Bibelübersetzungen vor und nach Luther

Luthers Bibelübersetzung


Seminar Paper, 2007
18 Pages, Grade: 1,7

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bibelübersetzungen
2.1 Die Deutschen Bibelübersetzungen vor Luther
2.2 Rezeption der vorlutherischen deutschen Bibeln
2.3 Die deutschen Bibelübersetzungen nach Luther

3. Luthers Bibelübersetzung
3.1 Die Entstehung der Lutherbibel
3.2 Luthers Mitarbeiter
3.3 Rezeption der Lutherbibel

4. Fazit
Die Lutherbibel ist aber nach wie vor das Maß aller Dinge

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Wirklich übersetzen heißt: etwas, das in einer andern Sprache gesprochen ist, seiner Sprache anpassen."

Martin Luther, Tischreden

Diesen Vorsatz versuchte Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung während seiner Zeit auf der Wartburg umzusetzen. Dorthin wurde er nach dem Reichstag zu Worms 1521 aufgrund der drohenden Reichsacht entführt. Vasallen des Kurfürsten Friedrich des Weisen überfielen die Gruppe um Luther, die sich auf der Heimreise vom Reichstag befand, und brachten ihn zu seinem eigenen Schutz auf die Burg. Hier lebte er inkognito als Junker Jörg in ärmlichen Verhältnissen und nutzte die erzwungene Muße zum Schreiben. So entstanden in der Folgezeit neben der Bibelübersetzung zahlreiche weitere Schriften. Nach einer heimlichen, kurzen Reise nach Wittenberg im Dezember desselben Jahres kehrte Luther auf die Wartburg zurück.

Innerhalb von nur elf Wochen übertrug er während der nächsten Zeit das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Als Vorlage dienten ihm dabei das griechische Exemplar von Erasmus von Rotterdam und die Vulgata, die Übersetzung der Bibel ins Lateinische.

1534 vollendete er schließlich unter Mithilfe von Wittenberger Kollegen mit der Übersetzung des Alten Testamentes das, was wir heute die Lutherbibel nennen.

Mit seiner Übersetzung machte Martin Luther als erster den einfachen Menschen, dem Großteil des deutschen Volkes, biblische Inhalte zugänglich, indem er diese nicht nur in die deutsche Sprache sondern auch vor allem in eine zeitgenössische Sprache übertrug; dadurch trieb er unter anderem auch die Entwicklung der deutschen Sprache voran.

Weniger bekannt ist, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits einige Übersetzungen der Bibel ins Deutsche existierten.

In dieser Hausarbeit soll zunächst geklärt werden, welche deutschen Bibelübersetzungen es vor der von Martin Luther gab. Interessant dabei ist vor allem, wie sie geschrieben sind und ob sie für das Volk verständlich waren. Dies soll auch der Gliederungspunkt über die Rezeption der vorlutherischen Bibeln zeigen, der ebenso wie die Rezeption der Lutherbibel aus Platzgründen leider kurz gehalten werden musste. Ein weiterer Punkt greift aus vielen nachlutherischen Bibeln die großen und anerkannten Bibelübersetzungen heraus; alle Bibeln seit Luther aufzulisten scheiterte ebenfalls aus Gründen der Länge. Danach wird auf den zeitlichen Ablauf der Entstehung und auf die beteiligten Mitarbeiter an der Lutherbibel eingegangen. Schließlich wird die Rezeption kurz abgehandelt. Im Fazit werden die drei bekanntesten Bibeln miteinander verglichen.

Die Lutherforschung „im Spiegel der deutschen Geistesgeschichte ist ein weites Feld“[1], was durch viele verschiedene Forschungsphasen seit Beginn des 20. Jahrhundert, die durch unterschiedliche Interessen geprägt waren, deutlich wird. Jedoch zeichnet sich inzwischen in allen Bereichen der Lutherforschung ein merkliches Abflauen des Interesses ab.

Die Probleme der Erforschung des Lebens und des Werkes Martin Luthers liegen vor allem in der Duplizität der Luther- und Reformationsforschung, die bis in die 80er Jahre hinein hauptsächlich unverbunden waren, und die dadurch bedingte Kluft zwischen der theologischen und biographischen Lutherdarstellung.

