Schloss Runkelstein - Geschichte der Burg und Betrachtung der Bildprogramme des Westpalas


Seminararbeit, 2004

23 Seiten, Note: 1,3

Katrin Hugo (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Übersicht der Arbeit

B. Schloss Runkelstein - Geschichte der Burg und Betrachtung der Bildprogramme des Westpalas
1. Die Geschichte Schloss Runkelsteins
2. Die Bildprogramme des Westpalas
a) Der Saal der Ritter
b) Das Wappenzimmer
c) Die Kammer der Ritterspiele
d) Die Badestube
f) Der Turniersaal

C. Abschließende Betrachtungen

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

A. Übersicht der Arbeit

In meiner Arbeit befasse ich mich mit Schloss Runkelstein, das im 13. Jahrhundert bei Bozen erbaut wurde. Hauptuntersuchungsgegendstand sind dabei die Bildprogramme des Westpalas. Die Fresken dieses Gebäudes sind sehr interessant, da sich aus ihnen eine gute Darstellung des Alltagslebens und der Vergnügungen der höfischen Gesellschaft im Mittelalter ergibt.

Als Literatur dient vor allem der Ausstellungskatalog aus dem Jahr 2000. Mit dem Westpalas beschäftigt sich besonders der Aufsatz von Christina Domanski und Margit Krenn[1]. Aber auch ältere Forschungsliteratur wird hinzugezogen, hier vor allem die Werke von Nicolo´ Rasmo[2] und Otto Ritter von Lutterotti.[3] An den entsprechenden Stellen wird auch immer wieder auf weiterführende Spezialliteratur verwiesen.

Die Arbeit ist in zwei große Abschnitte gegliedert. Der erste Teil soll einen Überblick über Schloss Runkelstein geben und dabei vor allem auf die lange Geschichte des Schlosses aufzeigen. Es wird auch auf die Bedeutung eingegangen, die die Gebrüder Vintler für die Wandmalereien hatten.

Im zweiten Teil werden dann die Überreste des Bildprogramms des Westpalas untersucht. Zuerst wird auf die Besonderheiten der Bildprogramme des Westpalas hingewiesen und dabei der Zusammenhang mit der Geschichte der Familie Vintler aufgezeigt. Bei der Betrachtung der Wandmalereien wird mit dem „Saal der Ritter“ im Erdgeschoss begonnen werden. Im ersten Stock finden sich dann zwei Räume von denen sich der eine in das „Wappenzimmer“ und die „Kammer der Ritterspiele“ aufteilt. Der andere Raum in dieser Etage wird die „Badestube“ genannt. Sein Erhaltungszustand ist besonders gut. Der zweite Stock, der erst unter den Vintlern erbaut wurde, teilt sich in den „Saal der Liebespaare“ und das einst äußerst repräsentative Konzept des „Turniersaals“.

Am Ende meiner Arbeit sollen schließlich noch einige abschließende Betrachtungen stehen. Es soll auch ein Ausblick auf andere interessante Themenkomplexe zu Schloss Runkelstein gegeben werden.

B. Schloss Runkelstein - Geschichte der Burg und Betrachtung der Bildprogramme des Westpalas

1. Die Geschichte Schloss Runkelsteins

Im Gegensatz zu den meistens anderen mittelalterlichen Burgen, deren Anfänge oft im Dunkeln liegen, ist über Schloss Runkelstein eine Urkunde erhalten, die das genaue Gründungsdatum festhält. In dem Dokument vom 10. Februar 1237 gestattet es Bischof Alderich von Trient den Brüdern Friedrich und Beral von Wangen nach ihrem Willen Befestigungen und Burgen auf dem Runchenstayn[5] zu bauen. Der Bau von Schloss Runkelstein ist vor dem Hintergrund der Machtausweitung des Grafen Albert von Tirol zu sehen, die eine Allianz zwischen dem Bischof von Trient und den Herren von Wangen für beide Seiten vorteilhaft machte. Die Herren von Wangen, manchmal auch als die Herren von Wanga bezeichnet[6], gehörten wohl zu einer der wohlhabendsten und einflussreichsten Familie in der Gegend um Bozen.[7] Der Bau Runkelsteins scheint schnell vorangeschritten zu sein, da bereits aus dem Jahr 1242 eine Urkunde der Herren von Wangen erhalten ist, in der sich die Ortsangabe „ante castrum de Runkelstain“ findet.[4]

Die Geschichte der Burg ist in den nächsten Jahrzehnten stark von der Mächtekonstellation in der Gegend um Bozen geprägt worden, die sich durch das ständige Kräftespiel zwischen dem jeweiligen Bischof von Trient, dem Grafen von Tirol und der Herren von Wangen auszeichnet. So beginnt dann auch die Phase Runkelsteins, die sich durch häufige Wechsel der Besitzer auszeichnet, mit der Einnahme der Burg durch Meinhard von Tirol im Jahre 1277. Es gibt für diese Eroberung keine schriftlichen Zeugnisse mehr, es ist jedoch deutlich, dass sie mit einem beginnenden Niedergang der Familie von Wangen verbunden ist und die Burg in den nächstens Jahrzehnten unbewohnbar wird.

