Die literarische Figur der französischen Widerstandskämpferin - untersucht anhand zweier auserwählter Texte


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

23 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Elsa Triolet und Régine Deforges – zwei Autorinnen, zwei Generationen - ein historisches Ereignis

3. Zusammenfassungen
3.1 Les amants d’Avignon
3.2 La bicyclette bleue, erster Band von dreien

4. Vergleich der Résistance-Kämpferinnen Juliette Noël und Léa Delmas
4.1 Die Résistance-Kämpferin – Eine typische Frau? – Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Léa Delmas und Juliette Noël
4.2 Motive und Initiationen der Heldinnen
4.2.1 Patriotismus
4.2.2 Persönliche Gründe
4.3 Die Aufgaben der Résistance-Kämpferinnen und damit verbundene Gefahren

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Online-Quellen

1. Vorwort

Diese Arbeit beschäftigt sich unter Hinzuziehung der Erzählung Les amants d’Avignon von Elsa Triolet und des Romans La bicyclette bleue von Régine Deforges, welcher 26 Kapitel beinhaltet, mit der Rolle der Résistance-Kämpferin während der Kollaboration. Die Handlung bezieht sich auf die Jahre 1939-1941, während die Erzählung sich auf die Zeit von Winter 1941 bis Frühjahr 1942 beschränkt. La bicyclette bleue ist der erste von drei Bänden. Zwar handelt es sich in beiden Fällen hauptsächlich um Liebesgeschichten, trotzdem werden durch die Zeit des zweiten Weltkriegs, die politische Haltung und Entwicklung zu wichtigen Bestandteilen des Romans. Die Passagen, die sich thematisch mit der Liebe beschäftigen, werden ausgelassen, da sie für dieses Thema nicht relevant sind.

Zu Beginn werden die beiden Autorinnen vorgestellt, die sich mit der Zeit des Vichy-Régimes auseinandersetzten.

Um einen groben Überblick über die Geschehnisse der Werke zu haben, werden daraufhin Les amants d’Avignon und La bicyclette bleue kurz zusammengefasst.

Zunächst werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Protagonistinnen aufgezeigt. Im Anschluss werden die Motive beleuchtet, die letztendlich dazu führten, dass die Frauen sich für die Résistance entschieden haben.

Hierzu wird zunächst festgestellt, weshalb die Résistance-Kämpferin, aktueller Sekundärliteratur nach, während der Zeit des Vichy-Régimes im Kampf gegen die deutsche Besatzung Frankreichs mitgewirkt hat und welche Werte sie verteidigen wollte.

Die jeweiligen persönlichen Gründe, aus denen sich die beiden Protagonistinnen vor allem für die Arbeit in der Résistance entschieden haben, werden abschließend untersucht und verglichen.

Im Fazit werden die Erkenntnisse über die Frau in der Résistance aus der Sekundärliteratur mit der fiktiven Widerstandskämpferin aus der Literatur verglichen.

2. Elsa Triolet und Régine Deforges – zwei Autorinnen, zwei Generationen - einhistorisches Ereignis

Elsa Triolet, geborene Elsa Jurjewna Kagan, wurde am 12.9.1896 in Moskau geboren. Sie war eine russisch-französische Schriftstellerin. Triolet wuchs in einer wohlhabenden und gebildeten jüdischen Familie in Moskau auf. Ihre Mutter, Jelena Jurjewna, galt als ausgezeichnete Pianistin, ihr Vater Juri Alexandrowitsch Kagan war ein geschätzter Anwalt.[1] Sie wurde gut ausgebildet und schon als Kind sprach sie fließend Deutsch und Französisch. In Moskau studierte sie an der Bauhochschule am Institut für Architektur. Hier hatte sie Kontakt zu Majakowski (russischer Dichter und führender Vertreter des russischen Futurismus[2]) und anderen Formalisten. Mit Majakowski verbanden sie eine kurze Liebesaffäre und eine lebenslange Freundschaft.[3]

