Critical Incident Techniques. Entstehung, Anwendung, Vor- und Nachteile


Seminararbeit, 2019

23 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Entstehung und Entwicklung von Critical Incident Techniques

2. Das Verfahren der CIT

3. Anwendungsbereiche der Critical Incident Technique

4. CITs und interkulturelle Kommunikation

5. Vor- und Nachteile der CI -Methode als Trainingsprogramm

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Zum ersten Mal fiel in den 1960er-Jahren der Begriff der Globalisierung, der für eine internationale Zusammenarbeit in den unterschiedlichsten Bereichen wie Wirtschaft, Umwelt und Politik steht. Globalisierung umfasst aber nicht nur Staaten oder große Unternehmen, sondern auch Einzelpersonen, die aus anderen Nationen stammen und miteinander in Verbindung treten.1

Seither haben jedoch zahlreiche Veränderungen stattgefunden, vor allem im digitalen Bereich: Durch die Entwicklung und den Ausbau der technologischen Errungenschaft des Internets ist es nun möglich geworden, nicht nur politische und wirtschaftliche Informationen auszutauschen, sondern auch Privatpersonen können weltweit über das WorldWideWeb miteinander in Kontakt treten.

Auch moderne Verkehrsmittel haben zu einer engeren Zusammenarbeit bzw. zum Aufeinandertreffen von Menschen aus allen kulturellen Kreisen geführt. Zwischenzeitlich ist das Reisen mit den unterschiedlichsten Transportmitteln wie der Bahn, dem Schiff, dem Auto und auch natürlich der Luftfahrt, für alle zugänglich und leistbar geworden. Insbesondere der Flugverkehr hat das Reisen in weit entfernte Staaten nicht nur für Politiker, Manager und Unternehmer2 ermöglicht, auch immer mehr Privatpersonen verreisen aus den unterschiedlichsten Gründen - egal ob in den Urlaub, zum neuen Arbeitsplatz, zum Studentenaustausch oder zum Praktikum - ins Ausland. Ungeachtet dessen, wie verschiedenartig die Gründe des Aufenthaltes in einem fremden Gebiet ausfallen mögen, kommt es mehr oder weniger häufig zum Kontakt bzw. kommunikativen Austausch zwischen Menschen mit kulturell anderen Ansichten und Lebensweisen. Eng verbunden mit der Globalisierung, ja sogar ein wichtiger Bestandteil dieser, ist die Kommunikation zwischen den Kulturen. Jedoch kann es aufgrund der unterschiedlichen kulturellen Herkünfte zu Schwierigkeiten und Missverständnissen kommen, den sog. „kritischen Ereignissen“ oder „ Critical Incidents“.

Um Missverständnisse und Fehlverhalten zu vermeiden - hier ist der Bezug zur Semiotik zu finden -, müssen einige Verhaltensregeln anderer Zivilisationen verstanden, entsprechend gedeutet und interpretiert werden, sodass anschließend auf eine spezielle Situation richtig reagiert werden kann. Somit können die Darstellung und Auslegung eines kritischen Ereignisses als semiotischer Vorgang gesehen werden. Demzufolge gehört auch im weiteren Sinne das Erlernen einer Technik zur richtigen Deutung kritischer Ereignisse - die „ critical incident techniques“ - zum Bereich der Semiotik. Daher befasst sich diese Arbeit mit den CITs. Ausgegangen wird von den Forschungsfragen: Nach welchen Verfahren werden „ critical incident techniques “ entwickelt und wie werden sie angewendet - vor allem im Bereich der interkulturellen Kommunikation? Welche Vor- und Nachteile weisen die CITs auf?

Im ersten Teil soll die Entwicklung der CITs wiedergegeben werden, diese wird zurückführt bis zum Urheber John C. Flanagan, der diese Technik zum ersten Mal im Zusammenhang mit der US Airforce nannte.3

Anschließend soll gezeigt werden, wie die CITs im Allgemeinen analysiert und entwickelt werden aber auch wie dieser Vorgang speziell im Zusammenhang mit der interkulturellen Kommunikation durchgeführt wird.

Im darauffolgenden Kapitel sollen einige Beispiele zu der CI-Nutzung im Multiple- Choice-Verfahren genannt werden. Zu guter Letzt sollen die Vor- und Nachteile dieses Testes genannt und in einem Fazit resümiert und zusammengefasst werden.

