Der bronzezeitliche Fernhandel am Beispiel der Phönizier


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung
1.1. Der Begriff „Fernhandel“
1.2. Bronzezeit

II. Theorie des Fernhandels
2.1. Sahlins’ Handelssysteme
2.2. Die vier „Säulen“ des Handelns

III. Fernhandel
3.1. Die Phönizier

IV. Schlussbetrachtung
4.1. Ergebnisse
4.2. „und was Historiker daraus lernen können.“

V.Literaturverzeichnis
5.1. Literatur
5.2. Abbildungsverzeichnis

I. Einführung

Was die vormoderne Zeit betrifft, muss man leider lange und so gut wie vergebens nach einer brauchbaren Definition des Begriffs „Fernhandel“ recherchieren. Zwar ist die Forschungslage zum Thema Fernhandel dank der Mediävistik recht vorzeigbar, doch leider ist die Quellenlage zum Altertum eher dürftig. Man findet viele spezifische Auseinandersetzungen des vormodernen Fernhandels, jedoch mangelt es an populär-wissenschaftlichen Gesamtdarstellungen über dieses Materie. Daher sollen die in dieser Arbeit vorgelegten Definitionsversuche auch als solche, nämlich im wörtlichen Sinne „Versuche“ angesehen werden. Anhand einer ausgewählten Theorie zum Thema Fernhandel soll ein konkretes Beispiel behandelt werden: der interkontinentale Handel der Phöniker.

Zum Schluss soll der Versuch unternommen werden, anhand der dargelegten Theorie und dem Beispiel einen Abriss über das gesamte Thema herzustellen. In diesem Zusammenhang soll auch versucht werden, die Frage des Seminartitels, nämlich „was Historiker daraus lernen können“ zu beantworten.

1.1. Der Begriff „Fernhandel“

Leider stellte sich die Recherche nach einer Definition des Begriffs

„Fernhandels“ schwieriger (und vor allem auch als weniger zufrieden stellend) als erwartet war. Das Altertum betreffend scheint es keine handfeste Begriffsbestimmung zu geben, wenn es auch eine ganze Reihe von Altertumshistorikern gibt, die sich mit dem Fernhandel auseinandersetzen. Obwohl Fernhandel bereits im Altertum eine mindestens genauso wichtige Rolle gespielt hat wie später, findet man erste konkrete Auslegungen nur in der Mediävistik.

Zwar nennt das Lexikon der Antike unter dem Titel „Handel“ charakteristische Merkmale des Fernhandels, macht hingegen aber keine genauen Differenzierungen.[1]

Es liegt ganz offensichtlich auf der Hand, dass dem ökonomischen Aspekt des Handels der Vormoderne von Altertumsforschern wenig Bedeutung beigemessen wird. Dabei spielte Handel, ganz besonders eben der Fernhandel, bereits in früher Zeit eine äußerst wichtige Rolle. Neben dem ökonomischen Aspekt auch in sozialer, kultureller und sogar politischer Hinsicht. Fernhandel war bedeutsam für die gesamte Gesellschaft. Im Gegensatz zu dem Mangel an Definitionen des Fernhandels gibt es eine Reihe von dezidierten Theoriemodellen der Funktionsweisen des Fernhandels. Diese sollen inII.näher beleuchtet werden.

1.2. Bronzezeit

Die hier in dieser Arbeit behandelten Theorien und Beispiele rund um den vormodernen Fernhandel beziehen sich auf die Bronzezeit. Mit dem Begriff Bronzezeit bezeichnet man eine Kulturperiode zwischen Ende des 3. und Anfang des 1. Jahrtausend vor Christus, in der – wie ihr Name bereits ausdrückt – Bronze das wichtigste Rohmaterial für unterschiedliche Gegenstände und Werkzeuge, z.B. Waffen oder auch Schmuck, war.

Man spricht oft vom so genannten „Dreiperiodensystem“, in welchem man die Bronzezeit zwischen Stein- und Eisenzeit eingeschoben definiert; auch wenn man die Bronzezeit in räumlicher und zeitlicher Dimension nicht wirklich mit den beiden anderen Perioden vergleichen kann. Man zählt die Bronzezeit der Kulturstufe der darin lebenden Menschen zur Urgeschichte oder Frühgeschichte. Sie ist gekennzeichnet von großen sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen. In der Fachliteratur wird noch eine Differenzierung zwischen zinnarmer und zinnreicher Bronze vorgenommen:

„Dievorhergehende Periode mit zinnarmer Bronze bildet den Übergang zwischen der Steinzeit und der Bronzezeit. Weil die Grenze zwischen zinnarmer und zinnreicher Bronze fließend ist und nur durch Analyse festgestellt werden kann, wird gewöhnlich die Periode mit zinnarmer Bronze zur Bronzezeit gerechnet.“[2]

Bronzezeitkulturen sind in Europa bekannt – z.B. Mitteleuropa, Nord-Italien, Frankreich, Südskandinavien, Baltikum, Balkangebiete, Polen; in Teilen Nordafrikas, dort vor allem im ägyptischen Niltal und Mauretanien; und in vielen Teilen Asiens: Vorder- und Zentralasien, nördliches Indien, China, südliches Sibirien, Indonesien. Wo genau Bronze zum ersten Mal bewusst hergestellt wurde, ist nicht eindeutig nachzuweisen, man geht aber von Ägypten aus (ca. 3500 v.Chr).

