Wertewandel, zunehmende Marktsättigung, Globalisierung und der technologische Wandel beeinflussen die Umwelt von Unternehmen in zunehmendem Maß. Damit Firmen in diesem Umfeld bestehen können, müssen sie sich dieser zunehmenden Komplexität stellen und Lösungen entwickeln. Unternehmen reagieren, indem sie ihre Aktivitäten in den Bereichen Planung, Steuerung, Koordinierung und Kontrolle erhöhen. Diese Aktivitäten bewirken eine Zunahme des Aufwandes in den Verwaltungen der Unternehmen und somit eine überproportionale Zunahme der dort anfallenden Kosten. Verwaltungskosten weisen Gemeinkostencharakter auf, die folgende Probleme mit sich bringen:
- Nicht verursachungsgerecht zurechenbar
- Erschwerte und ungenaue Kalkulation von Leistungen und Produkten
- Kurzfristig unabhängig von der Ausbringungsmenge (fix)
- Schwer reduzier- und anpassbar.
Die oben beschriebene Entwicklung birgt hohe Risiken in sich, denen Unternehmen begegnen müssen, damit ihre Kostensituation sie nicht am Markterfolg hindert.
Ziel dieser Seminararbeit ist es daher, mit der Gemeinkostenwertanalyse ein Verfahren zu erläutern, das sich dem Problem der steigenden Kosten im Verwaltungsbereich annimmt und darüber hinaus ein Konzept zu entwickeln, das die Verwaltungsgemeinkosten nachhaltig auf einem niedrigen Niveau halten kann.
Nachdem zunächst eine Betrachtung und Einordnung der GWA erfolgt, wird das konkrete Vorgehen des Verfahrens dargelegt. Da es sich bei er GWA um keine dauerhafte Einrichtung handelt, sondern sie fallweise durchgeführt wird, entwickelt der Autor im Anschluss ein Konzept, um die Gemeinkostenwertanalyse in den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess einzubetten. In dieser Verbindung erlangt die GWA eine strategische Bedeutung im Hinblick auf eine dauerhaft wettbewerbsfähige Kostensituation des Unternehmens.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Verwaltung
2.2. Gemeinkosten
3. GWA
3.1. Historie der GWA
3.2. Begriffsanalyse
3.3. Einordnung der GWA/Theoretische Konzepte
3.4. Ziel der GWA
3.5. Phasen der Gemeinkostenwertanalyse
3.5.1. Phase 1: Planung, Kickoff
3.5.2. Phase 2: Datenerhebung, Ermittlung des Ist-Zustands
3.5.3. Phase 3: Datenanalyse, Entwicklung der Verbesserungspotenziale
3.5.4. Phase 4: Evaluierung der Verbesserungspotenziale
3.5.5. Phase 5: Auswahl, Umsetzung, Kontrolle
3.6. Praxisbeispiel
3.7. Beurteilung der Gemeinkostenwertanalyse
4. Konzept zur Integration von GWA und KVP
4.1. Relevanz
4.2. Kontinuierlicher Verbesserungsprozess
4.3. Integration der GWA und KVP
4.3.1. Integration der Struktur und Organisation
4.3.2. Integration der Phasen und Systematik
4.4. Beurteilung des Konzeptes
5. Ausblick, Alternative Instrumente
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, die Gemeinkostenwertanalyse (GWA) als Verfahren zur Reduktion von Verwaltungskosten zu erläutern und ein Konzept zu entwickeln, das dieses Instrument nachhaltig in den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) integriert, um die Kostensituation dauerhaft zu optimieren.
- Theoretische Grundlagen und historische Entwicklung der GWA
- Detaillierte Analyse des fünf-phasigen GWA-Vorgehensmodells
- Gegenüberstellung und Verknüpfung von GWA und KVP
- Entwicklung eines hybriden Integrationsmodells mit GWA-Qualitätszirkeln
- Bewertung von Alternativinstrumenten wie Better Budgeting
Auszug aus dem Buch
3.2. Begriffsanalyse
Zunächst nähern wir uns der Gemeinkostenwertanalyse durch eine Betrachtung der Begrifflichkeit. Zur näheren Beleuchtung zerlegen wir den Gesamtbegriff in die Komponenten Gemeinkosten und Wertanalyse, die jeder für sich genommen im Folgenden untersucht werden.
Wie in Unterkapitel 2.2 bereits definiert liegt das Wesen der Gemeinkosten darin, dass sie sich nicht auf einen Kostenträger zurechnen lassen. Zur Spezifizierung in Hinsicht auf die GWA nehmen wir an dieser Stelle den Begriff der Verwaltung hinzu und Stellen einen Bezug zu den Gemeinkosten her. Da in der Verwaltung, wie in Abschnitt 2.1 definiert, anders als beispielsweise in der Produktion, Tätigkeiten ausgeführt werden, die unterstützenden Charakter haben und nur indirekt auf den Unternehmensgegenstand, also das Produkt, gerichtet sind entstehen dort im Allgemeinen nahezu ausschließlich Gemeinkosten. Deren Höhe ist in Bezug auf die Gesamtkosten eines Unternehmens erheblich. Die Begriffskomponente Gemeinkosten im Sinne der GWA bezieht sich also auf die in der Verwaltung anfallenden Gemeinkosten und stellt somit den Gegenstand der Gemeinkostenwertanalyse dar.