Trotz der bisherigen Forschung gibt es noch viele offene Fragen. So ist zum Beispiel in Hinsicht auf Luthers Schriftauffassung eine Vertiefung der Forschung nötig und auch die Theologie Luthers bedarf der weiteren Aufmerksamkeit der Forscher.

2. Bibelübersetzungen

Schon seit dem siebten Jahrhundert vor Christus beschäftigten sich viele Menschen in der christlichen Welt mit der Übersetzung der Bibel. Im achten Jahrhundert nach Christus wurde die Bibel erstmals auch ins Deutsche übersetzt.

Jeder „Übersetzungsvorgang (...) hat seine Konturen und Regeln, aber auch Komplikationen“[2], ganz besonders gilt das auch für die Übersetzung der Bibel.

Der Bibel wird oft mit einem Übermaß an Respekt begegnet. Aus diesem Grund orientieren sich viele Übersetzer viel zu sehr am Ausgangstext. Diese Übersetzungen sind durch Holperigkeit und teilweise auch unverständliche Sprache gekennzeichnet.

Ein weiteres Problem der Bibelübersetzung ist der zeitliche Abstand zur Entstehungszeit der Bibel, der eine historische, soziale und kulturelle Distanz schafft. Der Übersetzer muss bereit sein, sich auf die tote Sprache der Urtexte sowie auf eine für ihn neuartige, altertümliche Denkweise einzulassen, um die Botschaft der Bibel zu verstehen und seinen zukünftigen Lesern zugänglich zu machen.

Außerdem ist die Bibel kein Buch im Sinne eines „homogene[n] Literaturprodukt[es]“[3], sondern eine Sammlung von Schriften, die von verschiedenen Verfassern über einen Zeitraum von 1000 Jahren hinweg geschrieben wurden. Diese Verfasser trennt nicht nur dieser Zeitabstand, sondern auch ihr Bildungsniveau, ihre Sprache und ihr Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht.

Der Übersetzer muss als „Brückenbauer“[4] zwischen einer vergangenen Kultur, die uns fremd ist, und unseren heutigen Denkweise fungieren. Um das zu gewährleisten, muss jeder Übersetzung eine Exegese vorausgehen, um den Text als eine Einheit verstehen zu können[5]. Bibelübersetzung und Bibelexegese gehören also auf „fundamentale Weise“[6] zusammen. Idealerweise erfolgt die Exegese in der lateinischen Fassung.

Ein weiteres Problem ist, dass, wie Hans-Georg Gadamer sagt, „jede Übersetzung (...) schon Auslegung“[7] ist. Bei jeder Übersetzung spielen subjektive Aspekte eine Rolle, ohne dass dies vom Übersetzer verhindert werden kann.

Darüber hinaus sollte bei einer Übersetzung auf das Prinzip der Kommunikation[8] geachtet werden. Dabei darf man die sprachlichen Eigenheiten der Adressaten nicht aus dem Blick verlieren. Das heißt, wichtig sind hierbei vor allem zeitgenössische Syntax, Semantik und Stilistik. So musste sich ein Übersetzer früher an den regionalen Dialekt halten, um vielen Lesern ein Bibelstudium zu ermöglichen. Heut zu Tage dagegen ist es wichtig, die Bibel in die Alltagssprache zu übersetzen, um einen möglichst großen Leserkreis zu erreichen.

Genauso wie damals muss bei der Übersetzung der Bibel auch heute Bezug auf die Rezipienten genommen werden. Dies ist deshalb besonders schwierig, weil diese keine kongruente Gruppe darstellen. Ihre Vertrautheit mit der religiösen Sprache und Praxis ist genauso unterschiedlich wie ihre demographischen Daten und vieles mehr. Jede dieser einzelnen Gruppen braucht eigentlich eine eigene, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Übersetzung, die ihre wahrscheinliche Nutzung beachtet, um Zugang zur biblischen Botschaft zu bekommen. So unterscheidet auch Friedrich Schleiermacher in seinen „Bestimmungen des Werkes“[9], wonach dieses für den ästhetischen Gebrauch, für den Schulgebrauch, für den philologischen Gebrauch oder für den kritischen Leser gedacht sei, nach den Nutzern einer Übersetzung.

