Die Figur des Heathcliff als Spiegel der Natur in Emily Brontёs 'Wuthering Heights'


Seminararbeit, 2008

25 Seiten, Note: 2,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Prolog

1. Anlage der Figur Heathcliff und Bedeutung der Natur

2. Naturgewalt als Metapher - Die Beziehung von Catherine und Heathcliff

3. Der Natur- Kulturkonflikt

Epilog

Bibliographie

Prolog

Wuthering Heights ist durchsetzt von entsetzlichen, bewegenden und phantastischen Ereignissen. Für eine solche Inszenierung der Charaktere und Geschehnisse spielte das Naturverständnis der Autorin eine prioritäre Rolle. Das sich ständig wandelnde Wetter, die Jahreszeiten, die trüben Moor- und Heidelandschaften und vor allem die Stürme, die das Anwesen Wuthering Heights stets umgeben, haben einen starken Effekt auf die Anlage und Entwicklung des jeweiligen Charakters, welcher entweder im Konflikt mit der übernatürlich angelegten Natur steht, oder mit ihr agiert. Die beiden Protagonisten Heathcliff und Catherine Earnshaw sind sogar so sehr mit der Natur um Wuthering Heights verbunden, dass sie ohne sie nicht sein könnten, da sie sich über diese definieren. Ihre Beziehung zueinander ist zu vergleichen mit einer ganz eigenen Naturgewalt, mit der der aufbrausenden Stürmen, oder der tiefen, dunklen Moorlandschaften, sowie der von Catherine und Heathcliff über alles geliebten Heide. Auf diesen übernatürlichen Zusammenhang, von einer ganz eigenen, unzivilisierten Natur, im Bezug auf die Charakteranlage und die Bedeutung der Protagonisten im Verhältnis zueinander, werde ich im Laufe meiner Ausführungen noch näher eingehen. Emily Brontё selbst ist tief verwurzelt mit den nordenglischen Hochmooren.[1] Diese Beziehung der Autorin zur rauen Natur Nordenglands ist in ihrem Roman für den Rezipienten spürbar. Brontё umgibt Heathcliff und Catherine nicht nur mit entfesselten Naturgewalten, sondern lässt sie nach den Prinzipien einer solchen Natur handeln. Das Klima von dem Wuthering Heights umgeben ist, stürmisch, schroff, aufbrausend, unberechenbar, sogar menschenfeindlich, zieht unübersehbar Parallelen zum Verhalten seiner Bewohner. Heathcliff ist leidenschaftlich, unverstanden, nicht zu bändigen, wild, melancholisch, grausam, schroff und abweisend, Charakterzüge, die auch Catherine aufweist und sich in der Naturkonstruktion widerspiegeln. Beide setzten einen auffälligen Kontrast zu den Bewohnern Trushcross Granges. Die Autorin lässt einen so Konflikt zwischen Natur und Kultur entstehen, der durch die Verschiedenheit der Anwesen, und deren Bewohner offenbar wird. Heathcliff widerfährt die „emotionale Verkrüpplung“ im Laufe des Romans, ebenso wie den Kiefern auf Wuthering Heights, denen der Wind die Chance zu Wachsen genommen hat:

„Mit welcher Gewalt der Nordwind über die Hügel bläst, kann man sich vorstellen, wenn man die wenigen verkümmerten Kiefern auf der anderen Seite des Hauses oder die Gruppe von dürren Dornensträuchern sieht, die alle ihre Arme in eine Richtung strecken, als erflehen sie von der Sonne ein Almosen.“[2]

Die Kiefern und die Dornensträucher fungieren hier eindeutig als Symbolik für Heathcliff und Catherine. Emily Brontё vermittelt dem Rezipienten durch Vergleiche, Symboliken und Parallelen zu Natur, Emotionen, menschliche Eigenschaften und deren Weltbilder. So vergleicht Catherine ihren Heathcliff beispielsweise mit

„[…] einem öden, hügeligen Kohlerevier […]“[3].

