Diese Thesis im weiterbildenden Master-Studiengang „Unternehmenskommunikation und Rhetorik“ der Universität Koblenz-Landau geht der Frage nach, welche organisatorischen und kommunikativen Anforderungen sich im Rahmen des internationalen Nachwuchsscoutings bei einem Fußball-Erstligaverein aus einer der europäischen Top-Ligen ergeben und wie ein idealtypischer Prozess aussehen sollte.
Zu den europäischen Top-Ligen im Fußball zählen nach dem UEFA-Koeffizienten die Länder Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien.
Die Bedeutung einer Strukturierung des Scoutingprozesses wird unter anderem deutlich an der Vielzahl an verpflichtenden Funktionen, die als Beispiel die Deutsche Fußball-Liga (DFL) im Rahmen der Zertifizierung der Nachwuchsleistungszentren für deutsche Vereine aus den Lizenzligen vorschreibt. Diese Vorgaben und die Vielzahl an möglichen Beteiligten an dem Nachwuchsscoutingprozess machen es erforderlich, eine Priorisierung dieser Funktionen hinsichtlich ihrer Wichtigkeit für den internationalen Scoutingprozess vorzunehmen und den sich daraus ergebenden Organisations- und Kommunikationsbedarf zu analysieren.
Darüber hinaus handelt es sich beim systematisch betriebenen, internationalen Nachwuchsscouting um einen Bereich, den die meisten Fußballvereine noch nicht in ihre Struktur implementiert haben, entsprechend stellen sich die Fragen nach der Einbettung bzw. dem Zusammenspiel mit dem Lizenz- und Nachwuchsscouting und dem konkreten Ablauf des Scoutingprozesses.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungshintergrund
3. Empirischer Teil
3.1 Literaturrecherche
3.2 Informelle Gespräche
3.3 Experten-Interviews
3.4 Fragebogen
3.4.1 Teilnehmer
3.4.2 Ablauf
3.4.3 Auswertung
3.4.3.1 Attribute und Scoutingformen
3.4.3.2 Externe soziale Faktoren
3.4.3.3 Einbettung
3.4.3.4 Involvierte Funktionen
3.4.3.5 Scoutingprozess
3.4.3.6 Dokumentation
3.4.3.7 Entscheidungsfindung und Führungsstil
3.4.3.8 Arbeitskultur
3.4.3.9 Erfolgskriterien
3.5 Einordnung der organisatorischen Anforderungen
3.6 Einordnung der kommunikativen Anforderungen
3.6.1 Formale Kommunikation
3.6.1.1 Meetings
3.6.1.2 Berichtswesen
3.6.1.3 Final Reporting
3.6.2 Kommunikation zur Entscheidungsfindung
3.6.3 Arbeitskultur - Kommunikation und Führungsstil
4. Diskussion
4.1 Schlussbetrachtung und Ausblick
4.2 Limitationen und weiterer Forschungsbedarf
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die organisatorischen und kommunikativen Anforderungen an ein internationales Nachwuchsscouting bei einem Fußball-Erstligaclub und entwickelt einen idealtypischen Prozess hierfür, um dem wachsenden Wettbewerbsdruck und der steigenden wirtschaftlichen Bedeutung von Talentverpflichtungen gerecht zu werden.
- Strukturierung des Scoutingprozesses von der Erstsichtung bis zur Entscheidung.
- Analyse der notwendigen internen Kommunikation und des Berichtswesens.
- Ermittlung idealer Organisationsformen und involvierter Funktionen im Verein.
- Bewertung von Talentkriterien und externe Einflüsse auf den Scoutingprozess.
- Integration von Führungskultur und Feedback-Mechanismen in das Scouting.
Auszug aus dem Buch
3.4.3.2 Externe soziale Faktoren
Es wird auch deutlich, dass die Teilnehmer der Befragung den externen sozialen Faktoren eine große Bedeutung zuschreiben: Sie erhielten eine Wichtigkeit von 4,32. Unter externen sozialen Faktoren wurden im Rahmen der Thesis der elterliche Erziehungsstil, das Eltern-Spieler-Verhältnis, der Lebensstil und das soziale Umfeld des Spielers genannt. Das bedeutet, dass der Scoutingprozess sich nicht nur mit den Fähigkeiten des Spielers auf dem Platz auseinandersetzt, sondern auch weitere Faktoren außerhalb des Platzes berücksichtig werden und in die Informationssammlung mit einfließen.
Bei der Frage nach den Informationsgebern, über die diese externen sozialen Faktoren am ehesten beziehungsweise am sinnvollsten zu erhalten sind, werden der Spieler selbst (4,43), die Familie des Spielers (3,96), Mitspieler/Mitarbeiter aus dem Verein des Spielers (3,54), Ansprechpartner aus Schule/Ausbildung (3,50), Recherche in den sozialen Medien (3,28) und Mitarbeiter anderer Vereine (3,25) mit einer überdurchschnittlichen Wichtigkeit genannt.
