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George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft Teil II

Title: George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft Teil II

Term Paper , 1990 , 17 Pages

Autor:in: Dr. phil. Peter Widmer (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Die Sozialpsychologie beschäftigt sich traditionellerweise mit der Untersuchung der gesellschaftlichen Erfahrung aus der Sicht der Individualpsychologie. Das gesellschaftliche Ganze wird dabei von der Psychologie des Individuums aus gedeutet.
Mead fragt nach der Rechtmässigkeit dieses Ansatzes und erkennt, dass die Psychologie des Individuums selbst Produkt gesellschaftlicher Prozesse ist. Sozialpsychologie kann folglich nicht beim Individuum, sondern muss vielmehr von gesellschaftlichen Prozessen ausgehen. Daher sieht Mead die Aufgabe der Sozialpsychologie darin, den Einfluss gesellschaftlicher Erfahrung auf Erfahrung und Verhalten des Einzelnen zu klären. Die konkrete Frage des II. Teiles, den wir im folgenden behandeln, lautet daher, wie psychisches Wissen - d.h. Geist, Bewusstsein, Denken überhaupt - als gesellschaftliche Phänomene begriffen werden kann.
Mead steht in der Tradition der Evolutionstheorie Darwins und untersucht die Entstehung des Psychischen, von Geist, anhand der Entwicklung gesellschaftlichen Verhaltens im Laufe der Evolution. Mead versucht, ein entscheidendes Problem der Evolutionstheorie mit behavioristischen Mitteln zu lösen: er versuch die Kluft zwischen Impuls und Rationalität, zwischen Instinkt und Bewusstsein zu überbrücken und nachzuweisen, wie gewisse Organismen Geist, zweckgebundenes Verhalten und moralisches Engagement entwickeln. Kurz: er versucht zu klären, wie das vernunftbegabte Wesen "Mensch" entstand (vgl. S. 16, Einleitung von Morris).

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Behavioristische Sozialpsychologie

1.2. Die Frage

1.3. Die Methode

2. Die Geste

2.1. Die Geste als Ausgangspunkt

2.2. Zwei Grundfunktionen der Geste

2.2.1. Die "Reiz"-Funktion der Geste

2.2.2. Darwin

2.2.3. Die "Anpassungsfunktion" der Geste

3. Der Ursprung der Sprache

3.1. Wundts psycho-physischer Parallelismus

3.2. Nachahmung

3.2.1. Lernen ist assoziativ

3.2.2. Unmöglichkeit eines Nachahmungs-Mechanismus

3.3. Der grundlegende Fehler

3.4. Die vokale Geste

3.4.1. Die Defizienz der Geste

3.4.2. Die Bedeutung der vokalen Geste

3.4.3. Exklamatorische Töne, Zeichen und Schrift

3.5. Anthropologische Grundkategorie: Die "Rolle des Anderen"

3.6. Das signifikante Symbol

4. Sinn (meaning)

4.1. Sinn als Produkt einer dreiseitigen Beziehung

4.2. Merkmale

4.2.1. Objektivität auf der Grundlage einer "natürlichen" Teleologie

4.2.2. Die gesellschaftliche Handlung als Ursprung des Neuen

4.2.3. Immanenz

5. Universalität

5.1. Die Reaktion ist universal, der Reiz partikular (James)

5.2. Der Ursprung von Begriffen

5.2.1. Deweys "handelnde" Wahrnehmung

5.2.2. Begriffe sind gesellschaftlich vermittelt

5.2.2.1. Der "verallgemeinerte Andere"

5.2.2.2. Eine gemeinsame Welt als Produkt gemeinsamer Erfahrung

6. Reflexive Intelligenz/Denken

6.1. Intuitives Verhalten

6.2. Reflexives Verhalten

6.2.1. Reflexives Verhalten - ein Beispiel

6.2.2. Merkmale

6.2.2.1. Hinweisendes Verhalten

6.2.2.2. Willentliche Aufmerksamkeit

6.2.2.3. Sprache als "Material des Geistes"

6.2.3. Wahl, Spontaneität, Grundbedingung und Anpassung

6.2.3.1. Eine behavioristische Freiheitstheorie: Reflexive Wahl und Spontaneität

6.2.3.2. Der Ursprung der verzögerten Reaktion

6.2.3.3. Bester Anpassungsmechanismus?

7. Selbstkonditionierung und bedingter Reflex

7.1. Watson: Der bedingte Reflex

7.2. Defizienz

7.3. Bewusste Selbstkonditionierung

8. Das Verhältnis von Reaktion, Symbol, Geist und Umwelt

8.1. Reaktion und Umwelt

8.2. Geist, Symbol und Umwelt

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Entstehung des Psychischen – namentlich Geist, Bewusstsein und Denken – als gesellschaftliche Phänomene aus der Perspektive der behavioristischen Sozialpsychologie von G.H. Mead zu beleuchten und deren evolutionäre Genese darzulegen.

  • Die fundamentale Rolle der Geste als Mechanismus der gesellschaftlichen Interaktion.
  • Die Kritik an Theorien der unmittelbaren Nachahmung und des psycho-physischen Parallelismus.
  • Die Bedeutung der vokalen Geste für die Entwicklung signifikanter Symbole und Sprache.
  • Die reflexive Intelligenz als Prozess der verzögerten Reaktion und bewussten Selbstkonditionierung.
  • Die gesellschaftliche Bedingtheit von Sinn, Begriffsbildung und der Wahrnehmung der Umwelt.

