Amerikanisierung der deutschen Wirtschaft vor und nach dem zweiten Weltkrieg


Essay, 2006

9 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Historischer Hintergrund

Amerikanisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Taylorismus und Fordismus

Der amerikanische Einfluss nach dem zweiten Weltkrieg im Vergleich zur Sowjetisierung

Schlussvergleich

Quellenverzeichnis:

Einleitung

Der Einfluss Amerikas auf Deutschland, und besonders auf dessen Wirtschaft, bildete sich besonders im 20. Jahrhundert heraus. Bereits vorher entwickelte sich durch die große Migration in die Vereinigten Staaten ein breit gefächertes Bild unter der Deutschen Bevölkerung. Doch erst Anfang des 20. Jahrhunderts fand die eigentliche Amerikanisierung in weiten Teilen des Lebens in Deutschland statt. Der Ausgangspunkt für die Amerikanisierung, die im Fall Deutschland auch immer eine Modernisierung ist, ist die Wirtschaft. Von da aus breitete sie sich auch in fast alle anderen Bereiche des sozialen Lebens aus.

Im Folgenden sollen die Einflüsse der Amerikanisierung, insbesondere amerikanischer Arbeits- und Verfahrensweisen, auf die Wirtschaft in Deutschland einmal vor und nach dem zweiten Weltkrieg analysiert werden. Hierbei werde ich zunächst kurz auf die historischen Vorraussetzungen eingehen. Des Weiteren werde ich den amerikanischen Einfluss auf das deutsche Wirtschaftssystem und speziell die Unternehmen und Großbetriebe vor und nach dem zweiten Weltkrieg analysieren. Für die Analyse der Tragweite nach dem zweiten Weltkrieg werde ich hierfür noch einen Vergleich zum Einfluss der Sowjetisierung auf die deutsche Wirtschaft anwenden.

Historischer Hintergrund

Im Laufe des 19. Jahrhunderts emigrierten etwa 5 Millionen Deutsche in die USA. Deutschland war damit für die europäische Migration das wichtigste Herkunftsgebiet. „ In der Breite der Bevölkerung- so lässt sich vereinfachend zusammenfassen- herrschte überwiegend ein positives Bild vom Einwanderungs-, Freiheits- und Abenteuerland Amerika, während sich in der elitären Publizistik eher die kritischen Stimmen durchsetzten.“[1]

Die Deutsche Wirtschaft und Industrie erfuhren zum Ende des 19. Jahrhunderts einen rasanten Aufschwung. Zwischen 1871 und 1914 versechsfachte sich die industrielle Produktion in Deutschland. Dieser enorme Aufschwung unterlag jedoch mit Beginn des zweiten Weltkriegs einem herben Rückschlag.[2] Damit gewann der Kulturtransfer von Amerika nach Deutschland jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Die schweren Verluste, hohen Reparationskosten und die Inflation während und nach dem zweiten Weltkrieg, brachten tief greifende Erschütterungen für die deutsche Bevölkerung mit sich und forderten eine schnelle Lösung für die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Hierbei stand vor allem die Möglichkeit im Vordergrund, von dem enormen wirtschaftlichen Aufschwung Amerikas für die eigene Wirtschaft zu lernen.[3]

Der Dawes-Plan ermöglichte Deutschland seine ersten Reparationszahlungen zu leisten und damit, sowie durch die Öffnung des amerikanischen Kapitalmarktes, eine erste Erholungsphase für die deutsche Wirtschaft. Dies führte in Deutschland zu den „goldenen zwanziger Jahren“.

Amerikanisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Taylorismus und Fordismus

Amerikanisierung wurde zu Beginn des 20. Jahrhundert fast immer mit Rationalisierung und Modernisierung in Verbindung gebracht. Diese vollzogen sich zuerst in der Wirtschaft und weiteten sich später auch auf andere Bereiche aus. Massen- und Großserienproduktionen, wie sie in Amerika üblich waren, dienten als Vorbild und als Vorreiter. Vorraussetzungen hierfür waren „[…] Typisierung, Standardisierung und Normalisierung […]“[4]

Bereits während des ersten Weltkriegs wurden tayloristische Produktionsmethoden- in erster Linie das Massenproduktionsverfahren- für den durch die Materialschlachten extrem hohen Rüstungsbedarf diskutiert und auch teilweise zur Anwendung gebracht. Besondere Notwendigkeit fanden diese jedoch nach Kriegsende. „Angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage, die der Krieg hinterlassen hatte, erschien der Taylorismus nun als die dringend notwendige „Hilfe in unserer Wirtschaftsnot“.“[5]

