Konzeption und Durchführung eines Lernzirkels zum Thema „Wortarten“


Seminararbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,0

Katrin Hugo (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeines zum Lernzirkel
1.1 Begriffsklärung und Ziele
1.2 Variationsmöglichkeiten
1.3 Schwierigkeiten und Vorteile des Konzepts

2 Lernzirkel zum Thema „Wortarten“
2.1 Linguistische Analyse zum Thema „Wortarten“
2.2 Didaktische Analyse
2.3 Stationen des im Kurs erprobten Lernzirkels

3 Praktische Beispiele: „Wortarten-Haus“ und „Wortarten-Quiz“
3.1 Planung und Zielsetzung
3.2 Durchführung und Beurteilung

4 Materialien und Fotografien
4.1 Wortarten-Quiz
4.2 Wortarten-Haus

5 Literaturverzeichnis

1 Allgemeines zum Lernzirkel

1.1 Begriffsklärung und Ziele

Der Begriff Lernzirkel stammt ursprünglich aus dem Sportbereich. Hier durchlaufen Sportler im Zirkeltraining unterschiedliche Übungsstationen.[1] Seit den 80er Jahren wird der Begriff im Zusammenhang mit dem Schulunterricht verwendet, er wurde wesentlich durch das Staatliche Seminar in Sindelfingen geprägt. Umgangssprachlich und auch in der Literatur werden oft wechselnde Begriffe verwendet, es finden sich hier auch die Ausdrücke „Stationenlernen“ oder „Lernen an Stationen“. Das hinter diesen Begriffen stehene Unterrichtskonzept ist jedoch schon länger Teil der Reformpädagogik und wurde bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderst umgesetzt. Célestin Freinet[2] und Helen Parkhurst[3] begannen damit, Unterrichtsmaterialien an verschiedenen Stationen bereitzustellen und eine strenge Sitzordnung aufzulösen.[4]

Anders als im Sportunterricht, bei dem verschiedene Bewegungsmöglichkeiten angeboten werden, durchlaufen die Schüler im Deutschunterricht verschiedene Stationen zu einem größeren Themenbereich. Das Grundprinzip eines Lernzirkels stellt sich folgendermaßen dar: An verschiedenen Lernstationen werden vom Lehrer didaktisch aufbereitete Materialien zur Verfügung gestellt, das die Schüler auch ohne Erklärungen des Lehrers bearbeiten können. Die Schüler bewegen sich also einzeln oder in Gruppen durchs Klassenzimmer und bearbeiten selbstständig und in ihrem eigenen Arbeitstempo die Aufgaben. Die Aufgaben können dabei sehr verschieden sein, von kopierten Buchseiten bis hin zu konkreten Arbeitsanweisungen und Spielangeboten ist alles möglich. Auch der Schwierigkeitsgrad und die Arbeitsform können sich unterscheiden. An der Lehrkraft liegt es, den zeitlichen und organisatorischen Rahmen abzustecken und eventuell einführende und abschließende Hinweise zu geben, ansonsten soll die Aktivität des Lernens beim Schüler liegen. Der Schüler sollte deshalb auch stets die Möglichkeit haben, seine Ergebnisse an der Station selbst auf ihre Korrektheit zu überprüfen. Auch ein Laufzettel, auf dem die Schüler die bearbeiteten Stationen eintragen können, ist dabei von Vorteil.[5]

Das oberste Ziel des Lernzirkels ist es, persönliche und gute Arbeits- und Entwicklungsbedingungen für den Lernenden zu ermöglichen um den Lernvorgang optimal zu gestalten. Die Selbstständigkeit der Schüler wird gefördert, da sie sich ihre Zeit und ihre Wissensschwerpunkte selbst wählen können. Durch unterschiedliche Arbeitsformen und die Wissensvermittlung über verschiedene Sinne, wird den individuellen Möglichkeiten der Schüler Rechnung getragen. Der Lernzirkel kann außerdem das Sozialverhalten der Schüler verbessern, da sie hier oftmals auf gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit angewiesen sind.[6]

1.2 Variationsmöglichkeiten

Ein Lernzirkel ist jedoch keine genau festgelegte Unterrichtsform, sondern ein Prinzip, bei dessen Durchführung mehrere Variationen möglich sind. Prinzipiell ist es der Lehrkraft überlassen, wie viele Stationen sie zur Verfügung stellt. Unterschieden wird zum Beispiel zwischen geschlossenem Lernzirkel und offenem Lernzirkel. Beim geschlossenen Zirkel beziehen sich die einzelnen Stationen aufeinander und müssen deshalb in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen werden. Schwierigkeiten können sich ergeben, weil der Schüler so nicht mehr frei wählen kann und sich ein Andrang auf einzelne Stationen schwer vermeiden lässt. Beim offenen Zirkel liegt es an den Schülern, welche Stationen sie wann besuchen.[7]

