Die vielfältigen Formen des bürgerschaftlichen Engagements haben in Deutschland eine lange Tradition und sind in vielen gesellschaftlichen Bereichen von großer Bedeutung. In den letzten Jahren stieg das Interesse von Politik und Öffentlichkeit an der Freiwilligenarbeit. Dies beweisen die zahlreichen Untersuchungen und Initiativen der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der unentgeltliche Einsatz von Bürgern am öffentlichen Gemeinwohl ist in einer Gesellschaft mit ökonomischen, kulturellen und sozialen Veränderungen von unverzichtbarer Bedeutung. Innerhalb dieser Entwicklungen, welche sich mit den Begriffen ‚Individualisierung’ oder ‚Globalisierung’ beschreiben lassen, soll Freiwilligenarbeit Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Eigenverantwortung und Teilhabe am Gemeinwohl aktivieren bzw. aufrechterhalten. Die Beteiligung und Mitarbeit von Bürgern ist ein notwendiger Bestandteil eines sozialen und starken Staates. In einem Dokument der Bundesregierung heißt es: „Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe sind unverzichtbare Voraussetzung für gelebte Demokratie und humanes Miteinander. In Zeiten globaler Veränderungen wird der gesellschaftliche Zusammenhalt in hohem Maße von der oft wenig sichtbaren und unspektakulären Arbeit bestimmt, die Menschen freiwillig täglich erbringen“ (Enquete-Kommission 2001: 16). Die Engagementbereitschaft erfasst alle Altersgruppen unabhängig von Status oder Rasse. Junge und alte Menschen, Erwerbstätige und Arbeitslose, Frauen und Männer, Fachleute und Laien sind motiviert, sich freiwillig und unentgeltlich für andere in Vereinen, Verbänden, Selbsthilfegruppen oder Institutionen zu engagieren.
Jedoch benötigen viele der Freiwilligen eine qualifizierte Beratung über die Möglichkeiten des Engagements, die Tätigkeiten und die Einsatzfelder. Diese Beratung erhalten sie in den über 200 Freiwilligenagenturen in Deutschland. Freiwilligenagenturen sind Vermittlungsorganisationen, welche die Bürger über die Möglichkeiten der Freiwilligenarbeit informiert und berät und in individuell passende Tätigkeitsfelder vermittelt.
Dieser Bericht bietet nicht nur einen Einblick in Entwicklung der Freiwilligenarbeit, sondern zeigt vor allem die Entstehung und Bedeutung der Freiwilligenagenturen, ihren Leistungen und Strukturen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Verlauf der Freiwilligenarbeit in Deutschland
3. Differenzierung und Kriterien der Freiwilligenarbeit
3.1. Traditionelles ehrenamtliches Engagement
3.2. Freiwillig soziales Engagement
3.3. Bürgerschaftliches Engagement
4. Gegenwärtige Entwicklungen der Freiwilligenarbeit
4.1. Modernisierung der Freiwilligenarbeit
4.2. Eingrenzung des bürgerschaftlichen Engagements
4.3. Gesellschaftlicher Wandel vom traditionellen zum modernen Ehrenamt
4.4. Statistische Auswertung zur Freiwilligenarbeit in Deutschland
5. Nichtregierungsorganisationen (NGO’s)
6. Ehrenamtlichkeit und Hauptamtlichkeit
7. Freiwilligenagenturen
7.1. Entwicklungshintergrund von Freiwilligenagenturen
7.2. Freiwilligenagenturen als Nonprofit-Organisationen
7.3. Freiwilligenagenturen in Sachsen-Anhalt
8. Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V.
8.1. Organisationsstruktur
8.2. Aufgaben und Ziele
8.2.1. Freiwilligen-Beratung, Vermittlungsarbeit und Evaluation
8.2.2. Organisationsberatung
8.2.3. Projektarbeit und –entwicklung
8.2.4. Anerkennungsmöglichkeiten und Fortbildungsmaßnahmen
8.2.5. Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit
8.3. Statistische Auswertung der Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V.
9. Kritische Auseinandersetzung
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Strukturen und Leistungen der Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V. im Kontext des Wandels bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Freiwilligenagenturen als Vermittlungsorganisationen zwischen Engagementbereiten und gemeinnützigen Einrichtungen fungieren und welchen Beitrag sie zur Förderung moderner Formen der Freiwilligenarbeit leisten.
- Historische Entwicklung der Freiwilligenarbeit und des Ehrenamts
- Differenzierung zwischen traditionellem und modernem Engagement
- Die Rolle von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Dritten Sektor
- Strukturen, Aufgaben und Qualitätssicherung von Freiwilligenagenturen
- Statistische Analyse zur Engagemententwicklung und Zielgruppen
Auszug aus dem Buch
8.2.1. Freiwilligen-Beratung, Vermittlungsarbeit und Evaluation
Die Befragung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ergab, dass trotz des hohen Engagementpotenzials die Schwierigkeiten für eine noch höhere Beteiligung in den unzureichenden Informationen liegen. Die Mehrheit der Befragten würde eine qualifizierte Beratung über die Möglichkeiten lokaler Angebote in Anspruch nehmen.