1. Die Entstehung und Entwicklung von Critical Incident Techniques

Hans Jürgen Heringer wirft in seinem Werk Interkulturelle Kommunikation die Frage auf, wie viel wir über ein System wissen müssen, um Probleme und Fehler in der Anwendung zu vermeiden. Er erwähnt auch, dass sich viele im kulturellen und interkulturellen Diskurs von dem Gedanken leiten lassen, man müsse eine detaillierte Beschreibung der jeweiligen Kultur vorliegen haben, um gut zurechtzukommen und nirgends anzuecken.4

Können wir überhaupt so viel über eine uns fremde Kultur und ihre Gepflogenheiten in Erfahrung bringen, ohne einen Fauxpas zu begehen? Wir müssten eine Unmenge an Wissen über eine andere Kultur und deren System aufbringen, um uns in ihr zurechtzufinden.5

Erschwerend kommt, meines Erachtens hinzu, dass man nie genau sagen kann, welche Kulturstandards und Stereotypen einer fremden Gesellschaft richtig bzw. falsch sind. Nicht alle Klischees über einen bestimmten Kulturkreis müssen sich auch bewahrheiten.

Auch ist es denkbar, dass eine Kultur eine von ihr abweichende Gesellschaftsform anders wahrnimmt als eine dritte Kultur. Gewiss wird ein Deutscher von Amerikanern anders wahrgenommen als von Menschen aus Asien.

Eine Möglichkeit wäre das Lernen an Fallbeispielen. Hierbei kann exemplarisch und kompakt an einigen alltagsüblichen Fälle gelernt werden, was zum besseren Verständnis und zur Vermeidung von Fehlern benötigt wird. Genau auf diesen Lösungsansatz geht John C. Flanagan ein. In seinem Artikel The Critical Incident Technique erläutert der Autor den Begriff, der kurz „ CIT“ genannt wird. Hierbei geht er auch auf die Entstehung und Weiterentwicklung dieser Technik - die in etlichen Bereichen angewendet wird - bis heute ein. Er nennt zudem immer wieder Beispiele und Anwendungen dieser im Laufe der Zeit.6

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts führte Sir Francis Galton erste Studien in diesem Bereich durch. Aufgrund von Beobachtungstests und Protokollen zu diesen gilt Galton als erster Wegbereiter für die Critical Incidents Technique.7 Der Brite erforschte jedoch nur die Basis für die CIT, wie wir sie heute kennen. John Clemens Flanagan, der als wahrer Schöpfer dieser Technik bezeichnet werden kann, führte zu seiner Ausarbeitung der CIT Beobachtungen an der US Airforce durch.

Entwickelt und durchgeführt wurde das von ihm ausgearbeitete Verfahren im Jahr 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, um die Besatzungen der Flugzeuge zu selektieren und zu klassifizieren. Im ersten Schritt wurden die Gründe für die Fehler von tausend Anwärtern für die Flugschule erhoben. Anschließend wurden Fluglehrer und auszubildende Piloten nach den Gründen befragt, warum ein bestimmter angehender Pilot durch die Prüfung gefallen ist. Es stellte sich heraus, dass viele Angaben der Lehrenden aus Klischees und Stereotypen bestanden. Angeführt wurden u.a. unpassendes Temperament, schwaches Urteilsvermögen, nicht vorhandenes Vermögen zu fliegen sowie unzureichender Fortschritt. Dieses Verfahren galt als Grundlage für die Auswahl der Piloten. Und obwohl diese Prozedur als sinnvoll und zweckmäßig gesehen wurde, lässt Flanagan nach der Beschreibung der Studie Zweifel erkennen und gibt an, dass ein besseres Verfahren zur Auswahl dieser benötigt wird. Diese Form der Studie wurde auch in weiteren Bereichen des fliegenden Militärs angewendet: Zum Beispiel wurden mit seiner Hilfe auch fehlgeschlagene Bombenattacken analysiert. Hierbei wurden Gründe für das Misslingen des Bombeneinsatzes gesammelt. Eine weitere Studie befasste sich wiederum mit der Orientierungslosigkeit während des Flugeinsatzes. Letztere brachte einige Vorschläge zu Änderungen im Cockpit ein sowie zum Training der Flugschüler.8

Aus meiner Sicht scheint dieses Konzept im Ansatz gut zu sein. Beide Gruppen, sowohl Prüfer als auch Prüfungsteilnehmer, wurden gebeten, die Fehler während der Prüfung anzugeben. Die Aussagen beider Seiten über die Fehler während des Tests können ermittelt werden, sodass sich somit Mängel und Fehlverhalten während der Prüfung sowie während des Fliegens vermeiden lassen.

