Der Einfluss von Instagram auf romantische Paarbeziehungen


Bachelorarbeit, 2021

77 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe


I. Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

II. Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsabgrenzung
2.1 Die Plattform Instagram
2.2 Selbstdarstellung auf Instagram
2.3 Influencer auf Instagram

3. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand
3.1 Zweifel an sich selbst
3.2.1 Das Selbst
3.2.2 Das Selbstkonzept
3.2.4 Einfluss von Instagram auf Selbstwertgefühl
3.2.5 Einfluss von niedrigem Selbstwertgefühl auf Beziehungen
3.2 Zweifel am Partner
3.3.1 Theorie des sozialen Vergleichs
3.2.2 Paare auf Sozialen Medien
3.3 Digitale Eifersucht
3.4.2 Eifersuchtsmotive
3.4.3 Geschlechterspezifische Unterscheidung von Eifersucht
3.4.4 Digitale Eifersucht
3.4 Zwischenfazit
3.5 Hypothesen

4. Methode
4.1 Erhebungsmethode: Onlineumfrage
4.2 Stichprobenbeschreibung
4.3 Auswertungsmethode

5. Ergebnisse
5.1 Allgemeine Betrachtung der Ergebnisse
5.2 Einfluss UV1: Nutzungsdauer
5.3 Einfluss UV2: Die eigene Unsicherheit
5.4 Einfluss UV3: Beziehung in der Öffentlichkeit
5.5 Vergleich zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Kontrolle und Eifersucht
5.6 Vergleich zwischen den Geschlechtern in Bezug auf die Beeinflussung
5.7 Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse

6. Diskussion
6.1 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
6.2 Handlungsempfehlung für weitere Forschung
6.3 Methodische Diskussion

7. Fazit

II. Literaturverzeichnis

III. Anhang
Anhang 1-5: Beispiele für Couple-Content auf Instagram
Anhang 6: Beispiel für Darstellungen auf Instagram vs. derRealität
Anhang 7-16: Ergebnisse der Umfrage
Anhang 17: Fragebogen

Zusammenfassung

Die sozialen Medien sind in der Gesellschaft fest verankert. Mit der Digitalisierung gewinnen auch die einzelnen Plattformen in den unterschiedlichen Lebensbereichen an Relevanz. Dennoch ist jedes Medium mit Vorsicht zu genießen. Die sozialen Netzwerke haben nicht nur einen positiven Effekt auf das Leben aller, sondern bringen ebenso negative Aspekte mit sich. Einige Studien befassen sich bereits mit den negativen Auswirkungen auf Selbstwertgefühl oder Körperbild. Andere untersuchen das Suchtverhalten oder den Datenmissbrauch. Diese Arbeit befasst sich mit dem Einfluss eines Mediums auf romantische Paarbeziehungen. Das Ziel ist es herauszufinden, ob Instagram einen Einfluss auf das Paarverhalten hat. Demnach lautet die Forschungsfrage „Hat Instagram einen negativen Einfluss auf romantische Paarbeziehungen?“ Anhand einer Stichprobe N=142 werden drei Kategorien untersucht, die folglich Einfluss auf romantische Paarbeziehungen nehmen können. Mithilfe einer Online-Umfrage wird der Einfluss eines geminderten Selbstwertgefühls durch Instagram auf Beziehungen, sowie die Zweifel an Partner und Partnerschaft durch Instagram und die digitale Eifersucht untersucht.

Abstract

Social media is firmly anchored in society. With digitalization, the individual platforms are also gaining relevance in different areas of life. Nevertheless, each medium should be treated with caution. Social networks not only have a positive effect on everyone's life, but also bring negative aspects. Some studies already deal with the negative effects on self-esteem or body image. Others examine addictive behavior or data misuse. This paper looks at the impact of one medium on romantic couple relationships. The aim is to find out whether Instagram has an influence on couple behavior. Accordingly, the research question is "Does Instagram have a negative influence on romantic relationships?” Using a sample of N=142, three categories are examined that can consequently have an influence on romantic relationships. With the help of an online survey, the influence of reduced self-esteem through Instagram on relationships, as well as doubts about partners and partnership through Instagram and digital jealousy will be examined.

Schlüsselbegriffe

- Instagram
- Romantische Beziehung
- Social Media
- Selbstwertgefühl
- Digitale Eifersucht

Key Words

- Instagram
- Romantic relationship
- Social Media
- Self esteem
- Digital jealousy

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Stichprobe nach Alter

Abbildung 2: Stichprobe nach Geschlecht

Abbildung 3: Stichprobe nach Beziehungsstatus

Abbildung 4: Darstellung der Verteilung folgender Aussagen

Abbildung 5: Anteilige gesamte Antworten

Abbildung 6: Anteilige weibliche Antworten

Abbildung 7: Anteilige männliche Antworten

Abbildung 8: Anteilige gesamte Antworten

Abbildung 9: Anteilige weibliche Antworten

Abbildung 10: Anteilige männliche Antworten

Abbildung 11: Darstellung der Verteilung folgender Aussagen

Abbildung 12: Darstellung der Verteilung folgender Aussagen

II. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Überblick der Forschungshypothesen

Tabelle 2: Zusammenhang zwischen der Nutzungsdauer und den negativen Gefühlen sich selber und dem Partner gegenüber

Tabelle 3: Zusammenhang zwischen der eigenen Unsicherheit und dem Drang nach Kontrolle

Tabelle 4: Zusammenhang zwischen dem Wunsch nach einer öffentlichen Beziehung auf Instagram und dem Drang nach Kontrolle des Partners

Tabelle 5: Verteilung der Ränge H4

Tabelle 6: Ergebnisse aus dem U-Test für Hypothese H4

Tabelle 7: Verteilung der Ränge H5

Tabelle 8: Ergebnisse aus dem U-Test für Hypothese H5

1. Einleitung

In Zeiten von Covid-19, Lockdowns und Social Distancing sind soziale Netzwerke ein essenzieller Bestandteil für die Kommunikation geworden. Sie bieten eine einfache und schnelle Möglichkeit, seine Mitmenschen am eigenen Leben teilhaben zu lassen, ohne persönlichen Kontakt. Laut dem Digital Report (2020) verwenden knapp 38 Millionen, und damit die Hälfte der deutschen Bevölkerung soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und Co. - Tendenz steigend. Betrachtet man hierbei die anteilige Nutzung der einzelnen sozialen Netzwerke, fällt auf, dass Facebook generell eine höhere Nutzerquote aufweist. Jedoch erweist sich die soziale Plattform Instagram bei der jüngeren Generation im Alter von 14-29 Jahren beliebter. Rund 65 Prozent dieser Altersgruppe in Deutschland nutzen die Foto-und Video Plattform, hingegen nutzen nur 44 Prozent den Messenger Dienst Facebook (ARD & ZDF, 2020). Hauptbeweggründe für die Nutzung solcher Plattformen sind der Austausch unter Freunden, sich über Nachrichten und Events zu informieren oder der einfache Zeitvertreib (Valentine, 2019).