Diese Beratung, die persönliche Orientierungshilfe und die Information über die Auswahlmöglichkeit an freiwilligen Tätigkeiten erhalten die Engagierten in der Freiwilligenagentur. Durch sie können die Interessenten des ehrenamtlichen Engagements in die kategorisierten Tätigkeitsbereiche Gesundheit, Handwerk und Technik, Internationales und Ausländerarbeit, Kinder-, Jugend- und Familienarbeit, Kultur und Kreatives, Menschen mit Behinderung, Natur und Umwelt, Öffentlichkeits- und Organisationsarbeit, Rettungswesen sowie Sport- und Sozialbereiche der Stadt Halle und Umgebung vermittelt werden. Diese Tätigkeiten finden in sozialen Vereinen, Selbsthilfegruppen und -initiativen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, Wohlfahrtsverbänden, Nachbarschaftszentren und Seniorengenossenschaften bzw. in Projekten von Bürgerinitiativen statt. Beispielsweise bietet der „DRK Kreisverband“ in der Rubrik Gesundheit die Leitung von Kinder- oder Jugendgruppen an oder im Bereich Ausländerarbeit sucht „Amnesty International – Halle“ freiwillige Mitarbeiter. Jede Kurzbeschreibung der aktuellen freiwilligen Tätigkeiten basiert auf einem im Zusammenhang mit der jeweiligen Organisation herausgearbeiteten Tätigkeitsprofil, in welchem nicht nur die konkreten Ziele und Aufgaben der Einrichtung, sondern auch die Anforderungen an den Freiwilligen beschrieben sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die historische Tradition sowie die wachsende Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland und führt in die Rolle von Freiwilligenagenturen ein.
2. Historischer Verlauf der Freiwilligenarbeit in Deutschland: Das Kapitel beleuchtet den Wandel von Nächstenliebe und traditioneller Armenpflege hin zu organisierten Formen der Freiwilligenarbeit unter dem Einfluss des Sozialstaates.
3. Differenzierung und Kriterien der Freiwilligenarbeit: Es werden die begrifflichen Abgrenzungen zwischen dem traditionellen Ehrenamt, freiwillig sozialem Engagement und dem modernen bürgerschaftlichen Engagement analysiert.
4. Gegenwärtige Entwicklungen der Freiwilligenarbeit: Das Kapitel analysiert den Modernisierungsschub des Ehrenamts und nutzt statistische Daten, um die steigende Engagementbereitschaft trotz gesellschaftlicher Umbrüche aufzuzeigen.
5. Nichtregierungsorganisationen (NGO’s): Hier wird der Dritte Sektor definiert und die Rolle von Nonprofit-Organisationen als Basis für gemeinwohlorientiertes ehrenamtliches Engagement herausgearbeitet.
6. Ehrenamtlichkeit und Hauptamtlichkeit: Die Untersuchung thematisiert das Spannungsfeld und die Professionalisierung zwischen unentgeltlichem Engagement und hauptamtlichen Strukturen in NGO’s.
7. Freiwilligenagenturen: Dieses Kapitel verortet Freiwilligenagenturen als neue soziale Akteure und Vermittlungsorganisationen innerhalb der "Bewegungsmilieus" des Dritten Sektors.
8. Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V.: Der Autor stellt die Struktur, die konkreten Beratungs- und Vermittlungsaufgaben, die Projektarbeit sowie die statistische Entwicklung der Agentur in Halle detailliert dar.
9. Kritische Auseinandersetzung: Es erfolgt eine kritische Reflexion über die Gefahr einer "Verpflichtung" durch Mindesteinsätze und den Einfluss arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen (Hartz IV) auf das Ehrenamt.
10. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Freiwilligenarbeit zwar ein integratives Element der Gesellschaft ist, sich aber durch den Motivwandel und demographische Veränderungen vor großen Anpassungsleistungen befindet.
Schlüsselwörter
Freiwilligenarbeit, bürgerschaftliches Engagement, Ehrenamt, Freiwilligenagentur, Nonprofit-Organisation, Dritter Sektor, Vermittlung, Sozialkapital, Engagementbereitschaft, Freiwilligendienste, Halle-Saalkreis, Gemeinwohl, Organisationsberatung, Engagement-Statistik, Motivwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung und die praktischen Aufgaben von Freiwilligenagenturen, speziell am Beispiel der Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V., im Kontext des gesellschaftlichen Wandels bürgerschaftlichen Engagements.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition und Abgrenzung bürgerschaftlichen Engagements, die Rolle des Dritten Sektors, die Professionalisierung durch Hauptamtlichkeit sowie die Vermittlung und Qualitätssicherung bei ehrenamtlichen Tätigkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Rolle von Freiwilligenagenturen als Brücke zwischen bürgerlichem Engagementpotenzial und gemeinnützigen Organisationen zu verdeutlichen und deren Wirksamkeit zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie eine statistische Auswertung der Beratungs- und Vermittlungsdaten der Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis im Zeitraum von 2002 bis 2006.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung, die Abgrenzung moderner Engagementformen, den Aufbau von Freiwilligenagenturen als Organisationen sowie die konkrete Arbeit der Agentur in Halle (Beratung, Projekte, Lobbyarbeit).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenagentur, Ehrenamt, Dritter Sektor, Sozialkapital und Freiwilligensurvey.
Welche Auszeichnung erhielt die Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis laut Bericht?
Die Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis erhielt als einzige Agentur in Sachsen-Anhalt das Qualitätssiegel der BAGFA für ihre Leistungen in den Jahren 2005 und 2006.
Wie bewertet der Autor den Einfluss von Hartz IV auf das Ehrenamt?
Der Autor übt Kritik, da durch die Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten die freiwillige, unentgeltliche Tätigkeit beeinträchtigt werden kann und eine Verdrängung hauptamtlicher Fachkräfte droht.
Warum spielt die Mundpropaganda eine so große Rolle für die Agentur?
Die Statistik zeigt, dass ca. 49% der Interessenten durch Freunde oder zufälliges Vorbeigehen auf die Agentur aufmerksam wurden, was die lückenhafte Öffentlichkeitsarbeit der Agentur in anderen Medien unterstreicht.
- Quote paper
- Randy Adam (Author), 2007, Bürgerschaftliches Engagement in einer gemeinnützigen Organisation. Praktikumsbericht aus der Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116142