Dennoch könnten vielleicht Schwierigkeiten bei den Angaben von Prüfer und Geprüftem auftreten: Was, wenn die Aussagen zu derselben Person zu sehr voneinander abweichen? Ein Grund dafür könnte eine falsche oder schlechte Selbsteinschätzung des angehenden Piloten sein. Weiters wäre eine falsche Einschätzung des Prüfers möglich. Selbst Flanagan9 erwähnte, dass viele angegebene Gründe der Lehrer Klischees oder Stereotype waren, weshalb nicht vorurteilsfrei bewertet wurde. So scheint in der jeweiligen Situation des Prüfers, aber auch des Antretenden nicht ganz objektiv bewertet worden zu sein.

Bei einer Auswertung mit vielen Teilnehmern (bspw. mit 1.000 Prüfungskandidaten10, wie dies geschehen ist) würden einige Fehleinschätzungen das Prüfungsergebnis nicht zu sehr verfälschen. Ein falsches Urteil wäre ohnehin leicht festzustellen, denn sowohl die Selbsteinschätzung über die eigenen Flugfehler als auch die Einschätzung des Prüfers würden zu weit auseinander liegen. Demnach könnte bei den StudienteilnehmerInnen auf beiden Seiten genauer nachgefragt werden.

Man erlangte aber auch Erkenntnisse im Bereich der Orientierungslosigkeit und Schwindelattacken der Piloten. Durch die Analysierung der Gründe konnte dagegen vorgegangen werden, etwa mit Änderungen im Cockpit sowie mit besserem Training der auszubildenden Flieger.11

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gründeten einige der Psychologen, die am Projekt für die US Airforce mitwirkten, das American Institut for Research. Diese Organisation befasste sich mit Wissenschaft, aber auch mit der Ausbildung der Piloten, und war dabei nicht an Profit orientiert. Das Ziel dieser Einrichtung war es, das Verfahren, das die Psychologen bei der US Airforce anwendeten, auch bei den Studien zum menschlichen Verhalten einzusetzen. 1947 wurden die ersten Untersuchungen durchgeführt, und die Critical Incident Techniques wurden in ihrer heutigen Form entwickelt und unter ihrem aktuellen Namen bekannt. Die Studien waren als eine Art Erweiterung zu den vorangegangenen anzusehen. Man setzte sich u.a. mit dem Anforderungsprofil eines Offiziers der US Airforce auseinander. Hierbei wurden 640 Offiziere befragt; man erhielt 3.029 critical incidents, auf deren Basis 58 kritische Anforderungen entwickelt wurden, die wiederum in sechs Hauptpunkte zusammengefasst wurden. Eine ähnliche Studie erfolgte mit Airline -Piloten. Hier wurden u.a. Trainingsaufnahmen, das Verhalten der Piloten bei Unfällen sowie anonyme Befragungen dieser selbst analysiert. Daraus wurden 24 Anforderungen an den Job eines Piloten ausgearbeitet.12

Hierbei wurden die Critical Incident Techniques für die Entwicklung und Analyse zweier unterschiedlicher Berufe verwendet. Auch heute noch kann mit dieser Technik ein Anforderungsprofil für Berufsgruppen und -sparten erarbeitet werden.

1949 wurden auch außerhalb des US-Militärs Studien zu den CITs publiziert: An der Universität Pittsburgh wurden einige wissenschaftliche Forschungen im Bereich der Psychologie zum Thema CIT betrieben und Arbeiten verfasst. So wurde u.a. der Job des Zahnarztes in den Bereichen „Patient“, „Zahnarzt“ und „lehrender Zahnarzt“ untersucht. Doch auch Führungspositionen in Versicherungsagenturen wurden auf diese Weise analysiert.13

Somit lässt sich die Technik der kritischen Ereignisse nicht nur auf das System des Heeres, sondern auch in anderen - alltäglichen - beruflichen Gebieten anwenden.

Doch nicht nur in Zahnarztpraxen kam das Verfahren der CITs zum Einsatz. Die Vereinigten Staaten von Amerika bauten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre internationalen Kontakte im Bereich der Politik, der Wirtschaft und dem Heer weiter aus. Heringer erwähnt, dass ein Training für Diplomaten, Händler und militärische Mitarbeiter vonnöten gewesen sei, um sie für den Auslandsaufenthalt vorzubereiten.14 In diesem Fall werden die CITs zum ersten Mal angewendet, um den Kontakt und die Kommunikation mit anderen Kulturen zu analysieren. Wurden die CITs zuerst nur für Bereiche in demselben kulturellen System gebraucht - wie im militärischen Bereich, bei der Erstellung von Qualifikationsprofilen für Jobs und zur Kommunikation zwischen Zahnarzt und Patient - , so hatte Flanagans Technik nun im wahrsten Sinne des Wortes neue Grenzen überschritten: Die CITs wurden in der Folge für die Analyse der Kommunikation der Vereinigten Staaten mit anderen Ländern genutzt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die CIT ein bestimmtes Verfahren zum Sammeln von Verhaltensmustern in speziellen Situationen ist. Das flexible Analyseverfahren kann an die jeweilige Situation angepasst und verändert werden.

