Giordano Brunos „Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen“: Gedanken zur Unendlichkeit des Universums.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

14 Seiten, Note: 2,0


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie Giordano Brunos

3. Naturphilosophie der Renaissance

4. Entwicklung der Weltbilder
4.1 Aristoteles
4.2 Ptolemäios
4.3 Kopernikus
4.4 Bruno

5. „Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen“
5.1 Prinzip und Ursache
5.2 Materie
5.3 Weltseele
5.4 Das Universum und das Eine

6. allgemeine Bemerkungen

7. Bibliographie

1. Einleitung

Das Sprechen über die Weltseele beginnt mit der Differenzierung zwischen Ursache und Prinzip. Eine neue Konzeption des Unendlichen wird herausgebildet. Die Untersuchung des Unendlichen erfolgt über die Materie.

2. Biographie Giordano Brunos

Giordano Bruno wurde 1548 in Nola nähe Neapel mit dem Vornamen Filippo geboren. Als er mit 15 Jahren in den Dominikanerorden eintrat bekam er den Ordensnamen Giordano. Bruno interessierte sich jedoch so stark für die Natur und die wissenschaftlichen Entdeckungen seiner Zeit und damit auch für die weltlichen Studien, dass er sich dazu entschloss, den Orden zu verlassen. Da dies damals nicht gern gesehen war, war sein darauf folgendes Leben von Wanderschaften und Reisen geprägt. Es führte ihn zuerst nach Genf und dann nach Frankreich, wo er in Paris Vorlesungen hielt. Unterbrochen wurde sein Leben in Paris von einem Aufenthalt in England, wo er in Oxford und London lebte und lehrte. Nach seiner Rückkehr nach Paris ging er nach Deutschland, um in Marburg, Wittenberg, Prag, Helmstedt und Frankfurt Zuhörer für seine Lehren zu finden. Jedoch war dies für ihn ebenso enttäuschend, wie die Tatsache, dass er keinen Verleger für seine Schriften finden konnte, da diese alle Angst vor der Inquisition und den Folgen dieser hatten. Nach 15 Jahren folgte auf Einladung eines Venezianers die Rückkehr nach Italien, aber auch der Verrat an die Inquisition und die Auslieferung nach Rom. Dort wurde er sieben Jahre gefangen gehalten und schließlich zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Am 17. Februar 1600 starb Giordano Bruno. „Als man ihm das Kruzifix vorhielt, wandte er sich mit finsterer Miene verächtlich ab.“[1]

Bruno schrieb in der italienischen Sprache und nicht auf Latein. Seine Philosophie basiert trotz Kosmologie eher auf Gefühl als auf Wissenschaft. Bezüglich seiner Werke sind außer „Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen“ (1584) auch noch „Vom Unendlichen, dem All und den Welten“ (1584), „Das Aschermittwochsmahl“, „Die Ausbreitung der triumphierenden Bestie“ und „Von den heroischen Leidenschaften“ zu nennen. Vorbild für Bruno war Thomas von Aquin. Agrippas „De occulta philosophia“ stellte sein wichtigstes Lehrbuch dar.

3. Naturphilosophie der Renaissance

Das Denken in der Renaissance ist dadurch gekennzeichnet, dass es „selbstständiger und freier [wird], die philosophische Abhängigkeit von großen Vorbildern wird geringer, und das Zeitgeistige kommt unverhüllter zum Ausdruck“[2]. Wichtig in dieser zeit ist der neue Wissenschaftsbegriff. In der italienischen Naturphilosophie ist immer noch eine neuplatonische Grundlage vorherrschend. Thematisch sind die Elementargeister und die Allbeseelung zu nennen.[3]

Der Religion bzw. Theologie steht nun die naturalistische Sichtweise gegenüber. Die Naturphilosophie in der Renaissance hängt stark mit der magisch-astrologischen Grundanschauung der Kausalität zusammen[4]. Ziel ist es, die Natur aus eigenen Anstrengungen zu erklären und zu verstehen und zwar nach „ihren eigenen Prinzipien“ (juxta propia principia). Interessant war also das „technische Funktionieren der Wirkprinzipien“[5]. Diese Kräfte lassen sich im Bereich der Himmelskörper ansiedeln. Voraussetzung ist ein immanentes Gesetz des Kosmos, d.h. eine allumfassende universale Regel. Basis für die Wahrheiten der Natur ist die Vorstellung von Alleinheit. Die Naturphilosophie der Renaissance will nicht mehr der theoretischen aristotelisch-scholastischen Wissenschaften folgen, da diese ontologische Entwürfe zum Thema haben und nicht die Natur. Den Naturphilosophen geht es um die Erklärung dafür, dass ein einzelnes Prinzip zugleich Wirkprinzip und Interpretationsprinzip der Natur ist[6]. Die grundlegenden Punkte der Philosophie Brunos sind der Panpsychismus und der Monismus[7], ebenso wie die Magie[8]. Für die Renaissancedenker sind Magie und Astrologie nicht unvereinbar. Auch bei Giordano Bruno kann man keine sichere Grenze zwischen der Magie und seiner Philosophie ziehen[9]. Hinsichtlich des Monismus treffen die mystisch-neuplatonische Ausprägung und der naturalistische Zug der Orientalen zusammen, woraus sich eine mystische Naturphilosophie entwickelt. Diese hat grundlegenden Charakter bei der Gestaltung des Weltbildes der Renaissance[10]. Den Höhepunkt bilden im 15. und 16. jahrhundert Cusanus, Paracalsus und Bruno. Dieses Weltbild aber brachte Bruno in Konflikt mit der Inquisition und führte somit zu seiner Verurteilung und Hinrichtung.

