Die territoriale Obergewalt ist bei allen souveränen Staaten Grundvoraussetzung und unverzichtbares Element ihrer Existenz. Eine fundamentale Schmälerung der Gebietshoheit ergibt sich durch das Einlegen fremder Gebietsteile, der exterritorialen Gebiete, in das Territorium eines Hoheitsgebietes. Hierbei ist es von geringer Relevanz, ob zwischen den betroffenen Staaten eine Zollgrenze besteht oder nicht. Eine fortgefallene Zollgrenze beeinflusst in keinster Weise die Souveränität eines Staates, es sei denn, der Wegfall der Grenze führt zu einer Verschmelzung zwischen den durch exterritoriale Gebiete behaftete Länder. Die mit Abstand am häufigsten vorkommenden Gebiete mit exterritorialem Charakter sind die Exklaven und Enklaven. Neben den Gebietssplittern existieren noch weitere exterritoriale Gebiete, denen aber nicht der Status von Exklaven und Enklaven zuerkannt werden kann, weil sie die Gebietshoheit des sie umschließenden Staates in ihrem Areal nicht aufheben. Weitere territoriale Anomalien sind Gebietszipfel, die sich aufgrund ihres abnormen räumlichen Profils mehrfach als Störfelder internationaler Kontakte ausgewirkt haben.
Ziel dieses Buches war neben der Beschreibung der vorgenannten Gebiete, deren Existenz oftmals nicht bekannt ist, primär die Untersuchung, wie groß das Störungspotential dieser territorialen Anomalien heute noch sind. Ein Abgleiten auf das Gebiet der Geschichte lässt sich hierbei – wie bei allen anderen politischgeographischen Themen – nicht ganz vermeiden.
Inhaltsverzeichnis
TEIL I
Die geopolitische und völkerrechtliche Problematik der Exklaven und Enklaven
Themenstellung 9
Definition 10
Geschichte 16
Die Problematik der Exklaven und Enklaven 17
Die Exklaven und Enklaven im internationalen Recht 19
Die völkerrechtliche Stellung der Exklaven und Enklaven 20
Die rechtlichen, verwaltungsmäßigen und wirtschaftlichen Koppelungen der Ex- bzw Enklaven an das Kernstaatsgebiet und an den umgebenden Staat. 20
Allgemeine Bemerkungen 20
Zoll und Wirtschaft 20
Polizei und allgemeine Verwaltung 20
Währung und Devisen 20
Öffentliche Versorgung und Verkehrssmittel 21
Behauptung der Machtansprüche des Kernstaates 21
Die Transitrechte der Exklaven und Enklaven mit dem Kernstaatsgebiet 21
Allgemeines 21
Das Transitrecht aus der Sicht des Völkervertragsrechtes und des lokalen Gewohnheitsrechtes 22
Die Regelung der Transitrechte in den untersuchten Ex- bzw. Enklaven Baarle-Hertog Nassau, Llivia, Campione und Büsingen 23
Teil II
Die bedeutensten aktuellen und historischen Exklaven und Enklaven.
ASIEN 29
Brunei 29
Indien und Bangladesh 30
Israel 33
Oman 33
Vereinigte Arabische Emirate 34
AFRIKA 39
Angola 39
Gambia 40
Lesotho 41
Südafrika 41
AUSTRALIEN 45
Canberra und Jervis Bay 45
EUROPA 49
Belgien 49
Deutschland 54
Frankreich 66
Griechenland 67
Italien 68
Monaco 70
Niederlande 71
Österreich 72
Portugal 76
San Marino 78
Schweiz 79
Spanien 88
Vatikanstaat 97
USA 101
Alaska 101
Guantanamo Bay 101
Point Roberts 102
TEIL III
Andere exterritoriale Gebiete 109
Teil IV
Gebietszipfel 115
Zielsetzung & Themen
Das Buch untersucht die geopolitische, völkerrechtliche und wirtschaftliche Problematik von Exklaven, Enklaven und anderen territorialen Anomalien wie Gebietszipfeln. Das primäre Ziel besteht darin, die Existenz dieser oft wenig bekannten Gebiete zu dokumentieren und ihr heutiges Störungspotenzial für zwischenstaatliche Beziehungen zu analysieren.
