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Das von nationalen Motiven geleitete Handeln und Denken des Jan Hus am Beispiel des Kuttenberger Dekrets

Titel: Das von nationalen Motiven geleitete Handeln und Denken des Jan Hus am Beispiel des Kuttenberger Dekrets

Seminararbeit , 2002 , 22 Seiten , Note: unbenotet

Autor:in: Michael Treichler (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Hus, der Protestant – Hus, der Tscheche – Hus, der Sozialist: in diesem Dreiklang fasst der Hus – Forscher Ferdinand Seibt die drei Bereiche zusammen, in denen Jan Hus im Verlauf der Geschichte eine Bedeutung erlangt hat. Über die reformatorische Leistung hinaus besitzt er eine große Bedeutung für das tschechische Volk und dessen nationales Bewusstsein, was nicht zuletzt dadurch ausgedrückt wird, dass Hussens Todestag zum nationalen Feiertag in der Tschechischen Republik erklärt wurde.

Ging es Jan Hus ausschließlich um einen religiösen Wandel der vielkritisierten Struktur der Kirche am Übergang vom vierzehnten zum fünfzehnten Jahrhundert, oder standen wirklich darüber hinaus nationale Motive hinter seinem Handeln? Diese Fragestellung wird in dieser Arbeit anhand des Kuttenberger Dekrets erörtert, das aufgrund seines Inhaltes ein Potenzial zur Erlangung eines Status als symbolischer Akt der Aufwertung des tschechischen Volkes besitzt. Da eine entscheidende Mitwirkung Hussens am Erlass dieses Dekrets eine mögliche Erklärung für seine nationale Bedeutung darstellen würde, wird zunächst der Versuch unternommen, ebenjenen Grad der Beteiligung Hussens hieran zu ermitteln.

Hieran anschließend wird das Augenmerk zurück auf Jan Hus und die Frage nach möglicherweise vorhandenen national gefärbten Denkstrukturen gerichtet. Anhand der überlieferten Quellen sowie unter Einbeziehung der gesellschaftlichen sowie theologischen und akademischen Spannungen seiner Zeit wird der Versuch unternommen, Hinweise auf nationales Denken oder auch das genaue Gegenteil wie beispielsweise klare Ablehnungen solchen Denkens bei Jan Hus zu ergründen und diese zu deuten.
Abschließend werden die Resultate der Fragen nach dem Anteil Hussens am Entstehen des Kuttenberger Dekrets sowie des Ausmaßes der nationales Motive seines Handelns zusammengefügt, um seine Aktionen im Rahmen des Prager Universitätsstreites in die Gedankenwelt des böhmischen Reformators einzufügen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jan Hussens Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets

3. Jan von Jesnices Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets

4. Hieronymus von Prags Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets

5. National motivierte Denkstrukturen bei Jan Hus

6. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Handeln und Denken des böhmischen Reformators Jan Hus im Kontext des Prager Universitätsstreites, wobei insbesondere die Rolle nationaler Motive beim Erlass des Kuttenberger Dekrets analysiert wird.

  • Analyse der Beteiligung von Jan Hus, Jan von Jesnice und Hieronymus von Prag am Erlass des Kuttenberger Dekrets.
  • Untersuchung von Spannungsfeldern zwischen tschechischen und deutschen Magistern an der Universität Prag.
  • Deutung der nationalen Komponente und deren Vermischung mit religiösen Reformideen bei Jan Hus.
  • Rekonstruktion der Denkstrukturen des Reformators anhand zeitgenössischer Quellen und historischer Diskurse.

Auszug aus dem Buch

3. Jan von Jesnices Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets

Jan von Jesnice erwarb 1407 an der Prager Universität den akademischen Grad eines Bakkalars der Rechte und wurde ein Jahr später, als Prüfling unter anderem von Hus, zum Magister Artium promoviert. Als Hus 1410 zum Prozess nach Rom geladen wurde, entsandte er Jan als seinen Stellvertreter, der ihn standhaft verteidigte und hierfür inhaftiert und mit dem Kirchenbann belegt wurde. Jan floh aus dem Gefängnis und erwarb an der Universität zu Bologna die Doktorwürde der Rechtswissenschaften, welche ihm nach seiner Rückkehr nach Prag aufgrund des Bannes aberkannt wurde.

