Angst bei Lehrern? Die gibt es doch gar nicht! Sie darf es gar nicht geben! Wie soll denn ein Lehrer Schüler unterrichten, vor denen er Angst hat?
Doch immer mehr Lehrer haben Ängste und wenden sich an psychologische Beratungsstellen oder beginnen eine Psychotherapie. Unter Schulangst kann man nicht länger nur die Angst der Schüler verstehen, sondern auch die des Lehrers. Auch wenn sich in den letzten Jahren die Untersuchungen zum Thema Lehrerangst mehrten, bleibt es immer noch ein Tabuthema. „Verpönt ist, was einer hat, wenn er es eigentlich nicht haben darf: die Angst des Lehrers vor seinem Schüler [...]. Diese ist eine bedrängende Realität, und eben weil sie eine bedrängende ist, wird sie über weite Strecken verleugnet.“ (Brück, 1986, S. 9)
Lehrer leiden heutzutage unter Ängsten, da sie einem enormen Belastungsdruck ausgesetzt sind, welcher eine derartige Problematik darstellt, die nicht mehr rein schulintern zu bewältigen erscheint und somit auch ins öffentliche Interesse vorgerückt ist. Tageszeitungen, Fernsehreportagen und andere Publikationen berichten viel zu oft nur über die Folgen dieser Misere:
Berufsunzufriedenheit, hohe Krankheitsanfälligkeit und vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf, um nur einige zu nennen. Eine Ursachenanalyse wird in den wenigsten Fällen vollzogen. Die Angst des Lehrers als Resultat eines komplexen Anforderungs- und Tätigkeitsprofils bleibt daher unberücksichtigt.
Vor allem für Sportlehrer sollte das Phänomen Lehrerangst sehr real sein, da sie einem wesentlich höheren Belastungsdruck ausgesetzt sind als andere Lehrer.
„Sportlehrer? Das sind doch diejenigen, die einen besonders leichten Job in der
Schule haben: keinen Stress mit Schülern […], keinen Ärger mit der Notengebung
[…] – keinerlei Unterrichtsvorbereitung […]. Immer braungebrannt, strahlend vor
Energie und Tatkraft […].“ Zugegebenermaßen ein wenig überzeichnet, beschreibt Claus Thomann (2006) das öffentliche Bild des Sportlehrers. Doch werden die Anforderungen an die Tätigkeit des Sportlehrers selten realistisch eingeschätzt.
Da die Diskrepanz zwischen der kaum überschaubaren psychologischen Literatur zum Thema Angst und den sehr übersichtlichen Publikationen zum Thema Lehrerangst - Sportlehrerangst nicht befriedigend sein kann, sollte vor allem die empirische Sozialforschung Aufklärungsarbeit leisten.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Zur Angst und Angstbewältigung von Sportlehrern
2.1 Theoretische Grundlagen der Emotion Angst
2.1.1 Definitionsversuch der Angst
2.1.2 Differenzierung des Angstbegriffes
2.1.3 Theorien der Angstentstehung
2.1.4 Die Psychophysiologie der Angst
2.1.4.1 Stellenwert der Psychophysiologie
2.1.4.2 Physiologische Emotions- und Angsttheorien
2.1.4.3 Neurobiologische Grundlagen der Angstentstehung
2.1.4.4 Interaktion der Hirnregionen bei Angstzuständen
2.2 Theoretische Grundlagen der Angstbewältigung
2.3 Die Angst von Sportlehrern
2.3.1 Lehrerangst
2.3.2 Spezifische Tätigkeitsanforderungen des Sportunterrichts
2.3.3 Angst von Sportlehrern
2.4 Spezifische Fragestellung
3 Methodik
3.1 Untersuchungsverfahren
3.1.1 Das fokussierte Interview
3.1.2 Der Interview-Leitfaden
3.2 Untersuchungspersonen
3.3 Untersuchungsdurchführung
3.4 Untersuchungsauswertung
4 Darstellung und Diskussion der Ergebnisse
4.1 Angst in der Interaktion zwischen Lehrer und Schüler
4.1.1 Angst in Bezug auf die sportunterrichtspezifische Interaktion
4.1.2 Angst in Bezug auf die sportunterrichtsspezifische Methodik
4.1.3 Angst in Bezug auf die physische Belastung
4.1.4 Angst in Bezug auf die sportunterrichtsspezifische Notengebung
4.1.5 Angst in Bezug auf die Organisationsstruktur
4.2 Angst innerhalb des Tätigkeitsfeldes des Sportlehrers
4.2.1 Versagensangst
4.2.2 Konfliktangst
4.2.3 Herrschaftsangst
4.2.4 Unbewusste Angst
4.2.5 Existenzangst
4.2.6 Trennungsangst
4.2.7 Personenangst
4.2.8 Strafangst
4.3 Angstbewältigung
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Lehrerangst am spezifischen Beispiel des Sportlehrers. Ziel ist es, durch die Analyse der subjektiven Empfindungen in angstauslösenden Situationen ein besseres Verständnis für das Angsterleben dieser Berufsgruppe zu gewinnen und Bewältigungsstrategien aufzuzeigen.
