Elementarisierung im Religionsunterricht. Darstellung einer Unterrichtsstunde zu der biblischen Erzählung "Der barmherzige Samariter" mithilfe des Tübinger Modells


Hausarbeit, 2021

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bezug zu den Bildungsstandards

3 Vorstellung des Konzepts der Elementarisierung

4 Anwendung der Elementarisierung auf das Gleichnis „Der barmherzige Samariter“
4.1 elementare Strukturen
4.2 elementare Erfahrungen
4.3 elementare Zugänge
4.4 elementare Wahrheiten

5 Unterrichtsentwurf „Der barmherziger Samariter- Wer ist mein Nächster?“
5.1 Artikulationsschema als Gestaltungsgrundlage
5.2 Unterrichtsplanung

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der chinesische Philosoph Mengzi sagte einst: „Wenn wir stark sind in der Nächsten­liebe und danach handeln: Das ist der Weg zur Vollkommenheit.“1

Dieses Zitat beschreibt die Intention, welche Jesus den Menschen in dem Gleichnis „Der barmherzige Samariter“ vermitteln möchte. Demnach beschäftigt sich diese schriftliche Ausarbeitung mit einem der berühmtesten Gleichnissen aus dem Neuen Testament. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter wird zu dem lukanischen Son­dergut gezählt. Die biblische Erzählung und dessen Bedeutung beinhalten für die Chris­ten neben dem Gebot Gott zu achten, auch das Gebot der Nächstenliebe zu ehren. Die Beispielerzählung bildet den Rahmen für das christliche Handeln und schließt das Doppelgebot der Liebe mit ein. Da dieses Gleichnis bedeutende Glaubensinhalte des Christentums aufgreift, ist es daher umso wichtiger den Schüler/innen im Religionsun­terricht diese Thematik zu vermitteln. Gerade in der heutigen Zeit, wo Armut, Hunger­leiden, soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeit in vielen Ländern auf der Welt be­drohliche Ausmaße annehmen, sind die Nächstenliebe und die Pflicht zu Helfen von großer Wichtigkeit.

In dieser schriftlichen Ausarbeitung wird eine Unterrichtsstunde zum Gleichnis des barmherzigen Samariters gestaltet und mithilfe des Artikulationsschemas didaktisch ge­plant und strukturiert. Die Hausarbeit beginnt mit einer thematischen Einordnung in die Bildungsstandards der deutschen Bischofskonferenz. Danach erfolgt eine detaillierte Darstellung des Tübinger Modells von Karl Ernst Nipkow und Friedrich Schweitzer, in welcher die fünf Dimensionen der Elementarisierung vorgestellt werden.

Im nächsten Schritt werden die fünf Dimensionen der Elementarisierung mit dem Un­terrichtsschema in Bezug gesetzt und eingehend erläutert. Das darauffolgende Kapitel bildet den Kern der Ausarbeitung, da diese die Unterrichtsstunde zum Thema „Der barmherzige Samariter- Wer ist mein Nächster?“ vorstellt und an das Artikulations­schema von Riegel anknüpft.

Zum Schluss der Hausarbeit erfolgen eine Zusammenschau der gewonnenen Ergebnisse und eine Stellungnahme zu dem Tübinger Modell, welche mit einer Reflexion der Un­terrichtsstunde verbunden wird.

2 Bildungsstandards

Die Bildungsstandards der deutschen Bischofskonferenz für den katholischen Religi­onsunterricht geben Aufschluss darüber, welche prozess- und inhaltsbezogene Kompe­tenzen Schüler/innen am Ende der 4. Klasse aufweisen sollen. Daher ist es notwendig die Unterrichtsstunde in die Bildungsstandards einzuordnen, um diese transparent zu ge­stalten. Das Ziel des katholischen Religionsunterrichtes besteht darin, den Schüler/innen ein umfang- und lehrreiches Wissen über Gott, Jesus Christus und der Kirche an die Hand zu geben sowie ihre Glaubensvorstellungen, persönliche Haltungen und Einstel­lungen gegenüber Religionen und Glaubensinhalten zu vertiefen.