Auszug aus dem Buch

3.2. Nachahmung

Man glaubte früher, so Mead, Wundts Problem durch den Begriff der Nachahmung aus der Welt schaffen zu können (S. 90). So scheinen beispielsweise Kinder die Erwachsenen nachzuahmen, und man glaubte, dass sie auf diese Weise das Sprechen lernten. Auch Vögel scheinen einander nachzuahmen: Der Spatz den Kanarienvogel, der Papagei die menschliche Stimme.

Mead zufolge gibt es keinen allgemeinen Nachahmungstrieb, auf den die Entstehung von Bewusstsein zurückgeführt werden könnte. Die Funktion der Nachahmung sollte diesen Theorien gemäss, die die Entstehung von Bewusstsein auf einen allgemeinen Nachahmungstrieb zurückführen wollten, in der Erklärung des Lernverhaltens von Lebewesen liegen. Der Nachahmungstrieb sollte der Schlüssel zum Verstehen der "Entwicklung der jungen Vertreter einer Gattung" (S. 91) sein.

Mead widerlegt die These der Existenz eines allgemeinen Nachahmungstriebs vor allem durch zwei Einwände: Er zeigt erstens, dass Lernen nicht durch Nachahmung, sondern nur durch Assoziation erklärbar ist, und zweitens, dass die Konstruktion eines Mechanismus der unmittelbaren Nachahmung unmöglich ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Meads behavioristischen Ansatz ein, der Geist und Bewusstsein nicht als individuelle Gegebenheit, sondern als Produkt gesellschaftlicher Prozesse versteht.

2. Die Geste: Das Kapitel definiert die Geste als grundlegenden Mechanismus gesellschaftlicher Interaktion und untersucht ihre Reiz- sowie Anpassungsfunktionen.

3. Der Ursprung der Sprache: Hier wird die Entstehung der Sprache kritisch diskutiert, wobei die Unzulänglichkeit von Nachahmungstheorien aufgezeigt und die Bedeutung der vokalen Geste für die Ausbildung signifikanter Symbole hervorgehoben wird.

4. Sinn (meaning): Dieses Kapitel erläutert, dass Sinn aus der gegenseitigen Anpassung in gesellschaftlichen Interaktionsprozessen hervorgeht und somit immanent in sozialen Handlungen existiert.

5. Universalität: Die Untersuchung befasst sich mit der Universalität des Denkens und der Entstehung von Allgemeinbegriffen, die als gesellschaftlich vermittelte Phänomene innerhalb einer gemeinsamen Welt verstanden werden.

6. Reflexive Intelligenz/Denken: Hier wird der Übergang von intuitivem zu reflexivem Verhalten analysiert, wobei besonders die Fähigkeit zur bewussten Wahl und verzögerten Reaktion betont wird.

7. Selbstkonditionierung und bedingter Reflex: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit Watsons Reflex-Theorie auseinander und stellt dieser die menschliche Fähigkeit zur bewussten Selbstkonditionierung via Sprache gegenüber.

8. Das Verhältnis von Reaktion, Symbol, Geist und Umwelt: Der Abschluss fasst zusammen, dass Geist und Sprache untrennbare Bestandteile des Interaktionsprozesses zwischen Organismus und Umwelt sind.

Schlüsselwörter

G.H. Mead, Sozialpsychologie, Behaviorismus, Geste, Sprache, signifikanter Symbol, reflexive Intelligenz, Gesellschaft, Identität, Bewusstsein, Interaktion, verzögerte Reaktion, Selbstkonditionierung, Wahrnehmung, Evolution.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung des psychischen Lebens – wie Geist, Denken und Bewusstsein – auf Basis des gesellschaftlichen Verhaltens und der Kommunikation.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen gehören die Geste als Interaktionsgrundlage, die Bedeutung von Sprache für das menschliche Handeln sowie die Reflexivität als Abgrenzung zum rein instinktiven Verhalten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass menschliche Rationalität und Geist aus sozialen Prozessen hervorgehen und nicht als biologisch isolierte Instanzen betrachtet werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen behavioristischen Ansatz, der soziale Interaktion und Kommunikation als primäre Datenquellen nutzt, um psychische Phänomene wissenschaftlich zu begründen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die evolutionäre Entstehung der Sprache, die Funktion der Rolle des Anderen, die Natur von Sinn und Begriffen sowie die Mechanismen reflexiver Intelligenz und Selbstkonditionierung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind das signifikante Symbol, die verzögerte Reaktion, der verallgemeinerte Andere, reflexive Intelligenz und der gesellschaftliche Handlungsprozess.

Wie unterscheidet sich der Mensch laut Mead vom Tier?

Der Mensch unterscheidet sich durch die Fähigkeit zur reflexiven Intelligenz und die Rolle des Anderen, was ihm erlaubt, seine Reaktionen zu verzögern und sich selbst zum Objekt zu machen.

Was ist die Bedeutung der "vokalen Geste"?

Die vokale Geste ist entscheidend, da sie auf den Sprecher selbst dieselbe Wirkung hat wie auf die Umwelt, was die Basis für signifikante Symbole und bewusste Kommunikation schafft.

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Details

Title
George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft Teil II
College
University of Basel  (Philosophisches Seminar)
Course
Kommunikation und Interaktion: Theorien des zwischenmenschlichen Handelns von Mead bis Searle
Author
Dr. phil. Peter Widmer (Author)
Publication Year
1990
Pages
17
Catalog Number
V116230
ISBN (eBook)
9783640177684
ISBN (Book)
9783656456766
Language
German
Tags
George Herbert Mead Geist Identität Gesellschaft Teil Kommunikation Interaktion Theorien Handelns Mead Searle
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. phil. Peter Widmer (Author), 1990, George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft Teil II, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116230
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