2. Das Verfahren der CIT

John Flanagan unterteilt das Analyseverfahren der CIT in ihrer heutigen Form in fünf Punkte:15

1. Festlegung der Ziele
2. Pläne und Festlegung
3. Sammeln von Daten
4. Analysieren der Daten
5. Interpretation und Berichterstattung

Im Folgenden werden die einzelnen Punkte näher beschrieben:

1. Festlegung der Ziele: Im ersten Schritt werden die Ziele des Analysegebietes ausgearbeitet. Man beschäftigt sich damit, welches Problem gelöst werden soll.
2. Pläne und Festlegung: Im nächsten Teil werden alle Gegebenheiten, die für die Evaluierung der Critical Incidents erforderlich sind, erfasst.
3. Sammeln von Daten: Anschließend werden die Daten gesammelt, und man entscheidet, welche Befragungsmethode sich für die Analyse am besten eignen würde. Dabei wird auf Einzelinterviews oder Gruppenbefragungen zurückgegriffen. Ebenso möglich sind Protokolle oder Aufzeichnungen, z.B. von Sitzungen, aber auch von Flugschreibern.
4. Analysieren der Daten: Nun werden die gewonnenen Daten ausgewertet und in Kategorien und Unterkategorien eingeteilt. In diesem Schritt werden alle ermittelten kritischen Ereignisse in Ober- und Unterbereiche eingeteilt, wie es beim Anforderungsprofil der Offiziere der Fall war: Man teilte die über dreitausend Critical Incidents 58 Kategorien zu.
5. Interpretation und Berichterstattung: Im Zuge des allerletzten Schrittes wird überprüft, ob durch die Durchführung der einzelnen Schritte der Analyse das Ergebnis richtig dargestellt wird. Schlussendlich sind aber auch die Erkenntnisse der Studie zusammenzufassen.

3. Anwendungsbereiche der Critical Incident Technique

Wenn man einen Blick auf Flanagans erwähnte Studien wirft, wird klar, dass CITs sehr vielseitig einsetzbar sind. Das Verfahren, wie es bei der US Airforce genutzt wurde, könnte man auch auf das alltägliche Berufsleben angewendet werden. Flanagans Methode lässt sich gleichfalls als Aufnahmeverfahren für Firmen oder Schulen nutzen. Auch für bereits eingestellte oder sich in Ausbildung befindende Arbeiter und Angestellte bietet die Technik der kritischen Ereignisse Vorteile: So wie Flanagan in seinen vorgelegten Studien zum Fliegen die hierbei zu vermeidenden kritischen Ereignisse analysierte - etwa Schwindel, kompliziertes Cockpit, etc. - könnte sein Verfahren auch u.a. auf das Verhalten der Mitarbeiter untereinander oder mit dem Kunden angewendet werden.

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit wären Schulen: Hier könnte das Verfahren zwischen Lehrern und Schülern, aber auch die Zusammenarbeit der Pädagogen mit den Eltern analysiert werden. Eine Analyse mit Hilfe der Critical Incident Technique wäre vor allem an Schulen mit problematischen Klassen ein guter Ansatz.

Natürlich könnte das Verfahren zur Anfertigung von Qualifikationsprofilen ebenso außerhalb des militärischen Bereiches angewendet werden, denn nicht nur für Offiziere und Flugpiloten lassen sich Kategorien und Anforderungsprofile erstellen, sondern auch für Arbeitsplätze jeglicher Art, von Managern in Führungspositionen bis hin zu Büroangestellten.

Dabei wird klar, dass kritische Situationen so gut wie in allen Bereichen des täglichen Lebens auftreten, egal ob bei Aufnahmeverfahren, Bewerbungsgesprächen oder Prüfungen, beim Kontakt mit Kunden, Schülern oder Eltern, aber auch unter Arbeitskollegen und mit den Vorgesetzen.

