Die Werwölfe und der Grimm in der magischen Welt des Zauberers Harry Potter


Hausarbeit, 2006

21 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe

3. Erzählhaltung

4. Werwölfe
4.1 Remus J. Lupin
4.2 Mann im Krankenhaus
4.3 Fenrir Greyback

5. Der Animagus Sirius Black
5.1 Animagi
5.2 Sirius Black in der Gestalt des Grimms
5.3 Sirius Black in Menschengestalt

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Joanne K. Rowling erschuf in ihren „Harry Potter“-Werken eine Zaubererwelt, die durch unterschiedlichste Charaktere, Tiere und Objekte geprägt wird. Basis hierfür scheinen Mythologien und Sagen zu sein. Viele der Helden werden durch sprechende Namen charakterisiert.

Die Geschichte jedes Buches ist zunächst sehr rätselhaft und wird erst nach und nach aufgeschlüsselt. Der Leser kann dabei Parallelitäten und Differenzen zwischen den einzelnen Personen und deren Lebensläufen erkennen. Besonders die zwischenmenschlichen Beziehungen, die von Vertrauen und Argwohn geprägt sind, sind dabei die Grundlage für die Geschichte.

Im Folgenden werde ich die genannten Punkte genauer untersuchen. Zunächst gebe ich einen kurzen Überblick über die Rahmenhandlung und beschreibe einige Figuren genauer. Dabei werde ich auch einen Blick darauf werfen, wie diese in die Erzählung eingeführt werden.

Im Laufe der Geschichte treten unterschiedliche Gestalten auf, die (willentlich oder unwillentlich) ihre Erscheinung verändern. Besonders im dritten Band sind diese Phänomene, deren gesellschaftliche Anerkennung in der Zaubererwelt sehr stark variiert, ein zentrales Thema.

Die Schwerpunkte meiner Hausarbeit lege ich auf die Beschreibung des Werwolfes Remus Lupin und auf den Animagus1 Sirius Black, die in dem dritten Buch „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ zwei der Hauptrollen spielen. Um der Konstruktion dieser Figuren gerecht zu werden, werde ich sie jedoch nicht isoliert untersuchen, sondern besonders in Bezug auf die Gesellschaft und den Werwolf Fenrir Greyback.

2. Inhaltsangabe

Zwölf Jahre lebt die magische Welt in Angst vor dem mächtigsten schwarzen Zauberer aller Zeiten. Lord Voldemort2 verfolgt mit seinen Anhängern das Ziel, alle Halbblüter auszumerzen. Aus Furcht vor der Bewahrheitung einer Prophezeiung, die ihm einen ebenbürtigen Kontrahenten vorhersagt, versucht er das Baby Harry Potter, auf den die Voraussagung passt, zu töten. Indem Harrys Mutter sich für ihren Sohn opfert entsteht jedoch ein Zauber, der nicht nur verhindert, dass Lord Voldemort den kleinen Harry töten kann, sondern der auch dessen Kräfte minimiert.

Die Waise Harry wächst bei seinen nichtmagischen Verwandten auf und erfährt erst im Alter von 11 Jahren, dass er ein Zauberer ist.

Er verlässt die so genannte Muggelwelt und besucht die Zaubererschule in Hogwarts, in der er als ‚der Auserwählte’ bekannt ist. Mit seinen beiden Freunden Ron Weasley und Hermine Granger meistert er in den folgenden Jahren viele Gefahren, die der immer mächtiger werdende Lord Voldemort und dessen Todesser ihm durch die Versuche ihn zu vernichten bereiten.

Erst nach und nach erfährt er dabei die komplexen Hintergründe und Zusammenhänge, die die Vergangenheit und Gegenwart bestimmen und die ihm die Aufgabe auferlegen, den Dunklen Lord zu besiegen.

3. Erzählhaltung

Die eigentliche Geschichte der “Harry Potter“-Werke basiert auf der personalen Erzählhaltung, die sich auf den Protagonisten Harry Potter bezieht. An vielen Stellen tritt die Form der erlebten Rede oder des inneren Monologs auf.

Die Er-Erzählung erzeugt eine Identifikation des Lesers mit dem Helden des Buches. Dadurch erlebt der Leser die Handlung in der gleichen Reihenfolge und mit dem gleichen Wissen wie die zentrale Gestalt. Demzufolge klären sich die vielen auftretenden Fragen erst nach und nach und ergeben im Laufe der Geschichte ein immer komplexeres Gefüge von Zusammenhängen.

Die Einführung in die Geschichte der ersten fünf Werke beginnt in auktorialer Erzählhaltung, wobei zunächst auf die Umwelt Bezug genommen wird, um dann von dort aus an Harry heran zu zoomen. Der erste Abschnitt des sechsten Bandes ist in personaler Erzählhaltung aus der Sicht des Premierministers geschrieben und wechselt dann auf die von Harry. Mit Hilfe der auktorialen Erzählhaltung wird der Junge Harry vorgestellt. Durch den Perspektivwechsel entsteht dann eine Verschmelzung des Lesers mit dem Protagonisten.