Mit der Verwendung von Bronze gingen mehrere Technologien einher: Bergbau als Abbautechnik und Verhüttungsmethoden zur Metallgewinnung. Durch den Bronzeguss wurden Serienfertigungen möglich und spezialisierte Handwerker konnten komplizierte, mehrteilige Formen herstellen. Dass die Verwendung von Bronze auch zu neuen Waffensystemen führte, lässt sich anhand von Funden von Schwertern, Lanzen, Helmen und Streitwagen erkennen.

Kennzeichnend für die Bronzezeit sind eine gewisse soziale Differenzierung, sichtbar durch die handwerkliche Spezialisierung für Bronzegewinnung und – bearbeitung, die soziale Hervorhebung einzelner Persönlichkeiten, belegbar durch die reiche Ausstattung von Fürstengräbern; und eine vorwiegend bäuerliche Wirtschaftsform.

Der Fernhandel entwickelte sich während der Bronzezeit weiter, Schiffbau und Seefahrt mussten betrieben werden, um die Erze von ihren Gewinnungsstätten zum Festland zu transportieren. Kupfer kam in Zypern in großen Mengen vor, Zinn in Britannien. Durch den Import-Zwang entwickelte sich ein gut organisierter Fernhandel, in dessen Zuge Bronzebarren und andere Bronzegegenstände sich als wertvolles Handelsgut eigneten.

Wenn wir in der Bronzezeit von Fernhandel sprechen, reden wir aber nicht von einer breiten Unternehmerschicht. Der Handel ist in der Regel viel mehr eng an die zentralen Residenzen gebunden, wird von ihnen angeleitet und organisiert.

II. Theorie des Fernhandels

Die Theoriemodelle des bronzezeitlichen Fernhandels sind zumeist aus Beobachtungen des Handels aus heutiger Sicht „primitiver“ Gesellschaften. Dabei gilt Theorie des Anthropologen Marshall Sahlins „ „Exchange Value and the Diplomacy of Primitive Trade”1 zu den prominentesten, auch, wenn sein Prinzip in historischer Retroperspektive angewandt als sehr unsicher und fragwürdig erscheint. Auch die Frage, in wie weit man seine theoretischen Prinzipien für allgemeingültig erklären kann, bleibt ungelöst.

Seine Theorien können helfen, längst vergessene Verfahrensweisen nachzuvollziehen, allerdings sollte man immer beachten, dass es sich bei seiner Darstellung um ein Modell handelt und nicht um durch Quellen belegte historische Gegebenheiten.

Sahlins ist der Auffassung, dass sich primitive Ökonomie jeglicher Systematisierung widersetzt und dass es fast unmöglich ist, irgendwelche Standards aufzustellen. Besonders das, was man heute „Wechselkurs“ nennt, kann man kaum erschließen. Er beschäftigt sich in seiner Theorie mit dem Tausch des Handels an sich.

2.1. Sahlins Handelssysteme

Er definiert drei Handelssysteme, die „peasant economies“2 dreier eingeborenen Völker, und erläutert sie vor dem Hintergrund ihrer geografischen Lage.

Zum einen handelt es sich um eine Inselgruppe bei New Guinea, die Huon Gulf Systems, die Vitiaz Straits und den interkulturellen Handel des nördlichen Queenslands (Australien).

In allen drei Handelssystemen spielt der Zusammenhang von Angebot und Nachfrage eine Rolle. Deutlich machen möchte ich dies anhand eines der von Sahlings aufgestellten Systeme. Bei der Handelskette von Queensland sieht es nach einem einfach gestrickten Tauschgeschäft aus:

Für 12 Speere aus dem Giftpfeil von Rochen („sting ray speers“) gibt es eine Axt. Je weiter Richtung Süden getauscht wird, erhöht sich der Gegenwert:

150 Meilen weiter südlich „kostet“ eine Axt nur noch einen Speer. Die Erklärung ist plausibel: die Quelle der Speere liegt näher am Gebiet, welches 150 Meile im Süden von Yir-Yiront liegt, dem Ausgangspunkt dieser Theorie. Veranschaulichend dargstellt ist dies in folgender Tabelle (Abb. 1):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Das Handelssystem der Vitiaz Straits erzielt den gleichen „Preiseffekt“, ist aber anders organisiert. Die Inselgruppe hat ein sog. Zentrum, Siassi (siehe auch Abbildung 1), und handelt untereinander eigentlich nicht, sondern nur die Siassi handeln mit jeder einzelnen Inselgruppe.

[...]


Anmerkungenzu I.:

[1] Zum Beispiel wird keine Unterscheidung zwischen Fern- und lokalem Handel gemacht. Der „Handel“ im Lexikon der Antike beschränkt sich auf den Fernhandel und wird so erklärt, aber als „Handel“ betitelt.

[2] „Bronzezeit“, in: Ebert, Max: Reallexikon der Vorgeschichte, Band 2, Berlin 1925, S. 179 – 183

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der bronzezeitliche Fernhandel am Beispiel der Phönizier
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Historisches Institut: Alte Geschichte)
Veranstaltung
Theorien der vormodernen Wirtschaftsgeschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V115968
ISBN (eBook)
9783640178513
ISBN (Buch)
9783640178568
Dateigröße
2328 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fernhandel, Beispiel, Phönizier, Theorien, Wirtschaftsgeschichte
Arbeit zitieren
M.A. Christine So-Young Um (Autor:in), 2005, Der bronzezeitliche Fernhandel am Beispiel der Phönizier, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115968

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