Die Tracht im Deutschunterricht: Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des erörternden Schreibens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
20 Seiten, Note: 2,3
Katrin Hugo (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeines zum Thema „Tracht“
1.1. Begriffsbestimmung und kurze Geschichte der Tracht
1.2. Der Stellenwert der Tracht heute

2. Die Tracht im Unterricht - Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des erörternden Schreibens
2.1. Sachanalyse
2.1.1. Auswahl schülergerechter Aspekte zur Thematik „Tracht“
2.1.2. Allgemeines zur Erörterung
2.2. Didaktische Analyse
2.3. Methodische Analyse und geplanter Unterrichtsverlauf

3. Literaturverzeichnis

4. Verzeichnis der Internetseiten

5. Abbildungsverzeichnis

6. Materialien
6.1. Pressetext zum Ablauf der Eröffnungsfeier
6.2. Bilder aus der Eröffnungsfeier

1. Allgemeines zum Thema „Tracht“

Am Anfang meiner Arbeit steht ein kurzer allgemeiner Überblick zum Thema „Tracht“. Dabei soll die Tracht kurz in den Zusammenhang mit dem größeren Thema „Mode“ gebracht werden, bevor dann eine Begriffbestimmung folgen wird. Auch eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der Tracht soll gegeben werden. Dieser Teil der Arbeit versteht sich jedoch nur als kurze Einleitung, da das Hauptaugenmerk darauf liegen soll, was sich auch aus einem, auf den ersten Blick eher ungewöhnlichen Thema wie „Die Tracht im Deutschunterricht“, didaktisch herausarbeiten lässt.

1.1. Begriffsbestimmung und kurze Geschichte der Tracht

Der Begriff „Mode“ entstand in der Mitte des 15. Jahrhunderts in Frankreich und leitet sich vom lateinischen „modus“ (Art und Weise) ab. Während des 17. Jahrhunderts wurde er aus dem Französischen in andere europäische Sprachen übernommen. Nachdem zunächst meist das als modisch galt, was aus Frankreich und im speziellen aus Paris stammte, bildete sich im Laufe des 17. Jahrhunderts in ganz Europa der Begriff der Mode im modernen Sinne heraus.[1] Mode ist zum einen ein Schlüsselbegriff, durch den sich soziale Differenzierungsprozesse deuten lassen und zum anderen die kommerzielle Form der Ästhetisierung alltäglicher Selbstdarstellung.[2]

Die Tracht bezeichnet im ursprünglichen Sinn alles, was von Menschen als Kleidung getragen wird, so wie es die herrschende Konvention oder eine Institution vorschreibt. Seit dem 16. Jahrhundert erscheinen Trachtenbücher, die die entsprechenden nationalen, regionalen, ständischen oder modischen Trachten vorstellen. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde der Begriff sehr umfassend verwendet, so etwa auch für Berufstrachten. Erst seit dieser Zeit umfasst er vor allem die Volkstrachten.[3]

Der Untersuchungsgegenstand meiner Arbeit soll vor allem die Volkstracht sein. Hierbei handelt es sich um eine regional vorkommende Kleidung, deren Differenzierung sich durch die territoriale Abgrenzung und durch unterschiedliche Attribute an der Kleidung ergibt. Im heutigen Verständnis meint Tracht hauptsächlich die Kleidung der ländlich-bäuerlichen Bevölkerung, im Barock, Rokoko und Biedermeier umfasste sie auch die Kleidung der höheren sozialen Schichten. Die traditionelle Tracht liefert vielfältige Informationen über den Träger, so etwa über die Region oder das Dorf aus dem er stammt, sowie auch über den sozialen Status, den Personenstand, die Trauerstufe und den Anlass.[4] Der Landestrachtenverband Niedersachsen definiert Tracht folgendermaßen[5]:

Als Tracht wird die Kleidung der ländlichen Bevölkerung bezeichnet, deren Verbreitung regional, zeitlich und konfessionell begrenzt ist. Sie wechselt in den ihr vorgeschriebenen Grenzen nach Anlass und Trauerstufe und spiegelt den sozialen Status wieder.

1.2. Der Stellenwert der Tracht heute

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Heute ist die Volkstracht aus der Alltagsmode in Deutschland weitgehend verschwunden. Vor allem in den Städten, aber auch in den ländlichen Gegenden steht gerade die Jugend der Volkstracht ehr ablehnend gegenüber. Um die Trachtenpflege kümmern sich vor allem Trachtenvereine, die die Volkstrachten aus bewusster Tradition tragen und sich auch ansonsten der Pflege und Weitergabe volkstümlichen Brauchtums verpflichtet sehen.[6] Als Beispiel für eine traditionelle Volkstracht soll hier die Tracht des Trachtenvereins Pfaffenhofen stehen[7].

