Die documenta 6 - Abteilung Fotografie


Hausarbeit, 2007

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Konzept der Abteilung Fotografie

3 Präsentation und Vermittlung

4 Die Fotografie als Kunst- / Ausstellungsobjekt

5 Zusammenfassung

6 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Jede documenta setzt aufgrund ihres individuellen künstlerischen Leitungsprinzips als Ausstellungspodium für zeitgenössische Kunst jeweils eigene Akzente. So wie die meisten documenten beabsichtigten, sich von ihren Vorgängerinnen nicht nur abzuheben sondern auch oftmals abzugrenzen, beanspruchte auch die 6.documenta von 1977 unter der künstlerischen Leitung Manfred Schneckenburgers ihr spezifisches Ausstellungskonzept. Nachdem sich die doc 5, „Bilderwelten - Befragung der Realität“, von 1972 mit dem Thema der Wirklichkeitswahrnehmung auseinandersetzte und einen erweiterten Kunstbegriff einführte, wollte ihre Nachfolgerin mit einem weniger thematischen sondern eher formalen Medienkonzept den Stellenwert der Kunst innerhalb einer medial geprägten Gesellschaft hinterfragen und eine beginnende Reflexion über die Medien innerhalb der Kunst aufzeigen. Dieses viel diskutierte Konzept integrierte in jenen Kommunikationskontext neben den traditionellen Künsten wie Malerei und Plastik auch neuere Medien wie die Fotografie, Video und Experimentalfilm, Performance, aber auch Handzeichnungen, utopisches Design und Künstlerbücher. Nach medialen Kategorien differenziert wurden die Werke in den entsprechenden Abteilungen präsentiert.

Betrachtungsgegenstand dieser Arbeit wird dabei unter Vernachlässigung aller anderen traditionellen und neuen Medien die Fotografie sein, welche erstmalig auf einer documenta als autonomes Medium und als künstlerische Disziplin innerhalb einer eigenen Abteilung zur Exposition kam. Vor dem Hintergrund einer sich etablierenden Fotografie innerhalb des musealen Ausstellungswesens, richtet sich dabei besonderes Augenmerk auf die Intention der d6- Ausstellungsverantwortlichen und deren Versuch, dieses Konzept kuratorisch und didaktisch umzusetzen. Die auch aus dem technischen Herstellungsprozess der Fotografie resultierende Problematik einer eindeutigen Standortbestimmung durch das Changieren „zwischen Authentizität und Fiktion“ sowie der gleichzeitigen Bestrebung nach Anerkennung als künstlerische Disziplin lässt sich in diesem Rahmen ebenso wie ein sich ständig verändernder und erweiternder Kunstbegriff nur andeuten. Eine Analyse eventueller Entwicklungslinien innerhalb einzelner Themenbereiche der Fotografie kann auch aufgrund des unvollständigen Katalogmaterials nicht geleistet werden. Inwieweit die Fotografie-Präsentation der d6 zur Rehabilitierung und Etablierung des Mediums Fotografie im Ausstellungswesen beigetragen hat, könnte unter Einbeziehung sowohl zeitgenössischer als auch aktueller Kontexte oder über Vergleiche mit weiteren fotografischen Ausstellungen, sowohl im nationalen als auch im internationalen Rahmen, Gegenstand weiterer Untersuchungen werden. Ebenso wären einzelne Entwicklungslinien innerhalb der verschiedenen fotografischen Genres sowie gegenseitige Wechselwirkungen und Einflussnahmen hinsichtlich einer Intermedialität zwischen Fotografie und Malerei interessante Forschungsaspekte. Auch Korrelationen von documenta und Kunstmarkt sowie einer sind verändernden Reputation zeitgenössischer Fotografen könnten von weiter- führendem Interesse sein.

2 Das Konzept der Abteilung Fotografie

Ungeachtet im Vorfeld aufgetretener interner Streitigkeiten und widersprüchlicher Aussagen hinsichtlich konzeptioneller Autorenschaft, scheint die Idee einer Mediendocumenta aus heutiger Sicht angesichts der in den 70iger Jahren beginnenden Medialisierung konsequent. Dass technische Medien zunehmend den gesellschaftlichen Alltag beeinflussten und damit auch eine Reflexion der so genannten traditionellen Kunst über ihren gesellschaftlichen Stellenwert und ihre eigenen Mittel hervorriefen, sollte hierbei im Vordergrund stehen. Die traditionellen Künste wie Malerei und Plastik wurden in diesem Kontext ebenso wie die modernen Medien als Kommunikationsmittel verstanden.

Fotografie und Malerei, unter der kuratorischen Verantwortung von Klaus Honnef und Evelyn Weiss in einer Abteilung zusammengefasst, sollten dabei ursprünglich als zwei miteinander sowohl korrespondierende als auch konkurrierende Disziplinen präsentiert werden, um einerseits, so Honnef1, die Entwicklung zur bild- bzw. inhaltlosen Malerei aufzuzeigen, deren Existenz zu rechtfertigen und ebenso in wechselseitiger Hängung physisch einen Unterschied der beiden Disziplinen zu vermitteln. Diese Idee konnte aufgrund „äußerer und innerer Umstände“2 nicht realisiert werden, so dass sich zwischen Malerei und Fotografie entgegen des ursprünglichen Konzeptes kaum Berührungspunkte ergaben.