1918 schloss sie ihr Architekturstudium ab und heiratete den französischen Kavallerieoffizier André Triolet. Nach einem einjährigen Aufenthalt auf Tahiti kehrte sie 1920 nach Europa zurück und arbeitete in einem Londoner Architekturbüro. Nach einem kurzen Aufenthalt in Berlin pendelte sie zwischen 1925 und 1928 zwischen der Moskauer Intelligenzija und der Pariser Bohéme.[4] Sie begann, ihre schriftlichen Aufzeichnungen aus den vergangenen Jahren zu vollständigen Texten umzuarbeiten und 1925 kam es in Leningrad zur Veröffentlichung von À Tahiti. Es folgte der autobiografische Roman Fraise-de-Bois und 1928 Camouflage. 1928 lernte sie in Paris den Schriftsteller Louis Aragon kennen.[5] Sie verliebten sich ineinander und zogen zusammen. Sie stellte ihre schriftstellerische Arbeit in dieser Zeit zurück.[6] Erst 1938 erschien ihr Roman Bonsoir Thérèse, der ebenfalls stark biografisch von ihren Erfahrungen als Russin in Paris geprägt ist.[7] 1939 erhielt Aragon seinen Einberufungsbefehl.[8] Im Juni 1940 flüchteten sie in die noch freie Zone im französischen Süden und ließen sich in Nizza nieder, wo sie für die Résistance arbeiteten.[9] Im Sommer 1942 versteckte sich das Paar im Untergrund und lebte fortan mit gefälschten Papieren in Saint-Donat.[10] Nach der Befreiung von Paris 1944 kehrten sie dorthin zurück[11], 1945 erhielt Triolet als erste Frau den Prix Goncourt.[12] Sie starb am 16.7.1970 in Saint-Arnoult-en-Yvelines.[13]

Les amants d‘Avignon schrieb sie Anfang 1943 in der ihr verhassten Stadt Lyon. Es handelt sich somit um zeitgenössische Literatur. Die Erzählung wurde heimlich im Untergrund in den Editions de Minuit unter Pseudonym im Herbst 1943 veröffentlicht.[14]

Régine Deforges ist eine französische Schriftstellerin, die am 15.8.1935 in Montmorillon in Wien zur Welt kam . Sie ist mit dem Zeichner des Nouvel Observateur, Pierre Wiazemski, verheiratet und hat ein Kind mit ihm. In einem sehr freien, sogar ausschweifenden Ton sind ihre Romane oft feministische Plädoyers. Hierbei schützt sie das Recht der Frauen, auch in Bezug auf ihre Sexualität. Sie lässt viele Romane in der Umgebung Montmorillons stattfinden. Als Buchhändlerin zögert sie nicht, freigeistliche Werke zu publizieren. So gründete sie 1968 ihr eigenes Verlagshaus, doch das erste von ihr veröffentlichte Buch (Le Con d'Irène von Louis Aragon) musste sie am 22. März 1968 nach 48 Stunden aus dem Verkauf zurücknehmen. Sie wurde in der Folge für "Verbreitung unzüchtiger Schriften " verurteilt und man entzog ihr ihre bürgerlichen Ehrenrechte. Sie veröffentlichte dann einen Katalog von Frauen geschriebener Bücher (Les Femmes avant 1960). Sie war ebenfalls Leiterin der Gesellschaft der Literaten und Mitglied der Jury des Preises Femina, von der sie in Solidarität mit Madeleine Chapsal[15] nach deren Ausschluss zurückgetreten ist. Die auf „La bicyclette bleue“ nachfolgende historische Romanreihe hat einen großen Erfolg erzielt (mehr als zehn Millionen verkaufte Exemplare), hat aber für die Autorin einige gerichtliche Streitereien mit den Erben von Margaret Mitchell gekostet, welche vergeblich die Richter davon zu überzeugen versuchten, dass Régine Deforges die Amerikanerin kopiert habe.[16]

