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Geschlecht: behindert - Besonderes Merkmal: Frau

Titel: Geschlecht: behindert - Besonderes Merkmal: Frau

Seminararbeit , 2007 , 11 Seiten , Note: 1

Autor:in: Sigrid Lang (Autor:in)

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit der Jahrhundertwende gibt es sie nun: die Trennung zwischen heimischer Reproduktionsarbeit und außerhäuslicher Erwerbsarbeit. Die Hausarbeit wurde von diesem Zeitpunkt an den Frauen zugewiesen. Unter Hausarbeit wird dabei die materielle und emotionale Versorgung aller Familienmitglieder, die Kinderbetreuung, die Pflege alter und kranker Angehöriger, die Wiederherstellung der Arbeitskraft, die Aufrechterhaltung außerfamiliärer sozialer Kontakte, die Repräsentation des sozialen Status in der Öffentlichkeit, die sexuelle Befriedigung des Ehemannes einschließlich der Sicherstellung der Fortpflanzung und natürlich auch die Organisation des Haushalts verstanden. Ein echter Full-Time-Job, den, mit geringen Abweichungen, jede Frau jeder Schicht zu verrichten hat.
Um diese Arbeitsteilung zu legitimieren wurde der weibliche Geschlechtscharakter geschaffen: Die Aufgabe wurde zur natürlichen Bestimmung der Frau, zu etwas, das jede Frau aus Liebe zu ihrem Mann machen würde. Jede Frau würde für die Liebe, für ihren Mann leben und nur mit ihm zusammen glücklich werden können. Sie nimmt den Namen des Mannes an und würde damit sein Eigentum werden, da sie zu einem eigenständigen Leben nicht fähig und auch nicht bestimmt wäre.
Aus dieser Perspektive konnte alles, was außerhalb dieses Aufgabenbereiches liegt, als naturwidrig erklärt werden.
Mit der Zeit verfestigte sich diese Haltung in den Köpfen der Menschen, die Frauen begannen selbst daran zu glauben und danach zu leben. Die Folgen dieser Sichtweise sind bis heute wirksam: die gesamte Regenerationsarbeit wurde in den familiären Raum gedrängt und verlor ihren Charakter als Arbeit, wurde unsichtbar und selbstverständlich. Da die Arbeit nur aus Liebe verrichtet werden sollte, gab es natürlich keinen Lohn. Das führte indirekt zu einer noch größeren Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern.
Es lässt sich also feststellen, dass das heutige Frauenbild kein weibliches ist, sondern ein ideologisch und kulturell geschaffenes, zum weiblichen erklärtes Modell ist. (vgl. Ehrig 1996, S. 15) Trotzdem ist unser Frauenbild, bis auf einige kleine Veränderungen, immer noch dasselbe. Eine Frau muss schön sein, Kinder kriegen uns den Haushalt führen. Eigenschaften wie Passivität, Schwäche, Aufopferungsbereitschaft, Bescheidenheit... werden bis heute der Frau zugeschrieben und von ihr erwartet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Eine Frau ist eine Frau

2 Weibliche Schönheit

3 Männer

4 Sexualität

4.1 Sexuelle Gewalt

4.2 Kinder, Kinder

5 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifischen Lebensbedingungen von behinderten Frauen in einer patriarchal geprägten Gesellschaft, wobei insbesondere die intersektionale Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der Behinderung im Fokus steht.

  • Die Konstruktion des weiblichen Geschlechtscharakters und dessen Auswirkungen auf behinderte Frauen.
  • Die gesellschaftliche Wahrnehmung von weiblicher Schönheit und deren Einfluss auf das Selbstbild behinderter Frauen.
  • Herausforderungen bei der Partnersuche und gesellschaftliche Erwartungen an Beziehungen von behinderten Menschen.
  • Spezifische Risiken bezüglich sexueller Gewalt und die Thematik der Mutterschaft bei Behinderung.
  • Die Kritik an der Gleichsetzung aller behinderten Menschen ohne Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Lebenswirklichkeiten.

Auszug aus dem Buch

1 Eine Frau ist eine Frau

Seit der Jahrhundertwende gibt es sie nun: die Trennung zwischen heimischer Reproduktionsarbeit und außerhäuslicher Erwerbsarbeit. Die Hausarbeit wurde von diesem Zeitpunkt an den Frauen zugewiesen. Unter Hausarbeit wird dabei die materielle und emotionale Versorgung aller Familienmitglieder, die Kinderbetreuung, die Pflege alter und kranker Angehöriger, die Wiederherstellung der Arbeitskraft, die Aufrechterhaltung außerfamiliärer sozialer Kontakte, die Repräsentation des sozialen Status in der Öffentlichkeit, die sexuelle Befriedigung des Ehemannes einschließlich der Sicherstellung der Fortpflanzung und natürlich auch die Organisation des Haushalts verstanden. Ein echter Full-Time-Job, den, mit geringen Abweichungen, jede Frau jeder Schicht zu verrichten hat.