Hauptsächlich werden Bilder und Videos geteilt, reine Textpassagen finden auf einigen Plattformen wie zum Beispiel Instagram oder TikTok keine Nutzung. Es können grundsätzlich Unterschriften unter den Videos und Bildern hinzugefügt werden, Hauptaugenmerk sind aber die visuellen Darstellungen. Daraus lässt sich ableiten, dass die sozialen Netzwerke als ein Medium zur Selbstdarstellung genutzt werden (Schmidt & Taddicken, 2020, S. 14).

Die Auswirkungen der digitalen Welt auf die Selbstwahrnehmung und Identität thematisieren bereits einige Studien und Facharbeiten. Aber wie wirkt sich die Nutzung dieser Netzwerke auf unseren Partner und die Partnerschaft aus? Immer mehr Artikel von Lifestyle Zeitschriften befassen sich mit genau diesem Thema, so lauten einige Überschriften „Social Media macht deine Beziehung kaputt“ (Herrnboeck, 2016) oder „Social Media und Paare: Zerstört die Selbstdarstellung Beziehungen?“ (Beile, 2020). Wie viel Wahrheit hinter solchen Titeln steckt, gehört es herauszufinden. Natürlich gibt es auch viele positive Effekte. Die vereinfachte Kommunikation oder die gemeinsame Selbstdarstellung, welche das „Wir“ Gefühl verstärken können, sind nur einige Beispiele. Aber welche negativen Einflüsse bringen soziale Netzwerke mit sich?

Diese Arbeit befasst sich mit drei Aspekten, die erklären, wie sich die Nutzung von Instagram auf die Paarbeziehung zweier Menschen auswirken kann. Dafür werden zunächst einige Begrifflichkeiten definiert und die Plattform Instagram betrachtet.

Hierfür werden vor allem die Kommunikation und Selbstdarstellung herangezogen, um mögliche Auswirkungen auf die Beziehung zu untersuchen. Danach wird der aktuelle Forschungsstand erfasst, der bereits zu diesem Thema vorliegt. Anschließend werden anhand der Theorie Hypothesen generiert, die mithilfe einer Online-Umfrage geprüft werden. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit der Methodik, welche eine Stichprobenbeschreibung, die Methode sowie die Ergebnisse beinhaltet. Diese werden im Anschluss diskutiert und interpretiert, um abschließend ein Fazit zu ziehen.

2. Begriffsabgrenzung

2.1 Die Plattform Instagram

Instagram dient als eine Form der elektronischen Kommunikation, über die Benutzer Online-Gemeinschaften bilden, um Informationen, Ideen, persönliche Nachrichten und andere Inhalte (wie Videos) auszutauschen, und ist nach dieser Definition ein soziales Netzwerk (Merriam-Webster, 2020).

Die 2010 gegründete soziale Plattform weist bereits über eine Milliarde aktive Nutzer auf. 500 Millionen Nutzer verwenden Instagram täglich, um Beiträge in Form von Bildern oder Videos zu teilen, andere Beiträge zu liken oder kommentieren und sich vom Content anderer inspirieren zu lassen (Kemp, 2020). Die Plattform setzt ihr Hauptaugenmerk auf die visuelle Darstellung der Beiträge, dabei können diese mit einem Text als Beschreibung versehen werden. Sogenannte Hashtags werden als Schlüsselwörter verwendet und mit einer # markiert. Diese vereinfachen die Suche bestimmter Beiträge zu unterschiedlichen Themen. Mit knapp 1.8 Milliarden Beiträgen ist #Love der am häufigsten verwendete Hashtag (Likeometer, 2021).

Die User der Plattform bestehen aus 51 Prozent Frauen und 49 Prozent Männern und sind damit quasi gleichteilig vertreten. Die größte demografische Gruppe setzt sich aus Männern zwischen 18 und 34 Jahren zusammen und bildet knapp 34 Prozent der aktiven Nutzer. Die Plattform spricht primär die junge Generation an, so sind 90 Prozent der Nutzer unter 35 Jahren (Kemp, 2020; Firsching, 2020).

Auch Unternehmen haben die Plattform für sich entdeckt, um vor allem junge Kunden anzusprechen und zu akquirieren. Die Plattform ist für Unternehmen besonders attraktiv, da sie beide Geschlechter im selben Maß ansprechen können und gezielt ihre Produktplatzierungen sowie Werbung durch Influencer und Markenbotschafter übermitteln.

2.2 Selbstdarstellung auf Instagram

Um die Selbstdarstellung auf Instagram näher zu erläutern, bedarf es zunächst einige Begrifflichkeiten zu definieren. Selbstdarstellung hängt mit der Persönlichkeit eines Individuums zusammen.

Die Persönlichkeit eines Individuums umfasst die Gesamtheit seiner Persönlichkeitseigenschaften. Darunter fallen die individuellen Charakteristiken in der äußerlichen Erscheinung sowie die Wiederkehr bestimmten Verhaltens und Erlebens (Asendorpf & Neyer, 2012, S. 2). Menschen konzipieren sich ein Bild von sich selbst, indem Sie Wahrnehmungen und Einstellungen ihrer eigenen Person beurteilen und bewerten. Dabei kann dies bewusst und unbewusst stattfinden. Durch Reaktionen und Rückmeldungen anderer Individuen erfahren Menschen mehr über ihre Persönlichkeit und werden gezwungen, sich mit dieser auseinanderzusetzen. Dabei wird das Selbstbild maßgeblich durch die Eindrücke und Urteile anderer geformt, weswegen naheliegt, dass der Mensch die Urteile anderer zu beeinflussen versucht (Mummendey, 1994, S. 2).

Folglich werden positive Eigenschaften hervorgehoben, während negative Eigenschaften relativiert werden, um das eigene Erscheinungsbild positiver darzustellen.

Die Erscheinung wird in der Gesellschaft häufig durch Begrenzungen wie zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein usw. stigmatisiert. In der realen Welt kann man solchen Begrenzungen nur ein Stück weit entkommen. Die virtuelle Welt hingegen bietet den Menschen die Möglichkeit, sich selber so zu präsentieren, wie sie gerne gesehen werden möchten. Die sozialen Netzwerke ermöglichen mithilfe von Bearbeitungsprogrammen, Filtern und Co. die Möglichkeit, vor allem äußerlichen Begrenzungen entgegen zu wirken (Misoch, 2018, S. 12ff.).

