Ziel dieser Abschlussarbeit besteht darin, die Unterschiede zwischen den Minoritäts- und Majoritätsgruppen im Hinblick auf die Effektivität des Kontakts systematisch zu untersuchen, um die daraus resultierenden Mechanismen zur Reduktion negativer Intergruppeneinstellungen näher zu beleuchten. Nach Darstellung der relevanten theoretischen Grundlagen und des aktuellen Forschungsstandes werden darauf basierend Forschungsfragen abgeleitet. Anschließend werden Methoden, die für dieses systematische Literaturreview verwendet wurden, aufgezeigt und Analyse der Ergebnisse und deren Auswertung dargestellt. Die Diskussion der Ergebnisse und die daraus folgenden Empfehlungen für die weitere Forschung und Praxis schließen die Arbeit ab.
Positiver Kontakt ist ein effektives Werkzeug, um negative Intergruppeneinstellungen abzubauen. In dieser Abschlussarbeit wurden anhand von 22 empirischen, quantitativen und qualitativen Primärstudien als Ergebnis einer systematischen Literaturrecherche Unterschiede von Majoritäts- und Minoritätsgruppen in der Effektivität von Kontakt zur Reduktion negativer Intergruppeneinstellungen in hoch konfliktären und machtasymmetrischen Kontexten analysiert. Auch wurden diese Unterschiede im Kontext des indirekten Kontakts beleuchtet, und die Rolle des Multi- und Polykulturalismus bei Intergruppeneinstellungen von Minoritäts- und Majoritätsgruppen in Bezug auf die Effektivität von Kontakt wurde untersucht. Die Ergebnisse der ersten Suchanfragen über die Datenbank EBSCOhost zeigten einen komplexen Zusammenhang zwischen Kontakt und Intergruppeneinstellungen.
Es ist erstrebenswert, insbesondere in konfliktären und feindlichen Kontexten, das Hochschulwesen als eine wichtige Schnittstelle für Etablierung positiverer Beziehungen zwischen Minoritäts- und Majoritätsgruppen zu betrachten und positive Intergruppeneinstellungen gezielt zu fördern. Auch wäre Wissensvermittlung, welche sich auf Unterstützung des Multikulturalismus und Reduktion von Bedrohungsempfinden fokussiert und gleichzeitig Intergruppenkontakt stärkt, insbesondere für Majoritätsgruppen empfehlenswert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Begriffsklärung „Kontakt“, „Minorität“, „Majorität“
2.2 Kontakthypothese von Allport
2.3 Intergruppenkontakttheorie von Pettigrew
2.4 Theorie der sozialen Identität von Tajfel
2.5 Integrated Threat Theory von Stephan
2.6 Bedürfnisbasiertes Modell der Versöhnung von Nadler und Shnabel
2.7 Begriffsklärung „Multikulturalismus“ und „Polykulturalismus“
2.8 Fazit und Fragestellung
3. Methode
3.1 Ein- und Ausschlusskriterien
3.2 Recherchevorgang
3.3 Einbezogene Quellen
4. Ergebnisse
4.1 Forschungsfrage 1
4.2 Forschungsfrage 2
4.3 Forschungsfrage 3
5. Diskussion
5.1 Interpretation der Ergebnisse der Forschungsfrage 1
5.2 Interpretation der Ergebnisse der Forschungsfrage 2
5.3 Interpretation der Ergebnisse der Forschungsfrage 3
5.4 Limitationen der Studien
5.5 Limitation und Stärken dieses Reviews sowie praktische Implikationen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht systematisch die Unterschiede zwischen Minoritäts- und Majoritätsgruppen hinsichtlich der Effektivität von Kontakt zur Reduktion negativer Intergruppeneinstellungen in konfliktären und machtasymmetrischen Kontexten, um daraus resultierende Mechanismen besser zu verstehen und entsprechende Empfehlungen für Forschung und Praxis abzuleiten.
- Wirksamkeit von direktem und indirektem Kontakt in machtasymmetrischen Settings
- Einfluss des Gruppenstatus auf die Wahrnehmung von Intergruppenbeziehungen
- Rolle von Multikulturalismus und Polykulturalismus bei der Einstellungsänderung
- Langzeiteffekte und methodische Herausforderungen in der Kontaktforschung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Prejudice, unless deeply rooted in the character structure of the individual, may be reduced by equal status contact between majority and minority individuals in pursuit of common goals. The effect is greatly enhanced if this contact is sanctioned by institutional supports (i.e., by law, custom or local atmosphere), and provided it is of a sort that leads to the perception of common interests and common humanity between members of the two groups (Allport, 1954, S. 267).