4. Werwölfe

Im dritten Band der „Harry Potter“-Werke erfahren Harry und seine Freunde das erste Mal von der Existenz von Werwölfen. Nach und nach werden viele Eigenschaften der ungeliebten Geschöpfe beschrieben, wobei das Aussehen des Menschen in den Vorder- und das des Wolfes in den Hintergrund tritt. Im fünften Band wird zwar angedeutet, dass Unterschiede zwischen dem Aussehen eines Werwolfes und dem eines normalen Wolfes bestehen, die genauen Differenzen werden jedoch nicht formuliert.3 Ich vermute, dass die Autorin dadurch verdeutlichen wollte, dass ihre Werwölfe durch ihre Charaktere als Mensch und nicht als Wolfe geprägt werden und somit für ihr Handeln verantwortlich sind.

Das Ansehen der Werwölfe in der Zauberwelt ist schlecht. Nur wenige Magier erkennen ‚den Menschen im Werwolf’ und sehen daher in allen eine Bedrohung. Kaum einer hat Vertrauen zu ihnen.4 Lupin ist jedoch ein positives Beispiel, das verdeutlicht, dass auch ein Werwolf sich der Gefahr, die von ihm ausgeht, bewusst sein kann und dementsprechend vernünftig handeln kann, so dass er relativ harmlos für die Menschen ist. Dennoch denken nur wenige wie Harry, der Lupins Eigenschaft ein „kleines Problem“ nennt. Auch sein Vater beschrieb sie damals als ein „kleines pelziges Problem“.5 Lupins Gegenpol ist der Fenrir Greyback, der durch außergewöhnliche Bösartigkeit charakterisiert wird. Er verkörpert die negative Vorstellung, die die Zauberer von einem Werwolf haben.

Die Angst der Zauberer bereitet den Werwölfen ein schweres Dasein. Ein Anti- Werwolf-Gesetz macht es ihnen fast unmöglich eine Stelle zu bekommen.6 Auch Lupin kann nur als Lehrer arbeiten, weil seine Eigenschaft von dem Schulleiter Albus Dumbledore7 vor der Öffentlichkeit verheimlicht wird.

4.1 Remus J. Lupin

Professor R. J. Lupin ist einer der Protagonisten im dritten Band „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“8 und spielt als Auror9 auch in den weiteren Werken eine wichtige Rolle. Er trägt einen sehr bedeutungsvollen Namen: Der Nachname Lupin leitet sich von dem lateinischen Wort Lupus10 ab, der Vorname Remus stammt aus der römischen Gründungsgeschichte, in der das Bild einer Wölfin, die ein Zwillingspaar säugt, eine große Bedeutung hat. Der Sage nach stürzte Amulius seinen Bruder Numitor vom Thron und zwingt dessen Tochter in den zölibatären Dienst. Diese wird jedoch von dem Kriegsgott Mars, dem im Kultus der Wolf als heiliges Tier zugeordnet wurde, geschwängert und gebärt die beiden Kinder Romulus und Remus. Amulius setzt die beiden Jungen aus Angst um seinen Thron auf dem Tiber aus. Mars schickt daraufhin eine Wölfin, die die beiden birgt und an ihren Zitzen satt trinken lässt. Die Jungen überleben und Romulus gründet später die Stadt Rom. Besonders in ihrer Funktion der tierischen Personifikation der sowohl rührenden als auch blutrünstigen Ursprungssaga ging die säugende Wölfin als zentrale Figur in die römische Mythologie ein. Sie wurde als ‚Mater romanorum’ (‚Mutter der Römer’) verehrt.11

Lupin tritt in Harrys drittem Jahr in Hogwarts als neuer Lehrer die Stelle für die‚Verteidigung gegen die dunklen Künste’ an. Schon im Hogwarts-Express12 lernen Harry und seine Freunde ihn kennen ohne jedoch zu wissen, dass er ein Werwolf ist. Zunächst mustern sie den schlafenden Mann skeptisch, da er eine sehr außergewöhnliche Erscheinung ist. Er trägt einen äußerst schäbigen und an mehreren Stellen geflickten Zaubererumhang und sieht sehr krank und erschöpft aus. Auch sein kleiner Koffer ist ziemlich zerknautscht und wird nur durch sorgfältig verknotete Schnüre zusammengehalten. Obwohl er den Schülern noch sehr jung vorkommt, ist sein Haar schon von grauen Strähnen durchzogen und sein Gesicht durch Furchen geprägt. Zunächst erweckt der Professor den schäbigen Eindruck eines schnell gealterten Mannes. Mit dem Hintergrundwissen, dass Lupin ein Werwolf ist, bekommen seine Eigenschaften, sein Verhalten und sein Aussehen jedoch einen bedeutsamen Sinn. Das graue Haar erinnert an das graue Fell eines Wolfes, die Narben an vorangegangene Kämpfe. Harry und der Leser erfahren erst am Ende des Buches von der Tatsache, dass Lupin ein Werwolf ist. Im Folgenden werde ich diese Gegebenheit dennoch in meine Interpretation mit einbeziehen.