Nicht nur in der Arbeitswelt und im Schulalltag kann es zu kritischen Situationen kommen, denn auch innerhalb einer Familie oder im Freundeskreis können gelegentlich Begebenheiten erfolgen, die als unangenehm oder kritisch empfunden werden. Theoretisch könnte - aus meiner Sicht - auch hier Flanagans Analyseverfahren angewendet werden, z.B. in psychologischer Form im Sinne einer Familiensitzung: Dabei werden Personen interviewt sowie Protokolle verfasst, miteinander verglichen, analysiert und ausgewertet. Dies umfasst jedoch nur eine kleine Gruppe von Personen in einem sehr überschaubaren Bereich.

Schwieriger wird es allerdings, wenn Kulturen mit unterschiedlichen Denkweisen, Höflichkeitsformen und Verhaltensregeln aufeinandertreffen. Das Risiko von Fehldeutungen, falschem Verhalten und den damit verbundenen kritischen Ereignissen ist um einiges höher als bei Personen aus den gleichen kulturellen Kreisen.

4. CITs und interkulturelle Kommunikation

CITs im Zusammenhang mit interkultureller Kommunikation stellen ins Zentrum, sich mit verschiedenen und individuellen Situationen auseinanderzusetzen, die zu den kritischen Ereignissen führen.

Zur Vermeidung der kritischen Situationen werden Evaluierungen von Einzelpersonen und ihren Kenntnissen sowie ihrem Erleben durchgeführt. In vier Punkten skizziert wird eine solches Vorgehen von Hans Jürgen Heringer in Interkultureller Kommunikation:16

1. Eine Grundbedingung für diese Kategorie von Critical Incidents ist, dass zwei Kulturen (K1 und K2) aufeinandertreffen.
2. Protokolliert werden diese kritischen Ereignisse von einem Forscher (K1?).
3. Befragt werden hierbei Personen - Heringer nennt sie Erlebende (E) - aus Ki zu ihren Erfahrungen im Ausland und darüber, welche CIs ihnen widerfahren sind.
4. Nun beteiligt sich ein Partner (P) aus K2, in der E auf ein CI gestoßen ist, und ein Nutzer (N) aus K1, der etwas aus der kritischen Situation lernen will.

Im weiteren Verfahren geht man ähnlich vor wie bei der Analyse der anderen CIs:

Es soll eine Befragung mit E durchgeführt werden, die protokoliert wird. Dieser wird dazu angehalten, sich zu kritischen Szenen in der Kommunikation zwischen K1 und K2 zu äußern. Anschließend werden die angegebenen CIs von Experten aus beiden Kulturen analysiert und nach ihrer Wahrscheinlichkeit angeordnet. Jedes kritische Ereignis wird von den Experten erläutert und darauffolgend in Kategorien eingeteilt.17

[...]


1 Nayan Chanda: How Traders, Preachers, Adventurers, and Warriors shaped Globalization. Yale University Press, New Haven 2007, S. 246.

2 Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wurde im Rahmen dieser Arbeit für Personenbezeichnungen stets die männliche Variante verwendet, wobei jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen sei, dass sowohl weibliche als auch männliche Vertreter der Bezeichnung gemeint sind.

3 Vgl. John C. Flanagan: The Critical Incident Technique. In: Psychological Bulletin 51 (1954), H. 4., S. 327-358

4 Hans Jürgen Heringer: Interkulturelle Kommunikation. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG5 2017, S. 224

5 Ebd. S. 224

6 John C. Flanagan: The Critical Incident Technique. In: Psychological Bulletin 51 (1954), H. 4, S. 328­358

7 Christian Stary, Monika Maroscher, Edith Stary: Wissensmanagment in der Praxis. Methoden Werkzeuge Beispiele. München: Carl Hanser Verlag 2013, S. 33

8 John C. Flanagan: The Critical Incident Technique. In: Psychological Bulletin 51 (1954), H. 4, S. 328

9 Ebd. S. 328

10 Ebd. S. 328

11 Ebd. S. 238

12 Ebd. S. 330

13 Ebd. S. 333

14 Hans Jürgen Heringer: Interkulturelle Kommunikation. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG 5 2017, S. 228

15 John C. Flanagan: The Critical Incident Technique. In: Psychological Bulletin 51 (1954), H. 4, S 336­

16 Hans Jürgen Heringer: Interkulturelle Kommunikation. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG 5 2017, S. 225

17 Ebd. S. 226

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Critical Incident Techniques. Entstehung, Anwendung, Vor- und Nachteile
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
2
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V1158856
ISBN (Buch)
9783346559241
Sprache
Deutsch
Schlagworte
critical, incident, techniques, entstehung, anwendung, vor-, nachteile
Arbeit zitieren
Vanessa Hauser (Autor:in), 2019, Critical Incident Techniques. Entstehung, Anwendung, Vor- und Nachteile, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158856

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