Die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau beherbergt gleich zwei Stillleben mit Nautiluspokal, die aus der Frankfurter Sammlung der Prinzessin Henriette Amalie von Anhalt-Dessau stammen. Beide haben eine interessante Sammlungsgeschichte, geben aber einen unterschiedlichen Ausblick auf die Umstände ihrer Zeit. Nicht die mitsprechende Symbolik des christlichen Bildverständnisses allein, sondern aktuelle Ereignisse des 17. Jahrhunderts verleihen den beiden Gemälden Inhalt. Die formal verschiedene Malweise verstärkt die Botschaft, die sich hinter den Mahlzeiten verbirgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Willem van Aelst: Stillleben mit Nautiluspokal und Granatapfel
2.1. Bildbetrachtung
2.2. Symbolik
2.3. Format
2.4. Zuschreibung
2.4.1. Allgemeine Zuschreibung / Biografie
2.4.2. Werkzuschreibung: Stillleben mit Nautiluspokal und Granatapfel
2.5. Verbleib
3. Zwei Stillleben mit Nautiluspokal
3.1. Daniel Thielen: Stillleben mit Nautiluspokal, Flusskrebsen und Römer in einer Nische
3.2. Bildvergleich: Zwei Stillleben mit Nautiluspokal
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht zwei Stillleben mit Nautiluspokal aus der Sammlung der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, analysiert deren kunsthistorische Zuschreibung, symbolische Bedeutung und wechselvolle Provenienzgeschichte. Dabei steht insbesondere der Vergleich zwischen dem dem Prunkstillleben Willem van Aelsts zugeschriebenen Werk und dem Stillleben Daniel Thielens im Vordergrund.
- Analyse und Bildbetrachtung von Prunkstillleben des 17. Jahrhunderts
- Untersuchung der Symbolik und des Vanitas-Gedankens in niederländischen Stillleben
- Diskussion zur Zuschreibungspraxis und Biografie der Künstler Willem van Aelst und Daniel Thielen
- Provenienzforschung anhand historischer Sammlungsverzeichnisse der Prinzessin Henriette Amalie von Anhalt-Dessau
- Vergleichende kunsthistorische Einordnung unterschiedlicher Bildgattungen
Auszug aus dem Buch
2.1. Bildbetrachtung
Das 71 x 84,5 Zentimeter große Ölgemälde Stillleben mit Nautiluspokal und Granatapfel zeigt verschiedene wertvolle Gegenstände sowie Obst und Weinblätter, die auf einer, mit einer roten Samtdecke überworfenen, Tischecke arrangiert sind. [Abb. 1] Im Hintergrund des Bildes gibt ein grüner, leicht zur linken Seite geschobener Vorhang aus feinerem Stoff den Blick auf eine Dunkelheit im rechten Bildteil frei. Von der oberen rechten Bildecke hängt die Kordel des Vorhangs herab.
Die Spitze dieser strengen Dreieckskomposition bildet der Deckel eines venezianischen Glaspokals, der einen Finger breit mit Rotwein gefüllt ist. Der Diagonale folgt ein kostbarer Nautiluspokal mit Henkel, sowie einer Gold- und Silbermontur, ein Zinnteller mit je einer Rebe weißer und roter Weintrauben, sowie einigen Pfirsichen und eine aufgeklappte Taschenuhr an einer Kette. Das Dreieck schließt ein, über die Ecke des Tisches ragender, Silberteller mit Beschlag, auf dem ein aufgebrochener Granatapfel liegt. Etwas Weinlaub spielt sich im Hintergrund des Arrangements mit einem einzelnen Blatt vor die Dunkelheit am rechten Bildrand.