Weitere Variationsmöglichkeiten ergeben sich durch verschiedene Arten von Stationen und unterschiedliche Konzeptionen. So ist es möglich, dass er Zirkel nur aus Pflichtstationen besteht, er kann aber auch auf Pflicht- und Wahlstationen aufgeteilt sein. Dabei kann der Lehrer auch eventuell eingreifen und einzelnen Schülern bestimmt Stationen für sie persönlich empfehlen oder sogar verordnen. Bei einer sehr selbstständig organisierten Klasse kann es den Schülern auch völlig freigestellt werden, wie viele und welche Stationen sie auswählen wollen. Ebenso kann der Lernzirkel in Zonen aufgeteilt sein und den Schülern der Arbeitsauftrag gegeben werden, aus jeder Zone eine Station auszuwählen.[8] Eine beliebte Modulation ist auch der unterteilte Lernzirkel. Um auf individuelle Schülerinteressen und Fähigkeiten einzugehen, kann der Zirkel in einen äußeren Lernzirkel, der Pflicht ist (Fundamentum) und einen inneren Zirkel, der freiwillig absolviert werden kann (Additum) aufgeteilt werden.[9] Ein solcher Lernzirkel kann durch dieses Schema ausgedrückt werden[10]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ebenfalls denkbar sind Wahlmöglichkeiten an den einzelnen Stationen. Die Schüler können dann wählen, in welcher Form sie das Material aufnehmen wollen. So kann der eine Schüler den Text lesen, während ein anderer ihn sich lieber auf Tonband anhört. Auch eine individuelle Wahl von Schwerpunkten und der Arbeitsform kann ermöglicht werden.[11]

Wichtig ist die Differenzierung nach didaktischem Ort. Hier liegt die Vorentscheidung beim Lehrer, der überlegen muss, zu welchem Zeitpunkt der Lernzirkel eingesetzt wird. Am meisten Verwendung findet der Lernzirkel gegen Schluss einer Unterrichtseinheit um das Gelernte zu sichern und zu üben. Auch der Einstieg in ein neues Themenfeld oder seine genaue Ausarbeitung sind aber über einen Lernzirkel denkbar.[12]

Der optimale Ablauf eines Lernzirkels gliedert sich in fünf verschiedene Phasen. Erwin Jürgensen unterscheidet eine Vorbereitungsphase, in der das Rahmenthema vorgestellt wird und die Kleingruppen gebildet werden und eine Orientierungsphase, in der die einzelnen Stationen näher vorgestellt werden. Nach der eigentlichen Durchführungsphase, in der die Schüler selbstständig arbeiten und der Lehrer nur als Berater fungiert, präsentieren die Gruppen in einem vierten Schritt ihre Arbeitsergebnisse. Zum Schluss sollte noch eine Vertiefung stehen, in der Probleme geklärt werden können.[13]

1.3 Schwierigkeiten und Vorteile des Konzepts

Bei der Durchführung und Planung eines Lernzirkels müssen durchaus auch einige Schwierigkeiten bewältigt werden. Eines der größten Probleme ergibt sich durch den in der Sekundarstufe praktizierten 45-Minuten-Takt. In dieser kurzen Zeit ist es kaum möglich, den Schülern ausreichend Zeit zu geben, damit die oben beschriebenen Vorteile auch wirklich funktionieren können. Der Lernzirkel muss eventuell über mehrere Stunden hinweg aufgebaut werden, was wiederum Zeit kostet und die Schüler aus dem Rhythmus bringen kann. Auch für den Lehrer erfordert die Vorbereitung eines Lernzirkels einen großen Zeit- und Materialaufwand, weswegen manche Lehrer davor zurückschrecken. Dabei muss allerdings bedacht werden, dass hier ja zumeist ein größerer Themenkomplex vorbereitet wird und die Materialien ja auch für weitere Lernzirkel wiederverwendet werden können.[14]

Für den Lehrer gestaltet es sich außerdem möglicherweise schwierig, den Überblick über die Leistungen einzelner Schüler und über den Leistungsstand der gesamten Klasse zu behalten. Unter Umständen kann es so zu Problemen bei der Notengebung kommen.[15]

