Die Bildgestaltung von Lernmaterial


Hausarbeit, 2007
26 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Definition von Bildern

3 Die Bedeutung von Bildern
3.1 Vorteile
3.2 Nachteile

4 Die Bildarten und deren Funktionen
4.1 Logische/ analytische Bilder
4.1.1 Charts
4.1.2 Tabellen
4.1.3 Diagramme
4.2 Abbilder/ repräsentationale Bilder
4.2.1 Realistische Abbilder
4.2.2 Texturierte/ schattierte Abbilder
4.2.3 Linienabbilder/ Strichzeichnungen
4.2.4 Schematische Abbilder

5 Die kognitive Bildverarbeitung
5.1 Die voraufmerksame Verarbeitung
5.2 Die aufmerksame Verarbeitung
5.3 Die elaborative Verarbeitung
5.4 Die rekonstruktive Verarbeitung

6 Funktionen von Bildern
6.1 Aktivierungsfunktion
6.2 Konstruktionsfunktion
6.3 Fokusfunktion
6.4 Ersatzfunktionen

7 Ebenen und Sicherung des Bildverstehens
7.1 Natürliches Bildverstehen
7.1.1 Figur- Grund- Unterscheidung
7.1.2 Schattierungs- und Farbinformationen
7.1.3 Blickwinkel
7.1.4 Kontextualisierung
7.2 Indikatorisches Bildverstehen
7.2.1 Bildliche Eingriffe zur Hervorhebung der zentralen Information
7.2.2 Bildliche Eingriffe für die erfolgreiche Informationsverarbeitung

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

10 Anhang

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Bildern im Lernmaterial. Zunächst werden grundlegende Informationen zu Bildarten, deren Funktionen und dessen kognitiven Verarbeitung gegeben. Im weiteren Verlauf werden Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Gestaltung von Lernmaterial präsentiert.

1 Einleitung

Neben der Darstellung von Text ist ebenso die Verwendung von Bildern in Lehr- Lernmaterial Selbstverständlichkeit geworden. Besonders die Kognitionswissenschaften haben sich in den letzten Jahren verstärkt mit dem Gebrauch von visuellem Material beschäftigt und vielfältige Untersuchungen durchgeführt.

Aus diesem Grund befasst sich die vorliegende Arbeit mit der effektiven Vermittlung von Wissen mit Hilfe von Bildern. Ziel ist es zu klären, welches didaktische Design eine Vorlage aufweisen sollte, damit sie lernförderlich ist. Bevor darauf eingegangen werden kann, müssen grundlegende Themen behandelt werden.

Dementsprechend wird ein Überblick über die verschiedensten Strukturen und Funktionen von Bildern gegeben sowie Erklärungen zur kognitiven Verarbeitung und zu den Ebenen des Bildverstehens gemacht. Die Frage ist, wie eine Vorlage abgetastet, verstanden, verarbeitet und rekonstruiert wird. Anhand dieser Prozessbeschreibungen wird aufgezeigt, inwiefern die Fähigkeiten des Bildproduzenten und -benutzers für eine effektive Wissensvermittlung von Bedeutung sind. Es wird erläutert, welches Vorwissen der Lernende mitbringen und welche Richtlinien der Bildhersteller bei der Gestaltung einhalten sollte.

2 Definition von Bildern

In der gegenwärtigen Arbeit wird der Begriff „Bild“ als eine „zusammenfassende Kategorie von Darstellungsformen gegenüber dem reinen Text“ (Ballstaedt, 1997, S.8) verwendet. So zählen Tabellen und Diagramme genauso zu dieser Gruppe wie Abbilder. In Form von Bildern können unsere Gedanken externalisiert, gesteuert und über Zeit- und Raumgrenzen hinweg gespeichert werden. Außerdem besitzen Bilder die Fähigkeit komplexe Sachverhalte reduziert und dementsprechend vereinfacht zu visualisieren.

3 Die Bedeutung von Bildern

Ein chinesisches Sprichwort besagt „Ein Bild ist mehr wert als tausend Worte.“ Demnach wird das Bild auf eine höhere Stufe als der Text gestellt. Doch im Laufe der Zeit haben sich gegensätzliche Meinungen in Hinblick auf die Bedeutung von Bildern herausgebildet. Die eine Partei hält weiterhin an das besagte Zitat fest. Nach Ballstaedt vertreten sie Argumente, dass Abbilder selbstverständlich sind und Informationen schneller und eindeutiger vermittelt werden als sprachliche Formulierungen. (1997, S. 199) Für die andere Seite sind Bilder für die Wissensvermittlung eher wertlos, weil sie meist in verschiedener Hinsicht interpretiert werden können und nur die Oberfläche von Sachverhalten darstellen. Außerdem ruft ein reines Bild ohne Begleittext Missverständnisse beim Betrachter hervor.