Um die Unterrichtsstunde in ihren Lernzielen zu konkretisieren, kann diese zu dem ers­ten Gegenstandsbereich: „Mensch und Welt“2 zugeordnet werden. In dem Gleichnis ler­nen die Schüler/innen unterschiedliche Weisungen Gottes, wie unteranderem auch die Nächstenliebe kennen. Ebenso werden durch die Arbeit mit dem Gleichnis den Schü- ler/innen menschliches Versagen, Ungerechtigkeit und Schuld nähergebracht.

Darüber hinaus kann die Unterrichtsthematik „Wer ist mein Nächster?“ auch in den Ge­genstandsbereich „Jesus Christus“3 integriert werden, da die Schüler/innen im weiteren Unterrichtsverlauf dazu angehalten werden Alltagssituationen aufzuführen, in welchen sie anderen Mitmenschen Nächstenliebe zeigen können. Demnach lernen die Schü- ler/innen einige wesentliche Elemente der Reich Gottes Botschaft kennen.

Zugleich kommen sie mit unterschiedlichen Personengruppen in Berührung, welche für das weitere biblische Verständnis eine elementare Bedeutung darstellt. Indem die Schü- ler/innen die Intention des Gleichnisses bearbeiten und die einzelnen Personengruppen in ihrer Funktion bzw. Wirkungsweise erforschen, erkennen sie deren Unterschiedlich­keit, welche für den Fortgang der Beispielerzählung entscheidend ist.

3 Vorstellung des Konzepts der Elementarisierung

Die Elementarisierung wird durch den deutschen Erziehungswissenschaftler Wolfgang Klafki geprägt. Seit den 1970er Jahren wird der Begriff in theologischer als auch in di­daktischer Hinsicht gebraucht und bezieht sich auf das theologische Wesentliche.4 Es geht dabei um die Vereinfachung von theologischen Inhalten.

Aus didaktischer Sichtweise kann man die Elementarisierung als einen Vorgang be­zeichnen, welche schwierige, komplexe und unverständliche theologische Sachverhalte in eine für den Schüler/in verständliche und nachvollziehbare Form überführt und diese im Religionsunterricht greifbar macht.

Karl Ernst Nipkow, ein evangelischer Tübinger Religionspädagoge, stützt sich auf den Begriff der Elementarisierung und formt daraus zusammen mit Friedrich Schweitzer ein religionsdidaktisches Konzept, welches heute als Tübinger Modell bezeichnet wird und bedeutend für die Praktische Theologie und die Religionspädagogik ist.5

Der Ansatz unterstützt Lehrende bei der Unterrichtsvorbereitung, der Durchführung so­wie bei der Nachbereitung und hilft ihnen wesentliche didaktische Schritte, wie Hand­lungs- und Sachzusammenhänge zur Unterrichtsplanung zu berücksichtigen und zu strukturieren.6 Das Modell soll die Lehrkräfte dazu befähigen die Unterrichtsvorberei­tung aus einer „Mehrperspektivität“7 zu sehen, sodass diese ganzheitlich die Elementari­sierungsschritte berücksichtigt und die Schüler/innen zum Nachdenken in Bezug auf re­ligiöse Themen anregt.

Das Tübinger Modell dient keinesfalls nur als Konzept für Lehrende. Es verknüpft bib­lische Themen mit der Lebenswelt der Schüler/innen und baut Parallelen zu ihrer Le­benswirklichkeit auf. Demnach zielt die Elementarisierung auf die Korrelationsdidaktik ab, welche eine Verbindung zu dem Leben der Schüler/innen herstellt und auf diesem Wege religiöse Fragen oder Themen behandelt bzw. beantwortet.8

Das Tübinger Modell enthält fünf Dimensionen, welche dem der Lehkraft helfen unter Berücksichtigung der darin aufgeführten Kriterien seine Unterrichtsstunde didaktisch sinnvoll zu planen und den Vorbereitungsprozess zu strukturieren.

