Die Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten ist nicht das
erste Dokument zu Fragen des Schutzes nationaler Minderheiten, wohl aber
das umfassendste. Ihre zentrale Bedeutung liegt darin, dass der Schutz der
Rechte nationaler Minderheiten Teil völkerrechtlicher Wahrung der
Menschenrechte und Grundfreiheiten ist. Sie ist der erste internationale
völkerrechtlich verbindliche multilaterale Vertrag, da sich unterzeichnenden
Staaten verpflichten, ihr nationales Recht mit den Zielvorgaben der
Rahmenkonvention übereinstimmend zu strukturieren. Der vorliegende Textauszug aus Will Kymlickas „Multikulturalismus und
Demokratie. Über Minderheiten in Staaten und Nationen“1 stellt den Versuch
dar, eine genaue Begrifflichkeit zu finden, ohne die weder Minderheiten in
Einwanderungsgesellschaften oder Nationalstaaten charakterisiert noch ihr
Grad an Integration beurteilt werden kann. Die Schwierigkeit bei
Konfliktfragen um ethnokulturelle Gruppen in liberalen Demokratien besteht
vor allem darin, dass es weder präzise definierte Begriffe noch anwendbare
Theorien für Lösungsansätze gibt. Mit dem Augenmerk auf die
Problemstellung, ob Liberalismus und Nationalismus miteinander einhergehen
können und basierend auf einer Situationsbeschreibung des Konflikts um die
mögliche Abspaltung Quebecs von Kanada diskutiert Kymlicka
unterschiedliche Arten des Nationalismus. Die Art von Nationalismus, die in
liberalen Demokratien entsteht, ist eine andere als die allgemeine, meist
negative Vorstellung vom Begriff des Nationalismus. Um den Begriff des
Nationalismus in liberalen Systemen richtig zu begreifen, müsse man
anerkennen, dass individuelle Autonomie nur durch nationale Identität aufrechterhalten werden kann. Er vertritt den Standpunkt, dass Liberalisierung zu einer Stärkung des Nationalitätsbewusstseins führt und wirbt dafür, dass die
nationale Identität von Minderheiten nicht als Gefahr gesellschaftlicher
Desintegration, sondern eher als Möglichkeit für den Liberalismus anerkannt
werden soll.
Inhaltsverzeichnis
- Konventionsdarstellung
- Will Kymlickas „Multikulturalismus und Demokratie“
- Rainer Hofmanns „Minderheitenschutz in Europa“
- Konventionsanalyse
- Textanalyse
- Bibliographie
- Monographien / Gesamtdarstellungen
- Sammelbände oder Aufsätze aus Sammelbänden
- Wissenschaftliche Zeitschriftenaufsätze / Online-Volltext
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Essay analysiert ausgewählte Textauszüge von Will Kymlicka und Rainer Hofmann, die sich mit dem Schutz nationaler Minderheiten in Europa befassen. Ziel ist es, die Konvention zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarats zu beleuchten und die darin enthaltenen Konzepte und Problemfelder zu diskutieren.
- Definition des Begriffs „nationale Minderheit“
- Rechte und Freiheiten nationaler Minderheiten
- Zusammenhang zwischen Liberalismus und Nationalismus
- Kritik an der Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten
- Mögliche Lösungsansätze für den Schutz nationaler Minderheiten
Zusammenfassung der Kapitel
Der erste Teil des Essays stellt die Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten vor und beleuchtet die zentralen Konzepte von Will Kymlicka und Rainer Hofmann. Kymlicka argumentiert, dass der Liberalismus die nationale Identität von Minderheiten stärken kann und diese nicht als Gefahr für die gesellschaftliche Integration betrachtet werden sollte. Hofmann hingegen kritisiert die Rahmenkonvention für ihre unpräzisen Formulierungen und die fehlende Definition des Begriffs „nationale Minderheit“.
Der zweite Teil des Essays analysiert die Konvention und identifiziert einige ihrer Schwächen. Insbesondere wird die fehlende Definition des Begriffs „nationale Minderheit“ und die unklaren Formulierungen in Bezug auf die Rechte und Freiheiten nationaler Minderheiten kritisiert. Zudem wird die Möglichkeit für Staaten, bestimmte Gebiete von der Anwendung der Konvention auszuschließen, als problematisch angesehen.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen den Schutz nationaler Minderheiten, die Rahmenkonvention des Europarats, Multikulturalismus, Liberalismus, Nationalismus, Integration, Definition von Minderheiten, Rechte und Freiheiten, Kritik an der Konvention, Lösungsansätze für den Schutz nationaler Minderheiten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten?
Es ist der erste völkerrechtlich verbindliche multilaterale Vertrag, der Staaten verpflichtet, ihre Gesetze zum Schutz nationaler Minderheiten anzupassen.
Wie definiert Will Kymlicka nationale Identität?
Kymlicka argumentiert, dass individuelle Autonomie nur durch nationale Identität aufrechterhalten werden kann und fordert die Anerkennung von Minderheitenrechten im Liberalismus.
Warum wird der Begriff „nationale Minderheit“ kritisiert?
Kritiker wie Rainer Hofmann bemängeln, dass es in der Rahmenkonvention keine präzise, international anerkannte Definition des Begriffs gibt, was die Anwendung erschwert.
Können Liberalismus und Nationalismus vereinbar sein?
Ja, laut Kymlicka führt Liberalisierung oft zu einer Stärkung des Nationalitätsbewusstseins, was als Chance für gesellschaftliche Vielfalt gesehen werden sollte.
Welche Schwächen hat die Minderheitenkonvention des Europarats?
Neben der fehlenden Definition werden unklare Formulierungen und die Möglichkeit für Staaten, bestimmte Gebiete von der Anwendung auszuschließen, kritisiert.
- Citation du texte
- M.A. Christine So-Young Um (Auteur), 2004, Minderheiten in Europa und europäischen Ländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115964