Das Thema dieser Arbeit „Gender im Elementarbereich“ stellt für uns eine besondere Herausforderung dar. Die Herausforderung ist die Bearbeitung des Themas, da Gender generell ein neues Themengebiet für uns ist. Aber der eigentliche Schwierigkeitsgrad ist das Aufzeigen und Verdeutlichen genderbezogener Grundlagen und den damit verbundenen Möglichkeiten der Maßnahmen, da sie sehr situativ eingesetzt werden und aus einer äußeren Betrachtung oftmals gegensätzlich erscheinen.
Das Thema weckt unser Interesse, da eine von uns zwar gelernte Erzieherin ist, aber in ihrer schulischen und praktischen Ausbildung der Gendereinbezug in die pädagogische Arbeit kaum berücksichtigt wurde.
Ein zweiter Interessenspunkt resultiert aus der nebenberuflichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis achtzehn Jahren. Über die Auseinandersetzung mit dem Thema entsteht für uns eine Möglichkeit zur Überprüfung unserer pädagogischen Arbeit, da aufgrund der Recherche dieses Themas eine Reflexion der eigenen Ansichten über Gender und der pädagogischen Haltung unweigerlich erfolgt.
In Bezug auf Gender sind wir beide kritisch, da, wie bereits erwähnt, oftmals scheinbar Gegensätzliches eingesetzt wird und somit für uns Fragen entstehen. Diese sind:
a) Besteht wirklich solch enorme Relevanz für den Gendereinsatz?
b) Kann Gender auf eine Weise eingesetzt werden, so dass Pädagogen und Pädagoginnen eine nachvollziehbare Umsetzung gestalten können?
Um diese Fragen zu klären, werden wir eine Literaturrecherche durchführen. Dafür wurden uns verschiedene Bücher und literarische Texte empfohlen, wie „Starke Mädchen, starke Jungs - Leitfaden für eine geschlechtsbewusste Pädagogik“ (Petra Focks) und „Handbuch Gender und Erziehungswissenschaft“ (Edith Glaser u. a.).
Zusätzlich haben wir diverse weitere Literatur betrachtet und uns für eine begrenzte Auswahl entschieden. Hierzu gehören „Brave Mädchen, böse Buben! - Erziehung zur Geschlechtsidentität in Kindergarten und Grundschule“ (Christian Büttner / Marianne Dittmann) und „Erziehung der Geschlechter - Entwicklungen, Konzepte und Genderkompetenz in Sozialpädagogischen Feldern (Margitta Kuhnert-Zier). Um selbst für dieses Thema möglichst offen zu sein, haben wir bei der Literaturauswahl darauf geachtet, dass die Bücher beide Geschlechter gleichermaßen vorstellen bzw. einbeziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die geschlechtsbewusste Pädagogik im Elementarbereich
2.1 Die Relevanz der geschlechtsbewussten Pädagogik während der Sozialisation im Kindesalter
2.2 Theorie- und Forschungsansätze zu Gender im Kindergarten
3 Projekte und Forschungen in Kindergärten
3.1 Empirische Untersuchungen
3.2 Geschlechtsbewusste Koedukation im Elementarbereich
3.3 Inhalte des Projektes A
3.3.1 Das Spielverhalten von Mädchen und Jungen
3.3.2 Maßnahmen für eine geschlechtsbewusste Pädagogik
3.3.3 Die Beziehungen zwischen Mädchen und Jungen
3.3.4 Das Verhalten der Erzieherinnen
3.3.5 Die Elternarbeit
3.3.6 Zusammenfassung
3.4 Projekt B
4 Die Handlungsansätze
4.1 Die Möglichkeiten der Pädagogik
4.2 Die Grenzen der Pädagogik
4.3 Das gewünschte und angemessene Verhalten der Pädagogen und Pädagoginnen
5 Die Zusammenfassung der Elemente und Intervenierungsmöglichkeiten in der geschlechtsbewussten Pädagogik
5.1 Die Selbstreflexion und Teamarbeit
5.2 Die Beobachtungen und möglichen Veränderungen im Alltag
5.3 Die Beteiligung der Kinder
5.4 Die Bewältigungsstrategien der Kinder
5.5 Die Elternarbeit, Gemeinwesenorientierung und Öffentlichkeitsarbeit
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Bedeutung und Umsetzung einer geschlechtsbewussten Pädagogik im Elementarbereich auseinander. Ziel ist es, die Relevanz dieser pädagogischen Ausrichtung während der Sozialisation im Kindesalter zu beleuchten und Wege aufzuzeigen, wie pädagogische Fachkräfte eine nachvollziehbare und praxisnahe Umsetzung gestalten können, um traditionelle Geschlechterrollen aufzubrechen und die Entwicklung der Kinder individuell zu fördern.
- Sozialisationsprozesse und Identitätserwerb im Kindesalter
- Empirische Forschungsergebnisse zu Geschlechterrollen im Kindergarten
- Methoden der geschlechtsbewussten Koedukation
- Anforderungen an die professionelle Haltung und Reflexion von Pädagogen
- Praktische Interventionsmöglichkeiten in Alltag, Elternarbeit und Teamstruktur
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Relevanz der geschlechtsbewussten Pädagogik während der Sozialisation im Kindesalter
Eine geschlechtsbewusste Pädagogik im Kindergarten ist notwendig, da bereits in dieser Phase der Sozialisation pädagogische Impulse für den geschlechtlichen Identitätserwerb der Mädchen und Jungen gegeben werden können. Der Prozess der Sozialisation, also die Aneignung und Auseinandersetzung mit der Umwelt, erfolgt zwar ein Leben lang, aber sie ist in diesem Altersabschnitt besonders intensiv. Das bedeutet eine Möglichkeit der Weichenstellung für die Geschlechterrollen und -identitäten je nach den Fähigkeiten und Interessen der Kinder.