3. Zusammenfassungen

3.1 Les amants d’Avignon

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Erzählung spielt in dem Zeitraum von Dezember 1942 bis Frühjahr 1943. Juliette Noël, eine Stenotypistin, lebt während der Besatzungszeit Frankreichs mit Tante Aline in Lyon. Sie ziehen José, den kleinen katalanischen Waisen, den Juliette adoptiert hat, auf. Juliette ist eine sehr hübsche, sehr distanzierte, wenn nicht sogar geheimnisvolle Dame und gleichzeitig eine große Träumerin. Sie mag Lyon nicht sehr und bevorzugt Paris, wo sie aufgewachsen ist. Ihre Mutter ist früh gestorben, ihr Vater wurde nach Algerien versetzt. Was mit ihren drei jüngeren Schwestern geschehen ist, bleibt unklar, aber zu ihrem Bruder hat Juliette eine innige Beziehung. Nach dem Tod ihres Bruders beginnt sie, sich im Widerstand zu engagieren. Unter dem Decknamen Rose Toussant übernimmt sie verschiedene Aufgaben. Beispielsweise kundschaftet sie auf dem Land Unterbringungsmöglichkeiten für Verfolgte und Flüchtlinge aus oder übermittelt Geld und wichtige Dokumente zu unterschiedlichen geheimen Adressen. Neben der ständigen Angst, entdeckt und verhaftet zu werden, leidet sie unter der Kälte des Winters, schlechten Nachtquartieren sowie Hunger und ständiger Übermüdung. Durch ihre Aktivitäten im Widerstand lernt sie unter anderem Célestin in Avignon kennen. Sie verlieben sich ineinander und verbringen eine kurze glückliche Zeit miteinander, bevor Célestin sich wieder verstecken muss. Sie treffen sich im Laufe der Geschichte ein zweites Mal, wobei sie ihm das Leben rettet. Am Ende flieht Célestin aus Lyon und Juliette wird in ein sicheres Versteck zu einer Schwägerin des Doktor Arnolds – eine der zentralen Figuren des Widerstandsnetzes - gebracht.[17]

Durch die ständige Dynamik innerhalb der Erzählung wird die Gefahr, der Juliette ausgeliefert ist, verdeutlicht.

3.2 La bicyclette bleue, erster Band von dreien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Sommer 1939 lebt die 17jährige Léa Delmas, ein junges, schönes und wildes Mädchen mit ihrer großen Familie auf dem Weingut Montillac. Die männlichen Dorfbewohner von Montillac sind fast ohne Ausnahme in Léa verliebt, doch sie ist seit den Osterferien in Laurent d 'Argilat verliebt, welcher trotz starker Gefühle für Léa seine Cousine Camille, eine junge und auf Léa glanzlos und zerbrechlich wirkende Frau, heiratet. Léa will sich dafür rächen und verlobt sich so mit Camilles Bruder. Dieser kommt allerdings noch vor der Hochzeit im Krieg um. Auf der Verlobungsfeier von Laurent und Camille am 01.09.1939 trifft Léa auf François Tavernier, der ihr zunächst unheimlich ist, von dem sie sich jedoch gleichzeitig angezogen fühlt. Außerdem erfahren die anwesenden Personen auf der Feier von dem Angriff Deutschlands auf Polen. Als Léa sich bei ihren Tanten in Paris aufhält, bittet Laurent sie, sich um die mittlerweile schwangere Camille zu kümmern, während er an der Front kämpft. Seinetwegen willigt Léa ein. Als die Deutschen in Paris einmarschieren, begeben sich Léa und Camille aufgrund von Camilles angeschlagenem Gesundheitszustand erst spät auf die Flucht. Auf dieser erschießt Léa einen bewaffneten Mann, sie versuchen eine Familie zu retten und erleben die Bombardierungen der Stadt hautnah. Léa trifft abermals auf François Tavernier und von nun an ist er ihr Liebhaber. Zu Hause angekommen muss Léa mit Bestürzung erfahren, dass ihre Mutter Isabelle ebenfalls durch einen Bombenangriff ums Leben kam. Ihr Vater Pierre ist ganz verstört und spricht ständig von seiner Frau, als würde sie noch leben. Außerdem haben sich zwei deutsche Offiziere in ihrem Haus einquartiert. Somit befindet sich Léa in einer komplexen, verwirrenden Situation durch die Besatzung. Hinzu kommt, dass sich ihre große Schwester Francoise in einen der beiden Deutschen (Otto Kramer) verliebt hat, was die ganze Familie und vor allem ihr Vater ihr nicht verzeihen kann. Am Ende stirbt er sogar an diesem Kummer. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass einer seiner Brüder, der Dominikanermönch Adrien Delmas, im späteren Verlauf des Romans für die Arbeit in der Résistance an Bedeutung gewinnt. Aufgrund ihrer familiären, amourösen und freundschaftlichen Beziehungen wird Léa nach und nach zu der „Résistance-Kämpferin mit dem blauen Fahrrad“.[18]