Beide Parteien sind mit ihren Meinungen und entsprechenden Argumenten im Recht. Es gibt Fälle, in denen für einen Lernerfolg besser ein Bild angeboten werden sollte. Doch für andere Lerninhalte ist der Text einem Bild überlegen. Welche Darstellungsform die bessere Wahl ist, hängt von den jeweiligen zu vermittelnden Wissensinhalten ab. Jedoch gilt die Regel: Je mehr Worte gebraucht werden um einen Sachverhalt zu beschreiben, desto günstiger ist es die Inhalte in Form eines Bildes zu verpacken.

Wie sich aufgrund der widersprüchlichen Ansichten vermuten lässt, sind Bilder beim Lernprozess vor- und nachteilig. Nachfolgend wird erläutert, welche Bildeigenschaften den Wissenserwerb in welcher Weise beeinflussen.

3.1 Vorteile

Positiv an Bildern ist deren „sinnliche, anschauliche Aussagekraft von Formen, Farben und Texturen“. (Niegemann, Hessel, Hochscheid- Mauel u.a., 2004, S. 176) Durch diesen Charakter erregen sie Aufmerksamkeit und der Lernende ist motiviert sich mit den Bildinhalten auseinanderzusetzen. Sie lockern den Prozess des Wissenserwerbs auf, insbesondere beim Lernen am Computer, denn das Lesen am Bildschirm strengt schnell an. Ebenso vermitteln Bilder meist eine räumliche Orientierung, die mit Sprache schwer auszudrücken wäre. Auch haben Forschungen ergeben, dass sich das Auseinandersetzen mit anschaulichem Material positiv auf den Lernerfolg auswirkt.

3.2 Nachteile

Negativ an Bildern ist, dass Lernende die Vorlagen teilweise nur oberflächlich wahrnehmen und verarbeiten. Sie glauben nach kurzer Betrachtungszeit alle Inhalte und Zusammenhänge erfasst zu haben und wenden sich dem Bild reinen Gewissens ab. Hier bleibt der Lernerfolg meist auf der Strecke. Weiterhin kann anschauliches Material in verschiedenster Weise interpretiert werden, sodass Mehrdeutigkeiten entstehen und Lernende sich im schlimmsten Falle falsche Informationen einprägen. Ebenso „zeigen Bilder oft nur die Oberfläche von Gegenständen“. (Niegemann, Hessel, Hochscheid- Mauel u.a., 2004, S. 176) Sie besitzen nicht die Fähigkeit den Sachverhalt vollkommen aufzuzeigen. Wenn ich z.B. dem Betrachter ein Foto einer Packung Milch präsentiere, wird er kaum in der Lage sein Informationen zum Packungsinhalt (z.B. Füllhöhe) aus der Vorlage zu filtern.

4 Die Bildarten und deren Funktionen

Es gibt vielfältige Bildtypen, die starke Unterschiede in der Struktur, der Gestaltung und in den Funktionen aufweisen. Jedoch kann man die unterschiedlichen Arten von Bildern auf der Grundlage ihres Aufbaus in zwei große Familien einteilen: die logischen oder analytischen Bilder und die Abbilder oder repräsentationalen Bilder. Diese beiden Obergruppen lassen sich wie folgt nochmals untergliedern. Zu den konkreten logischen Vorlagen zählen Charts, Tabellen und Diagramme. Die Abbilder lassen sich weiter unterteilen in realistische, texturierte und schematische Abbilder, Linienabbilder sowie Piktogramme. Im Nachstehenden werden die einzelnen Bildtypen definiert und deren Funktion erklärt.

4.1 Logische/ analytische Bilder

Analytische Vorlagen stellen Strukturen dar, mit dessen Hilfe abstrakte Sachverhalte anschaulich gemacht werden. Die Darstellungen sind oft flächig. Diese Bildfamilie lässt sich als Zeichensysteme charakterisieren. Einzelnen Zeichen bzw. Gruppen von Zeichen wurden im Laufe der Zeit per Konvention Bedeutungen übertragen (z.B. deuten Pfeile immer auf relevante Bildelemente hin), die man kennen muss um diese Art von Bildern erfolgreich interpretieren zu können. Somit muss man ihre eigensinnige und schwere Sprache erlernen und sich bewusst machen, dass logische Bilder „anders ‚gelesen’ werden als Abbilder“ (Weidenmann, 1991, S. 40). Wie bereits erwähnt zählen mehrere konkrete Bildarten zu dieser Familie, welche nun näher erläutert werden.