Folglich nutzt die junge Generation das soziale Netzwerk Instagram, um ihr eigenes Image zu pflegen. Durch Fotos und Videos wird ein Selbstbild kreiert, welches nach außen vermittelt werden soll. Durch Likes, Kommentare und positivem Zuspruch wird nach Bestätigung von außen gesucht. Forscher fanden heraus, dass das Belohnungszentrum im Gehirn bereits aktiviert wird, wenn wir der Neugierde nachgehen und die App öffnen. Dabei sind Menschen, die generell aktiver sind, positiver als Menschen, die seltener etwas posten. Das ist darauf zurückzuführen, dass passive Nutzer ihr reelles Leben mit dem perfekt inszenierten Leben auf Instagram vergleichen, ohne sich selber mit Likes und Bestätigung zu belohnen (Miebach, 2019).

Betrachtet man dieses Phänomen, zeigt sich das die idealen Schönheitsbilder und die perfekt arrangierte Welt auf Instagram auch negative Auswirkungen haben kann. Durch den ständigen Vergleich wird der Nutzer dazu animiert, mit der reellen Scheinwelt zu konkurrieren (Miebach, 2019). Vor allem da sich das Schönheitsideal ständig wandelt, ist es schwer mitzuhalten. Heute werden prominente Vorbilder als Schönheitsideal angesehen. Lippen wie Instagram Model Kylie Jenner oder Augen wie Topmodel Bella Hadid sind nur einige Schönheitsmerkmale, die angestrebt werden. Aber auch in der Männerwelt werden Ideale vorausgesetzt, um als attraktiv zu gelten. Wie viel Individualität wirklich auf Instagram vertreten ist, bleibt dabei fraglich. Betrachtet man die breite Masse, empfindet sich jedes Profil als besonders und individuell. Dennoch präsentieren sich die meisten Profile auf die beste Art und Weise und meist auch auf eine sehr ähnliche Art, da nach denselben Idealen gestrebt wird. Ein extremes Beispiel hierfür sind sogenannte Influencer, die sich nicht nur selber anpassen, sondern auch neue Trends und Ideale ansteuern.

2.3 Influencer auf Instagram

Der Begriff des Influencer bezeichnet eine Person, welche aus eigenem Impuls in hoher und regelmäßiger Häufigkeit Content, also Inhalte in Bild, Video, Text oder Ton Format produziert. Dabei wird eine soziale Interaktion mit den Empfängern initiiert und eine hohe Reichweite generiert (Deges, 2018). Weiterhin genießen Influencer durch ihre starke und einflussreiche Präsenz ein hohes Ansehen. Demzufolge werden Sie auch als Meinungsführer bezeichnet, da sie durch die vielen Follower und ihre Reichweite einen erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung ihrer Fans haben (unternehmer.de, 2020). Derzeit gibt es auf Instagram ca. 500.000 aktive Influencer, die sich in unterschiedlichen Nischen bewegen. Egal ob Travel-Influencer, Fitness-Influencer, Lifestyle-Influencer, Fashion-Influencer oder Erotic-Influencer. Für sein Themenbereich sieht sich der jeweilige Influencer als Experte und baut sich eine Community auf (Deges, 2018). „Deren Mitglieder teilen gleiche Interessen, Einstellungen und Werte und werden je nach sozialem Netzwerk als Freunde, Fans, Follower, Folger oder Abonnenten des Influencer-Accounts [...] bezeichnet“ (Deges, 2018). Pflegt der Influencer die Interaktion mit seiner Community, indem er regelmäßig Anregungen, Inspirationen und Ratschläge teilt, baut sich eine stabile und langfristige Beziehung auf. Viele Influencer nutzen das Medium als Mittel der Selbstinszenierung, um sich in ihrer virtuellen Präsenz selbst zu verwirklichen. Dabei gewähren sie Einblicke in ihr Privatleben, ihre Lebens-und Konsumgewohnheiten und bauen dadurch eine emotionale Nähe zu ihrer Fangemeinde auf.

Durch ihr hohes Ansehen und die Reichweite werden Influencer häufig als Werbebotschafter eingesetzt. So setzten Unternehmen gezielt auf die Meinungsmacher und Multiplikatoren, um ihre Markenbotschaft zu übermitteln. Durch Influencer wird es Unternehmen ermöglicht, eine gezielte Konsumentengruppe zu erreichen, die auf das Produkt oder die Dienstleistung abgestimmt ist (Jin et al., 2019, S. 568f.). Während die Meinungsmacher ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen sich und ihrer Community aufgebaut haben, ist es für eine Marke unmöglich, ein solches Vertrauen mit ihren Nutzern zu generieren. Der Endkonsument hat immer im Kopf, dass es sich bei dieser Art von Kommunikation um Werbung handelt. Meinungsmacher haben den Vorteil der emotionalen Bindung. Dadurch kann gezieltes Influencer-Marketing die Beurteilung und Bewertung von Produkten, Dienstleistungen oder auch Unternehmen bei den Konsumenten beeinflussen (Arcada, 2017). Sogenannte Micro Influencer mit bis zu 30.000 Followern haben bereits einen erheblichen Einfluss bei ihren Followern. Grund hierfür ist, dass prinzipiell eine höhere Reichweite zu einer geringeren Interaktionsrate führt (Arcada, 2017).

Für diese Arbeit sind unter anderem sogenannte Couple-Influencer relevant. Diese Nische befasst sich, wie der Name schon sagt mit Paar-Influencern, welche hauptsächlich Einblicke in ihr Paarleben teilen. Dabei gibt es teilweise Accounts, die gemeinsam geführt werden oder einzelne Accounts, die aber primär Content zur Partnerschaft beinhalten (vgl. Anhang 1 und 2). Immer mehr Influencer machen ihre Beziehung öffentlich und vermarkten ihre Beziehung. Nicht nur weil sich viele damit identifizieren können, sondern weil sie ihre Reichweite und Wirkung effektiv verdoppeln können. Die Social Media Expertin Amelia Neate (2020) begründet dieses Phänomen wie folgt “Das Publikum liebt die Influencer, denen es folgt, weil ihre Geschichten und ihr Leben sich verwandter anfühlen. Beeinflusser-Paare können eine emotionale Verbindung zu einem Produkt oder einer Dienstleistung herstellen, für die sie werben, denn Glück und Romantik sind Dinge, die die meisten Menschen erleben wollen”. Dabei können sich die Partner gegenseitig unterstützen, indem die jeweils die Projekte des anderen unterstützen und ihren doppelten Einfluss geltend machen. Damit erreichen sie ein erhöhtes und vielseitigeres Publikum.