Um diese Arbeitsteilung zu legitimieren wurde der weibliche Geschlechtscharakter geschaffen: Die Aufgabe wurde zur natürlichen Bestimmung der Frau, zu etwas, das jede Frau aus Liebe zu ihrem Mann machen würde. Jede Frau würde für die Liebe, für ihren Mann leben und nur mit ihm zusammen glücklich werden können. Sie nimmt den Namen des Mannes an und würde damit sein Eigentum werden, da sie zu einem eigenständigen Leben nicht fähig und auch nicht bestimmt wäre.

Aus dieser Perspektive konnte alles, was außerhalb dieses Aufgabenbereiches liegt, als naturwidrig erklärt werden.

Mit der Zeit verfestigte sich diese Haltung in den Köpfen der Menschen, die Frauen begannen selbst daran zu glauben und danach zu leben. Die Folgen dieser Sichtweise sind bis heute wirksam: die gesamte Regenerationsarbeit wurde in den familiären Raum gedrängt und verlor ihren Charakter als Arbeit, wurde unsichtbar und selbstverständlich. Da die Arbeit nur aus Liebe verrichtet werden sollte, gab es natürlich keinen Lohn. Das führte indirekt zu einer noch größeren Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Eine Frau ist eine Frau: Dieses Kapitel analysiert die historische Trennung von Erwerbs- und Reproduktionsarbeit und wie diese zur Etablierung eines ideologischen, passiven Frauenbildes führte, das behinderte Frauen zusätzlich belastet.

2 Weibliche Schönheit: Hier wird thematisiert, wie das herrschende Schönheitsideal behinderte Frauen ausgrenzt und wie Medizin und Wissenschaft versuchen, diese Frauen einer nichtbehinderten Norm anzupassen.

3 Männer: Der Abschnitt beleuchtet die Schwierigkeiten behinderter Frauen bei der Partnersuche und die Vorurteile, mit denen sie in der Gesellschaft konfrontiert sind.

4 Sexualität: Dieses Kapitel thematisiert die Tabuisierung von Sexualität bei Behinderung und geht differenziert auf die Bereiche Gewalt sowie Kinderwunsch ein.

4.1 Sexuelle Gewalt: Diese Unterkapitel belegt durch Studien das hohe Risiko behinderter Frauen, sexuelle Übergriffe zu erfahren, oft durch Personen aus ihrem sozialen Umfeld.

4.2 Kinder, Kinder: Hier werden der gesellschaftliche Druck auf behinderte Mütter sowie die Problematiken von Sterilisation und Abtreibung im Kontext von Behinderung diskutiert.

5 Resümee: Die Verfasserin zieht Bilanz und betont die Notwendigkeit, behinderte Frauen nicht nur als "behindert", sondern in ihrer geschlechtsspezifischen Identität wahrzunehmen.

Schlüsselwörter

Behinderte Frauen, Patriarchat, Diskriminierung, Double Handicap, Weiblichkeit, Geschlechterrollen, Partnerschaft, Sexuelle Gewalt, Mutterschaft, Schönheitsideal, Reproduktionsarbeit, Selbstbestimmung, Emanzipation, Frau, Behinderung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Lebensbedingungen und die spezifische Diskriminierungssituation von behinderten Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Weiblichkeit, das Schönheitsideal, Partnerschaften, sexuelle Gewalt und der Umgang mit Kinderwunsch bei behinderten Frauen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass behinderte Frauen durch die Kombination von behinderungsspezifischen und geschlechtsspezifischen Benachteiligungen (Double Handicap) marginalisiert werden und dass ein Umdenken in der Wahrnehmung notwendig ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Auswertung existierender Studien und sozialwissenschaftlicher Konzepte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu gesellschaftlichen Frauenbildern, zur Rolle von Schönheit, zur Partnersuche, zur Sexualität und zu kritischen Themen wie Gewalt und Mutterschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind behinderte Frauen, Diskriminierung, Double Handicap, Patriarchat, Selbstbestimmung und Geschlechterrollen.

Was versteht man unter dem Begriff "Double Handicap"?

Dieser Begriff beschreibt die doppelte Benachteiligung behinderter Frauen, die nicht nur aufgrund ihrer Behinderung, sondern zusätzlich aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden.

Warum wird im Text der Begriff "sexuelles Neutrum" verwendet?

Der Text beschreibt, dass behinderte Frauen von der Gesellschaft oft nicht als weibliche, sexuelle Wesen wahrgenommen werden, was die Partnersuche erschwert.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der Sterilisation im Kontext von behinderten Frauen?

Die Autorin kritisiert, dass behinderten Frauen häufig zu Sterilisationen geraten wird oder diese gar ohne Einwilligung erfolgen, um das "Problem" einer möglichen Schwangerschaft zu eliminieren.

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Details

Titel
Geschlecht: behindert - Besonderes Merkmal: Frau
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Selbstbestimmung und Emanzipation: der Paradigmenwechsel als Herausforderung in der psychosozialen Arbeit
Note
1
Autor
Sigrid Lang (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V115959
ISBN (eBook)
9783640177554
ISBN (Buch)
9783640177615
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlecht Besonderes Merkmal Frau Selbstbestimmung Emanzipation Paradigmenwechsel Herausforderung Arbeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sigrid Lang (Autor:in), 2007, Geschlecht: behindert - Besonderes Merkmal: Frau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115959
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Leseprobe aus  11  Seiten
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