4.1.1 Charts

Das „Chart“ ist ein englischer Begriff und heißt übersetzt „grafische Übersicht“. Nach Ballstaedt repräsentiert dieser Bildtyp „qualitative Zusammenhänge zwischen Begriffen, Kategorien und Aussagen in zweidimensionaler Anordnung“. (1997, S. 107) Besonders für unübersichtliche und komplizierte Wissensgebiete sind grafische Übersichten sehr hilfreich, denn Gedankenprozesse können in die für Charts übliche einfache und übersichtliche Struktur überführt werden. Mit dessen Hilfe ist der Betrachter in der Lage sich komplexe Sachverhalte gut einzuprägen und wieder abzurufen.

Aufgebaut ist ein Chart aus Einheiten, welche man „knots“ nennt. Diese werden in Form von Kästen, Kreisen, Ellipsen usw. präsentiert. Inhaltliche Beziehungen werden durch Verknüpfungen der einzelnen knots deutlich gemacht, welche als „links“ bezeichnet werden. Links kann man durch Linien oder Pfeile darstellen. Durch diesen Aufbau kommt die bereits erwähnte geordnete Struktur eines Charts zustande, die sich hervorragend zur Ordnung von Gedanken, zur Einprägung und Orientierung eignet. Ein Beispiel für ein typisches Chart befindet sich im Anhang (Abb.1). Hier werden knots präsentiert, die durch Linien und Pfeile miteinander verbunden sind. Das Thema wurde ins Zentrum des Bildes dargestellt und umrahmt, sodass auf den ersten Blick erkennbar wird, worum es in der Vorlage geht.

4.1.2 Tabellen

Eine Tabelle (tabella lat. = Merktäfelchen) ist eine Mischform aus Text und Diagramm. Sie beinhalten numerische oder quantitative Daten, die räumlich mithilfe von Spalten und Zeilen angeordnet sind. Es werden exakte Daten präsentiert, sodass sie demnach eine genaue Informationsentnahme erlauben.

„Zudem lassen sich (…) auch Gruppierungen und Trends ablesen“ (Weidenmann, 1991, S. 181), was allerdings schwierig ist und demzufolge interpretatorische Fähigkeiten erfordert.

Beschriftungen der Zeilen und Spalten und die Vergabe eines Tabellentitels sind Voraussetzungen für das Verstehen der Bildintention. Der Aufbau einer Tabelle wird durch die Anzahl der verwendeten Variablen bestimmt. Wenn z.B. Daten zu einer Variablen dargestellt werden, so spricht man von einer ein dimensionalen Tabelle. Weiterhin existieren noch zwei-, drei- und mehrdimensionale Tabellen. Je mehr Variablen benutzt werden, desto schwieriger ist es die Aussage der Vorlage zu durchschauen.

Damit das Verständnis jedoch sichergestellt wird, gibt es einige Gestaltungsmöglichkeiten nach denen man sich richten kann. Abbildung 2 zeigt einige solcher grafischen Mittel. Zusammenfassungen (unerwartete Todesfälle- Gesamt) wurden fett gedruckt und dadurch deutlich von den restlichen Zahlen herausgehoben. Auch ungewöhnliche Daten wurden grau hinterlegt. Der Produzent will mit diesem Design auf die relevanten Inhalte hindeuten. So fällt es dem Betrachter leichter, das Bild erfolgreich zu interpretieren.

4.1.3 Diagramme

Nach Ballstaedt repräsentieren Diagramme (griech. = geometrische Figur) „nicht sichtbare quantitative Zusammenhänge zwischen Variablen (…) durch topologische und räumliche Beziehungen zwischen einfachen grafischen Elementen“. (1997, S. 147) Einfacher gesagt, wird eine Unmenge von Daten anschaulich in Form von Balken, Linien, Punkten usw. dargestellt. Inhaltliche Beziehungen zwischen genannten Gestaltungselementen werden durch alle Dimensionen von Länge, Fläche, Farbe u.a. präsentiert. Durch die starke Verdichtung von Information wird ein Sachverhalt veranschaulicht und erlaubt dem Bildbenutzer ein einfaches Ablesen von Daten sowie die Exploration von Zusammenhängen. Das ist z.B. in der Abbildung 3 der Fall. Es wird ein Kreisdiagramm dargestellt, welches die Naturkatastrophen im 20. Jahrhundert prozentual angibt. Durch die Verdichtung der Daten ist auf den ersten Blick ersichtlich, dass über 50% aller Naturkatastrophen Erdbeben waren. Besonders mit Kreisdiagrammen lassen sich sehr gut Vergleiche anstellen.