Das Schloss wechselt in der Folgezeit mehrmals den Besitzer[8], bis es schließlich 1385 von den reichen Bürgern Niklaus und Franz Vintler gekauft wird. Die Periode unter den Vintlern ist für den Themenkomplex der Wandmalereien von besonderer Bedeutung, da in den Jahren zwischen 1390 und 1400[9] im Zuge von Baumaßnahmen an der Burg auch die Fresken des Sommerhauses und des West- und Ostpalas entstehen. Die Burg dient nun nicht mehr als Verteidigungsanlage, sondern ist als Prunkbau und repräsentativer Sitz der Brüder Vintler zu verstehen.

Nach dem Niedergang der Vintler geht die Burg Mitte des 15. Jahrhunderts an den Landesfürsten Erzherzog Sigmund von Österreich über und bleibt bis in die 30er Jahre des 16. Jahrhunderts in landesfürstlichem Besitz. In diese Zeit fällt die Phase der ersten „Restaurationen“ auf Burg Runkelstein, die Kaiser Maximilian I. ab etwa 1502 vornehmen ließ. Bei der Bearbeitung der Fresken wurde jedoch vorwiegend nicht darauf geachtet, die alten Bilder detailgetreu wieder herzustellen. Vielmehr wurden die alten Malereien zum Teil durch neue, dem aktuellen Zeitgeschmack entsprechende Zeichnungen, ersetzt.

Im Jahr 1520 leitet dann die Explosion des im Burgfried untergebrachten Pulvers den Verfall Runkelsteins ein, der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts anhält. Das Geschlecht der Liechtensteiner, in dessen Besitz sich Runkelstein seit 1538 befindet, unternimmt keinerlei Maßnahmen um den steten Niedergang der Burg aufzuhalten, der durch eine Brandkatastrophe im Jahr 1672 noch verstärkt wird. 1754 geht die Burg in den Besitz der Königin Maria Theresia über, die sie jedoch ebenfalls nur an verschiedene Eigner verpachtet.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird die Burg im Zuge der Bewegung der Romantik wieder entdeckt. Vor allem der Künstlerkreis um König Ludwig I. von Bayern ist von der malerischen Burg begeistert, aber auch weitere Herrscher, wie etwa König Otto von Griechenland, interessieren sich nun für Runkelstein. Besonders nach dem Einsturz der Nordwand des Sommerhauses 1868 wird deutlich, dass die Burg dringend ausführlicher Sanierungen bedarf. So kauft Erzherzog Johann Salvator 1881 die Burg und schenkt sie Kaiser Franz Joseph, der dann Freiherr von Schmidt mit ihrer Restaurierung beauftragt. 1893 übergibt der Kaiser Schloss Runkelstein schließlich an die Stadt Bozen, die sich dazu bereit erklärt, für den weiteren Erhalt aufzukommen.

Da die Stadt in den folgenden Jahrzehnten ihre Verpflichtungen gegenüber der Burg jedoch nicht allzu ernst nimmt, beginnt für Runkelstein bald die zweite Verfallsperiode. Vor allem während der beiden Weltkriege leiden das Gebäude und seine Fresken, da die Räume zeitweise als Verwaltungsgebäude dienen und dort auch Truppen und Flüchtlinge einquartiert werden. Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts wird dann mit den notwendigen Restaurationen und Sanierungen der Burg begonnen, so dass die Fresken heute der interessierten Öffentlichkeit zugängig sind. Seit den 90er Jahren finden auf Schloss Runkelstein auch vermehrt Ausstellungen statt.

2. Die Bildprogramme des Westpalas

Bei den Fresken des Westpalas handelt es sich, wie ja bereits erwähnt, um den erhaltenen Bestand der Wandmalereien, die von den Brüdern Vintler zwischen 1390 und 1400 in Auftrag gegeben wurden. Der heutige Bestand stammt aber nicht mehr nur aus dieser Zeit, da die ursprünglichen Zeichnungen durch Witterungseinflüsse und Übermalungen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Vor allem durch die Eingriffe Maximilians I. haben sich Veränderungen des Bildprogramms ergeben. Einige der Fresken stammen auch erst aus der Zeit seiner „Restaurationen“.