Obwohl die Konsumenten von den Rabattcodes und Kooperationen der Influencer profitieren, hat der Einfluss auf die Gesellschaft auch seine negativen Seiten. Eine Studie zur Mediennutzung junger Menschen hat ergeben, dass Instagram das stereotype Rollenbild verstärkt. Das liegt primär daran, dass Influencer häufig stereotype Darstellungen unterstützen. Die Rollen sind klar verteilt, weibliche Influencer beschäftigen sich häufig mit Beauty, Fashion, Food, Liebe und Interior, während Männer sich mit Musik, Games, Politik oder Autos beschäftigen (Deutschlandfunk Nova, 2019). Die Unterschiede zeigen sich nicht nur im Content. Frauen sind auf Instagram deutlich unterrepräsentiert. Besonders aktive Instagram Nutzer legen viel Wert auf klassische Schönheitsideale, Frauen müssen dünn und schön sein, um als attraktiv zu gelten, während bei Männern breite Schultern und ein durchtrainierter Körper angestrebt wird (Plan International Deutschland e.V., 2019). Solche Ansichten schüren schnell Unsicherheit bei den Nutzern. Da Influencer häufig als Vorbilder gelten und auch das Schönheitsideal vorgeben, fühlen sich vor allem junge Nutzer häufig unter Druck gesetzt. Demnach bearbeiten Mädchen, die Influencern folgen, ihre eigenen Bilder häufiger als Mädchen, die keinen Influencern folgen. Zudem betrachten sie ihre eigene natürliche Optik vermehrt als ungenügend und streben nach dem Schönheitsideal ihrer Vorbilder (MaLisa Stiftung, 2019).

3. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand

In diesem Kapitel werden die Einflussmöglichkeiten von Instagram auf Paarbeziehungen betrachtet. Dabei werden vor allem drei Gründe näher erläutert, die Einfluss auf Partner und Partnerschaft haben können. Hierfür werden in den einzelnen Kapiteln vorweg relevante Begrifflichkeiten definiert.

3.1 Drei Einflusshintergründe auf die Beziehung

Das Forschungsfeld Social Media bietet bislang nur wenige Studien zum Einfluss auf Paarbeziehungen. Häufiger äußern sich Paartherapeuten, Dating- und Beziehungscoaches oder Psychologen in Magazinen und Fachzeitschriften zu diesem Thema. Diese unterstützen primär dieselbe Hypothese. Soziale Medien haben einen Einfluss auf unser Dating-Verhalten und unsere Partnerschaften. Vor allem zwei Gründe werden häufig genannt: Die digitale Eifersucht, welche durch soziale Medien vermehrt geschürt wird und der soziale Vergleich mit anderen Paaren auf Social Media (Schlemmbach, 2019). Ein weiterer Hintergrund, welcher Einfluss auf die Partnerschaft haben kann, ist der Zweifel an sich selbst. Studien beweisen, dass das Selbstwertgefühl unter sozialen Medien leidet und der Selbstzweifel zunimmt (Ozimek & Bierhoff, 2019, S. 114). Zusätzlich bringen Psychologen entgegen, dass Selbstzweifel und ein gemindertes Selbstwertgefühl negative Auswirkungen auf Partner und Partnerschaft haben kann. Das bestätigt auch der Paartherapeut und Beziehungscoach Ramon Schlemmbach, der auf seinem Youtube-Channel Fragen von Zuschauern beantwortet und auch aus einigen TV Formaten bekannt ist (Ramon Schlemmbach Beziehungscoach, 2019).

3.2 Zweifel an sich selbst

Der Zweifel an sich selbst hängt besonders mit der Selbstwahrnehmung und dem Selbstwertgefühl zusammen. Diese können Einfluss auf die eigene romantische Beziehung nehmen. Worin der Zusammenhang besteht, wird auf den folgenden Abschnitten erklärt. Hierfür werden zunächst einige Begrifflichkeiten näher erläutert.

3.2.1 Das Selbst

Jeder Mensch hat ein gewisses Bild von sich selbst. Das schließt sich aus bereits gesammelten Lebenserfahrungen, charakteristischen Merkmalen, den Wertvorstellungen, Zielen oder auch Ängsten zusammen. Das Selbstkonzept oder auch Selbstschema genannt, wird von Konstruktionsprozessen geformt, welche sich durch die Interaktion mit dem sozialen Umfeld ergeben. Diese Entwicklung wird davon manipuliert, wie Individuen sich selber gerne sehen (Jonas et al., 2014, S. 143).

„Obgleich das Selbst mit seinen Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühlen und Motivationen den Alltag meist unmerklich als Subjekt („I“) steuert, handelt es sich beim Selbst ebenfalls um ein Objekt unserer Wahrnehmung („me“)“ (Kessler & Fritsche, 2018, S.72). Bereits 1890 sprach der Philosoph und Psychologe William James von einem aktiven Part des Selbst, dem „Ich“ und das Selbst als ein Objekt, das „Mich“. Das Ich stellt einen internen, subjektiven Wahrnehmer der eigenen Person dar. Das „Mich“ wiederum kennzeichnet die Empfindungen und Ansichten zu sich selbst und ist dementsprechend das Selbstkonzept eines Menschen (Jonas et al., 2014, S. 143).

3.2.2 Das Selbstkonzept

Jeder Mensch schreibt sich selber Eigenschaften zu, die ihn zu einer Persönlichkeit formen. Der Begriff des Selbstkonzepts beschreibt demnach das Gesamtsystem der Beurteilungen und Bewertungen der eigenen Person. Darunter fallen Erfahrungen über sich selber, Überzeugungen über Werte, Normen und Motive sowie Fähigkeiten. Es besteht aus dem idealen Selbst, welches man gerne sein möchte, das mögliche Selbst, nach deren Verwirklichung man strebt und auch positive als auch negative Bewertungen über sich selbst sowie Überzeugungen über die Fremdeinwirkung (Shavelson et al., 1976; Fleming & Courtney, 1984).

William James (1890) hat bei der Analyse des Selbst Unterteilungen gefunden, welche andeuten, woher ein Individuum seine Kenntnisse zu der eigenen Person erhält. Demnach gibt es drei Komponenten (Gerrig et al., 2008, S. 530):

- Das materielle Ich, welches die körperlichen (physischen) Aspekte und die materielle Umgebung einschließt.
- Das soziale Ich, welches das Bewusstsein darüber fundiert, wie das Selbst auf die Außenwelt wirkt und von anderen wahrgenommen wird.
- Das spirituelle Ich, welches als Wächter für die eigenen Gefühle und Gedanken fungiert.