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Von der Volkstracht unterschieden werden muss die Landhausmode. Hierbei handelt es sich um eine Modeerscheinung, die einzelne traditionelle Trachtenelemente aufgreift um sie in einer Abwandlung zu präsentieren, die modern und sexy erscheinen soll. Diese Art der Landhausmode wird vor allem auf den großen Volksfesten als modischer Spaß getragen. Meist haben die Träger aber keinerlei Bezug zu traditioneller Volkstracht. Ein Beispiel für Landhausmode lässt sich etwa in Online-Versandhäusern finden. Im Internet finden sich zahlreiche Seiten, die zumeist englische Namen haben.[8] Dass die Mode hier auch in englischer Sprache präsentiert wird, zeigt, dass sich die Seite vor allem an Oktoberfest-Touristen wendet. Auch daran, dass auf diesen Seiten Lederhosen für Frauen angeboten werden, ist erkennbar, dass es sich hier keineswegs um einen traditionellen Umgang mit Tracht handelt.

In den Blickpunkt der Öffentlichkeit tritt die Tracht in Bayern vor allem zur Zeit der jährlichen Volksfeste, ganz besonders jedes Jahr im September zum Oktoberfest in München. Hier lässt sich dann ein Anstieg der Präsenz der Tracht auch im Alltagsleben und im Straßenbild verzeichnen, so ziehen viele ihr Dirndl oder ihre Lederhose bereits in die Arbeit an, wenn am Abend ein Besuch des Oktoberfests geplant ist. Auch viele Jugendliche, die nicht vom Land, sondern aus der Stadt kommen, tragen zu diesem Anlass Tracht. Es ist natürlich fraglich, ob hinter diesem Tragen tatsächlich Traditions- und Wertebewusstsein der Jugendlichen stehen oder ob es sich lediglich um eine Modeerscheinung und einen modischen Witz handelt, dennoch ist es auffällig, dass vor allem viele jungen Menschen zum Oktoberfest Tracht tragen.

Nicht vergessen werden sollte auch, dass das Bild Deutschlands im Ausland ganz entscheidend von der Tracht geprägt ist. Das klassische Bild, das Ausländer oftmals vor Augen haben, wenn sie an Deutschland denken, ist wohl immer noch sehr von Stereotypen geprägt und sieht die Deutschen in Lederhosen und Dirndl. Die Erfahrung, dass Deutsche noch immer als etwas altmodische Menschen in ländlicher Tracht gesehen werden, wird man persönlich immer wieder machen, wenn man im Ausland unterwegs ist und es gibt auch diverse wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Thematik.[9]

Um die Jahrhundertwende und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Tracht ein oft behandeltes Thema der Forschung und so entstanden in dieser Zeit zahlreiche Veröffentlichungen[10]. Auch aktuell gibt es noch Betrachtungen zur Tracht, vor allem unter volkskundlichen Aspekten[11]. Diese Untersuchungen widmen sich jedoch zumeist nur sehr spezifischen regionalen Themen, so wie das etwa Ulrike Höflein in ihrer Veröffentlichung „Vom Umgang mit ländlicher Tracht“ für Baden macht.[12] Größere Überblickwerke fehlen.

2. Die Tracht im Deutschunterricht: Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des erörternden Schreibens

Für den Einsatz der Tracht im Unterricht gibt es in der Didaktik keine Literatur. So wird also das selbstständige Erarbeiten einer möglichen Unterrichtsstunde zu dieser Thematik im Vordergrund stehen. Dabei wird sich der Aufbau der Arbeit weitgehend an Wolfgang Klafkis kritisch-konstruktiver Didaktik und seinem Perspektivschema der Unterrichtsplanung orientieren.[13] Lediglich eine Analyse der Lehr-/Lernvoraussetzungen soll weitgehend unterbleiben, da es sich hier ja um einen rein theoretischen Stundenentwurf handelt und leider keine tatsächliche Schulklasse als Beispiel herangezogen werden kann.

2.1. Sachanalyse

Die Arbeit will sich dem Thema „Die Tracht im Deutschunterricht“ über den Einsatz von erörterndem Schreiben nähern und sich deshalb vor allem den Lernbereiche mündlicher und schriftlicher Sprachgebrauch widmen. Dabei soll zum einen auf das Thema Tracht und ihre Bedeutung für die Lebenswelt der Schüler eingegangen werden und zum anderen auf formale Aspekte der Aufsatzart der Erörterung.

