Meine Arbeit soll vor dem Hintergrund der Osterweiterungen und des ersten „out-of-area“-Einsatzes näher betrachten, ob die NATO nach Wegfall des ehemaligen Feindes trotz neu formulierter Aufgabenfelder nicht doch obsolet ist oder wenn nicht, was den Fortbestand der NATO legitimiert. Wieso klopften besagte osteuropäische Staaten nach ihrer erlangten Unabhängigkeit an die Tür der NATO, nachdem die feindliche Organisation, deren Mitglied sie vorher waren, von der Bildfläche verschwunden war? Welche Interessen verfolgten Befürworter und Gegner der Osterweiterungen? Sind die Erweiterungen überhaupt sinnvoll für die NATO? Mit welcher Legitimation führte die NATO ihre Mission im Kosovo? Legte dieser Einsatz die Basis für eine neue Qualität des Bündnisses? Ab wann kann man klar von einer ‚neuen’ NATO sprechen? Was für Auswirkungen haben die Anschläge vom 11.September 2001 auf die Allianz? Abschließend soll ein Ausblick in eine mögliche Zukunft der NATO erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Was ist die neue NATO?
Einleitung
1.1. Die alte NATO
1.2. Ziele und Aufgaben im neuen sicherheitspolitischen Umfeld
2. Die NATO im Umbruch
2.1. Verteidigungskonzeptionen während des Kalten Krieges
2.1.1. Eine neue Strategie legt neue Aufgaben fest
2.2. Die erste Osterweiterung 1999
2.2.1. Die zweite Erweiterung 2004
2.2.2. Gründe für und gegen eine Osterweiterung der NATO Begleiteffekte und Konsequenzen
3. Vom Verteidigungsbündnis zur offensiven Militärallianz?
3.1. Der Fall Bosnien-Herzegowina
3.2. Der Einsatz im Kosovo
3.3. NATO und das Völkerrecht
3.4. Die Folgen des 11. Septembers
4. Die Zukunft der NATO
4.1. Sinnvolle Aufnahmen der ehemaligen WVO-Staaten?
4.2. Sicherheitspolitik in neuen Dimensionen
4.3. Out-of-area oder out-of-business
4.4. Mängel und Versäumnisse des Strategic Concepts
4.5. Obsoletes Militärbündnis?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die grundlegende Transformation der NATO nach dem Ende des Kalten Krieges, insbesondere den Wandel von einem defensiven Verteidigungsbündnis zu einer offensiven Interventionsallianz unter Berücksichtigung von Osterweiterungen und neuen Einsatzszenarien.
- Der Strategiewandel der NATO nach dem Wegfall des Warschauer Paktes.
- Die Auswirkungen und Motive der NATO-Osterweiterungen 1999 und 2004.
- Die Transformation der NATO hin zur Interventionsfähigkeit (Beispiele Bosnien/Kosovo).
- Die sicherheitspolitischen Herausforderungen und die Rolle der Allianz nach dem 11. September 2001.
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Fall Bosnien-Herzegowina
Die jugoslawische Krise 1990/91 stand nicht im Zentrum der Öffentlichkeit der internationalen Staatengemeinschaft. Die Welt schaute Ende der achtziger Jahre auf den (sicherheits-) politischen Umbruch, den der Zerfall des Ostblocks nach sich zog; und der 2.Golfkrieg sorgte des weiteren für Aufmerksamkeit und Diskussionen. Man übersah die dramatischen Veränderungen der serbischen Politik, welche zum jugoslawischen Imbroglio eskalierten.
Nach dem Zerfall des jugoslawischen Staates wurde Bosnien „zutiefst destabilisiert“. Man kann sagen, dass Jugoslawien aufgrund der vorhandenen ethnischen Gegensätze nie ein wirklich stabiler Staat gewesen war; vor allem, weil keine erfolgreiche Integration der nicht-serbischen Volksgruppen im serbisch dominierten zentralisierten System in einen gemeinsamen föderativen Staat gelang. Dennoch schienen, zumindest bis zur Desintegration Jugoslawiens, alle Nationalitäten unter dem jugoslawischen, „gemeinsamen Dach sicher“ gewesen zu sein. Die meisten nicht-serbischen Volksgruppen strebten daraufhin die Autonomie an, während die Führer der serbischen Volksgruppen die Schaffung eines Großserbiens forderten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was ist die neue NATO?: Die Einleitung beleuchtet den Strategiewandel und die Osterweiterungen als zentrale Elemente für das Fortbestehen der NATO nach dem Kalten Krieg.
2. Die NATO im Umbruch: Dieses Kapitel analysiert die historischen Verteidigungskonzeptionen sowie den Prozess und die Motive der Osterweiterungen 1999 und 2004.
3. Vom Verteidigungsbündnis zur offensiven Militärallianz?: Es wird der Wandel der NATO anhand konkreter Einsätze in Bosnien und Kosovo sowie der völkerrechtlichen Problematik und der Zäsur durch den 11. September untersucht.
4. Die Zukunft der NATO: Abschließend wird die sicherheitspolitische Relevanz der Allianz, ihre interne Struktur sowie ihre Fähigkeit zur Anpassung an neue Bedrohungen kritisch hinterfragt.
Schlüsselwörter
NATO, Transformation, Verteidigungsbündnis, Interventionsallianz, Osterweiterung, Strategiewandel, Sicherheitspolitik, Krisenbewältigung, Völkerrecht, Kosovo-Krieg, 11. September, Terrorismus, Stabilität, Transatlantik, Bündnisfall
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Transformation der NATO von einem defensiven Verteidigungsbündnis des Kalten Krieges zu einer offensiven Interventionsallianz in der Zeit nach 1990.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Strategiewandel der NATO, die Osterweiterungen, die veränderte Rolle bei regionalen Konflikten (Balkan) und die Reaktion auf den Terrorismus nach dem 11. September.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die NATO ihre Existenz nach dem Wegfall des ehemaligen Feindes durch neue Aufgabenfelder und Erweiterungen legitimiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse von Bündnisstrategien, offiziellen Dokumenten (wie dem Strategic Concept) und der Auswertung sicherheitspolitischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Strategien, die Beweggründe für die Osterweiterungen, die Praxis der Kriseninterventionen und die Auswirkungen der neuen Bedrohungslage auf den Zusammenhalt des Bündnisses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie NATO-Transformation, Interventionsallianz, Osterweiterung, Out-of-area-Einsätze und sicherheitspolitische Identitätssuche geprägt.
Inwiefern beeinflussten die Anschläge vom 11. September das NATO-Verständnis?
Die Anschläge führten zur erstmaligen Aktivierung des Bündnisfalles, verdeutlichten jedoch auch, dass die USA vermehrt auf ad hoc-Koalitionen statt auf die NATO-Strukturen setzten, was den Zusammenhalt des Bündnisses vor neue Herausforderungen stellte.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Völkerrechts bei NATO-Interventionen?
Die Autorin sieht in Interventionen ohne UN-Mandat, wie im Kosovo, einen bewussten Bruch mit der ursprünglichen Selbstdefinition als reines Verteidigungsbündnis und eine Zweckentfremdung des Völkerrechts durch das Konzept der „humanitären Intervention“.
- Arbeit zitieren
- M.A. Christine So-Young Um (Autor:in), 2005, Die neue NATO, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115858