Der Zusammenschluss dieser drei Unterteilungen des Selbst sind demnach als Informationsträger des Selbst zu betrachten und stellen somit die Basis zum Selbstschema eines Individuums.

Auf der Suche nach einer Definition für das Selbstkonzept wird häufig auf der Begriff Selbstschemata erwähnt. Die Sozialpsychologin Hazel Markus (1977) war mit einer der Begründerinnen dieses Fortschrittes und hat mit ihrer Forschung zu Selbstschemata einen wichtigen Beitrag geleistet. Selbstschemata sind eine handlungsorientierte Wissensverarbeitung auf Basis von vergangenen Erfahrungen und helfen dabei, selbstbezogene Informationen zu lenken oder zu organisieren (Kessler & Fritsche, 2018, S. 72). Laut Markus sind Selbstschemas mit der Zeit relativ beständig und änderungsresistent, während das Selbstbild je nach Situation variieren kann. Zu derselben Erkenntnis kam auch Norbert Schwarz et. al. (1991) mithilfe eines Experiments. Er bat die Probanden seines Experiments darum, ihre Durchsetzungsfähigkeit zu beurteilen. Dabei wurden vorher zwei Gruppen eingeteilt. Gruppe eins sollte sechs Beispiele für durchsetzungsstarkes Verhalten nennen, während Gruppe zwei 12 Beispiele nennen sollte. Die erste Gruppe hatte keine Probleme sechs Beispiele zu finden. Hingegen stellte sich bei Gruppe zwei das Gefühl ein, dass es schwierig ist genügend Beispiele für ihre Durchsetzungsfähigkeit zu finden. Demnach schätzten die Probanden aus Gruppe zwei ihre Durchsetzungskraft als deutlich geringer ein als die andere Gruppe. Augenscheinlich sind die Selbstdefinitionen eines Individuums nicht stabil und situativ abhängig.

Obwohl das Experiment zeigt, dass die Beurteilungen zu eigenen Fähigkeiten und Charakteristiken stark nach Gegebenheiten variiert, schließt das noch nicht aus, dass das allgemeine Selbstkonzept annähernd stabil und konstant ist. Der Mensch, so sagt Mummendey (1997) „[...] stellt verschiedene soziale und situative Identitäten dar, und er ist doch stets mit sich selbst identisch. Er präsentiert verschiedene Arten des Selbst und verfügt zugleich über ein relativ stabiles Selbstkonzept“. Man nehme zur Veranschaulichung einen Graphen als Beispiel: Wie bei einem stabilen Graphen, der sich konstant in dieselbe Richtung bewegt, aber mal nach oben und unten ausschlägt, hat auch der Mensch in seinem Selbstkonzept solche Schwankungen (Feldmann, 2019).

Fragen wie „Wer bin ich?“ „Was unterscheidet mich von anderen?“ Oder „Was zeichnet mich aus?“, welche bereits in der Gesellschaft verankert sind, steuern alle in eine sehr ähnliche Richtung. Dennoch kann das Selbstbild von der verankerten individuellen Selbstwahrnehmung je nach Situation abweichen.

3.2.3 Selbstwertgefühl

Menschen mit einem negativen Selbstkonzept haben häufig ein geringes Selbstwertgefühl. Das Selbstwertgefühl ist eine übergeordnete Bewertung unseres selbst und kann starken Einfluss auf Gedanken, Gefühle, Stimmung und auch Verhalten haben. Das Bedürfnis, sich selber in einem positiven Licht zu sehen, wird als Grundbedürfnis angesehen. Ein ausschlaggebendes Argument hierfür ist, dass mehrere Befunde einen Zusammenhang zwischen seelischer Gesundheit und einer positiven Illusion über das Selbst ergeben haben (Taylor & Brown, 1988, S. 193).

Personen mit geringem Selbstwertgefühl besitzen weniger Sicherheit über ihr Selbst. Bei einem Experiment kam raus, dass sich Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl schlechter einschätzen, wenn sie sich anhand einer Reihe von Eigenschaften bewerten sollen. Wenn sie jedoch obere und untere Grenzen für ihre Schätzungen abgeben, geben Menschen mit geringerem Selbstwertgefühl tendenziell größere Spannweiten an. Menschen mit starkem Selbstwertgefühl haben demnach ein höheres Bewusstsein über ihr Selbst (Kessler & Fritsche, 2017, S. 81).

Der Mensch kann Eigenschaften, die er bewertet priorisieren, so sind einige Beurteilungen mehr von Bedeutung als andere (Mummendey, 1997). Zum Beispiel kann eine Person schlecht in einer Sportart sein, dem jedoch eine geringe Bedeutsamkeit bezüglich seines Selbstwertes zuschreiben. Das Selbstwertgefühl hängt demnach davon ab, welchen Fähigkeiten wir wie viel Wichtigkeit zuschreiben. Die Befunde legen nahe, dass Menschen einige Mechanismen verwenden, um ihr Selbstwertgefühl und die Integrität ihres Selbstkonzeptes aufrecht zu erhalten (Vignoles et al., 2006). Ein Beispiel hierfür ist die Strategie der Selbst-Beeinträchtigung, welche darin liegt, sich selber in gewisser Weise zu sabotieren, um gar nicht erst zu scheitern. Klingt zunächst widersprüchlich, funktioniert jedoch wie folgt: Um sein Selbstwertgefühl zu erhalten, überlegt sich der Mensch eine Art Ausrede, die im Falle von Misserfolg greift, die keinen Mangel an Fähigkeiten impliziert. Zum Beispiel trifft sich die Person mit Freunden, anstelle auf eine Prüfung zu lernen oder schiebt andere Aufgaben vor, die ebenfalls ihre Berechtigung haben. Plötzlich werden dann Haushaltsaufgaben erledigt, anstatt zu lernen. So kann im Falle eines Misserfolges dieser auf mangelnde Zeit oder Anstrengung geschoben werden (Gerrig et al., 2008, S. 533).