Ein Problem kann sich dadurch ergeben, dass das Stationenarbeiten von den Schülern methodische Kompetenzen verlangt, die zuvor im klassischen Unterricht erworben werden müssen. Hat ein möglicherweise schwächerer Schüler diese nicht erlernt, wird er sich im Lernzirkel eventuell überfordert fühlen.[16] In diesem Zusammenhang steht auch das Problem der „Leistungsschere“, das heißt, dass die guten Schüler mit der Zeit immer besser werden und die schwächeren Schüler ihr Leistungsniveau nicht mehr erreichen können. Hier muss der Lehrer dann unter Umständen gezielt eingreifen und fördern.[17]

Doch ein gut konzipierter Lernzirkel bietet einige Vorteile gegenüber dem klassischen Unterricht. Nicht zu unterschätzen ist, dass die Schüler hier selbstständig arbeiten und sich vermehrt mit Dingen beschäftigen, die sie wirklich interessieren. Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Schüler Teile des Lernzirkels mit vorbereiten oder ihre Ergebnisse in den nächsten Zirkel mit einfließen. Hierdurch kann wesentlich wahrscheinliche eine intrinsische Lernmotivation entstehen.

Beim Lernzirkel kann jeder Schüler individuell gefördert werden. Einmal dadurch, dass er selbst seinen Schwierigkeitsgrad und sein Lerntempo bestimmen kann und zum zweiten durch gezieltes Eingreifen der Lehrkraft, die dem Schüler spezielles Material zur Verfügung stellen kann, ohne dass der Rest der Klasse vernachlässigt wird.

Da Stationenarbeit wesentlich abwechslungsreicher ist, als beispielsweise Frontalunterricht, kann der Schüler hier Materialien bearbeiten, die seiner persönlichen Lernmethode entsprechen. Der Schüler kann so selbst herausfinden, ob er eher ein auditiver, ein visueller oder ein motorischer Lerntyp ist und sich die entsprechende Wissensvermittlung aussuchen. Wie Dieter Salzgeber sagt, ist es einer der großen Vorteile des Lernzirkels, dass hier mit „Kopf, Herz und Hand“ gelernt werden kann. Durch die Stationenarbeit wird auch die soziale Kompetenz der Schüler gefördert. Durch die ständige Interaktion der Schüler, wenn es zum Beispiel darum geht, Mitschüler für eine Partner- oder Gruppenarbeit zu finden, lernen sich die Schüler besser kennen und miteinander umzugehen. Innerhalb dieser wechselnden Kleingruppen müssen Schüler ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen.[18] Schließlich wird bei dieser Form des freien Unterrichts auch mehr Rücksicht darauf genommen, dass es sich bei den Schülern um Kinder und Jugendliche handelt. Der Lernzirkel lässt mehr Bewegung im Unterricht zu und gewährt spielerische Freiheiten, die der traditionelle Unterricht nicht zulässt.[19]

[...]


[1] Klaffke: Übungszirkel zum Thema Wortarten, S. 42.

[2] Schneider: Célestin Freinet, Sp. 131.

[3] Schneider: Helen Parkhurst, Sp. 797.

[4] Hegele: Lernziel Stationenarbeit, S. 7.

[5] Grundprinzip nach Bauer: Schülergerechtes Arbeiten, S. 59 f., Thom: Lernzirkel allgemein, S. 430 und Klaffke: Übungszirkel zum Thema Wortarten, S. 42 f.

[6] Bauer: Schülergerechtes Arbeiten, S. 150 - 152.

[7] Eigel: Lernzirkel.

[8] Klaffke: Übungszirkel zum Thema Wortarten, S. 43.

[9] Thom: Lernzirkel allgemein, S. 431.

[10] aus Salzgeber: Lernen an Stationen.

[11] Klaffke: Übungszirkel zum Thema Wortarten, S. 43.

[12] Salzgeber: Lernen an Stationen.

[13] Jürgensen: Von der Klasse zum Team, S. 164 f.

[14] Bauer: Schülergerechtes Arbeiten, S. 61 und Eigel: Lernzirkel.

[15] Bauer: Schülergerechtes Arbeiten, S. 61.

[16] Salzgeber: Lernen an Stationen.

[17] Bauer: Schülergerechtes Arbeiten, S. 61.

[18] Ebd.

[19] Bauer: Schülergerechtes Arbeiten, S. 60.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Konzeption und Durchführung eines Lernzirkels zum Thema „Wortarten“
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für deutsche Philologie, Deutschdidaktik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V115849
ISBN (eBook)
9783640173235
ISBN (Buch)
9783640173099
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzeption, Durchführung, Lernzirkels, Thema, Proseminar
Arbeit zitieren
Katrin Hugo (Autor), 2005, Konzeption und Durchführung eines Lernzirkels zum Thema „Wortarten“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115849

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