Das Schreiben am Arbeitsplatz wurde vor allem in den letzten Jahren zunehmend untersucht. Dennoch blieben bisher einige Bereiche unbeachtet, unter anderem die Domäne Lehramt. Dieses Defizit motivierte mich, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Das Schreiben am Arbeitsplatz innerhalb der Domäne Lehramt wird anhand zweier Transkripte unter der folgenden Fragestellung untersucht:
Worin liegen die Unterschiede zwischen Schreiben im Studium und Schreiben im Beruf innerhalb der Domäne Lehramt und wodurch sind diese bedingt?
Die Analyse findet auf Grundlage des von Philipp Mayring herausgegebenen Werkes „Qualitative Inhaltsanalyse“ (Mayring 1983) statt, woraus insbesondere das Kapitel zur Strukturierung hinzugezogen wird.
Die Transkripte beruhen auf einem von der Projektgruppe „Lehramt“ im Rahmen der Veranstaltung „Domänenspezifische Kommunikation“ entwickelten Fragebogen. Die Gruppe bestand aus fünf Studentinnen, die jeweils zwei Interviews mit Lehrern, Lehramtsstudenten oder Referendaren führten. Die Tonaufzeichnungen wurden anschließend auf Grundlage des GAT transkribiert (vgl. Selting 1998) und im Seminar kurz präsentiert. Die in dieser Arbeit verwendeten Interviews sollen im Folgenden als Transkript FrLe1 für das Transkript der Lehrerin und FrSt2 für das Transkript der Studentin genannt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hintergrundinformationen
1.2 Vorgehensweise
2 Stand der Forschung
3 Methoden
4 Analyse
4.1 Textsorten
4.2 Kooperatives Schreiben und Reviewprozesse
4.3 Adressaten
4.4 Quellen für die Schreibprozesse
4.5 Vorbereitung auf die im Arbeitsalltag zu bewältigenden Schreibaufgaben
5 Anwendung
5.1 Inklusionsmodell
5.2 Vergleich mit Lehnen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Unterschiede des Schreibens im Studium und im Beruf innerhalb der Domäne Lehramt. Anhand qualitativer Experteninterviews mit einer Grundschullehrerin und einer Lehramtsstudentin wird analysiert, inwieweit die akademische Ausbildung auf die realen Anforderungen des späteren Berufsalltags vorbereitet und welche Domänenspezifika dabei identifiziert werden können.
- Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung der Transkripte.
- Vergleich von Textsorten, Adressaten und Schreibprozessen zwischen Studium und Beruf.
- Evaluation der Vorbereitung auf Schreibaufgaben im Lehramtsstudium.
- Analyse des Inklusionsmodells nach Prof. Jakobs im Kontext des Lehrerberufs.
- Identifikation von Defiziten in der derzeitigen Lehramtsausbildung hinsichtlich schreibpraktischer Kompetenzen.
Auszug aus dem Buch
4.1 Textsorten
Befragt nach den von ihnen zu verfassenden Texten antworteten die Befragten unterschiedlich. Die Lehramtsstudentin beschränkte sich auf „hausarbeiten oder ne art von (-) ausarbeitung“ (FrSt2: 103). Auch Hausaufgaben und Klausuren sowie die spätere Staatsexamensarbeit gehören zu ihren schriftlichen Aufgaben. Die Lehrerin sagte zu der Frage folgendes aus:
klassenbucheintrag […] korrekturlesung […] anschreiben […] korrespondenz mit anderen kollegen […] kurzabsprachen über kurze schriftliche mitteilungen (--) dann berichte […] projekte verschriftlichen unterrichtsplanung […] konzepte schreiben und solche sachen (FrLe1: 8-14).
Außerdem erwähnte sie des Weiteren E-Mails, Faxe, Zeugnisse und Briefe, Diktate und Notizen.
Vergleicht man die beiden Aussagen, fällt auf, dass die Lehrerin, abgesehen von Berichten, ausschließlich kurze, nicht wissenschaftliche Texte verfasst, die vielfältiger sind als die der Studentin, welche sich beinahe ausschließlich auf Hausarbeiten beschränkt. Um diese Aussage zu stützen, wird die Interviewfrage „Was verstehst du unter Schreiben?“ hinzugezogen, bei der die Befragten ebenfalls konträr antworteten. Die Studentin sagte aus:
ne mitschreiben eher nich […] also schreiben wär für mich wirklich nur so hausarbeiten schreiben (.) ähm wenn man schon mal ne art hausaufgabe verfassen muss […] ne ausarbeitung zu irgendwas (--) alles wo ich das gefühl hab ich muss es ein bisschen planen (FrSt2: 23-48).
Für die Lehrerin dagegen gehört „alles was mit schrift zu tun hat“ (FrLe1: 28) zum Schreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik des Schreibens am Arbeitsplatz im Bereich Lehramt und Vorstellung der zentralen Forschungsfrage.
2 Stand der Forschung: Überblick über existierende Ansätze zur Erforschung des Schreibens im Beruf und spezifische Literatur zur Domäne Lehramt.
3 Methoden: Erläuterung des methodischen Vorgehens anhand der qualitativen Inhaltsanalyse und Darstellung der Kriterien zur Materialauswahl.
4 Analyse: Detaillierte Auswertung der Interviews zu Textsorten, Schreibprozessen, Adressaten und Quellen, unterteilt in fünf thematische Unterpunkte.
5 Anwendung: Einordnung der Analyseergebnisse in das theoretische Inklusionsmodell nach Jakobs und Vergleich mit den Forschungsergebnissen von Kathrin Lehnen.
6 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf die Verbesserung der Vorbereitung von Lehramtsstudierenden auf den Berufsalltag.
Schlüsselwörter
Domänenspezifische Kommunikation, Lehramt, Schreiben im Beruf, Schreibkompetenz, qualitative Inhaltsanalyse, Lehrerbildung, Textsorten, Schreibprozesse, Arbeitsplatz, Inklusionsmodell, Experteninterview, Studierende, pädagogische Kommunikation, Theorie-Praxis-Transfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede zwischen dem Schreiben im Studium und dem Schreiben im Berufsalltag von Lehrkräften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Textsorten, Adressaten, die Art der Schreibprozesse (kooperativ vs. individuell) sowie die Vorbereitung durch das Studium.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, worin die Unterschiede im Schreiben zwischen Studium und Beruf liegen und ob Lehramtsstudierende ausreichend auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereitet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es wurde die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring verwendet, um die geführten Interviews mit einer Lehrerin und einer Studentin auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die empirischen Daten zu Textsorten, Reviewprozessen, Adressatenbezug, Quellenrecherche und der Vorbereitung durch das Studium.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Domänenspezifische Kommunikation, Schreibkompetenz, Inklusionsmodell, Lehrerbildung und Theorie-Praxis-Transfer.
Warum wird im Interview die "Learning by doing"-Methode als wichtig erachtet?
Die Befragten betonen diese Methode, da die universitäre Ausbildung sie nur unzureichend auf die konkreten Schreibanforderungen in der Schule vorbereitet hat.
Gibt es einen Unterschied zwischen der Arbeit der Lehrerin und der Studentin?
Ja, während die Studentin primär auf akademische Hausarbeiten fokussiert ist, umfasst das Schreibspektrum der Lehrerin eine Vielzahl funktionaler Texte wie Berichte, Zeugnisse und Elternkommunikation.
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- Stefanie Franke (Author), 2008, Domänenspezifische Kommunikation. Schreiben in der Domäne Lehramt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116014