Beim Selbstwertgefühl gibt es zwei Dimensionen, der innere und äußere Selbstwert. Der äußere Selbstwert definiert sich darüber, wie andere einen wahrnehmen. Demnach steigt der bei häufiger Bestätigung und sozialer Bewunderung von anderen Individuen. Im Gegenzug dazu hängt der innere Selbstwert von dem subjektiven Einfluss des Individuums auf seine Umwelt ab. Also ob er seine eigenen Wünsche verwirklichen kann (Schader, 2020, S. 1-3). Eine positive Bestätigung von anderen löst meistens ein angenehmes Gefühl aus. Dadurch umgibt sich der Mensch eher mit Individuen, von denen eine Selbstbildbestätigung zu erwarten ist (Talaifar & Swann, 2017). Dennoch ist genauso wichtig, von wem die Bestätigung ausgesprochen wird. Der positive Zuspruch führt nur zu einer Selbstwertsteigerung, wenn die beurteilte Person den Fürsprecher selber wertschätzt (Herkner et al., 2013, S. 365). Ist das eigene Selbstbild mal bestürzt oder bedroht, versucht der Mensch mithilfe von Symbolen der Selbstdefinition sein Selbstwert wiederherzustellen. Die Theorie der symbolischen Selbstergänzung besagt, dass sich der Mensch selbstbezogene Ziele setzt wie zum Beispiel musikalisch, religiös oder erfolgreich zu sein etc. Solche Ziele sind dann meistens an Indikatoren geknüpft, welche in der Gesellschaft als ein Merkmal des Fortschritts des jeweiligen Zieles anerkannt sind. Beispiele hierfür können sein - eine teure Uhr tragen oder ein schnelles Auto fahren, Musik Unterricht zu nehmen oder sich ein Musikinstrument hoher Qualität anzuschaffen. Diese Indikatoren werden auch als Symbole der Selbstdefinition bezeichnet (Gollwitzer et al., 2002, S. 193). Wichtig ist hierbei, dass die Symbole von der Umwelt wahrgenommen werden. Eine Studie von Gollwitzer und Wicklung (1986) fand heraus, dass je mehr Symbole zur Schau gestellt werden, desto geringer ist der tatsächliche Erfolg. Es wird folglich mit Symbolen versucht das eigene Selbstwertgefühl zu verbessern, indem man sich selber bestätigt. Demnach wird diese Art der Selbstdarstellung genutzt, um positive Rückmeldung von außen zu erhalten und dadurch das eigene Selbstwertgefühl zu steigern.

3.2.4 Einfluss von Instagram auf Selbstwertgefühl

„Wie viele Likes habe ich auf meinen letzten Beitrag bekommen?“ „Mein alter Klassenkamerad ist schon wieder mit seiner Freundin in Thailand“ oder „mein Ex-Freund hat schon wieder eine Neue“ sind nur einige Themen, die uns auf Instagram täglich begegnen. Was genau das mit unserer Psyche macht, wird in diesem Abschnitt näher betrachtet.

Die Gesellschaft nutzt die Plattform Instagram zur Selbstdarstellung. Vorwiegend präsentieren sich die Menschen, wie sie von der Außenwelt gerne gesehen werden möchten. Gedanken, Gefühle und Leidenschaften werden in Beiträgen geteilt. Negative Auswirkungen hat die Plattform dann, wenn Menschen sich nicht von dem Zuspruch der anderen abgrenzen können. Das bedeutet sie brauchen die Likes und Kommentare von anderen, um sich schön oder gut genug zu fühlen. Ist das der Fall, bekommt der Nutzer Selbstzweifel, sobald ein negativer Kommentar fällt und macht seinen Wert von der Meinung anderer abhängig (Kreutzer, 2020, S. 40). Vor allem die junge Generation ist sich der möglichen negativen Auswirkungen bewusst. Eine Studie der American Psychological Association (2017, S. 4 & 7) hat herausgefunden, dass obwohl sich Millenials in sozialen Netzwerken wohl fühlen, diese Gruppe sich eher mit den Auswirkungen von Social Media auf die Psyche auseinandersetzt.

Instagram verstärkt zudem unsere Angst, etwas zu verpassen, dieses Phänomen wird auch FOMO genannt (Fear of missing out). Auf Instagram herrscht eine sogenannte Zeige- und Schaulust, bei der die Nutzer gerne zeigen, was sie haben oder sich leisten können. Die Zurschaustellung führt dazu, dass sich vor allem Jugendliche nur noch über ihre Follower-Anzahl und Likes definieren. Besonders Teenager finden sich durch Instagram erst selbst; Ihre Identitätsbildung findet digital statt. Ihre Selbstfindung findet hierbei nicht mehr durch das Auseinandersetzen mit und Abgrenzen von anderen statt, sondern durch das ständige „Kräftemessen“ online. Folglich kam bei einer Studie des Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel zum Instagramverhalten der Generation Z heraus, dass 45 Prozent der Befragten mehr als zehnmal am Tag auf Instagram sind (IKW, 2019). Die Angst etwas zu verpassen, wird durch die Beiträge auf Instagram verstärkt, da die Nutzer sich und ihr eigenes Sein mit den Leben der anderen vergleichen. So wird einem schnell ein schlechtes Gefühl vermittelt, wenn man selber an seinem Schreibtisch sitzt, während andere Nutzer Urlaub in Dubai machen oder sich bereits im selben Alter einen gewissen Lebensstandard leisten können. FOMO kann Stress auslösen, wäre da nicht zwischendurch das Belohnungsystem von Instagram durch soziale Anerkennung (Kreutzer, 2020, S. 43). Die Nutzung von Instagram kann unter anderem folgende Gefühle bei ihren Nutzern auslösen (Kreutzer, 2020):

- Die Nutzer fühlen sichhäufig dazu genötigt etwas auf Instagram zu teilen, um nicht von ihrerAußenwelt „vergessen“ zu werden, obwohl es manchmal nichts zu teilen gibt.
- Alle anderen Nutzer scheinen auf Instagram in jeder Lebenslage glücklich zu seinund perfekt auszusehen - ganz im Gegenteil zu einem selber.
- Negative Rückmeldungen auf die eigenenInstagramPosts kann dazu führen, dass
die Person sich minderwertig, missverstanden und nicht respektiert fühlt. Das kann die Nutzer verletzten, obwohl sie kaum etwas dagegen unternehmen können.
- Bei geringer positiver Resonanz auf die eigenen Beiträge fühlt derjenige sich von der digitalen Gesellschaft teilweise ausgestoßen

Laut einer Studie der A&M University Texas (2016) wurde bei knapp 13 Prozent der Befragten eine Störung genannt soziale Angst diagnostiziert. Die impliziert die Angst davor von anderen negativ oder kritisch beurteilt zu werden oder als peinlich und komisch wahrgenommen zu werden. Diese Art der Angst kann zu einem Mangel an Selbstvertrauen führen und das Selbstwertgefühl mindern (Texas A&M University, 2016). Die Plattform Instagram bietet ihren Nutzern die Gelegenheit, sich in allen Lebenslagen zu präsentieren und ihren Follower an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Gleichzeitig ist jeder Nutzer selber auch über die Aktivitäten der anderen informiert. Die ständigen Updates über das Leben der anderen kann jedoch zu negativen Gefühlen führen. Eine Studie der American Journal of Health Behavior (2018) besagt, dass sich sogenannte „Heavy-User“ die mehr als zwei Stunden am Tag auf sozialen Netzwerken verbringen, häufiger eine schlechtere psychische Verfassung aufweisen. Der ständige Vergleich mit dem auf Instagram dargestellten Leben der anderen Nutzer führt zu vermehrten Selbstzweifeln und Unsicherheiten gegenüber dem eigenen Körperbild und kann ein geringes Selbstwertgefühl verstärken (Shensa et al., 2018). Vor allem die stark inszenierten Beiträge der Influencer, welche durch Photoshop und andere Bearbeitungs- Apps optimiert werden, lassen die Nutzer an ein Ideal glauben, welches nicht existiert oder der Realität entspricht. Insbesondere Frauen und Mädchen leiden unter einem verzerrten Körperbild. Sie haben bereits nach kurzer Nutzungsdauer ein schlechteres Selbstbild als Nicht-Nutzer. Zusätzlich ergab die Studie, dass die Neigung zu Diäten oder anderen Möglichkeiten der Körperoptimierung mit der Nutzung steigen (Shensa et al., 2018).