Die erste Dimension „elementare Strukturen“ verschafft dem Lehrenden einen themati­schen Überblick, auf welche Inhalte und Zusammenhänge das jeweilige Stundenthema abzielt und welche didaktische Hilfen benötigt werden, um das Verständnis der Schü- ler/innen sicherzustellen.9

Ebenso soll die Lehrkraft den vorher ausgewählten Themenbereich für die Schüler/in- nen so erschließen, sodass dieser in der Unterrichtspraxis ohne jegliche Verständnis­probleme von diesen nachvollzogen werden kann.10 Dazu muss die Lehrkraft aus all der Fülle der gegebenen Informationen die letztendlich wesentlichen Inhalte filtern, um diese später schülergerecht zu veranschaulichen.

Die zweite Dimension, welche als „ elementare Erfahrung“ definiert wird, beschäftigt sich mit der Lebenswelt der Schüler/innen. In diesem Kontext kann man auch den Be­griff der Korrelationsdidaktik verwenden, da diese versucht, biblische Inhalte mit der Lebens- und Erfahrungswelt der Schüler und Schülerinnen zu verknüpfen.

Ebenso soll der Lehrende durch die Beschäftigung mit dem Stundenthema herausfinden, welche Vorstellungen, Interessen und Empfindungen das Thema bei den Schülern und Schülerinnen wecken.11 Daher ist es von großer Bedeutung, dass die Lehrkraft stets aufmerksam ist und Interesse am Leben ihrer Schüler/innen zeigt, sodass sie die Le­bensumstände bzw. Lebenssituationen kennt und richtig einschätzen kann.

Wenn die Lehrkraft an die Lebenssituationen und Lebenswirklichkeit der Schüler/innen anknüpft und diese mit biblischen Themen, wie beispielswiese die Arbeit an Gleichnis­sen verbindet, kann der Erfahrungshorizont und die persönliche Einstellung zum Glau­ben, zu Gott und zur Religion verändert bzw. erweitert werden.12

Mit der dritten Dimension, welche als „elementarer Zugang“ beschrieben wird, nimmt die Lehrkraft Bezug auf die entwicklungspsychologischen Hintergründe und gleicht diese an die Verständnisgrundlage der Schüler/innen an, welche je nach Klassenstufe variiert.13 Durch die vorherige Behandlung verschiedener religiöser Themen im Religi­onsunterricht, erhält die Lehrkraft Aufschluss darüber, in welcher Phase der religiösen Entwicklung sich die Schüler/innen befinden.

Eine wichtige Aufgabe der Lehrperson ist es auch, dass sie den Schüler/innen auf Au­genhöhe begegnet, sensibel auf ihre individuellen Gottesvorstellung reagiert und diese in der Unterrichtsplanung berücksichtigt.14

[...]


1 http://spruchezitatema.blogspot.com/2016/01/zitat-nachstenliebe.html (zuletzt abgerufen am 03.05.2021).

2 https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/deutsche-bischoefe/DB85.pdf (zuletzt ab­gerufen am 07.05.2021).

3 https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/deutsche-bischoefe/DB85.pdf (zuletzt ab­gerufen am 07.05.2021).

4 Hilger/Ritter (2006), 156.

5 Hilger/Ritter (2006), 157.

6 Hilger/Ritter (2006), 157.

7 Hilger/Ritter (2006), 157.

8 Hilger/Ritter (2006), 157.

9 Riegel (2014), 53

10 Riegel (2014). 53.

11 Riegel (2014), 80.

12 Riegel (2014), 81.

13 Hilger/Ritter (2006), 159.

14 Riegel (2014), 60.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Elementarisierung im Religionsunterricht. Darstellung einer Unterrichtsstunde zu der biblischen Erzählung "Der barmherzige Samariter" mithilfe des Tübinger Modells
Hochschule
Universität Siegen
Note
2,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
21
Katalognummer
V1159191
ISBN (Buch)
9783346564276
Sprache
Deutsch
Schlagworte
elementarisierung, religionsunterricht, darstellung, unterrichtsstunde, erzählung, samariter, tübinger, modells
Arbeit zitieren
Alina Entrich (Autor:in), 2021, Elementarisierung im Religionsunterricht. Darstellung einer Unterrichtsstunde zu der biblischen Erzählung "Der barmherzige Samariter" mithilfe des Tübinger Modells, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1159191

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