2.1.1. Auswahl schülergerechter Aspekte zur Thematik „Tracht“

In der Sachanalyse möchte ich zunächst vor allem überlegen, welche Aspekte des Themas „Tracht“ für Schüler interessant sein könnten. Es handelt sich um eine Thematik, die nicht sofort Begeisterung bei den Schülern wecken wird, da sie, zumindest auf den ersten Blick, ziemlich außerhalb der Lebenswelt der Schüler angesiedelt ist. Es muss also versucht werden, Schwerpunkte zu finden, die den Schülern das Thema näher bringt. Dafür bietet es sich nicht an, die Gewänder an sich zu untersuchen oder auf Besonderheiten einzelner Trachten einzugehen, sondern es muss vor allem der Zusammenhang mit Traditionen und Identität durch Tracht im Vordergrund stehen. So soll mit den Schülern eben erarbeitet werden, wann heute noch Tracht getragen wird und wann die Tracht im öffentlichen Leben zu sehen ist und ob sie sich selbst noch in irgendeiner Weise mit der Tracht identifizieren können.

Als aktuelles Beispiel und Unterrichtsmaterial soll die Eröffnungsfeier der Fußballweltmeisterschaft in München[14] dienen, die in die ganze Welt übertragen wurde und bei der viel Tracht getragen und traditionelle Elemente deutscher, speziell bayerischer Kultur gezeigt wurden. In der Eröffnungsfeier wurden bewusst traditionelle Elemente durch den Auftritt von „Goaßlschnalzern“ und „Schuhplattlern“, modernen Showeinlagen wie etwa dem Auftritt der Berliner Hip Hop Band „Seeed“ gegenüber gestellt. Im Pressetext heißt es dazu: „Das moderne Deutschland trifft auf die traditionellen Trachtengruppen.“[15] Die Eröffnungsfeier soll also gemeinsam im Unterricht angeschaut werden und nach einer mündlich Diskussion sollen sich die Schüler Gedanken darüber machen, wo sie selbst Deutschland und sich selbst in Deutschland sehen. Steht für die Schüler das moderne, internationale, durch den Hip Hop verkörperte Deutschland im Vordergrund oder erachten sie auch die Traditionen und nationalen, beziehungsweise regionalen Besonderheiten Deutschlands als wichtig? Sehen sie sich selbst als Weltbürger oder legen sie Wert auf ihre nationalen Wurzeln und ihre regional geprägte Identität? Und stellt die Inszenierung Christian Stückls Deutschland so dar, wie die Schüler ihr Land sehen? Aus der Diskussion über diese Fragestellungen kann schließlich gemeinsam mit der Klasse eine Aufgabenstellung für einen Übungsaufsatz zur Erörterung entwickelt werden.

[...]


[1] Wehinger: Modisch/Mode, S. 169 f.

[2] Ebd., S. 168.

[3] Brockhaus-Enzyklopädie, Bd. 22, „Tracht“, S. 289.

[4] Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Bd. 24, „Volkstrachten“, S. 683.

[5] http://www.landestrachtenverband-niedersachsen.de/html/mittelpunkt.html (30.06.2006).

[6] Vgl. die Ziele des Bayerischen Trachtenverbandes: http://www.trachtenverband-bayern.de/vorstand/index.php (30.06.2006).

[7] http://www.trachtenverein-pfaffenhofen.de/images/dcp1868.jpg (30.06.2006).

[8] Siehe etwa: http://www.bavarian-superstore.de/d/index.htm, www.mylederhosen.com, www.country-online.com (30.06.2006).

[9] So etwa in: Baker: How do we see each other?

[10] So etwa: Nienholdt: Die deutsche Tracht im Wandel.

[11] So etwa: Bringemeier: Mode und Tracht.

[12] Höflein: Vom Umgang mit ländlicher Tracht.

[13] Klafki: Bildungstheoretische Didaktik, S. 14.

[14] Die Eröffnungsfeier fand am 9. Juni 2006 in der Münchner Allianzarena statt und wurde von Christian Stückl, dem Intendant des Münchner Volkstheaters, inszeniert. Eine genaue Liste des Ablaufs und eine CD mit einer Aufzeichnung der Eröffnungsfeier, sowie einige Bilder finden sich im Anhang der Arbeit.

[15] Siehe Anhang oder http://sport.ard.de/wm2006/wm/news200606/09/eroeffnung_ablauf.jhtml (28.06.2006).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Tracht im Deutschunterricht: Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des erörternden Schreibens
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für deutsche Philologie, Deutschdidaktik)
Veranstaltung
Mode und ästhetische Erziehung
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V116081
ISBN (eBook)
9783640180875
ISBN (Buch)
9783640180974
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tracht, Deutschunterricht, Einsatzmöglichkeiten, Rahmen, Schreibens, Mode, Erziehung
Arbeit zitieren
Katrin Hugo (Autor), 2005, Die Tracht im Deutschunterricht: Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des erörternden Schreibens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116081

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