Taylorismus bezeichnet eine rein wissenschaftliche Herangehensweise an Arbeit, Unternehmen und Management. Deren Grundprinzipien sind die Trennung von Planung und Arbeit, präzises Anleiten, hohe Arbeitsteilung und Geld als Motivationsfaktor.[6] Stieß dieses Prinzip vor dem Krieg noch auf Ablehnung bei den Gewerkschaften und Arbeitern, wurde es nach Kriegsende von allen Seiten weitgehend akzeptiert. Diese Akzeptanz hielt jedoch nicht lange vor. Die Kritiken schieden sich über dieses Thema. Viele kritisierten das es überorganisiert sei, kaum Bezug zur realen Praxis habe weil es nur von Theoretikern entworfen sei und allgemein nur in Großbetreiben anwendbar ist.[7] Dennoch setzte sich die Idee auch in den 20er Jahren durch. Die Rationalisierung im Zuge der Amerikanisierung wurde über den industriellen Bereich hinaus auch in anderen Bereichen des sozialen Lebens, w.z.B. Verwaltung, Hausarbeit und Fürsorge, eingeführt und vorangetrieben. Besonders die Hausarbeit sollte nach Amerikanischem Vorbild rationalisiert und damit für die Frauen erleichtert werden.

1923 veröffentlichte Henry Ford seine Autobiografie und erzielte damit einen großen Verkaufserfolg. Seine Automobilwerke hatten eine beherrschende Position auf dem amerikanischen Markt inne und bildeten ein positives Beispiel für Massenproduktion. Hier beeindruckte den deutschen Beobachter vor allem die Einführung des Fließbandes bzw. der „Montagebahnen“ in die Fabrikarbeit.[8] „Anders als Taylor, dessen Hauptaugenmerk der Optimierung des Bewegungsablaufes des einzelnen Arbeiters gegolten hatte, zielte Ford auf die Beschleunigung des gesamten Produktionsablaufes.“[9] Weitere Vorzüge bei Ford waren eine Spezialisierung der Tätigkeit des einzelnen Arbeiters auf wenige Handgriffe, die Preispolitik, sowie eine stark Arbeiter- und Kaufkraftorientierte Lohnpolitik. Besonders letzteres sollte zu einer Art Sozialpartnerschaft zwischen Unternehmern und Arbeitern führen und damit nicht zuletzt auch die Kaufkraft steigern. Der Fordismus traf, abgesehen von den Kommunisten, bei allen weltanschaulichen und politischen Lagern auf Begeisterung und wurde in die deutschen Betriebe übernommen.

Der amerikanische Einfluss nach dem zweiten Weltkrieg im Vergleich zur Sowjetisierung

Mit dem Kriegsende 1945 begann die Aufteilung Deutschlands in die Besatzungszonen. Anfangs waren sich die alliierten Siegermächte noch einig über eine gemeinsame Besatzungspolitik, später wurde Deutschland aufgeteilt. Mit dieser Aufteilung unterschieden sich auch die Wirtschaft betreffende Techniken und Interessen. In der BRD setzte sich weiterhin die Modernisierung als teilweise Amerikanisierung durch, in der DDR die Sowjetisierung als Bürokratisierung. „Wir verstehen unter Amerikanisierung bzw. Sowjetisierung die Übernahme in die Unternehmensführung von Werten, Verhaltensformen, Verfahrensweisen, Normen und Institutionen, die jeweils in der USA bzw. der Sowjetunion verbreitet waren. Damit umfassen die Begriffe Veränderungen, die teils reflektiert, zum Teil aber auch unreflektiert in der Industrie- und Handelskultur vonstatten gingen und sich als >Arbeitsweise des praktischen Handelns< niederschlugen.“[10]

[...]


[1] Raithel, Thomas: "Amerika" als Herausforderung in Deutschland und Frankreich in den 1920er Jahren. In: Themenportal Europäische Geschichte (2007), [10] URL: http://www.europa.clio-online.de/2007/Article=193 (14.09.08)

[2] http://www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/industrie/index.html (15.09.08)

[3] ebenda [12]

[4] Klautke, Egbert : Unbegrenzte Möglichkeiten : "Amerikanisierung" in Deutschland und Frankreich (1900 – 1933). Stuttgart, Steiner 2003. S. 183

[5] ebenda, S. 187

[6] frei nach Wikipedia

[7] Klautke, Egbert : Unbegrenzte Möglichkeiten : "Amerikanisierung" in Deutschland und Frankreich (1900 – 1933). Stuttgart, Steiner 2003. S. 189

[8] Klautke, Egbert : Unbegrenzte Möglichkeiten : "Amerikanisierung" in Deutschland und Frankreich (1900 – 1933). Stuttgart, Steiner 2003. S. 193

[9] ebenda, S. 193

[10] Amerikanisierung und Sowjetisierung in Deutschland 1945 - 1970 / Konrad Jarausch ... (Hg.)

Frankfurt/Main [u.a.], Campus 1997. S. 148

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Amerikanisierung der deutschen Wirtschaft vor und nach dem zweiten Weltkrieg
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kulturwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
9
Katalognummer
V116076
ISBN (eBook)
9783640180868
Dateigröße
369 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amerikanisierung, Wirtschaft, Weltkrieg, Deutschland, Industrie
Arbeit zitieren
Tina Weingardt (Autor), 2006, Amerikanisierung der deutschen Wirtschaft vor und nach dem zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116076

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Amerikanisierung der deutschen Wirtschaft vor und nach dem zweiten Weltkrieg



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden