Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus stellt einen wichtigen Forschungsschwerpunkt in der Kommunikationswissenschaft dar. Barbara BAERNS´ Studien zum Einfluss von Public Relations auf JournalistInnen in verschiedenen Medienanstalten in den 1970er und 1980er Jahren trugen im Wesentlichen zur Etablierung der »Determinationshypothese« bei: Öffentlichkeitsarbeit hat Themen und Timing der Berichterstattung unter Kontrolle. Bis heute prägt diese die Theorie und Empirie nachhaltig.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss von Öffentlichkeitsarbeit auf den Fachjournalismus. Dieses Forschungsthema spielt in der Wissenschaft eine untergeordnete Rolle. Zudem bezweifeln einige WissenschaftlerInnen, dass die Determinationshypothese auf den Fachjournalismus übertragbar ist. Empirische Studien dazu fehlen bis heute. Neben theoretischen Betrachtungen wird daher am Beispiel der Pressearbeit des Umweltbundesamtes Dessau-Roßlau eine Medienresonanzanalyse durchgeführt, die die Berichterstattung in Fachzeitschriften untersucht. The focus on public relations as a scientific field of communication science is very young. One important main research is the relation between public relations and journalism. The study results of Barbara BAERNS about the impact of public relations on journalisms in various media institutes in the 1970s and 1980s have established the »determination-hypothesis«: Public relations controls timing and subjects of media reporting. Theoretical and empirical considerations are characterised by this thesis until today.
The present bachelor thesis deals with the impact of public relations on specialist journalism. This aspect only plays a subordinate role as an exploratory focus. Furthermore, some scientists doubt transmissibility of the determination-hypothesis on specialist journalism. At present, empirical studies are missing. That is why, beside theoretical considerations about this subject a media resonance analysis will be made. By using the example of press work of the Federal Environment Agency Dessau-Roßlau it is the aim to try to utilize the determination-hypothesis for professional journals.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Forschungsinteresse und Vorgehensweise
1.2 Zielsetzung und empirische Methode
2. Definition relevanter Begriffe
2.1 Begriffe der Öffentlichkeitsarbeit
2.2 Begriffe der Umweltberichterstattung
2.3 Begriffe des Fachjournalismus
3. Theoretische Betrachtungen und Forschungsstand zum Einfluss von Public Relations auf den Journalismus
3.1 Im Spannungsfeld der Forschung – die Determinationshypothese
3.1.1 Theoretische Legitimierung
3.1.2 Empirische Studien
3.2 Öffentlichkeitsarbeit und Umweltberichterstattung
3.3 Öffentlichkeitsarbeit und Fachpresse
3.4 Vergleichbarkeit der Studien – Zusammenfassung
4. Aufbau und Organisation der Pressestelle des Umweltbundesamtes
5. Medienresonanzanalyse zum Einfluss von Pressemitteilungen auf den Fachjournalismus
5.1 Forschungsanleitende Hypothesen
5.2 Inhaltsanalytische Untersuchung von Pressemitteilungen und Fachzeitschriftenartikeln
5.2.1 Forschungsdesign
5.2.2 Darstellung der Ergebnisse
5.2.3 Ergebnisinterpretation
6. Zusammenfassung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Public Relations des Umweltbundesamtes (UBA) auf die Berichterstattung in Fachzeitschriften durch eine Medienresonanzanalyse, um die Übertragbarkeit der Determinationshypothese auf den Fachjournalismus zu prüfen.
- Einfluss von Public Relations auf den Journalismus
- Stellenwert von Pressemitteilungen in Fachmedien
- Theoretische Modelle der PR-Journalismus-Beziehung
- Methodik der Medienresonanzanalyse im fachjournalistischen Kontext
- Transformationsleistungen von Fachjournalisten bei der Verarbeitung von PR-Material
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Theoretische Legitimierung
Im Besonderen die Kritik, dass die empirischen Studien nicht der Realität gerecht werden, trägt zur Skepsis an der Determinationshypothese bei. Diese impliziert die Annahme, dass eine einseitige Einflussnahme von Öffentlichkeitsarbeit auf den Journalismus im öffentlichen Kommunikationssystem stattfindet. Ein Stimulus-Response-Prozess stellt jedoch, nach Meinung der KritikerInnen, eine »...unzulässige Simplifikation...« dar. Um aktuellen organisations- und systemtheoretischen Ansprüchen genügen zu können, muss die Determinationshypothese angepasst werden. Eine vollständige Ablehnung wird jedoch nicht gefordert. Vielmehr geht es darum, Ergänzungen zu finden, die die Beziehung zwischen den beiden publizistischen Systemen angemessen beschreiben. Es wird nicht bestritten, dass PR-Arbeit vor dem Hintergrund ihrer Ziele Einfluss auf den Journalismus ausübt bzw. ausüben will. Vielmehr gilt zu überlegen, ob sich PR-BetreiberInnen nicht auch an die Arbeitsweise von Medienorganisationen anpassen, um erfolgreich zu sein. Diese hypothetische Annahme wird derzeit am adäquatesten mit dem »Intereffikationsmodell« des Leipziger Wissenschaftlers Günter BENTELE beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsinteresses, der zentralen Forschungsfrage zum Einfluss von Public Relations auf den Fachjournalismus sowie der methodischen Vorgehensweise.
