Corona stellte die Gesellschaft unter ein Brennglas und zeigte unter anderem auf, dass die digitale Welt auch ausgrenzend sein kann. Diese Thematik wird in der folgenden Studienarbeit aufgegriffen. Untersuchungsgegenstand soll die Frage, ob die Digitalisierung diskriminierend ist, sein. Hierbei werden verschiedene Formen der Diskriminierung aufgegriffen und anhand von Beispielen die jeweils angeführten Hypothesen erläutert. Mittels anschließenden Interviews mit Expert*innen verschiedener Fachgebiete werden die aufgestellten Hypothesen überprüft. In einem abschließenden Fazit soll die Leitfrage nach den diskriminierenden Elementen der Digitalisierung beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinitionen
2.1 Digitalisierung
2.2 Diskriminierung
3 Methode der Studie
4 Hypothesenaufstellung
4.1 Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, desto mehr wird Klassismus verstärkt
4.2 Wenn digitale Inventionen von weißen, in der westlichen Gesellschaft sozialisierten Menschen entwickelt werden, reproduzieren die Entwicklungen die in der dortigen Gesellschaft herrschenden Rassismen
4.3 Wenn Menschen eine Behinderung haben, grenzt sie das aus der Digitalen Welt aus
5 Fazit
5.1 Chancen und Vorteile
5.2 Wandel in der Branche
5.3 Schwierigkeiten
6 Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Frage, ob Digitalisierung diskriminierende Strukturen aufweist und verstärkt. Im Fokus steht die Analyse, inwieweit digitale Technologien gesellschaftliche Ausgrenzung – insbesondere in Bezug auf Klassismus, Rassismus und Ableismus – reproduzieren oder fördern, wobei durch qualitative Experteninterviews Hypothesen zur digitalen Spaltung überprüft werden.
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Digitalisierung und sozialer Ausgrenzung (Klassismus).
- Analyse diskriminierender Muster in Algorithmen und KI-basierten Systemen (Rassismus).
- Evaluation von Barrieren für Menschen mit Behinderungen im digitalen Raum (Ableismus).
- Identifikation von Chancen und Risiken der Digitalisierung für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe.
- Qualitative Untersuchung mittels Experteninterviews zur Verifizierung der aufgestellten Thesen.
Auszug aus dem Buch
4.1 Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, desto mehr wird Klassismus verstärkt
Die Ausgrenzung von Gruppen aufgrund ihrer sozialen Position bedingt durch den Mangel an finanziellen Ressourcen zeigt sich an Beispielen der Digitalisierung deutlich. In Deutschland lebten laut statistischem Bundesamt 2018 15,8% der Bürger*innen unter der Armutsrisikoschwelle von 1 040 Euro monatlich. Besitz und Zugang zu digitalen Speichermedien sind unabdingbar geworden.
Hinzukommt, dass gerade bei der Vielzahl an Informationsquellen eine kritische, geschulte Betrachtung der Daten notwendig wird, was ein gewisses Maß an formeller Bildung erfordert. Fragen der Bildungsgerechtigkeit gehen mit dem Erwerb digitaler Kompetenzen einher. Die Teilhabe am öffentlichen Leben fordert vermehrt digitale Kompetenzen, beispielsweise zum Beantragen eines Personalausweises.
Sozioökonomisch schwach aufgestellte Menschen, Menschen mit Behinderung oder geringem Bildungsgrad sowie ältere Generationen fehlt es zu großen Teilen an Zugängen zu passender technischer Ausstattung oder digitaler Weiterbildung. Weiter ist sichtbar, dass sich die oben genannten Gruppen häufig überschneiden: Ältere Menschen sind häufiger körperlich eingeschränkt oder betroffen von Altersarmut, finanziell Schwache erfahren häufig nicht die beste Bildungsarbeit (Hashemi, Moder, 2020, S.155ff.)
Ein weiterer zu beleuchtender Aspekt ist, dass der Zugang zu Internet auch eine Voraussetzung zur demokratischen Teilnahme an Diskursen darstellt. Gerade während der Kontaktbeschränkungen zur Corona-Pandemie stellten Abstimmungen im Internet, Diskurse in sozialen Netzwerken und digital unterschriebene Petitionen die nahe zu einzige Möglichkeit aktiv an der Demokratie teilzunehmen. Die Ausgrenzung von politischer Teilhabe mittels digitaler Medien vertieft die Klassismus geprägte Spaltung, da Machtpositionen gerade in politischen Kontexten etabliert sind und sich Bildungsarbeit auch mittels politischen Diskurses ereignet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Rolle der Digitalisierung während der Corona-Pandemie und stellt die Forschungsfrage zur diskriminierenden Natur digitaler Prozesse.
2 Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden zentrale Begriffe wie Digitalisierung, Diskriminierung sowie spezifische Formen wie Rassismus, Ableismus und Klassismus definiert.
3 Methode der Studie: Dieser Abschnitt erläutert den qualitativen Forschungsansatz, die Auswahl der Interviewpartner sowie die deduktive Inhaltsanalyse nach Mayring.
4 Hypothesenaufstellung: Hier werden drei Hypothesen zum Zusammenhang von Digitalisierung und Klassismus, Rassismus sowie Ableismus formuliert, theoretisch hergeleitet und anhand der Interviewdaten geprüft.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Verifizierung der Hypothesen zusammen und reflektiert sowohl die Risiken als auch die Chancen der Digitalisierung hinsichtlich gesellschaftlicher Inklusion.
6 Schluss: Der Schlussteil formuliert Handlungsempfehlungen für eine inklusivere Gestaltung der Digitalisierung, wie die Diversifizierung von Entwicklerteams und verpflichtende Medienkompetenzschulungen.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Diskriminierung, Klassismus, Rassismus, Ableismus, Digitale Spaltung, Inklusion, Qualitative Forschung, Algorithmen, Medienkompetenz, Teilhabe, Soziale Ungleichheit, Barrierefreiheit, Künstliche Intelligenz, Gesellschaftlicher Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die fortschreitende Digitalisierung diskriminierende Tendenzen verstärkt und inwiefern verschiedene Bevölkerungsgruppen von dieser Entwicklung exkludiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstellen der Digitalisierung mit den sozialen Kategorien Klassismus, Rassismus und Ableismus sowie die Möglichkeiten der Inklusion.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die Digitalisierung in ihrer aktuellen Ausprägung diskriminierend wirkt und welche Mechanismen zu einer Ausgrenzung bestimmter Gruppen führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine qualitative Methodik, bestehend aus Experteninterviews, die mittels deduktiver Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung und die anschließende Überprüfung dreier spezifischer Hypothesen zu Klassismus, Rassismus und Ableismus durch die Analyse der geführten Interviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Digitalisierung, Diskriminierung, Digitale Spaltung, Soziale Ungleichheit und Inklusion.
Welchen Einfluss hatte die Corona-Pandemie auf die Untersuchung?
Die Pandemie fungierte als "Brennglas", das die bereits bestehenden Schwachstellen der Digitalisierung und die soziale Exklusion, etwa im schulischen Bereich, deutlich sichtbar machte.
Wie bewerten die Experten die Rolle der Entwicklerbranche?
Die Branche wird als überwiegend "weiß-westlich" männlich dominiert beschrieben, was dazu führt, dass Datengrundlagen und Software-Entwicklungen oft nicht divers genug sind und bestehende Stereotype reproduzieren.
- Quote paper
- Susanne Mesan (Author), 2021, Ist Digitalisierung diskriminierend?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1159856