- Theoretische Grundlagen zur Emotion Angst und deren Entstehung
- Spezifische Belastungsfaktoren und Anforderungen im Sportunterricht
- Analyse des subjektiven Angsterlebens mittels fokussierter Einzelinterviews
- Identifikation von Bewältigungsstrategien im beruflichen Alltag
- Vergleich des Angsterlebens in Abhängigkeit von Berufserfahrung, Geschlecht und Schulart
Auszug aus dem Buch
Die Psychophysiologie der Angst
Das emotionale Erleben wird in der modernen Wissenschaft auf zwei Ebenen beschrieben: Zum einen auf der psychologischen Ebene (siehe Kapitel 2.1.3) und zum anderen auf der physiologischen Ebene. Moderne Emotionstheorien sind in der Psychophysiologie anzusiedeln. Sie versuchen, Emotionen (häufig Angst und Furcht) anhand der physiologischen Prozesse und Symptome psychologisch zu erklären. Pauli und Birbaumer (2000) bezeichnen psychophysiologische Emotionstheorien als Auseinandersetzung über die Wechselwirkung der motorischen, der physiologischen und der psychologischen Verhaltensebene. Unser Gehirn ist dabei die zentrale Schaltzentrale für die Auslösung emotionaler Reaktionen, deren Empfindung und deren reaktiven Verhaltensweisen.
Im folgenden Abschnitt soll zunächst ein kurzer Überblick über die physiologische Emotions- und Angstforschung geliefert werden. Daran anschließend werden grundlegende und bedeutende Untersuchungen emotionaler Mechanismen aufgeführt. Da die physiologischen Untersuchungen von Emotionen häufig anhand der Basisemotion Angst (Furcht) durchgeführt wurden, ist eine Übertragung der Emotionstheorien auf die Angstforschung gewährleistet, gefolgt von der Beschreibung grundlegender neurobiologischer Prozesse die dem besseren Verständnis der neurologischen Abläufe innerhalb des Angstgeschehens dienen sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
Problemstellung: Die Einleitung beleuchtet die Tabuisierung von Angst im Lehrberuf und betont die spezifische Belastungssituation von Sportlehrern.
Zur Angst und Angstbewältigung von Sportlehrern: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis durch Definitionen von Angst, psychophysiologische Theorien und spezifische Ansätze zur Angst von Sportlehrern.
Methodik: Hier wird das gewählte Forschungsdesign, basierend auf fokussierten Einzelinterviews mit 12 Sportlehrern, dargelegt.
Darstellung und Diskussion der Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Erkenntnisse aus den Interviews, unterteilt in Interaktion mit Schülern, tätigkeitsspezifische Ängste und Bewältigungsstrategien.
Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der wichtigsten Ergebnisse zur Angstentstehung und -bewältigung bei Sportlehrern.
Schlüsselwörter
Lehrerangst, Sportlehrer, Angstbewältigung, Emotionen, Belastung, Unterrichtsinteraktion, Physische Belastung, Stress, Psychophysiologie, Coping, Berufsethos, Autorität, Angstforschung, Schulalltag, Qualifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema Angst im Lehrerberuf, wobei der Fokus explizit auf Sportlehrern liegt, da diese durch spezifische Anforderungen einem erhöhten Belastungsdruck ausgesetzt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen der Angstentstehung, die spezifischen Tätigkeitsanforderungen im Sportunterricht sowie die subjektiven Erfahrungen und Bewältigungsstrategien der befragten Sportlehrer.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Hauptziel ist es, Aufklärung über das Phänomen der Angst bei Sportlehrern zu leisten und Wege aufzuzeigen, wie mit solchen Angstzuständen umgegangen werden kann, um eine gesündere Unterrichtsgestaltung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Der Autor führt eine empirische Sozialforschung durch, basierend auf 12 fokussierten Einzelinterviews mit Sportlehrern, die qualitativ ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Im Hauptteil werden angstauslösende Situationen in der Lehrer-Schüler-Interaktion, spezifische Lehrerängste (wie Versagens- oder Konfliktangst) sowie individuelle Strategien zur Angstbewältigung diskutiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Lehrerangst, Sportunterricht, Belastung, Angstbewältigung, empirische Studie und qualitative Forschung.
Welchen Einfluss hat das Dienstalter auf das Angsterleben der Lehrer?
Die Untersuchung zeigt, dass erfahrene Lehrer zwar über mehr Routine verfügen, aber dennoch spezifische Ängste, etwa vor Verletzungen oder beruflichen Folgen, bei ihnen präsent sind und sich in ihrem Handeln widerspiegeln.
Spielt das Alter bei den Demonstrationen von Bewegungsabläufen eine Rolle?
Ja, die Studie verdeutlicht, dass ältere Sportlehrer aufgrund abnehmender Fitness und der Angst vor Verletzungen bei Demonstrationen vorsichtiger agieren und eher auf verbale Erklärungen ausweichen.
- Quote paper
- Christian Tröger (Author), 2007, Empirische Studie zur Angst von Sportlehrern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116043