Die quantitativen Daten in einem Diagramm sind auch auf eine Tabelle übertragbar. In beiden Darstellungsformen würden sich die gleichen Informationen wieder finden, jedoch müsste der Bildbetrachter sich die Angaben in der Tabelle mit Mühe zusammensuchen. Im Diagramm finden sich die Daten auf einen Blick. Das zeigt, dass der Produzent sich vor der Gestaltung eines Bildes im Klaren sein muss, was er mit seiner Vorlage ausdrücken will: Muss er einen Überblick über einen Sachverhalt geben oder sind konkrete Informationen wichtig, damit der Adressat die Bildaussage versteht?

4.2 Abbilder/ repräsentationale Bilder

Bei diesem Bildtyp besteht eine Ähnlichkeit zwischen den produzierten Bildobjekten und den realen existierenden Objekten. D.h. das Bild wurde durch verschiedene Techniken derart gestaltet, dass sie

„den Betrachtenden ähnliche visuelle Informationen anbieten wie ein entsprechender Realitätsausschnitt“. (Ballstaedt, 1997, S. 200) Charakteristisch für Abbilder sind, dass sie gegenüber der Realität Reduzierungen aufweisen. „Es fehlen Farben, Oberflächentexturen, Tiefenhinweise usw“. (Ballstaedt, 1997, S. 200) Doch relevante Wahrnehmungsmerkmale bleiben erhalten, sodass der Bildbenutzer problemlos die dargestellten Objekte erkennt. Es existieren vier Grundarten von Abbildern, auf die im weiteren Verlauf genauer eingegangen werden. Dabei besitzen realistische Abbilder den größten Grad an Konkretheit, schematische Abbilder sind hingegen am unkonkretesten bzw. abstraktesten.

4.2.1 Realistische Abbilder

Diese Bildart ist, wie sein Name schon zum Ausdruck bringt, sehr realitäts- bzw. wahrnehmungsnah, da sie den geringsten Abstraktions- und demzufolge höchsten Konkretheitsgrad besitzen. Der Produzent hat die Bildobjekte „von einem festen Ort und aus einer bestimmten Perspektive“ (Ballstaedt, 1997, S. 202) dargestellt um auf Aspekte, die für den Lernerfolg bedeutsam sind, hinzudeuten. Demnach kommuniziert der Hersteller visuell über das Bild mit dem Betrachter. Ein Beispiel wäre ein Foto.

4.2.2 Texturierte/ schattierte Abbilder

Auch texturierte Abbilder sind Darstellungen aus Produzentensicht und besitzen einen hohen Grad an Konkretheit wie die realistischen Abbilder. Jedoch fehlen Details und oft ein ausgefüllter Hintergrund, sodass sich der Betrachter vollkommen auf die wichtigen Bildinhalte konzentrieren kann. Vielmehr spielen Flächen, Strukturen, Körper und Formen eine Rolle bei der Gestaltung.

„Oberflächeneigenschaften und Beleuchtung sind zur Steigerung des räumlichen Eindrucks durch farbige oder graue Schraffuren und Schattierungen herausgehoben.“ (Ballstaedt, 1997, S. 203) Ballstaedt meint, wie man anhand dieses Zitates bemerkt, dass schattierte Abbilder auch teilweise farbig sein können. Niegemann hingegen erwähnt keinesfalls Farbdarstellungen, sondern ist vielmehr der Ansicht, dass diese Bildart nur „in Schwarz- Weiß“ gestaltet wird. (2004, S. 180)

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Bildgestaltung von Lernmaterial
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Professur Pädagogik des E- Learning und der Neuen Medien)
Veranstaltung
Seminar "Lernen mit Neuen Medien"
Autor
Jahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V115906
ISBN (eBook)
9783640173617
ISBN (Buch)
9783640173853
Dateigröße
1809 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildgestaltung, Lernmaterial, Seminar, Lernen, Neuen, Medien
Arbeit zitieren
Kathleen Kunert (Autor), 2007, Die Bildgestaltung von Lernmaterial, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115906

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