3.2.5 Einfluss von niedrigem Selbstwertgefühl auf Beziehungen.

Inwiefern das eigene Selbstwertgefühl Einfluss auf romantische Beziehungen haben kann, hängt von einer Kette an Einflussfaktoren ab. Wissenschaftler gehen bereits seit langem davon aus, dass es einen Einfluss zwischen dem Selbstwertgefühl und der Qualität einer Beziehung gibt. Die empirische Evidenz ergibt jedoch kein genaues Ergebnis. Es besteht große Unsicherheit, ob romantische Beziehungen tatsächlich ein Einflussfaktor auf die Entfaltung des Selbstwertgefühls sind und umgekehrt. Eine beliebte Theorie von Leary und Kollegen (1995) besagt, dass das eigene Selbstwertgefühl den subjektiv wahrgenommenen Beziehungswert widerspiegelt. In der Theorie gilt das Selbstwertgefühl als eine Art Messgerät welches darüber Aufschluss gibt, inwieweit das Verhalten des Individuums von seiner Umwelt als sozial akzeptabel wahrgenommen wird. Demnach geht die Soziometertheorie davon aus, dass das Selbstwertgefühl durch die Beobachtung und Beurteilung der Reaktionen anderer Individuen auf einen Selbst, abhängig ist (Leary & Baumeister, 2000). Dementsprechend legt diese Sichtweise nahe, dass das Selbstwertgefühl eines Individuums leidet, wenn der Partner die Beziehung als unzufrieden einstuft und das Selbstwertgefühl steigt, wenn die Person wahrnimmt, dass der Partner die Beziehung als positiv empfindet. Probanden befinden sich in einem Teufelskreis, da sich Selbstwertgefühl und Beziehungsqualität gegenseitig beeinflussen. Die verfügbaren Forschungsdaten lassen jedoch darauf schlussfolgern, dass das Selbstwertgefühl einen Effekt auf die Beziehungszufriedenheit hat und nicht die Beziehungszufriedenheit auf das Selbstwertgefühl (Erol & Orth, 2016). In einer Studie von Mund et al. (2015) konnte das Selbstwertgefühl die Beziehungsqualität vier Jahre zuvor voraussagen, während Beziehungsmerkmale die Veränderung des Selbstwertgefühls nicht vorhersagten. Ein möglicher Grund für diese Forschungsergebnisse ist, dass das Selbstwertgefühl ein sehr stabiler Indikator von Individuen über die gesamte Lebensdauer sein kann. Zudem gibt das Selbstwertgefühl Aufschluss über Zufriedenheit und Erfolg in anderen Lebensbereichen, wie zum Beispiel Arbeit und Gesundheit. Das wiederum hat einen Einfluss auf die Beziehungszufriedenheit.

Dabei ist zu beachten, dass sich das Selbstwertgefühl nicht nur auf die eigene Beziehungszufriedenheit, sondern auch auf die Zufriedenheit des Partners auswirken kann (Erol & Orth, 2016). Ein hohes Selbstwertgefühl ist von Vorteil, da die gegenseitige Wertschätzung und Bindung in einer Beziehung zwischen den Partnern von einem stabilen Selbstwert abhängig sind.

3.3 Zweifel am Partner

Neben dem Zweifel an sich selber, kann auch der ständige Zweifel am Partner und der Partnerschaft eine Belastung für die Beziehung sein. Durch die inszenierten Beiträge von anderen Paaren und Influencern auf Instagram, wird die Person schnell dazu verleitet sich zu vergleichen. Wie genau dieser Vergleich funktioniert und wie sich der Mechanismus auf die Beziehung auswirken kann wird in den folgenden Abschnitten näher erläutert.

3.3.1 Theorie des sozialen Vergleichs

Auf den sozialen Netzwerken werden die Nutzer täglich mit idealisierten Bildern konfrontiert. Dadurch werden nicht nur unrealistische Ideale impliziert, sondern auch Unsicherheiten geschürt. Die Theorie des sozialen Vergleichs erklärt wieso sich Menschen dennoch mit solchen Bildern vergleichen und dadurch beeinflussen lassen. Bereits 1954, bevor das Internet seine Geburtsstunde hatte, befasste sich der US- amerikanische Sozialpsychologe Leon Festinger mit dieser Theorie in seinem Werk „A Theory of Social Comparison Processes“ (Festinger, 1954). Seither wurde die Theorie stetig weiterentwickelt. Einige Aussagen wurden revidiert und widerlegt, andere weiter erforscht. Denn woher weiß der Mensch ob seine eigene Leistung gut oder schlecht ist? Woher weiß ein Sportler ob seine Fähigkeit in 24 Sekunden 100 Meter zu laufen der Norm entspricht oder herausragend ist? Nur indem der Mensch sich mit anderen Individuen vergleicht hat er ein Maß zur Hand, um seine eigenen Leistungen, Fähigkeiten und Überzeugungen zu bewerten. Die Theorie geht davon aus, dass sich Menschen aus einem inneren Drang heraus mit anderen Individuen vergleichen, welches aus unterschiedlichen Intentionen heraus geschieht. Zum Beispiel erfüllt sich der Mensch das Bedürfnis von Zugehörigkeit (Stanley, 1959), kann sich besser selber einordnen und bewerten (Festinger, 1954), Entscheidungen treffen (Camerer & Lovallo, 1999), Inspirationen finden (Lockwood & Kunda, 1997) oder Gefühle und Emotionen besser kontrollieren und regulieren (Taylor & Brown, 1988; Tesser & Campbell, 1982).