Die zweite Begriffskomponente Wertanalyse ist auf ein Konzept von L.D. Miles zurückzuführen, das er 1947 im Auftrag von General Electric zu entwickeln begann und vier Jahre später fertigstellte. Miles umschrieb sein Konzept wie folgt: “Value analysis is a philosophy implemented by the use of a specific set of techniques, a body of knowledge and a group of learned skills. It is an organized creative approach which has for its purpose the efficient identification of unnecessary cost, i.e., cost which provides neither quality, nor use nor life nor appearance nor customer features (…).” Das Konzept der Wertanalyse wurde von Miles mit dem Ziel entwickelt, trotz der damaligen ständigen Steigerung der Einkaufspreise die Kosten bei gleicher Leistung zu senken. Übertragen auf die GWA stellt die Begriffskomponente Wertanalyse somit das angewandte Verfahren dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den wachsenden Druck auf Verwaltungskosten durch Marktdynamiken und definiert das Ziel der Arbeit, ein Konzept zur nachhaltigen Kostensenkung durch GWA und KVP zu entwickeln.
2. Definitionen: Definiert die zentralen Begriffe Verwaltung als unterstützende Instanz und Gemeinkosten als nicht direkt zurechenbare Kostenbestandteile.
3. GWA: Detailliert die Historie, die fünf Phasen der GWA (Planung bis Umsetzung) sowie die Vor- und Nachteile dieses Instruments.
4. Konzept zur Integration von GWA und KVP: Entwickelt ein Modell, das die systematische GWA mit der kontinuierlichen Verbesserungsidee des KVP verbindet, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten.
5. Ausblick, Alternative Instrumente: Betrachtet ergänzende Ansätze wie Better Budgeting und Prozesskostenrechnung im Hinblick auf ihre Relevanz für das Gemeinkostenmanagement.
6. Fazit: Fasst zusammen, dass die GWA insbesondere in Krisensituationen ein starkes Werkzeug ist, deren langfristiger Nutzen jedoch durch eine Integration in den KVP signifikant gesteigert werden kann.
Schlüsselwörter
Gemeinkostenwertanalyse, GWA, Kontinuierlicher Verbesserungsprozess, KVP, Verwaltungsgemeinkosten, Kostensenkung, Effektivität, Effizienz, Organisationsanalyse, Reorganisation, Projektmanagement, Prozesskostenrechnung, Better Budgeting, Wertanalyse, Rationalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Gemeinkostenwertanalyse als Instrument zur Verwaltungskostensenkung und entwickelt ein Konzept zur Verknüpfung mit dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Durchführung der GWA, den Phasen der Kostenanalyse sowie der Integration von Top-Down-Analyseansätzen mit Bottom-Up-Verbesserungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erläuterung der GWA als Verfahren gegen steigende Verwaltungskosten sowie die Erarbeitung einer Strategie, um diese Kosteneinsparungen nachhaltig und kontinuierlich im Unternehmen zu verankern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Ausarbeitung, die durch Literaturanalyse und den Entwurf eines eigenen Vorgehensmodells (Integration von GWA und KVP) strukturiert ist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung des GWA-Prozessmodells in fünf Phasen sowie die theoretische und organisatorische Zusammenführung mit dem KVP-Ansatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gemeinkostenwertanalyse, KVP, Verwaltungsgemeinkosten, Prozessinnovation und organisatorische Effizienz.
Wie unterscheidet sich die Vorgehensweise der GWA von der des KVP?
Die GWA erfolgt meist projektbasiert und auf Anweisung (Top-Down), während der KVP auf der kontinuierlichen Initiative der Mitarbeiter an der Basis (Bottom-Up) basiert.
Was ist der GWA-Qualitätszirkel?
Dies ist ein vom Autor vorgeschlagenes Gremium, das Führungskräfte und rotierende Mitarbeiter vereint, um die Aktivitäten von GWA-Gruppen zu steuern und die Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen sicherzustellen.
Warum wird in der GWA oft ein Kostensenkungspotenzial von 40% vorgegeben?
Diese Vorgabe dient als bewusste „Ideenhürde“, um möglichst kreative und umfassende Verbesserungsvorschläge zu forcieren, auch wenn das tatsächlich erreichbare Volumen in der Praxis meist darunter liegt.
Welche Bedeutung kommt der Personalanpassung in diesem Kontext zu?
Der Autor betont, dass Personalanpassungen aufgrund der notwendigen Tätigkeitsänderungen meist unvermeidbar sind, jedoch als Teil eines Veränderungsprozesses kommuniziert werden sollten, um Widerstände zu minimieren.
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- Tobias Meyer (Author), 2008, Gemeinkostenwertanalyse im Detail und als Konzept eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116256