Das vordergründigste Element des Sujets stellt nicht der, dem Betrachter am nächsten liegende, beschlagene Silberteller, sondern das hellste Element der Darstellung, die perlmuttfarbene und von der Seite dargestellte Nautilusschale, dar, die durch die Qualität und die Quantität ihrer Helligkeit in einem Hell-Dunkel-Kontrast auf die Szene hinter dem Vorhang verweist. Diese Wirkung wird durch den Umstand verstärkt, dass sich der Pokal auf dem Scheitelpunkt des Goldenen Schnitts befindet, folgt man mit den Augen der Kurve der Stoffbahn des Vorhangs.
Die delikat anmutende Farbgebung des Bildes besticht durch die Rottöne der Samtdecke, des Granatapfels, des Weines, sowie einiger dunkler Trauben, die sich in ausgewogenem Komplementärkontrast von den Grüntönen der Draperie, des Weinlaubs und der übrigen Weintrauben absetzen. Das von rechts einfallende Licht wird effektvoll von den Oberflächen des Glaspokals, der Granatapfelkerne, der einzelnen Weintrauben, sowie auf dem Faltenwurf der hochwertigen Stoffe reflektiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Gemäldes von Willem van Aelst, dessen Provenienz und der Zielsetzung der kunsthistorischen Untersuchung.
2. Willem van Aelst: Stillleben mit Nautiluspokal und Granatapfel: Detaillierte Analyse der Bildkomposition, der verwendeten Symbolik sowie der Zuschreibung an den Künstler und der Dokumentation des Verbleibs.
3. Zwei Stillleben mit Nautiluspokal: Vergleich des Werkes von Willem van Aelst mit einem Gemälde von Daniel Thielen hinsichtlich Motivwahl und künstlerischer Gattung.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Bedeutung und Sammlungsgeschichte der beiden untersuchten Gemälde.
Schlüsselwörter
Willem van Aelst, Prunkstillleben, Nautiluspokal, Granatapfel, Daniel Thielen, Anhaltische Gemäldegalerie, Amalienstiftung, Henriette Amalie von Anhalt-Dessau, Provenienzforschung, Symbolik, Vanitas, Stilllebenmalerei, 17. Jahrhundert, Zuschreibung, Kunstgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit zwei Stillleben der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, die einen Nautiluspokal zeigen, und untersucht deren kunsthistorische Einordnung und Geschichte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bildanalyse von Stillleben, der Bedeutung ikonografischer Symbole (Vanitas-Motivik) und der detaillierten Provenienzrecherche für die Sammlung der Amalienstiftung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kunsthistorische Aufarbeitung der Zuschreibungen beider Werke sowie die Untersuchung, wie sich durch formale Aspekte und Symbolgehalt die Zeitumstände des 17. Jahrhunderts in den Bildern widerspiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine kunsthistorische Bildanalyse in Verbindung mit intensiver Recherche in digitalen Datenbanken, Werkverzeichnissen und historischer Fachliteratur angewendet.
Welche Inhalte werden im Hauptteil fokussiert?
Im Hauptteil werden die Bildbetrachtung, die Symboldeutung, die Biografie der Künstler, eine kritische Werkzuschreibung sowie die Verbleibsgeschichte der Gemälde detailliert analysiert.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter dieser Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Prunkstillleben, Nautiluspokal, Provenienzforschung, Willem van Aelst und Daniel Thielen aus.
Warum spielt der Nautiluspokal eine so zentrale Rolle für die Analyse?
Der Nautiluspokal dient als verbindendes Motiv beider Werke, das einerseits den damaligen weltweiten Handel und Wohlstand symbolisiert und andererseits Gegenstand einer differenzierten kunsthistorischen Zuschreibungsdebatte ist.
Was ist das Besondere an der Provenienz der Gemälde?
Die Gemälde stammen aus der privaten Sammlung der Prinzessin Henriette Amalie von Anhalt-Dessau, deren Geschichte durch umfangreiche Dokumente wie Transportlisten und Inventarnachträge belegt ist und bis heute nachvollzogen werden kann.
- Arbeit zitieren
- Melanie Metzlaff (Autor:in), 2021, Prunk und Vanitas. Willem van Aelsts Stillleben mit Nautiluspokal und Granatapfel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1160957