen des Wachstums“, die 1972 vom „Club of Rome“ veröffentlicht wurde. Sie beschäftigt sich mit den Konsequenzen menschlichen Wirtschaftens bis zum Jahr 2100. Die in der Studie beschriebenen Ergebnisse bei unverändertem Wirtschaften der Menschheit, die zwischen Hungersnöten und Roh­stoff­krisen liegen, sorgten für ihr besonderes Aufsehen.

Der Konzern „Shell“ hat diese Form der Zukunftsforschung bereits erfolgreich in den 70er Jahren zur Bewältigung der Ölkrise eingesetzt.

1.2 Szenario-Trichter

Als Denkmodell und zur Visualisierung möglicher Entwicklungspfade wird der sogenannte „Szenario-Trichter“ verwendet (siehe Abbildung).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung aus:

Weinbrenner, Peter: Szenariotechnik, http://www.sowi-online.de/methoden/dokumente/szenariotechnik.htm

Der engste Punkt des Trichters stellt die Gegenwart dar. Von diesem Punkt aus schreibt sich die Zeit entlang der x -Achse fort und der Trichter öffnet sich weiter. Insbesondere beim Einsatz des Trichters als Denkmodell kann man so erkennen, wie gravierend sich auch geringe Änderungen von Umweltbedingungen in der Gegenwart über die Jahre hinweg in der Zukunft auswirken können und überdies sich auch der Bereich möglicher Entwicklungen trichterförmig erweitert. Mit zunehmender Öffnung des Trichters nimmt somit auch die Unsicherheit und Komplexität eines an Vielfältigkeit gewinnenden Zukunftsbildes zu.[5]

Im Regelfall sind dem Szenario-Trichter drei mögliche Zukunftsbilder zu entnehmen:

1. Ein positives Extremszenario: Es stellt die Zukunft unter der Annahme bestmöglicher Rahmenbedingungen dar und wird am oberen Rand der Öffnung abgebildet.
2. Ein negatives Extremszenario: Hier wird der Eintritt des „Worst-Case“ angenommen, welcher sich am unteren Rand der Öffnung befindet.
3. Ein Trendszenario: Es stellt die Zukunft unter der Annahme stabiler Umweltbedingungen dar und verläuft parallel zur x -Achse über die Zeit weiter.

Ein Vorteil bei der Entwicklung jener drei Szenarien liegt darin, dass durch das positive sowie negative Extremszenario sämtliche mögliche Szenarien in der Spannweite dazwischen erfasst werden und Handlungsoptionen entnommen werden können.

Vereinfachtes Beispiel:

Das negative Extremszenario eines produzierenden Unternehmens enthält zwei wichtige Komponenten: Die starke wirtschaftliche Abhängigkeit von einem Großkunden sowie den Einkaufspreis des Rohmaterials. Im „Worst Case“ würden der Großkunde die Geschäftsbeziehung beenden und außerdem die Materialpreise steigen.

Durch die hohe Spannweite zwischen dem positiven und negativen Extremszenario wäre aber auch (nur) der mögliche Verlust des Großkunden abgebildet und das Unternehmen kann sinnvolle Handlungsoptionen ablesen und auf die veränderte Umwelt reagieren.

2 Die Phasen der Szenario-Technik

Für die Anwendung der Szenario-Technik in der Praxis ist es sinnvoll, mögliche Szenarien systematisch zu entwickeln. Aus diesem Grund erfolgt die Entwicklung in mehreren aufeinander aufbauenden Phasen, so dass die bereits erarbeiteten Ergebnisse in der jeweils folgenden Phase verwendet werden können.

Da einzelne Personen häufig nicht alle Aspekte und Zusammenhänge der Problemstellung berücksichtigen können, erfolgt die Szenario-Entwicklung regelmäßig in Arbeitsgruppen.

In der Literatur wird zwischen vier bzw. fünf Phasen unterschieden. Diese unterschiedliche Form der Betrachtung ist Resultat einer möglichen Zusammenfassung der Einfluss- und Deskriptorenanalyse in einer Phase. Innerhalb dieser Phase bauen dann die beiden Arbeitsschritte aufeinander auf.

Im Folgenden wird die 4-Phasen-Variante dargestellt.

2.1 Problem- und Aufgabenanalyse

Die Problemanalyse dient der Szenario-Vorbereitung. Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe tragen Informationen zusammen, die den „Ist-Zustand“ beschreiben. Bei den erforderlichen Informationen handelt es sich sowohl um Zahlen und Fakten, die zum Teil noch gewonnen werden müssen, als auch um herrschende Meinungen und Einstellungen.[6]

Weinbrenner gibt in dieser Phase einige Leitfragen auf, die die Problemdefinition erleichtern können:

- Welche Erscheinungen sind zu beachten?
- Wer ist betroffen?
- Welche Fakten, Hypothesen und Zusammenhänge sind bekannt?
- Durch welche Sachverhalte und Ereignisse wird das Problem als gesellschaftlich relevant und lösungsbedürftig angesehen?

Weinbrenner nennt in seinen Ausführungen ein „gesellschaftliches Problem“ als Ausgangspunkt für Szenarien.[7] Die Leitfragen sind allerdings sinngemäß für jegliche Problemstellung übertragbar.

Ziel dieser ersten Phase ist eine genaue Problembeschreibung, die als Basis für die zu entwerfenden Szenarien zuverlässig und stimmig sein muss.

[...]


[1] vgl. Meyer-Schönherr, Mirko: Szenario-Technik, 1992, S. 1

[2] vgl. Scholles, Frank: http://www.laum.uni-hannover.de/ilr/lehre/Ptm/Ptm_Szenario.htm

[3] vgl. Sprey, Michael: Zukunftsorientiertes Lernen mit der Szenario-Methode, 2003, S. 18

[4] vgl. Retzmann, Thomas: http://www.sowi-online.de/methoden/dokumente/retzmszen.htm

[5] vgl. Weinbrenner, Peter: Szenario-Technik, http://www.sowi-online.de/methoden/dokumente/

szenariotechnik.htm

[6] vgl. Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/methodik/J4X0OC,0,0,Anzeige_einer_Methode.Html?mid=275

[7] vgl. Weinbrenner, Peter: Szenario-Technik, http://www.sowi-online.de/methoden/dokumente/

szenariotechnik.htm

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Einsatz der Szenario-Technik zur Planung unternehmerischer Entscheidungen
Veranstaltung
Fachvortrag im Rahmen des Studiums zum Versicherungsbetriebswirt
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V115846
ISBN (eBook)
9783640171408
ISBN (Buch)
9783640173068
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei der Note handelt es sich um eine Gesamtnote für Text und Vortrag. Der Text wurde besser als 1,7 bewertet - es erfolgte Punktabzug aufgrund eines zu langen Vortrages. 9 Einträge im Literaturverzeichnis, davon 3 Internetquellen.
Schlagworte
Einsatz, Szenario-Technik, Planung, Entscheidungen, Fachvortrag, Rahmen, Versicherungsbetriebswirt, Szenario Technik, Szenariotechnik, DVA, Unternehmensführung, Studium, Versicherung, Analyse, Zukunft, Zukunftsforschung, Versicherungsmakler, Entscheidung
Arbeit zitieren
Matthias Vollmer (Autor), 2006, Einsatz der Szenario-Technik zur Planung unternehmerischer Entscheidungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115846

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