- Geopolitische Definition und völkerrechtliche Einordnung von Exklaven und Enklaven
- Die Auswirkungen auf Verwaltung, Zollwesen und Verkehrsinfrastruktur
- Analyse historischer Entstehungsursachen und deren heutige Auswirkungen
- Fallbeispiele aus Asien, Afrika, Australien, Europa und den USA
- Untersuchung von transitrechtlichen Fragestellungen und Lösungsansätzen bei Konflikten
Auszug aus dem Buch
Die Problematik der Exklaven und Enklaven
Ex- und Enklaven bilden eine Kuriosität im internationalen Recht, weil sie gegen das Prinzip verstoßen, wonach alles was sich innerhalb einer bestimmten Grenze befindet, diesem Staat angehört. Sie bilden somit eine relevante Ausnahme von der alten Maxime: »quicquid est in territorio, etiam est de territorio«. Aufgrund ihrer anormalen territorialen Erscheinung haben Ex- und Enklaven wiederholt als Störfelder zwischenstaatlicher Beziehungen gewirkt (z. B. Gibraltar, Mellila, Ceuta, Guantanamo, Kaliningrad, ). Sogar innerhalb desselben Staates, also auf Landesebene, wurden En- bzw. Exklaven zu derart großen Problemen, dass Militär eingesetzt wurde und zahlreiche Tote zu beklagen waren (Nagornyj Karabach in Aserbaidschan).
Die fremden Gebietssplitter sabotieren mit ihren Grenzen das Einheitsstreben eines Staates und damit seine nationale Souveränität.
Zusammenfassung der Kapitel
Die geopolitische und völkerrechtliche Problematik der Exklaven und Enklaven: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Exklave und Enklave, erörtert ihre rechtliche Stellung im internationalen Kontext und beleuchtet die praktischen Schwierigkeiten bei Zoll, Verwaltung und Transit.
Die bedeutensten aktuellen und historischen Exklaven und Enklaven: Dieser Teil bietet eine detaillierte geografische Bestandsaufnahme von Exklaven und Enklaven weltweit, unterteilt nach Kontinenten, inklusive ihrer jeweiligen Besonderheiten.
Andere exterritoriale Gebiete: Hier werden Gebiete behandelt, die zwar exterritorialen Charakter besitzen, aber nicht den strengen Kriterien von Exklaven oder Enklaven entsprechen, wie beispielsweise bestimmte Bahnhöfe oder Friedhöfe.
Gebietszipfel: Das letzte Kapitel widmet sich Gebietszipfeln, die aufgrund ihrer abnormen Form oft als Störfelder in internationalen Kontakten fungieren und das Ergebnis historischer Grenzziehungen sind.
Schlüsselwörter
Exklaven, Enklaven, territoriale Anomalien, Völkerrecht, Gebietshoheit, Staatsgrenzen, Transitrechte, Gebietszipfel, Souveränität, Grenzziehung, Zollausschlussgebiete, Geopolitik, Verkehrsexklaven, Inselexklaven, Grenznachbarschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der geopolitischen und völkerrechtlichen Existenz von Exklaven und Enklaven. Sie untersucht, warum diese territorialen Anomalien entstehen und welche Probleme sie für die betroffenen Staaten in Bezug auf Verwaltung, Wirtschaft und Diplomatie verursachen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die begriffliche Definition, die historische Genese der Gebietszerrissenheit, die völkerrechtliche Einordnung (insbesondere Transitrechte) sowie die alltäglichen praktischen Herausforderungen für die Bewohner dieser Gebiete.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Existenz und die heutigen Auswirkungen dieser "territorialen Relikte" zu beleuchten und zu bewerten, inwieweit sie heute noch ein Störungspotenzial für zwischenstaatliche Beziehungen darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analysierende Methode, gestützt auf eine umfangreiche Literaturrecherche, Auswertung von Staatsverträgen sowie die Untersuchung zahlreicher internationaler Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der rechtlichen und administrativen Problematiken sowie eine geografisch strukturierte Darstellung der Exklaven und Enklaven auf den verschiedenen Kontinenten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gebietshoheit, Souveränität, Exklave, Enklave, Transitrechte und territoriale Anomalien charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Exklave und Enklave so wichtig?
Die Unterscheidung ist entscheidend, da sie die rechtliche Statusbestimmung und die Möglichkeiten des Zugangs (Landweg vs. freie See) beeinflusst. Nicht jede Exklave ist zwingend eine Enklave und umgekehrt, was unterschiedliche völkerrechtliche Implikationen hat.
Welchen Einfluss hat das Zollwesen auf die Existenz dieser Gebiete?
Das Zollwesen ist ein Hauptfaktor für Konflikte oder Kooperationen. Viele Exklaven haben Sonderstatus (z. B. Zollausschlussgebiete), um wirtschaftliche Nachteile auszugleichen, was jedoch den Verwaltungsaufwand massiv erhöht.
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- Manfred Schmidt (Author), 2008, Exklaven und Enklaven, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116201