Kontakt ist der Grundbaustein des menschlichen Zusammenlebens. Darüber hinaus dient er der Reduktion von negativen Intergruppeneinstellungen, wie z. B. Vorurteilen und Feindseligkeit (Allport, 1954; Williams, 1947). Der Kontaktbegriff ist untergliedert in „direkten“ und „indirekten“ Kontakt (Dovidio et al., 2011; Vezzali et al., 2014; Wright & Aron, 2010). Eine weitere Differenzierung findet auf der Valenzdimension statt: es wird zwischen positivem und negativem Kontakt unterschieden (Pettigrew & Tropp, 2013).
Allport (1954, 1971) hat mit seiner Kontakthypothese, nachdem er sie von Williams (1947) aufgegriffen und verfeinert hatte, einen der bedeutendsten Meilensteine in der Geschichte der Sozialpsychologie geschaffen (Brewer & Brown, 1998). Diese besagt, dass häufiger Kontakt zu Mitgliedern anderer Gruppen unter spezifischen Bedingungen die Vorurteile gegenüber diesen Gruppen reduziert (Allport, 1954). Anschließend entwickelte Pettigrew (1998) auf deren Basis die Intergruppenkontakttheorie, die als Prozessmodell die relevanten situativen Bedingungen des Kontakts und die zeitliche Dimension in den Fokus rückt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Intergruppenbeziehungen ein, definiert zentrale Begriffe und begründet die Relevanz der Untersuchung angesichts gesellschaftlicher Globalisierungsprozesse.
2. Theoretischer Hintergrund: Hier werden die wichtigsten psychologischen Theorien zur Entstehung und Reduktion von Vorurteilen sowie Konzepte wie Multikulturalismus und Kontakthypothesen detailliert dargelegt.
3. Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das systematische Vorgehen bei der Literaturrecherche, die festgelegten Ein- und Ausschlusskriterien für die Auswahl der untersuchten Primärstudien sowie den Recherchevorgang in Fachdatenbanken.
4. Ergebnisse: In diesem Kapitel werden die Befunde der 22 analysierten Primärstudien strukturiert nach den drei formulierten Forschungsfragen dargestellt und quantitativ sowie qualitativ ausgewertet.
5. Diskussion: Das abschließende Kapitel interpretiert die erzielten Ergebnisse im Kontext der Ausgangsfragestellungen, kritisiert die methodischen Limitationen der einbezogenen Studien und benennt praktische Implikationen für die zukünftige Forschung und Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Intergruppenkontakt, Kontakthypothese, Minorität, Majorität, Vorurteile, Diskriminierung, Intergruppenbeziehungen, Multikulturalismus, Polykulturalismus, Machtasymmetrie, Intergruppenangst, Soziale Identität, Bedrohungsempfinden, Versöhnung, Systematisches Literaturreview.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert in einem systematischen Literaturreview, wie Kontakt zwischen Minoritäts- und Majoritätsgruppen zur Reduktion von Vorurteilen beiträgt, insbesondere in Umgebungen, die von Machtasymmetrien und Konflikten geprägt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen gehören der direkte und indirekte Intergruppenkontakt, die Rolle des gesellschaftlichen Status sowie die Bedeutung kultureller Ideologien wie Multikulturalismus und Polykulturalismus für die Versöhnung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Unterschiede zwischen Minoritäts- und Majoritätsgruppen bei der Wirksamkeit von Kontakt systematisch zu untersuchen und die Mechanismen aufzudecken, die negative Intergruppeneinstellungen in spezifischen sozialen Kontexten reduzieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem systematischen Literaturreview, bei dem 22 empirische, quantitative und qualitative Primärstudien (peer-reviewed, Zeitraum 2010–2021) identifiziert und analysiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des theoretischen Rahmens (Kapitel 2), das methodische Vorgehen (Kapitel 3) und die detaillierte Präsentation und Diskussion der Ergebnisse in Bezug auf die drei Forschungsfragen (Kapitel 4 und 5).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Intergruppenkontakt, Vorurteilsreduktion, Machtasymmetrie, Majorität, Minorität, Multikulturalismus, soziale Identität und Intergruppenangst.
Wie unterscheidet sich die Erfahrung von Minoritäten und Majoritäten laut den Ergebnissen?
Die Ergebnisse zeigen, dass Minoritäten und Majoritäten Intergruppensituationen unterschiedlich wahrnehmen; insbesondere bei der Minorität sind die Einstellungsänderungen durch Kontakt oft durch ihre Erfahrung mit Diskriminierung und den jeweiligen sozialen Status beeinflusst.
Warum ist das Hochschulwesen als Schnittstelle relevant?
Das Hochschulwesen wird als wichtiger Ort für die Etablierung positiver Beziehungen identifiziert, da es Räume für Intergruppenbegegnungen bietet, die helfen können, Stereotype abzubauen und gegenseitigen Respekt in konfliktären Kontexten zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Ella Smirnova (Autor:in), 2021, Minoritäts-Majoritäts-Unterschiede. Wirksamkeit von Kontakt zur Reduktion von negativen Intergruppeneinstellungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1160020