Lady Milford in "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller. Ist sie eine selbstbestimmte Person?


Essay, 2020

9 Seiten

Anonym


Leseprobe

Oft werden Frauen in literarischen Werken als unselbstständig dargestellt und haben oft nur eine passive Rolle. Friedrich Schillers Drama „Kabale und Liebe“1, uraufgeführt im Jahre 1784, hat jemand, die vielleicht diese Rolle erfüllt. Lady Milford ist die Mätresse des Herzogs und wünscht sich eine Heirat mit Ferdinand, den Protagonisten im Stück, der jedoch schon eine Geliebte hat. Doch ist Lady Milford wirklich nur die hilflose Frau oder ist sie viel mehr als das? Dieser Essay wird sich also mit Lady Milford als Person beschäftigen und der daraus folgende Fragestellung: Inwiefern ist Lady Milford eine selbstbestimmte Person? Im Folgenden wird diese Frage mit Aspekten bezüglich ihre Beziehung zur Adelsgesellschaft, zu Luise und Ferdinand, sowie ihre Umstände und Lebensumgebung analysiert.

Laut Duden ist Selbstbestimmung die „Unabhängigkeit des bzw. der Einzelnen vonjeder Art der Fremdbestimmung (z. B. durch gesellschaftliche Zwänge, staatliche Gewalt)“2. Da „Selbstbestimmung“ eine moderne Kategorie ist, werde ich zuerst erläutern, inwiefern man als Frau im 18. Jahrhundert selbstbestimmt sein konnte. Das Bild der Frau im 18. Jahrhun­dert war immer mit Heirat und Kindererziehung verbunden.3 Jedoch wurden Ehen nicht mehr vorwiegend aus wirtschaftlichen oder ständischen Gründen von den Eltern vermittelt und bürgerliche Mädchen hatten das Recht, den Ehepartner selbst zu wählen.4 Nichtsdesto­trotz musste das bürgerliche Mädchen unberührt in die Ehe gehen, das Symbol für bürger­liche Sittsamkeit und das Gegenbild der höfischen Mätresse.5 Lady Milford ist nun eine Mätresse, eine Adelige und die offizielle Geliebte des Herrschers. Während Mätressen oft großen politischen Einfluss haben, sieht das Volk auf die Mätresse eher herab.6 Letztend­lich folgt daraus, dass Frauen zu der Zeit nur wenige die Möglichkeit hatten, Selbstbestim­mung auszuleben, aufgrund der Umstände und des Gesellschaftsbildes der Frau im 18. Jahrhundert, einschließlich der Mätresse.7

Im Folgenden wird analysiert, was für und gegen Lady Milfords Selbstbestimmung spricht. Ein Bereich und Argument gegen ihre Selbstbestimmung ist ihre Beziehung zum Herzig und Mätressenwesen, welches ich im Folgenden untersuchen werde. Lady Milford ist die Tochter eines Fürsten, doch ihr Vater wurde wegen Hochverrats hingerichtet, was dazu führte, dass sie nach Deutschland fliehen musste.8 Um ein besseres Leben zu erlangen, hat­te sie also keine Wahl als die Konkubine des Fürsten zu sein, der ihr Ruhm, Reichtum und Macht gegeben hat.9 Des Weiteren lässt sich sagen, dass sie aufgrund ihrer Erziehung, der sie darauf vorbereitet hat der höfischen Etikette zu genügen, keine Chance auf ein selbstbe­stimmtes Leben gehabt hat und somit abhängig vom Adel und Mann ist.10 Insgesamt übt sie hier also keine Selbstbestimmung aus.

Obwohl sie also vom Herzog abhängig ist, hat sie ihre eigene Meinung über die Hofgesell­schaft. Sie bezeichnet die Adeligen als „erbärmliche Menschen“11 und „Sklaven eines ein­zigen Marionettendrahts“12. Überdies kritisiert sie die Künstlichkeit und Falschheit des Adels.13 Weiterhin vermittelt sie ihr Sentiment sprachlich direkt und unkompliziert, was zeigt, dass sie sich nicht scheut ihre Meinung frei zu sagen.14 Als sie erfährt, dass die Schmuckkiste, die vom Fursten mit siebentausend Landskinder"15 bezahlt wurde, will Lady Milford diese nicht mehr haben.16

[...]


1 Von Schiller, Friedrich (2019): Kabale und Liebe. Husum/Nordsee: Hamburger Lesehefte Verlag.

2 „Selbstbestimmung“ auf Duden online. URL: https://www.duden.de/node/164197/revision/164233 (Abrufdatum: 09.09.2020).

3 Vgl. Völkl, Bernd (2017): Friedrich Schiller. Kabale und Liebe. Ditzingen: Phillip Reclam. S. 53f.

4 Vgl.ebd.

5 Vgl.ebd.

6 Vgl. Zimmer, Thorsten (2015): Friedrich Schiller. Kabale und Liebe. München: Stark Verlagsgesellschaft. S.14.

7 Vgl.ebd.

8 Vgl. Von Schiller: Kabale und Liebe. a.a.O. S. 28f.

9 Vgl. Von Schiller: Kabale und Liebe. a.a.O. S. 22.

10 Vgl. ebd.

11 Von Schiller: Kabale und Liebe. a.a.O. S. 21.

12 Ebd.

13 Vgl. Ebd.

14 Vgl. Von Schiller: Kabale und Liebe. a.a.O. S. 21f.

15 Vgl. Von Schiller: Kabale und Liebe. a.a.O. S. 24.

16 Vgl. Von Schiller: Kabale und Liebe. a.a.O. S. S.25.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Lady Milford in "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller. Ist sie eine selbstbestimmte Person?
Jahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V1161273
ISBN (Buch)
9783346572950
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lady, milford, kabale, liebe, friedrich, schiller, person
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Lady Milford in "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller. Ist sie eine selbstbestimmte Person?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1161273

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Lady Milford in "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller. Ist sie eine selbstbestimmte Person?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden