Fragestellung dieser Hausarbeit soll sein, welchen Verantwortung die deutsche Zivilverwaltung für Verbrechen in Weißrussland trägt und damit verbunden die Zusammenarbeit von eben jener Verwaltung und Stellen der Wehrmacht und der SS. Nicht alleine die Vernichtung des „jüdisch-bolschewistische System“, die Ermordung der jüdischen Bevölkerung – die die Vorstufe zur „Endlösung der Judenfrage“ darstellte – sondern auch die wirtschaftliche Ausbeutung des besetzten Gebietes war das erklärte Ziel der Nationalsozialisten und der auch damit einkalkulierte Tod von Millionen von Menschen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kontroversen um das Buch „Hitlers Volksstaat“ von Götz Aly
2.1 Volker Ullrich - Hitlers zufriedene Räuber
2.2 Adam Tooze - Stramme junge Männer in braunen Uniformen
2.3 Wolfgang Seibel - Rechnungen ohne Belege
2.4 Götz Aly - Wohin floß das Geld?
3 Der Raubmord in den besetzten Gebieten der Sowjetunion
3.1 Die „Nahrungsfreiheit“ beibehalten
3.2 Hungersnöte, aber bitte woanders
3.3 „Leben aus dem Lande“
4 Ergebnisse und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der deutschen Zivilverwaltung und deren Zusammenarbeit mit Wehrmacht und SS bei den nationalsozialistischen Verbrechen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwieweit wirtschaftliche Ausbeutung und der gezielte Hungertod der Bevölkerung strategische Bestandteile der deutschen Besatzungspolitik waren, um die Versorgung des Reiches sicherzustellen.
- Historische Debatte um Götz Alys "Hitlers Volksstaat"
- Wirtschaftliche Motive und Ausbeutung des besetzten Ostens
- Systematische Aushungerungspolitik und Vernichtungslogik
- Zusammenarbeit von Zivilverwaltung, Wehrmacht und SS
- Die materielle Komponente des Holocaust als Kriegsinstrument
Auszug aus dem Buch
3.1 Die „Nahrungsfreiheit“ beibehalten
Die Folgen der britischen Seeblockaden gegen Deutschland während des Ersten Weltkrieges und die damit verbundene prekäre Ernährungslage der Bevölkerung, ein Kriegsentscheidenden Faktor so die Analysen der deutschen Kriegsplaner, war auch einer den die Nationalsozialisten fürchteten. Es starben alleine durch die Hungersnot während des Krieges 400.000 Menschen. Dies auch verursacht durch die extreme Teuerung, so stiegen die Lebensmittelpreise im Krieg um gut 100%, in anderen Orten um weit mehr. Der Lebensstandard in Deutschland sank von 1914 und 1918 um durchschnittlich 65% und die Mehrheit der Bevölkerung geriet an den Rand des Existenzminimums. Der Bedarf an Lebensmittel, 12 bis 13 Millionen Tonnen Getreide, für mehr als 25 Millionen Menschen konnte nur durch überseeische Einfuhren gedeckt werden, wenn dieses Defizit schon in Friedenszeiten existierte, dann musste es in Kriegszeiten ansteigen.
So fehlten laut einem Bericht des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom 14. Dezember 1940, also in dem ersten Kriegsjahr, Getreidemengen für Europa (ohne Großbritannien und der Sowjetunion) von 21,7 Millionen Tonnen – Lebensmittelbedarf für etwa 50 Millionen Menschen. Zwei Möglichkeiten, so Ludolf Herbst, gab es um die Auswirkungen einer vergleichbaren Blockadesituation zu mildern. So einmal, neben dem Anlegen von Vorräten, den Versuch die Auslandsabhängigkeit der deutschen Wirtschaft durch die forcierte Produktion von Ersatzstoffen und Nahrungsmitteln im Inland bereits im Frieden zu verringern, oder zum anderen die eigenen wirtschaftlichen Möglichkeiten, durch gleich zu Beginn des Krieges militärische Erfolge zu erzielen. Aber eine vollkommene Autarkie, so Hitler am 23. März 1933, sei durch „die geographische Lage des rohstoffarmen Deutschland“ nicht möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Ausgangslage des Vernichtungskrieges im Osten sowie der Forschungsfrage zur Verantwortung der deutschen Zivilverwaltung für Verbrechen in Weißrussland.
2 Kontroversen um das Buch „Hitlers Volksstaat“ von Götz Aly: Analyse der fachwissenschaftlichen Debatte und Kritik an Alys Thesen zur materiellen Bereicherung als Triebfeder des Holocaust.
3 Der Raubmord in den besetzten Gebieten der Sowjetunion: Untersuchung der wirtschaftspolitischen Strategien und der systematischen Umsetzung des Raubes sowie der Aushungerungspolitik zur Sicherung der deutschen Versorgung.
4 Ergebnisse und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Verflechtung von ökonomischen Zielen und nationalsozialistischer Vernichtungspolitik.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Wehrmacht, Holocaust, Wirtschaftsverwaltung, Ausbeutungspolitik, Ostheer, Hungersnot, Raubmord, Götz Aly, Volksstaat, Besatzungspolitik, Vernichtungskrieg, Ernährungsbilanz, Zivilverwaltung, Sowjetunion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Verbrechen des Nationalsozialismus in den besetzten sowjetischen Gebieten, wobei ein besonderer Fokus auf der systematischen wirtschaftlichen Ausbeutung und der bewussten Inkaufnahme des Hungertodes der einheimischen Bevölkerung liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kontroverse um Götz Alys Buch „Hitlers Volksstaat“, die logistische Ausbeutung von Ressourcen und die Rolle der deutschen Zivilverwaltung bei der Ermordung von Zivilisten und Kriegsgefangenen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Verantwortung die deutsche Zivilverwaltung für die begangenen Verbrechen trägt und wie die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wehrmacht und SS strukturiert war, um den "Lebensmittelraub" umzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die auf der Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Berichte und der Auseinandersetzung mit der aktuellen fachwissenschaftlichen Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die kritische Auseinandersetzung mit dem Werk von Götz Aly und eine detaillierte Analyse der ernährungspolitischen Grundlinien im Krieg, insbesondere das Konzept des "Lebens aus dem Lande".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Raubmord, Nahrungsfreiheit, Ausbeutungspolitik, Vernichtungslogik und die Rolle von Institutionen wie dem Wirtschaftsführungsstab Ost.
Welche Rolle spielt die "Nahrungsfreiheit" für die NS-Politik?
Die "Nahrungsfreiheit" diente als propagandistisches und politisches Ziel, um die deutsche Bevölkerung im Krieg zu versorgen und Kürzungen wie im Ersten Weltkrieg zu vermeiden, was direkt zur Aushungerung der besetzten Gebiete führte.
Inwiefern wird die These von der "Gefälligkeitsdiktatur" kritisiert?
Autoren wie Adam Tooze widersprechen Aly und argumentieren, dass das NS-Regime eher eine Mobilisierungsdiktatur war, die nicht primär auf Gefälligkeiten, sondern auf gesamtgesellschaftlichen Militarismus und ideologischen Konsens setzte.
Wie bewertet der Autor die "Paketaktion für Fronturlauber"?
Die Paketaktion wird als Beispiel für die materielle Ausbeutung angeführt, bei der mit Einverständnis der Führung Lebensmittel aus den besetzten Gebieten "herausgeschafft" wurden, um die Moral der Frontsoldaten zu stützen.
- Quote paper
- Johannes Pfohl (Author), 2007, Die Raubmord-Politik der Nationalsozialisten in den besetzten Gebieten der Sowjetunion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116003