Voraussetzungen für eine gute Übersetzung sind vor allem entsprechende Sprachkenntnisse und theologisches Wissen. Für die Exegese ist vor allem die Wortbedeutungskunde, die in der mittelalterlichen Grammatik des Lateins schon der bedeutendste Zweig war[10], zentral. Hierbei leisten Bibelwörterbücher und Distinktionen Hilfe.

Das Ergebnis der Bibelübersetzung ist also immer abhängig von der jeweiligen Motivation, dem Umfang der Übersetzung, der Zielgruppe, der Religion des Übersetzers und seinem Glauben sowie seinem Sprachstil und der Art der Übersetzungstheorie, die der Übersetzung zugrunde gelegt wurde.

Im Allgemeinen charakterisiert man Bibeln nach den Übersetzungstheorien.

Zum einen gibt es den strukturtreuen oder ausgangsorientierten Ansatz[11]. Hier sollen strukturtreu Wortwahl und Syntax des Urtextes wiedergegeben werden. Der Leser soll den Text so studieren können, als ob er die Ursprache beherrsche, muss aber daher zwangsläufig auch bereit sein, sich über den Text hinaus mit der Historie und den einschlägigen Begriffen zu beschäftigen. Den dafür erforderlichen Aufwand kann der Übersetzer in Grenzen halten indem er Anmerkungen und Erläuterungen hinzufügt. Der Nachteil einer derartigen Übersetzung ist jedoch, dass die Zielsprache durch das wörtliche Herangehen an den Urtext häufig ungelenk wirkt und teilweise sogar unverständlich sein kann.

[...]


[1] Vinke, Rainer (Hrsg.): Lutherforschung im 20. Jahrhundert. Rückblick – Bilanz – Ausblick, In: May, Gerhard (Hrsg.): Veröffentlichungen des Institutes für europäische Geschichte Mainz / Abteilung für abendländische Religionsgeschichte, Beiheft 62, Mainz 2004, S. 136.

[2] Groß, Walter (Hrsg.): Bibelübersetzung heute. Geschichtliche Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen, In: Anderegg, Johann et al. (Hgg.): Arbeiten zur Geschichte und Wirkung der Bibel (AGWB), Stuttgart 2001, S. 151.

[3] Meurer, Siegfried (Hrsg.): Eine Bibel – viele Übersetzungen. Not oder Notwendigkeit?, In: Die Bibel in der Welt. Jahrbuch des Evangelischen Bibelwerkes in der Bundesrepublik Deutschland und in Berlin-West e.V., Bd. 18, Stuttgart 1978, S. 28.

[4] Reinitzer, Heimo (Hrsg.): Deutsche Bibelübersetzungen des Mittelalters, In: Vestigia Bibliae. Jahrbuch des Deutschen Bibel-Archivs Hamburg Bd. 9/10, Bern 1991, S. 13.

[5] Vgl. Groß, Walter (Hrsg.): Bibelübersetzung heute, Stuttgart 2001, S. 151f.

[6] Reinitzer, Heimo (Hrsg.): Deutsche Bibelübersetzungen des Mittelalters, Bern 1991, S. 13.

[7] Groß, Walter (Hrsg.): Bibelübersetzung heute, Stuttgart 2001, S. 7.

[8] Definition siehe Dostal, Wolfgang / Jeckle, Mario / Kriechbaum, Werner: Semantik und Web Services: Beschreibung von Semantik (08.06.2004), http://www.jeckle.de/semanticWebServices/semantik.html (13.03.2006).

[9] Groß, Walter (Hrsg.): Bibelübersetzung heute, Stuttgart 2001, S. 122.

[10] Vgl. Reinitzer, Heimo (Hrsg.): Deutsche Bibelübersetzungen des Mittelalters, Bern 1991, S. 14.

[11] Vgl. Groß, Walter (Hrsg.): Bibelübersetzung heute, Stuttgart 2001, S. 130f.

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Details

Title
Bibelübersetzungen vor und nach Luther
Subtitle
Luthers Bibelübersetzung
College
University Karlsruhe (TH)  (Institut für Geschichte)
Grade
1,7
Author
Year
2007
Pages
18
Catalog Number
V116237
ISBN (eBook)
9783640177936
ISBN (Book)
9783640178049
File size
424 KB
Language
German
Tags
Bibelübersetzungen, Luther
Quote paper
Maike Doll (Author), 2007, Bibelübersetzungen vor und nach Luther, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116237

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