Bereits in der Namensgebung wird Natur durch die Autorin inszeniert, denn Wuthering Heights bedeutet Sturmhöhe, und soll das Toben der Winde bei stürmischem Wetter zu Ausdruck bringen.[4] Die kraftvolle, ausdrucksstarke und poetische Sprache, die dem Rezipienten aus dem Werk Brontёs entgegenströmt ist unter anderem den zahlreich eingesetzten Symboliken, Vergleichen Polaritäten und Metaphern zu verdanken, denen sie ihre Charaktere aussetzt und durch die sie sie in ihrer scheinbar unaufhaltsamen Entwicklung voran treibt. Die Earnshaws bleiben unberechenbar und spannend, ihr Handeln entspringt ebenso Emotionen, wie einem grausamen Kalkül, welches jeglicher Menschlichkeit zu entbehren scheint. Parallelen zu wilden Tieren und entarteten Pflanzen tun sich auf, die Autorin lässt uns oft im Unklaren über die Entstehung eines solch verderbten Naturells, sie spielt mit der Unwissenheit und der Erwartungshaltung des Lesers, um ihn dann auf schockierende Weise aus seinen Illusionen zu reißen. Bis zu Schluss wird er sich fragen, wie weit Menschen gehen können, denn er wird zweifellos versuchen, selbst den Earnshaws Sympathie entgegenzubringen. Verfolgt man die Entwicklung des jungen Findelkindes Heathcliffs genau, so ist es nicht zu übersehen, dass uns Brontё hier nicht unseren unklaren Gedanken überlässt, denn bei Heathcliff bedingt eine Greultat die andere, in einem Mikrokosmos der ihn einerseits gefangen nimmt, dem er aber andererseits verzweifelt zu entrinnen sucht, gleichermaßen gehalten und abgestoßen von Liebe und Hass . Stefan Heym hat gesagt:

„Wenn man die Menschen wie Tiere behandelt, werden sie wie Tiere.“[5]

Ich denke, dass es sich bei Heathcliff ähnlich verhalten hat, ungewiss bleibt aber, ob das wilde Naturell des Zigeunerjungen seine Entwicklung bedingt hat, oder diese sein Naturell.

1. Anlage der Figur Heathcliff und Bedeutung der Natur

Heathcliff ist ein Findelkind, nicht mehr als ein kleiner Zigeunerjunge mit wilden Augen, als ihn der alte Earnshaw als Sechs – jährigen von einer seiner Reisen mit auf sein Anwesen nimmt. Doch von Anfang an scheint sein stoisches Durchhaltevermögen, mit dem er Demütigungen und Schläge erträgt, und sein ebenso undurchsichtiger Charakter zu Wuthering Heights und der Umgebung zu gehören. Das erste Mal, das uns wilde Natur, aufbrausendes Gemüt und Beharrlichkeit verhießen wird, ist bereits bei der Namensgebung Heathcliffs. Dieser setzt sich aus den beiden englischen Worten „heathen“ und „cliff“ zusammen, wobei „heathen“ soviel wie Heide, als natürlicher Lebensraum, sowie der Heide als Nichtchrist, bedeutet. „Cliff“, ist im Deutschen der Felsen oder das Gestein. Seit prähistorischen Zeiten sind Steine, ihrer Härte wegen Sinnbild für Beständigkeit, Kraft und Macht. Als Lebenserhalter gelten sie aufgrund ihrer Eigenschaft, beim Gegeneinanderschlagen Funken zu erzeugen und somit Feuer zu entfachen.[6] Gehen wir von der Symbolik eines Felsen oder Gesteins aus, so wissen wir, dass Gestein Jahrtausende überdauern kann, außerdem ist es kalt, Gestein kann bearbeitet werden, entweder mit Gewalt, oder man verändert seine Form Stück für Stück, so wie es das Wasser tut, wenn es den Felsen umspült. Ein Felsen, wie wir ihn mit Heathcliff assoziieren würden ist beharrlich, standhaft und sehr kalt, Monument der Natur, ungeschliffen kommt er nach Wuthering Heights, der „heidnische Fels“Heathcliff wird mit Gewalt geformt, er erträgt diese mit Geduld. Sein eigentliches Wesen, und das, was ihm angetan wurde treten erst später auf sadistische Weise zu Tage, rächen sich mit unmenschlicher, beinahe animalisch verrohter Gewalt. Heathcliff – eine Namensgebung, die dem Betrachter unter gewissenhafter Betrachtung und Analyse vielschichtige Metaebenen eröffnet. Glaubt man alten germanischen Sagen, so ist das weiß blühende Heidekraut, welches aus dem Blut eines erschlagenen Helden entstanden sein soll, Sinnbild der ewigen Liebe, obwohl es ebenso für die Einsamkeit steht. Auch die Wettervorhersage, besonders die von kalten Wintern wird der Calluna vulgaris[7] nachgesagt.[8] Taxiert man beide Symboliken, die des Felsens und die der Heide genauer, so erhält man zweifellos eine Quintessenz der Charakterzüge Heathcliffs und der Dinge die ihn umgeben, beziehungsweise, denen er ausgesetzt ist. Auch Heathcliff kann als gefallener Held angesehen werden:

„The reader sympathizes with Heathcliff, the gypsy oppressed by a rigid class system and denigrated as “imp” or “fiend“. But as Heathcliff pursues his revenge and tyrannical persecution of the innocent, the danger posed by the uncontrolled individual to the community becomes apparent.”[9]