Da der Lehrer sich während der Zugfahrt durch nichts wecken lässt, zweifeln die Kinder, ob er überhaupt am Leben ist und überlegen, dass er sich aufgrund seiner schwachen Erscheinung durch einen guten Zauber wohl sehr leicht erledigen lassen würde.13 Erst als der Zug abrupt stehen bleibt, scheint der Mann plötzlich hellwach zu sein. Die Augen in seinem müden grauen Gesicht glänzen wachsam und voller Argwohn.14 Als dann ein Dementor im Zugabteil erscheint vertreibt Lupin ihn durch einen Zauberspruch und kuriert den ohnmächtig gewordenen Harry mit einem Stück Schokolade. Damit beweist er den Schülern und sogar der Krankenschwester Madam Pomfrey seine magischen Fähigkeiten und Kenntnisse.15 Lupins Verhalten im Zug lässt wölfisches Verhalten erkennen. Erschöpft durch vorangegangene Verwandlungen nutzt er die Fahrt um sich zu erholen. Dabei ist seine Wahrnehmung nicht eingeschränkt, so dass er bei dem kleinsten Zeichen von Gefahr hellwach ist und entsprechend reagieren kann. Als Dumbledore die Schüler Willkommen heißt und Lupin vorstellt, sind die meisten Schüler und auch einige Lehrer misstrauisch dem Neuen gegenüber. Lediglich diejenigen, die den Vorfall während der Fahrt mitbekommen haben, sind begeistert von dem neuen Professor.16

[...]


1 Ein Animagus ist ein Zauberer oder eine Hexe, der/die sich in ein Tier verwandeln kann. (Ani = Tier, Magus = Zauberer)

2 Lord Voldemort wurde unter dem Namen Tom Riddle geboren und war früher auch Schüler in Hogwarts. Er ist auch unter dem Dunklen/Schwarzen Lord bekannt. Seine Anhänger werden als Todesser bezeichnet. In der Zaubererwelt ist es verpönt seinen Namen auszusprechen. Meistens sagen die Leute stattdessen „du-weißt-schon-wer“ oder „der-dessen- Name-nicht-genannt-wird“, wenn sie über ihn reden. Sie reagieren entsetzt, wenn Harry sich an diese ungeschriebene Regel nicht hält.

3 Erwähnt werden die abweichende Schnauzenform, die Pupillen und die buschige Rute. Nähere Erläutungen werden jedoch nicht gemacht, vgl. Band 5, S. 756.

4 Vgl. Band 3, S. 405.

5 Band 6, S. 338.

6 Vgl. Band 5, S. 356 f.

7 Albus = steht im Lateinischen unter anderem für die Begriffe weiß und Glück bringend, vgl. Langenscheidts Taschenwörterbuch Latein – Deutsch, S. 33. Beide Bedeutungen charakterisieren den Schulleiter sehr gut. Er wird als ein alter Zauberer mit langem weißem Bart beschrieben. Sein Auftauchen in Notsituationen rettet Harry mehrfach das Leben, so dass dieser ein unermessliches Vertrauen in den Professor hat.

8 Das Zauberergefängnis Askaban ist eine Festung, die auf einer kleinen Insel weit draußen im Meer gebaut wurde. Es

wird durch die so genannten Dementoren bewacht. Durch ihren Kuss rauben sie den Menschen die Seele. Ihre Opfer sterben dabei nicht, sondern existieren danach als leere Hülle ohne Erinnerungen und Selbstgefühl weiter. Es heißt, dass die meisten Gefangenen nach einigen Wochen verrückt werden, vgl. S. 197 und S. 257f. Mit Hilfe von Professor Lupin schafft Harry es in seinem Kampf gegen die Dementoren, die in seinem dritten Jahr die Schule vor Sirius Black beschützen sollen, einen Patronus (Schutzherrn) herbei zu zaubern, vgl. Band 3, S. 247.

9 Auroren kämpfen gegen die dunkle Macht.

10 Lupus = Wolf, Lupīnus = vom Wolfe, vgl. Langenscheidts Taschenwörterbuch Latein – Deutsch, S. 317.

11 Vgl. Lexikon der berühmten Tiere, S. 138 f.

12 Der Hogwarts-Express ist der Zug, der die Schüler zur Schule bzw. in den Ferien nach Hause fährt.

13 Vgl. Band 3, S. 80 und 85.

14 Vgl. ebd., S. 88 f.

15 Vgl. ebd., S. 90 f und S. 96.

16 Vgl. Band 3, S. 99.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Werwölfe und der Grimm in der magischen Welt des Zauberers Harry Potter
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Sprach- und Kulturwissenschaften Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Werwölfe als literarisches Motiv und ästhetisches Konstrukt
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V116138
ISBN (eBook)
9783640176687
ISBN (Buch)
9783640176762
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Werwölfe, Grimm, Welt, Zauberers, Harry, Potter, Motiv, Konstrukt
Arbeit zitieren
Sandra Becker (Autor), 2006, Die Werwölfe und der Grimm in der magischen Welt des Zauberers Harry Potter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116138

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