4. Entwicklung der Weltbilder

4.1 Aristoteles

Zum besseren Verständnis werde ich nun kurz auf das zugrunde liegende antike Kosmologiebild des Aristoteles eingehen.

Das Universum des Aristoteles geht auf Platon zurück. Es ist in sich abgeschlossen und unabhängig, ohne Raum und ohne etwas außerhalb seiner selbst. Materie und Raum sind untrennbar miteinander verbunden und bilden Aspekte eines gleichen Grundbestandteils der natürlichen Welt[11]. Die Sterne sind für Aristoteles unveränderliche, ewige, göttliche Wesen und der Himmel eine Kugel, da die Kugel eine vollendete Form ist und nur diese dem Himmel zukommen kann. Kreise sind ohne Anfang und Ende. Also müssen sich die Himmelskörper auf vollkommenen Kreisen bewegen, um ewig sein zu können. Da das Zentrum eines rotierenden Körpers aber ruht, ist die logische Folge für Aristoteles, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums ruht[12]. Er führt den Begriff des Äthers ein, der sich durch Ewigkeit, Unveränderlichkeit, Unzerstörbarkeit und vollkommene Kreisbewegung kennzeichnet. Aus ihm bestehen die Himmelssphären und Himmelskörper, deren Bewegung und Beschaffenheit vollkommen ist. Um die Erde herum bestehen noch 55 homozentrische himmlische Sphären, die um die Erde kreisen. Diese führen die Himmelskörper mit sich. Die äußere Sphäre ist die der Fixsterne, deren Außenfläche das Ende des Universums bestimmt. Nur der Stoff, der sich innerhalb der sublunaren Sphäre des Universums befindet, ist dem Wandel und Verfall unterworfen[13]. Der erste Beweger (= Gott) bewegt die äußerste Sphäre. Alle Sphären berühren sich jeweils und werden so von der Bewegung der Fixsternsphäre angetrieben.

[...]


[1] Störig, Hans Joachim. Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Fischer, Frankfurt a. M.: 2004, S. 339.

[2] Riekel, August. Die Philosophie der Renaissance. Reinhardt, München: 1925, S. 25.

[3] Hirschberger, Johannes. Geschichte der Philosophie. Bd. II: Neuzeit und Gegenwart. Komet, Köln: 1980, S. 37.

[4] Cassirer, Ernst. Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt: 1963, S.107.

[5] Blum, Paul Richard. Philosophieren in der Renaissance.Kohlhammer, Stuttgart: 2004, S.16.

[6] Blum, Paul Richard. Philosophieren in der Renaissance.Kohlhammer, Stuttgart: 2004, S.97.

[7] Philosophische Einheitslehre, die alle Erscheinungen auf eine einzige Grundkraft zurückführt.

[8] Yates, Frances A. Giordano Bruno in der englischen Renaissance. Wagenbach, Berlin: 1989, S.14.

[9] Cassirer, Ernst. Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt: 1963, S.108.

[10] Riekel, August. Die Philosophie der Renaissance. Reinhardt, München: 1925, S. 24.

[11] Lovell, Bernd. Das unendliche Weltall. Geschichte der Kosmologie von der Antike bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München: 1983: S. 14.

[12] Lovell, Bernd. Das unendliche Weltall. Geschichte der Kosmologie von der Antike bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München: 1983: S. 15.

[13] Lovell, Bernd. Das unendliche Weltall. Geschichte der Kosmologie von der Antike bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München: 1983: S. 16.

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Details

Titel
Giordano Brunos „Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen“: Gedanken zur Unendlichkeit des Universums.
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Hauptseminar: Die Philosophie der Renaissance von Dante bis Ficino.
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V115953
ISBN (Buch)
9783640181681
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Giordano, Brunos, Ursache, Prinzip, Einen“, Gedanken, Unendlichkeit, Universums, Hauptseminar, Philosophie, Renaissance, Dante, Ficino
Arbeit zitieren
Judith Kraut (Autor), 2008, Giordano Brunos „Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen“: Gedanken zur Unendlichkeit des Universums. , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115953

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