[...]


[1] vgl. Rezvani (15).

[2] Avantgardistische Kunstbewegung.

[3] vgl. Rezvani (1995:16).

[4] ebd.17).

[5] ebd. (19).

[6] ebd. (21).

[7] ebd. (22).

[8] ebd. (23).

[9] ebd. (23).

[10] ebd. (24).

[11] ebd. (25).

[12] http://de.wikipedia.org/wiki/Elsa_Triolet, am. 10.7.2008.

[13] vgl. Rezvani (1995:13).

[14] http://www.maglm.fr/post/2007/04/30/Les-Amants-dAvignon-Elsa-Triolet, am 10.7.2008.

[15] Französische Schriftstellerin und Journalistin, http://fr.wikipedia.org/wiki/Madeleine_Chapsal am2.8.2008.

[16] http://fr.wikipedia.org/wiki/R%C3%A9gine_Deforges, am 10.7.2008.

[17] Abb. 1. Quelle unbekannt.

[18] Abb. 2 aus Deforges, Regine (1981): La bicyclette bleue (Auszug), S.10.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die literarische Figur der französischen Widerstandskämpferin - untersucht anhand zweier auserwählter Texte
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Französische Literatur der Résistance und Kollaboration
Note
3,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V115886
ISBN (eBook)
9783640174508
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
- erkennbares Engagement - zu wenig Sekundärliteratur - Textnahe Argumentation teilweise nicht überzeugend - die literaturgeschichtliche Einordung und Bewertungen kommen zu kurz- erkennbares Engagement - zu wenig Sekundärliteratur - Textnahe Argumentation teilweise nicht überzeugend - die literaturgeschichtliche Einordung und Bewertungen kommen zu kurz- erkennbares Engagement - zu wenig Sekundärliteratur - Textnahe Argumentation teilweise nicht überzeugend - die literaturgeschichtliche Einordung und Bewertungen kommen zu kurz- erkennbares Engagement - zu wenig Sekundärliteratur - Textnahe Argumentation teilweise nicht überzeugend - die literaturgeschichtliche Einordung und Bewertungen kommen zu kurz
Schlagworte
Figur, Widerstandskämpferin, Texte, Französische, Literatur, Résistance, Kollaboration
Arbeit zitieren
Lisa Mülhausen (Autor), 2008, Die literarische Figur der französischen Widerstandskämpferin - untersucht anhand zweier auserwählter Texte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115886

Kommentare

  • Andrea Gerlach am 14.9.2011

    hallo Lisa, bei allem respekt, aber Regine Deforges als verfasserin *feministischer plädoyers *zu bezeichnen, empfinde ich als zumutung.für mich ist ihr schreibstil menschen-und frauenverachtend.
    liebe grüße

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