Dabei unterscheidet man zwischen aufwärtsgerichtetem und abwärtsgerichtetem Vergleich. Orientiert man sich an überlegenen anderen, die von uns als positiv bewertet werden und vergleicht sich mit ihnen, ist das ein aufwärtsgerichteter Vergleich. Während ein abwärtsgerichteter Vergleich sich an schlechteren vergleicht die der Mensch selber mit negativen Eigenschaften verknüpft (Wills, 1981; Wood, 1989). Der Aufwärtsvergleich regt die Menschen dazu an, ihren Vergleichszielen ähnlicher zu werden und kann somit von Vorteil sein. Dennoch kommt es häufiger vor, dass sich die Menschen mangelhaft und ungenügend fühlen, eine schlechtere Selbsteinschätzung haben und negativ beeinflusst werden. (Marsh & Parker, 1984; Morse & Gergen, 1970; Pyszczynski, Greenberg, & LaPrelle, 1985). Im Gegensatz dazu, führt der Abwärtsvergleich häufig zu einem positiven Affekt und einer besseren Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung (Willis,1981). Der abwärtsgerichtete Vergleich kann trotzdem der zu einem negativen Gefühl führen, wenn der Mensch sieht, dass die Dinge noch schlimmer sein könnten (Aspinwall, 1997).

Herkömmlicherweise finden soziale Vergleiche in Kontexten der persönlichen Interaktion mit Personen aus dem nahestehenden Umfeld statt z.B. mit Familie, Partner, oder Kollegen. Durch die sozialen Netzwerke wurde den Menschen jedoch eine neue Möglichkeit geboten sich mit anderen zu vergleichen. In der Tat bieten Plattformen wie Instagram und Co. die perfekte Möglichkeit zur Selbstinszenierung und Selbstdarstellung. Vor allem Influencer inszenieren häufig Bilder mit ihrem Partner, um ihre Follower an ihrem Liebesleben teilhaben zu lassen (vgl. Anhang 3-5). Informationen über das eigene Liebesleben und den Partner kommen deswegen so gut bei den Nutzern an, da sich jeder mit der Thematik identifizieren kann. So glauben die Follower das andere User glücklicher und erfolgreicher sind als sie selbst. Dieses Phänomen tritt vermehrt dann auf, wenn man die Vergleichspersonen offline nicht gut kennt. Menschen vergleichen ihr realistisches Offline-Dasein mit einem in idealer Szene gesetzten Online­Dasein (Chou & Edge, 2012).

Nutzer von sozialen Netzwerken können sich Selbst und ihr Leben mit Hilfe von Beiträgen so darstellen, dass sie für andere Nutzer ein Aufwärts- oder Abwärtsvergleich werden. Dabei werden online andere Vergleichsinformationen bereitgestellt, die typischerweise offline nicht vermittelt werden. Auf Instagram posten die Nutzer zum Beispiel, dass der Partner Blumen gekauft hat (vgl. Anhang 5), sich heute Abend zu einer Massage überreden ließ oder gekocht hat (vgl. Anhang 4). Solche Vergleichssituationen kommen in alltäglichen realen Situationen nicht zustande. Dadurch wird schnell impliziert, die Beziehung der anderen sei besser und liebevoller. Neben dem Vergleich mit anderen Paaren, schürt der soziale Vergleich auf Instagram auch die Zweifel am eigenen Partner. Durch den Überschuss an ideal dargestellten Individuen, erscheint einem der Partner schnell als zu dick, zu unattraktiv, zu faul, zu unsportlich etc. Dabei vergisst der Nutzer häufig, dass die Bilder auf Instagram nicht nur Momentaufnahmen sind, sondern auch bearbeitete und aufwendig produzierte Beiträge, die nicht der Realität entsprechen (vgl. Anhang 6).

3.2.2 Paare auf Sozialen Medien

Paare zeigen sich auf Instagram und Co. mehrfach überglücklich und verliebt. Studien zeigen allerdings, dass nicht immer alles so ist wie es scheint.

Eine Studie des Datingportals Elite Partner fand heraus, dass vor allem Paare, die sich auf Social Media sehr glücklich präsentieren, häufig kein erfülltes Liebesleben haben. Besonders jungen Paaren ist es wichtig ihre Liebe nach außen zu tragen und als Paar gut zu wirken. Männern ist die Außenwirkung hierbei besonders wichtig (Bartsch 2019). Jeder vierte Mann legt großen Wert darauf den Schein einer ansehnlichen Beziehung zu wahren, unabhängig davon wie es in der Partnerschaft wirklich zugeht. Fast jeder dritte Mann empfindet es als selbstverständlich Probleme in der Beziehung nicht nach außen zu tragen, um den Schein einer perfekten Partnerschaft aufrecht zu erhalten. Bei den Frauen sind es nur 22 Prozent. Durch Instagram wird hierfür die perfekte Plattform geboten, um sich und seine Partnerschaft in Szene zu setzten (Bartsch, 2019). Paare, die sich häufiger auf Social Media posten, haben ein geringeres Selbstbewusstsein und versuchen die fehlende Sicherheit in der Beziehung durch Likes und positive Kommentare von außen zu holen. Personen, die in ihrer Beziehung also glücklich sind, suchen keine Bestätigung von außen. Zu dieser Erkenntnis kommt auch die Psychologin und Forscherin Tara Marshall, die ähnliche Ergebnisse in einer Studie der Brunel University in London herausfand (Marshall, 2012). Einige Nutzer lassen sich von den online Bildern verunsichern. Besonders für Männer unter 30 Jahren sind die glücklich ausgelegten Darstellungen ein Wunschvorbild. Eine Erklärung hierfür könnte die fehlende Orientierung im eigenen Umfeld sein. Demnach werden glückliche und lebenslange Liebschaften im realen Umfeld immer seltener. So geben 26 Prozent der jungen Frauen und Männer an, dass sie kaum glückliche Partnerschaften in ihrem Umfeld haben. Obwohl sich die Bedürfnisse durch die Wahlfreiheit der Partner und alternativen Beziehungsmodellen geändert haben, fühlen sich viele Nutzer von den Paarbildern im Netz, die ein gewissen künstlichen Standard repräsentieren, unter Druck gesetzt (Bartsch 2019).

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Ende der Leseprobe aus 77 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Instagram auf romantische Paarbeziehungen
Hochschule
Macromedia Fachhochschule der Medien Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
77
Katalognummer
V1162293
ISBN (eBook)
9783346573728
ISBN (Buch)
9783346573735
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
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Schlagworte
Social Media, Instagram, Beziehungen, Eifersucht, Digitalisierung, Selbstwertgefühl, Kontrolle, Partnerschaft, Influencer, Identität
Arbeit zitieren
Kimia Dehghan-Nayeri (Autor:in), 2021, Der Einfluss von Instagram auf romantische Paarbeziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1162293

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