2. Definition relevanter Begriffe: Klärung und Abgrenzung zentraler Fachbegriffe wie Öffentlichkeitsarbeit, Umweltberichterstattung und Fachjournalismus zur Vorbereitung der theoretischen Analyse.
3. Theoretische Betrachtungen und Forschungsstand zum Einfluss von Public Relations auf den Journalismus: Auseinandersetzung mit der Determinationshypothese, dem Intereffikationsmodell und dem aktuellen Forschungsstand zur PR-Einflussnahme auf den Journalismus.
4. Aufbau und Organisation der Pressestelle des Umweltbundesamtes: Beschreibung der Strukturen, Aufgaben und Instrumente der UBA-Pressestelle im Kontext ihrer wissenschaftlichen Behördenfunktion.
5. Medienresonanzanalyse zum Einfluss von Pressemitteilungen auf den Fachjournalismus: Empirische Untersuchung der UBA-Pressearbeit mittels Inhaltsanalyse, einschließlich der Hypothesenbildung, Forschungsdesign und Interpretation der Ergebnisse.
6. Zusammenfassung und Diskussion: Synthese der theoretischen Erkenntnisse und empirischen Ergebnisse sowie kritische Reflexion der Anwendbarkeit der Determinationshypothese auf den Fachmedienbereich.
Schlüsselwörter
Öffentlichkeitsarbeit, Public Relations, Fachjournalismus, Medienresonanzanalyse, Determinationshypothese, Intereffikationsmodell, Umweltbundesamt, Fachpresse, Pressemitteilung, Medienberichterstattung, Transformationsleistung, Kommunikationswissenschaft, Umweltschutz, Inhaltsanalyse, Quellenleistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss die Pressearbeit des Umweltbundesamtes auf die Berichterstattung in Fachzeitschriften nimmt und wie Fachjournalisten mit den bereitgestellten Pressemitteilungen umgehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die PR-Journalismus-Beziehung, spezifisch im Sektor der Umweltkommunikation und des Fachjournalismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gültigkeit der Determinationshypothese für den Fachmedienbereich zu überprüfen, da bisherige Studien fast ausschließlich allgemeine Zeitungen untersuchten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine quantitative Medienresonanzanalyse (MERA) als Form der Inhaltsanalyse durchgeführt, um den Einfluss von UBA-Pressemitteilungen in ausgewählten Fachzeitschriften zu messen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriebildung zu PR-Einflussmodellen, eine Beschreibung der UBA-Pressestellenstruktur und die praktische Durchführung sowie Auswertung der Medienresonanzanalyse.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Determination, Intereffikation, Fachjournalismus, PR-Resonanz und Transformationsleistung.
Wie unterscheidet sich die Fach-PR von der klassischen Öffentlichkeitsarbeit?
Fach-PR zeichnet sich durch die Zielgruppe der Fachjournalisten und Experten aus, was einen höheren Bedarf an fachlicher Sachkompetenz bei den PR-Mitarbeitern erfordert als im klassischen Publikumsbereich.
Welche Rolle spielt das UBA als Untersuchungsobjekt?
Das UBA dient als Praxisbeispiel für eine wissenschaftliche Behörde, deren Pressearbeit darauf abzielt, komplexe Umweltthemen für Fachmedien verständlich und nutzbar aufzubereiten.
Zu welchem Ergebnis kommt die Autorin bezüglich der Transformationsleistung?
Die Autorin stellt fest, dass die fachjournalistische Eigenleistung bei der Verarbeitung von UBA-Pressemitteilungen eher gering ist, da die Texte häufig nur gekürzt oder leicht umformuliert übernommen werden.
Kann die Determinationshypothese bestätigt werden?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die klassische Determinationshypothese für den Fachbereich nur bedingt greift und eher von einer wichtigen "Quellenleistung" der PR auszugehen ist.
- Quote paper
- Anne Waldow (Author), 2008, Zum Einfluss von Public Relations-Pressemitteilungen in Fachzeitschriften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116052