Nachdem das Kuttenberger Dekret am 18. Januar von Wenzel unterzeichnet und am 26. Januar in einer Universitätsversammlung verkündet worden war, erhob sich der Widerstand der deutschen Universitätsangehörigen, die seinen Inhalt keineswegs widerstandslos akzeptierten. Sie verfassten ein Widerspruchsschreiben, welches Wenzel am 06. Februar erhielt. In diesem hielten die Deutschen dem König entgegen, dass schon Kaiser Karl IV. bei der Universitätsgründung die vier Nationen mit je einer Stimme eingerichtet hätte. Wenzel solle das traditionelle Stimmenverhältnis beibehalten, andernfalls warnten die Verfasser ihn vor der Vernichtung der Universität durch einen massiven Verlust von Magistern und Studenten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung von Jan Hus ein und formuliert die Fragestellung nach der Rolle nationaler Motive hinter seinem kirchenreformerischen Handeln.

2. Jan Hussens Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets: Dieses Kapitel hinterfragt die Rolle von Hus bei der politischen Umgestaltung der Universität und betrachtet kritisch seine Beteiligung am Erlass des Dekrets.

3. Jan von Jesnices Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets: Der Fokus liegt hier auf dem juristischen Beitrag des Magisters Jan von Jesnice, insbesondere auf einem Traktat zur rechtlichen Absicherung des Dekrets.

4. Hieronymus von Prags Mitwirkung am Erlass des Kuttenberger Dekrets: Das Kapitel beleuchtet den radikaleren, national geprägten Ansatz von Hieronymus von Prag im Kontext des Universitätsstreites.

5. National motivierte Denkstrukturen bei Jan Hus: Eine Analyse von Hussens Äußerungen und Schriften, die die komplexe Wechselwirkung zwischen seinem christlichen Glauben und seiner Haltung gegenüber der deutschen Minderheit in Böhmen untersucht.

6. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung der individuellen Rollen der Akteure und zieht Bilanz über die Entwicklung von Hussens nationalem Bewusstsein.

Schlüsselwörter

Jan Hus, Kuttenberger Dekret, Universität Prag, Hussitismus, nationales Bewusstsein, Kirchenreformation, Jan von Jesnice, Hieronymus von Prag, böhmische Nation, Universalienstreit, Nationalismus, Simonie, Mittelalter, Böhmen, böhmische Reformbewegung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Handeln und Denken von Jan Hus unter besonderer Berücksichtigung nationaler Motive im Zusammenhang mit dem Kuttenberger Dekret und dem Prager Universitätsstreit.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Prager Universität, die Spannungen zwischen tschechischen und deutschen Magistern, die Bedeutung religiöser Reformbestrebungen sowie die Entstehung eines tschechischen Nationalbewusstseins.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Grad der Beteiligung von Jan Hus am Erlass des Kuttenberger Dekrets zu ermitteln und die Vermischung von nationalen und religiösen Motiven in seinem Wirken kritisch zu hinterfragen.

Welche methodische Vorgehensweise findet Anwendung?

Es wird eine quellenbasierte historische Analyse durchgeführt, wobei bestehende Biografien, wissenschaftliche Aufsätze sowie Hussens eigene Schriften und Äußerungen herangezogen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die spezifischen Rollen von Hus, Jan von Jesnice und Hieronymus von Prag im Universitätsstreit sowie die Entwicklung von Hussens Haltung zu ethnischen Fragen und zur Kirche.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Jan Hus, das Kuttenberger Dekret, der Hussitismus, der Universalienstreit sowie die Konzepte von Nation und Religion im Spätmittelalter.

Warum war Jan von Jesnice für die Durchsetzung des Kuttenberger Dekrets so wichtig?

Als Jurist verfasste Jan von Jesnice Expertise-Traktate, die die rechtliche Grundlage für das Dekret schufen und König Wenzel von der Notwendigkeit des Eingreifens überzeugten.

Wie entwickelte sich Jan Hussens Einstellung zur Nationalität im Laufe seines Lebens?

Die Einstellung von Hus unterlag Schwankungen; während er anfänglich seine moralischen und religiösen Überzeugungen über die Nation stellte, finden sich auch Phasen einer deutlichen nationalen Abgrenzung und Abneigung gegen die deutsche Dominanz.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das von nationalen Motiven geleitete Handeln und Denken des Jan Hus am Beispiel des Kuttenberger Dekrets
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar Das 15. Jahrhundert
Note
unbenotet
Autor
Michael Treichler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V11600
ISBN (eBook)
9783638177153
ISBN (Buch)
9783638641951
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jan Hus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michael Treichler (Autor:in), 2002, Das von nationalen Motiven geleitete Handeln und Denken des Jan Hus am Beispiel des Kuttenberger Dekrets, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11600
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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