Auch Heathcliff verkörpert Einsamkeit, niemand darf sich ihm wirklich näheren, niemand, außer Catherine Earnshaw, die er als Teil seiner selbst liebt. Mit ihr teilt er die Liebe zu den weiten Heidelandschaften, die Gerüche und Gefühle, mit denen sie das Moor umgeben, die Unberechenbarkeit der Winde und entfesselten Stürme, die Wuthering Heights zu allen Zeiten umwehen. Die Heide verkörpert die Fähigkeit Heathcliffs, Catherine zu lieben, die Fähigkeit zu einer beständigen Liebe, die ihresgleichen sucht, den Tod überdauernd, eine Liebe, die dem Rezipienten übernatürlich und entrückt erscheinen muss, ewig in den Mooren konserviert, für den Menschen nicht greifbar. Auffällig ist auch, wie die Figur des Heathcliff eingeleitet wird und welche Art von Natur eingesetzt wird. Die erzählende Stimme des Mr. Lockwood schildert das von Heathcliff bewohnte Anwesen folgendermaßen:

„In ganz England hätte ich keine Stelle finden können, die vom Lärm der Gesellschaft so gänzlich unberührt ist. Ein Paradies für einen Menschenfeind.“[10]

Als „[…] Einöde [...]“[11] beschreibt der angehende Pächter weiterhin was er erblickt. Heathcliff, sein “[…] unzugängliche Nachbar […]“, wird von ihm unterschwellig als menschenfeindlich bezeichnet. Die Parallelen die sich zwischen der Beschreibung Heathcliffs und der Beschreibung von der Natur um das Anwesen Wuthering Heights ziehen lassen, sind offensichtlich. Die unberührte Einöde stellt sich dem Besucher genauso unfreundlich entgegen, wie deren Besitzer. Selbst die

„[…] extrem schiefen, verkümmerten Kiefern auf der anderen Seite des Hauses […]“[12] ,

entgehen dem aufdringlichen Auge des Betrachters nicht. Wie ich bereits im Prolog erwähnte, sind selbst die verkümmerten Kiefern Innbild Heathcliffs. Sie charakterisieren ihn genau in dem Moment, in dem Lockwood dem Gutsherren begegnet und bezeichnen exakt das Entwicklungsstadium in dem sich Heathcliff zur Ankunft des Fremden befindet, ein verkümmertes. Doch die Natur, um den Protagonisten wird bereits zu Anfang des Romans animalische Ausmaße annehmen, Ausmaße, die Lockwood unbegreiflich sind und ihn ängstigen. Brontё steigert die natürlichen Verhältnisse von bloßen Feststellungen Lockwoods, bis hin zu einer entsetzlichen Angst, die er in der Obhut des eigensinnigen und undurchsichtigen Gutsherrn verspüren muss, als dieser von Heathcliffs Hunden angefallen wird. Der Heathcliff ergreift Partei für seine Hunde und scheint sich herzlich wenig um seinen Gast zu scheren, als dieser den Hund arglos streicheln will:

„Lassen Sie den Hund lieber in Ruh’[…]sie ist ’s nicht gewöhnt, verhätschelt zu werden, ist doch kein Schoßhund.“[13]

[...]


[1] http://www.think-of-me.de/Biographie/Sisters_Bronte.htm

[2] Emily Brontё; Wuthering Heights, S. 9, Z. Z. 33 - 38

[3] Ebd., S. 94, Z. Z. 1 - 2

[4] Ebd., Vgl. S. 8, Z. Z. 29 - 32

[5] http://www.karsten-mekelburg.de/zitate/s_mensch.htm

[6] http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_8834.html

[7] Der botanische Name des Heidekrautes

[8] http://www.swr.de/gruenzeug/kraeuterfrau/2006/08/22/print.html

[9] http://academic.brooklyn.cun.edu/english/melani/novel_19c/wuthering

[10] Emily Brontё; Wuthering Heights, S. 7, Z. Z. 4 - 7

[11] Ebd., S. 7, Z. Z. 8

[12] Ebd. S. 9, Z. Z. 35

[13] Ebd. S. 12, Z. Z. 11 - 14

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Figur des Heathcliff als Spiegel der Natur in Emily Brontёs 'Wuthering Heights'
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
BA-Literaturwissenschaft: „Stein und Erzählung. Probleme der Narrativik“
Note
2,00
Autor
Jahr
2008
Seiten
25
Katalognummer
V116118
ISBN (eBook)
9783640182589
ISBN (Buch)
9783640182657
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Figur, Heathcliff, Spiegel, Natur, Emily, Brontёs, Wuthering, Heights, BA-Literaturwissenschaft, Erzählung, Probleme, Narrativik“
Arbeit zitieren
Julia Kulewatz (Autor), 2008, Die Figur des Heathcliff als Spiegel der Natur in Emily Brontёs 'Wuthering Heights', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116118

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