Das von Schubert vertonte Gedicht „Der Doppelgänger“ stammt aus dem „Buch der Lieder“, Zyklus „Die Heimkehr“ und ist dort an 20. Stelle als „Still ist die Nacht“ betitelt.
Das „Buch der Lieder“ erschien erstmals 1827. Die Gedichtsammlung gibt in chronologischer Folge und in fünf Zyklen arrangiert Heinrich Heines gesamt Jugendlyrik wieder. Sie gilt auch heute noch als das bekannteste Werk des Dichters. Viele Gedichte aus der Sammlung wurden von Komponisten wie eben Franz Schubert oder Richard Wagner vertont.
Inhaltsverzeichnis
Franz Schubert: Der Doppelgänger
1. Der Text
1.1 Über den Dichter Heinrich Heine
1.2 Äußere Struktur des Gedichts
1.2.1 Strophenform
1.2.2 Versform
1.2.3 Reimschema
1.2.4 Reimart
1.2.4.1 unreine – reine Reime
1.2.4.2 männliche – weibliche Reime; Kadenz
1.2.5 Zusammenfassung und Bestimmung
2. Schwanengesang DV 957
2.1 Der Titel Schwanengesang
2.2 Entstehungszeit
3. Die musikalische Umsetzung Schuberts von „Der Doppelgänger“
3.1 Das Ostinato
3.2 Der Zentralton fis
3.3 Kadenzierende Verläufe im Ostinato
3.4 Dynamik
3.5 Die Singstimme
3.6 Rhythmus
3.7 Gerüstbau
3.8 Aufbau des Liedes
3.9 Das Verhältnis von Singstimme und Gerüstbaugliedern
4. Das Schatten- und Doppelgängermotiv
5. Zusammenfassung/ Interpretation
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert Franz Schuberts Vertonung des Gedichts „Der Doppelgänger“ von Heinrich Heine aus dem Zyklus „Schwanengesang“ (DV 957). Ziel ist es, sowohl die textliche Struktur des Gedichts als auch die komplexe musikalische Umsetzung durch Schubert im Hinblick auf das Doppelgängermotiv und die spezifische formale Gestaltung zu untersuchen.
- Literarische Einordnung des Gedichts und seines Dichters Heinrich Heine
- Strukturelle Analyse von Versmaß, Reimschema und Rhythmik
- Untersuchung der musikalischen Parameter: Ostinato, Harmonik, Dynamik und Singstimmenführung
- Deutung des Doppelgängermotivs im historischen, literarischen und psychologischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Ostinato
Die klangliche Grundlage des Stückes, welches in h-Moll steht, wird von einem achttaktigen Ostinato gebildet und lehnt somit an die Form einer Passacaglia bzw. Chaconne an.
Dieser steht im Dreivierteltakt und erklingt als Ganzes 4 mal im gesamten Lied (Takte 1-8, 15-22, 25-32 [+33], 34-41 [+42]). Er lässt sich in 2 mal 4 Takte gliedern, wobei Vorder- und Nachsatz beim ersten mal identisch sind und im weiteren Verlauf zumindest in enger Verwandtschaft zueinander stehen (mögliche Interpretation des „Doppelgänger-Motivs“).
Der Vordersatz erscheint im ganzen Stück 6 mal: einmal im Vorspiel (Takte 1-4), 4 mal im Lied (Takte 5-8, 15-18, 25-28, 34-37) und einmal im Nachspiel (Takte 56-59).
In den jeweiligen Nachsätzen, wird dieser musikalische Kerngedanke sowohl melodisch als auch klanglich variiert. In der dritten Strophe (Takt 43ff.) wird der Sekundschritt des ursprünglichen Ostinatos umgekehrt (h – c statt h – ais) und somit zu einer chromatischen Steigerung umfunktioniert. Diese verläuft ähnlich dem Passus Duriusculus, dem „Leidensgang“ aus der Barocken Affektenlehre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Text: Dieses Kapitel analysiert Heinrich Heines Gedicht „Der Doppelgänger“ hinsichtlich seiner Entstehung, Biografie des Dichters sowie seiner formalen Struktur (Metrum, Reim, Kadenz).
2. Schwanengesang DV 957: Hier wird der Kontext des Liederzyklus „Schwanengesang“ beleuchtet, einschließlich der Entstehungsgeschichte und der Zusammenstellung der Lieder durch Tobias Haslinger.
3. Die musikalische Umsetzung Schuberts von „Der Doppelgänger“: Dies ist der Hauptteil, der detailliert die musikalischen Komponenten wie Ostinato, Zentralton, Dynamik, Singstimme und den Aufbau des Liedes analysiert.
4. Das Schatten- und Doppelgängermotiv: Das Kapitel widmet sich der kulturhistorischen und literarischen Bedeutung des Doppelgängermotivs von den Anfängen bis zur Romantik und dessen Anwendung auf Schuberts Vertonung.
5. Zusammenfassung/ Interpretation: Abschließend erfolgt eine Synthese der Analyseergebnisse, die Schuberts Werk als meisterhafte Vertonung des psychologischen und textlichen Inhalts würdigt.
Schlüsselwörter
Franz Schubert, Der Doppelgänger, Heinrich Heine, Schwanengesang, Werkanalyse, Ostinato, Doppelgängermotiv, Liedanalyse, Harmonik, Musikpsychologie, Romantik, Rezitativ, Passacaglia, h-Moll, Lyrikvertonung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine tiefgehende musikanalytische Untersuchung von Franz Schuberts Lied „Der Doppelgänger“ aus dem Liederzyklus „Schwanengesang“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Analyse der textlichen Struktur des Heine-Gedichts, die musikalische Strukturierung durch Schubert und die Interpretation des Doppelgängermotivs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Verbindung zwischen der literarischen Vorlage und Schuberts musikalischer Umsetzung aufzudecken, insbesondere wie das Doppelgängermotiv musikalisch dargestellt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine musikwissenschaftliche Werkanalyse angewandt, die formale, harmonische und strukturelle Aspekte untersucht und diese mit literaturwissenschaftlichen Erkenntnissen zum Doppelgängermotiv verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert das achttaktige Ostinato, die Rolle des Zentraltons fis, die Dynamik, die Gestaltung der Singstimme und den formalen Aufbau des Liedes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind: Franz Schubert, Der Doppelgänger, Heinrich Heine, Ostinato, Musikpsychologie, Romantik und Werkanalyse.
Welche Bedeutung hat das Ostinato für die musikalische Aussage?
Das Ostinato bildet das starre „Gerüst“ des Liedes und stellt durch die stetige Wiederholung die musikalische Entsprechung zum unaufhaltsamen Folgen des Doppelgängers dar.
Warum wird der Zentralton fis als so wichtig hervorgehoben?
Der Ton fis fungiert als Ankerpunkt, um den die Singstimme und das Ostinato kreisen, was dem Lied einen fast rezitierenden, sakralen Charakter verleiht.
Wie interpretiert der Autor das Verhältnis von Text und Musik zum Schluss?
Der Autor sieht in der kompositorischen Entwicklung des Stücks eine Verarbeitung des Traumas, bei der Schubert durch spezifische harmonische und dynamische Mittel das Entsetzen und schließlich eine Art Erlösung oder Frieden musikalisch darstellt.
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- Pia Greenaway (Author), 2008, Werkanalyse: Franz Schubert - Der Doppelgänger , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116185