So ist zum Beispiel TN 2 zu nennen, der über den „Informationsgeber“ Spieler sagt: „Insofern ist dieser sehr wichtig, weil man viele Informationen erhält in direkten Gesprächen mit dem Spieler über Schule, Hobbys, Familie, Charaktereigenschaften und Einstellung zum Sport.“ TN 7 äußerte sich zum Thema Familie des Spielers: „(Sie sind) als zusätzliche Quelle und Hintergrundinfo wichtig (sozialer Background, emotionale Prägung, …).“ Und TN 6 äußerte sich über den Bereich Schule/Ausbildung: „Ansprechpartner aus der Schule bzw. Ausbildungen zeigen die Persönlichkeitseigenschaften des Spielers in einer zweiten Identität. Es ist unheimlich wichtig zu erfahren, wie der Spieler in diesem Umfeld agiert.“
Hingegen wird Spielerberatern (2,64), Online-Medien (2,50) und Sport-Journalisten (2,00) nur eine geringe Bedeutung in diesem Prozess zugewiesen. Die geringe Bedeutung der Sport-Journalisten bei der Informationsbeschaffung deckt sich auch mit den Eindrücken aus den informellen Gesprächen. Dies wird untermauert durch das Zitat aus einem informellen Gespräch mit einem Sport-Journalisten: „Meiner Meinung nach haben Sportjournalisten kaum noch Bedeutung in Bezug auf den Scoutingprozess, auch weil die Vereine in der heutigen Zeit, u.a. durch die zunehmende Digitalisierung, die Informationen flächendeckend selbst erfassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand des internationalen Nachwuchsscoutings bei Erstligaclubs und begründet die Notwendigkeit einer strukturierten Organisation sowie Kommunikation angesichts wirtschaftlicher Anforderungen.
2. Forschungshintergrund: Dieses Kapitel verortet das Thema im wissenschaftlichen Kontext und erläutert, dass bisher kaum spezifische sportmanagementbezogene Forschung zu organisatorischen Scouting-Prozessen existiert, weshalb auf Projektmanagement-Literatur zurückgegriffen wird.
3. Empirischer Teil: Der empirische Teil detailliert die angewendeten Forschungsmethoden wie Literaturrecherche, informelle Gespräche und Experten-Interviews sowie die Auswertung der Fragebögen, um Anforderungen an Scoutingprozesse, Dokumentation und Entscheidungsfindung zu identifizieren.
4. Diskussion: Das Kapitel diskutiert die Hauptergebnisse der Untersuchung hinsichtlich der Prozessgestaltung, kritisiert die Limitationen aufgrund der dünnen Datenbasis und formuliert Empfehlungen für den weiteren Forschungsbedarf in diesem Bereich.
Schlüsselwörter
Nachwuchsscouting, Fußball-Erstligaclub, Organisationskonzept, Kommunikationsmanagement, Talentidentifikation, Scoutingprozess, Berichtswesen, Entscheidungsfindung, Management-Report, Talentprognose, Führungskultur, Leistungszentren, Transfermarkt, Sportmanagement, Organisationsgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines Organisations- und Kommunikationskonzepts für das internationale Nachwuchsscouting in Fußballvereinen der europäischen Top-5-Ligen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit analysiert die optimale Einbettung des Scoutings in die Vereinsstruktur, die notwendigen Kommunikationsprozesse und Berichtswege sowie die Identifikation von Talenten unter Berücksichtigung organisatorischer Standards.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ermitteln, welche organisatorischen und kommunikativen Anforderungen sich beim internationalen Nachwuchsscouting ergeben und wie ein idealtypischer Prozess in einem Profiverein gestaltet sein sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es werden methodisch eine Literaturrecherche, Experten-Interviews sowie eine quantitative und qualitative Auswertung mittels Fragebogen unter 28 Experten aus dem Fußballbereich durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen empirischen Teil, der Prozesse der Sichtung, Entscheidungsfindung, Dokumentation und Arbeitskultur beleuchtet, sowie deren Einordnung in theoretische Modelle der Organisations- und Kommunikationstheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Nachwuchsscouting, Prozessoptimierung, Kommunikationsmanagement, Talentidentifikation und Organisationsstruktur im Profifußball.
Wie wichtig ist der Faktor „externe soziale Faktoren“ bei der Sichtung?
Die Befragung zeigt, dass Faktoren wie der elterliche Erziehungsstil oder das soziale Umfeld für die Talentprognose mit einer hohen Wichtigkeit (4,32 auf einer Skala bis 5) bewertet werden.
Welchen Führungsstil favorisieren die Experten für Scoutingabteilungen?
Die Mehrheit der Teilnehmer (n=23) spricht sich für einen konsultativen Führungsstil aus, bei dem die Führungskraft zwar Meinungen einholt, aber die Entscheidung trifft.
- Quote paper
- Benjamin Schunk (Author), 2021, Anforderungen an ein Organisations- und Kommunikationskonzept. Internationales Nachwuchs-Scouting eines Fußball-Erstligaclubs aus einer der europäischen Top-5-Ligen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1161567