Da der Fotografie nach Ansicht der Kuratoren3 bisher innerhalb des musealen Ausstellungswesens und auch aus kunsthistorischer Sicht nur wenig gebührende Beachtung geschenkt wurde, bestand hier erheblicher Nachholbedarf.

Denn Fotografisches wurde auf den bisherigen documenten meist ausschließlich zur didaktischen Erläuterung als ergänzendes Dokument genutzt. Die Vorgänger- documenta d5 bezog die Fotografie in Verbindung mit der fotorealistischen Malerei als eigenständiges Medium bereits geringfügig mit ein. Jedoch erst auf der d6 im Rahmen des Medienkonzeptes sollte die Fotografie als autonomes Medium und als eigenständige künstlerische Disziplin ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Da aber auf Seiten des documenta- Publikums aufgrund bisher fehlender historischer Ausstellungen in Deutschland kein Wissen zur Fotografiegeschichte vorausgesetzt werden konnte4, entschied man sich zusätzlich - neben einer Präsentation der zeitgenössischen Fotografie - für eine historische Überblicksschau, welche von den Anfängen 1839 bis etwa 1940 auch gewisse Entwicklungslinien verdeutlichen sollte. Gleichzeitig hoffte man, über diese Art Retrospektive ein ausschließlich fotografisch begeistertes photokina - Publikum auch für andere Kunstdisziplinen zu interessieren5 und als zusätzliche Besucherzielgruppe auch aus kommerziellen Gründen zu gewinnen. Obwohl die documenta seit ihrem Beginn 1955 die Präsentation und Reflexion hauptsächlich zeitgenössischer Kunst beabsichtigte, entstand auf der d6 eine bisher größte fotografische Ausstellung vorwiegend historischen Charakters. Mit etwa 800 Exponaten von 130 FotografInnen aus über 90 Nationen versuchte man, einerseits einen Rückblick auf 100 Jahre Fotografie hinsichtlich technischer als auch inhaltlicher Aspekte zu geben und ebenso eine neue Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit dem Medium und seiner Bildsprache zu erreichen. Wobei allerdings der zeitgenössischen Fotografie ein quantitativ geringerer Teil zukam. Um das breite Spektrum der Fotografie vorzustellen, wurden die Werke nach Themen und Methoden in Gruppen und Kategorien systematisiert, wobei jedoch teilweise inhaltliche Überschneidungen kaum auszuschließen waren. Der historische Überblick zeigte Fotografien aus den Sachbereichen Pioniere, Porträt, Mode und Gesellschaft, Landschaft, Stadt und Architektur, Industrie und Technik sowie Krieg. Eine weitere Kategorie beschäftigte sich mit den fotografischen Methoden, worunter die Reportage, systematische Bestandsaufnahmen und vergleichende Darstellungen eingruppiert wurden. Klaus Honnef6 beabsichtigte dabei die realistischen Tendenzen der professionellen Fotografie des 19. und 20.Jahrhunderts u.a. des Fotojournalismus den traditionellen Künsten als Herausforderung gegenüber zu stellen. Während sich die Kategorie der zeitgenössischen Fotografie, vorwiegend künstlerisch intendiert, unter dem Motto „Reflexion und Ausweitung des Mediums“ weniger der Realitätswiedergabe sondern vielmehr der Auseinandersetzung mit dem eigenen Medium widmete.

[...]


1 Prof. Klaus Honnef im Gespräch.

2 Ebd..

3 Weiss, Evelyn: „Einführung in die Abteilung Fotografie“, In: documenta 6. Bd. 2 , Kassel 1977, S. 7ff.

4 Honnef, Klaus: „ Bekenntnisse eines Ausstellungsmachers “, In: Kunstforum International, Bd. 19, Mainz 1977, S. 98ff.

5 Ebd. S. 103.

6 Prof. Klaus Honnef im Gespräch.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die documenta 6 - Abteilung Fotografie
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Kunstgeschichtliches Institut)
Veranstaltung
Die Geschichte der documenta (Kunst und ihre Vermittlung)
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V116078
ISBN (eBook)
9783640181506
ISBN (Buch)
9783640181582
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fotografie, documenta 6, Kassel, Ausstellungwesen, Künstlerischer Leiter Manfred Schneckenburger, Manfred Schneckenburger, künstlerische Leitung Manfred Schneckenburgers, 6.documenta von 1977, Medienkonzept der documenta, documenta 6 in Kassel, Fotografie als autonomes Medium, museales Ausstellungswesen, Fotografie im musealen Ausstellungswesen, Abteilung Fotografie, Kuratorische Leitung der Abteilung Fotografie, Klaus Honnef, Fotografie im Museum, Photographie im Museum, Fotografie auf der documenta 6
Arbeit zitieren
Mireille Murkowski (Autor), 2007, Die documenta 6 - Abteilung Fotografie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116078

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