Innerhalb der Sozialisation werden unbewusst nur die typisch geschlechtlichen Bereiche angemessen gefördert. Das führt zwar zur Fähigkeiten- und Stärkenentwicklung, aber meist resultiert es ebenso zu einer Überlegenheit in diesen Bereichen gegenüber dem anderen Geschlecht. Die anderen Förderbereiche werden oft nicht erkannt oder das Potential des Kindes nicht wahrgenommen. So wird bei Jungen beispielsweise eine Förderung der sozialen Kompetenzen einschließlich der sozialen Verantwortungsübernahme häufig vernachlässigt. Ebenso trifft es auf das Erlernen des Umgangs mit Trauer, Schmerz und Ängsten zu. Das Umfeld der Jungen signalisiert ihnen, dass sie nicht weinen oder ängstlich sein dürfen. Bei Mädchen wird dagegen der angemessene Umgang mit Aggression, Wut und dem Durchsetzen eigener Interessen vermindert oder gar nicht gefördert. Dadurch richtet sich die Wut der Mädchen oft gegen sich selbst, wodurch sie sich bzw. ihre Person entwerten und einschränken oder sich Schaden zufügen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Verfasserinnen begründen ihr Interesse am Thema Gender im Elementarbereich und formulieren ihre zentralen Fragen zur Relevanz und praktischen Umsetzung dieser Pädagogik.
2 Die geschlechtsbewusste Pädagogik im Elementarbereich: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit einer geschlechtsbewussten Pädagogik während der intensiven Phase des Identitätserwerbs im Kindergartenalter und stellt theoretische Forschungsansätze vor.
3 Projekte und Forschungen in Kindergärten: Es werden empirische Erkenntnisse aus Projekten zur geschlechtsbewussten Koedukation präsentiert, die das Spielverhalten sowie das Verhalten von Kindern und Erzieherinnen analysieren.
4 Die Handlungsansätze: Hier werden die zwei zentralen Handlungsformen – geschlechtsspezifische Arbeit und geschlechtsbewusste Koedukation – vorgestellt sowie die Anforderungen an das Verhalten der Pädagogen skizziert.
5 Die Zusammenfassung der Elemente und Intervenierungsmöglichkeiten in der geschlechtsbewussten Pädagogik: Dieses Kapitel bündelt fünf wesentliche Interventionsbereiche, von der Selbstreflexion über die Gestaltung des Alltags bis zur Eltern- und Öffentlichkeitsarbeit.
6 Fazit: Die Verfasserinnen reflektieren ihre eigene Auseinandersetzung mit dem Thema und betonen die Bedeutung der pädagogischen Reflexion zur Überwindung von Automatismen im Berufsalltag.
Schlüsselwörter
Gender, Elementarbereich, geschlechtsbewusste Pädagogik, Sozialisation, Identitätserwerb, Koedukation, Geschlechterrollen, Pädagogische Haltung, Selbstreflexion, Spielverhalten, Kindergartenerziehung, Gleichberechtigung, Sozialkompetenz, Erzieherinnen, Bildungsauftrag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der geschlechtsbewussten Pädagogik im Kindergarten und untersucht, wie Erzieherinnen und Erzieher zur Förderung der individuellen Identitätsentwicklung beitragen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Sozialisation im Kindesalter, die Analyse von Geschlechterrollen im Spiel, der Einfluss von Stereotypen und die Entwicklung praktischer pädagogischer Handlungskonzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie relevant der Gendereinsatz im Elementarbereich ist und wie Pädagogen eine nachvollziehbare und wirksame Umsetzung im Kita-Alltag gestalten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer vertieften Literaturrecherche, der Auswertung bestehender Forschungsberichte und der Reflexion dieser theoretischen Ansätze für die praktische pädagogische Arbeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung, die Darstellung von Projekten und empirischen Befunden, die Beschreibung von Handlungsansätzen sowie die konkrete Zusammenfassung von Interventionsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Genderpädagogik, Geschlechteridentität, soziale Kompetenz, Selbstreflexion, Koedukation und pädagogische Haltung.
Welche Rolle spielt die Selbstreflexion für Pädagogen?
Die Autoren betonen, dass eine kontinuierliche Selbstreflexion essenziell ist, um eigene unbewusste Verhaltensmuster zu erkennen und die Falle der "Vergeschlechtlichung" im pädagogischen Alltag zu vermeiden.
Warum wird die Elternarbeit in diesem Kontext als so wichtig erachtet?
Die Elternarbeit ist notwendig, um einen gemeinsamen Nenner an Werten zu finden und die Kinder dabei zu unterstützen, Wahlfreiheit für ihr Verhalten zu gewinnen, unabhängig von starren Geschlechterstereotypen.
- Quote paper
- Mia Schmalenberg (Author), Silvia Mörs (Author), 2008, Gender im Elementarbereich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115991