Die Bilder des Westpalas unterscheiden sich deutlich von denen der anderen Gebäude auf Runkelstein, in denen vor allem epische Stoffe künstlerisch umgesetzt wurden. Im Westpalas finden sich hingegen Szenen des höfischen Lebens. Vor allem durch Darstellungen von Jagd, Tanz, Turnieren und Minne wird die ideale Vorstellung von ritterlichen Geselligkeiten aufgezeigt.[10] Diese Form der Wandmalerei ist vor allem interessant, da die Vintler ja eigentlich gar nicht aus einem adeligen Lebensbereich stammten, sondern bürgerlicher Herkunft waren. So ist Runkelstein auch eine Demonstration und eine Symbol für den Aufstieg der Vintler und ihr neues Selbstverständnis als ein Teil der höfischen Gemeinschaft.[11]

Eine schematische Darstellung der Burg soll an dieser Stelle einen Überblick über ihre Gebäude und die Räume des Westpalas geben. Im Folgenden sollen dann die einzelnen Räume näher untersucht werden. Dabei wird mit dem „Saal der Ritter“ im Erdgeschoss begonnen werden, bevor dann die Räume des ersten und zweiten Stocks näher betrachtet werden.

[...]


[1] Christina Domanski; Margit Krenn: Die profanen Wandmalereien im Westpalas. In: Schloss Runkelstein. Die Bilderburg. Hrsg. v. der Stadt Bozen unter Mitwirkung des Südtiroler Kulturinstitutes. Bozen 2000, S. 51 - 98

[2] Nicolo´ Rasmo: Runkelstein. Bozen 1975. (= Kultur des Etschlandes 6).

[3] Otto Ritter von Lutterotti: Schloß Runkelstein bei Bozen und seine Wandgemälde. 3., vermehrte Aufl. Innsbruck 1969.

[4] Meine Darstellung der Geschichte Runkelsteins bezieht sich hauptsächlich auf die Aufsätze von Joachim Zeune und Josef Riedmann, die auch im Literaturverzeichnis aufgeführt sind. Auch in den Werken Otto Ritter von Lutterottis und Nicolo´ Rasmos finden sich historische Betrachtungen der Burg.

[5] Zeune leitet die Herkunft des Wortes von dem lateinischen Verb roncare, das mit „roden“ übersetzt wird und dem mittelhochdeutschen Wort stayn, das „Felsen“ oder auch „Burg“ bedeuten kann, ab; vgl: Joachim Zeune: Burg Runkelstein durch die Jahrhunderte: Burgenkundliche und baugeschichtliche Marginalien. In: Schloss Runkelstein. Die Bilderburg. Hrsg. v. der Stadt Bozen unter Mitwirkung des Südtiroler Kulturinstitutes. Bozen 2000, S. 31 – 48, hier S. 31.

[6] So etwa bei Rasmo: Runkelstein.

[7] Eine Stammtafel der Herren von Wangen findet sich z.B. bei Rasmo: Runkelstein, S. 7.

[8] Eine genaue Abfolge der Besitzer u.a. nachzulesen bei Lutterotti: Schloß Runkelstein, S. 5 f.

[9] Zu den genauen Gründen für diese Datierung siehe: Rasmo: Runkelstein, S. 32 f.

[10] Domanski/ Krenn: Die profanen Wandmalereien im Westpalas, S. 51.

[11] Elisabeth Vavra: >> Eines Bürgers Traum<< - Runkelstein, die Vorzeigeburg. In: Schloss Runkelstein. Die Bilderburg. Hrsg. v. der Stadt Bozen unter Mitwirkung des Südtiroler Kulturinstitutes. Bozen 2000, S. 265 - 276, hier S. 273.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Schloss Runkelstein - Geschichte der Burg und Betrachtung der Bildprogramme des Westpalas
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für deutsche Philologie, Mediävistik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V115848
ISBN (eBook)
9783640173228
ISBN (Buch)
9783640173082
Dateigröße
1758 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schloss, Runkelstein, Geschichte, Burg, Betrachtung, Bildprogramme, Westpalas, Proseminar
Arbeit zitieren
Katrin Hugo (Autor:in), 2004, Schloss Runkelstein - Geschichte der Burg und Betrachtung der Bildprogramme des Westpalas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115848

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