Gewalt in Medien. Thesen zu den Funktionen und Theorien zu der Wirkung medialer Gewalt


Hausarbeit, 2013

13 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zur Geschichte der Gewalt in Medien - ein Grundriss

3. Thesen zu den Funktionen medialer Gewalt
3.1. Evolutionstheoretischer Ansatz
3.2. Sensation-Seeking
3.3. Excitation-Transfer
3.4. Aggressive Prädispositionen

4. Theorien zur Wirkung medialer Gewalt
4.1. Die Suggestionsthese
4.2. Die Habitualisierungsthese
4.3. Die Kultivierungsthese
4.4. Die Skript-Theorie

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema „Gewalt und Medien“ ist allgegenwärtig und noch immer höchst aktuell. Schon seit es überhaupt Medien als solche gibt, gibt es auch eine Diskussion über die Gewalt, die in ihnen transportiert wird und vermeintlichen Einfluss auf die Konsumenten hat, denn der Unterschied zwischen Realität und Fiktion verschwimmt zusehends. Ist die Welt wie sie in den Medien gezeigt wird, genauso auch in der Wirklichkeit, oder unterliegt unsere Wahrnehmung einer medialen Selektion? In den vergangenen fünfzig Jahren überschwemmte eine Welle von Publikationen über das Thema und dessen sozialschädliche Auswirkungen den Literaturmarkt (vgl. Kunczik 2006, S.11). Man sollte also annehmen, dass dieses Themenfeld eines der am besten erforschten sei, was jedoch aufgrund der vielen lückenhaften wissenschaftlichen Untersuchungen keinesfalls der Tatsache entspricht (ebd.). Gewalt in den Medien gab und gibt es schon seit Menschengedenken, Näheres wird im folgenden Kapitel erläutert. Der Kenntnisstand über die Auswirkungen medialer Gewalt hat sich in den vergangenen Jahrzenten jedoch stark verändert. Von einer anfänglichen Annahme der Wirkungslosigkeit der Gewalt bis hin zu einer Gefahr der Erhöhung des Aggressionspotenzials bei nahezu jedem Menschen wurden in der Geschichte der medialen Wirkung sämtliche Standpunkte vertreten und diskutiert. In Bezug auf den aktuellen Forschungskonsens beschreibt Kunczik diesen wie folgt:

„Aufgrund der vorliegenden Befunde besteht in der Forschung Konsens, dass Mediengewalt unter bestimmten Umständen negative Effekte (insbesondere hinsichtlich des Aufbaus bzw. der Stabilisierung violenter Persönlichkeitsstrukturen) haben kann. Es ist zu vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen dem Konsum medialer Gewaltdarstellungen und realem Aggressionsverhalten bei einzelnen Problemgruppen besteht. (2006, S.13)

Die folgende Arbeit soll dazu dienen, einen kurzen Grundriss der Geschichte der medialen Gewalt, auch im Hinblick auf ihre Geschichte, darzustellen, eine vereinfachte Übersicht zur Frage der Gründe, warum der Mensch Gewalt in den Medien nutzt, zu erstellen und den aktuellen Forschungsstand zur Thematik der Wirkung der medialen Gewalt mit Bezug auf einige der vorherrschenden Theorien zu skizzieren. Wie eingangs erwähnt, ist die Publikationsfülle zur Thematik unüberschaubar, aus diesem Grund bezieht diese Arbeit ihre Quellen vorrangig vom „zentralen Gewährsmann für die Mediengewaltforschung in Deutschland“ (Otto 2007, S.18) Michael Kunczik und von Professor Bernhard Rathmayr, dessen Vorlesung zu den historischen und anthropologischen Grundlagen im Sommersemester 2012 an der Universität Innsbruck den Rahmen dieser Arbeit bildet.

2. Zur Geschichte der Gewalt in Medien - ein Grundriss

„Die Tradition der Gewaltdarstellungen reicht weit zurück. Horrorgeschichten wurden bereits in prähistorischen Zeiten erzählt Es gibt Höhlenmalereien, die Monsterwesen zeigen. Der ägyptische Gott Osiris wurde auf Anweisung seiner Mutter in Stücke zerhauen. Auch die griechische Götter- und Sagenwelt bzw. die Literatur des antiken Griechenlands war voller Grausamkeiten“ (Kunzcik 2006, S.27).

Die Annahme, dass die Menschen vor diesen grausamen Inhalten geschützt werden müssen lässt sich laut Kunczik schon bis in die Zeit Platons und dessen Politeia zurückverfolgen (vgl. ebd.). Platon vertrat die These, dass die Dichter der Märchen und Sagen einer Zensur unterliegen sollten, damit Kinder keine falschen Überzeugzungen übernähmen, die mit den Vorstellungen davon, wie ein Erwachsener sein sollte, kollidieren (vgl. ebd.). Das schon in diesem antiken Zeitalter kein Konsens über die Vorgehensweise mit der Gewalt in den Medien, so man sie damals schon so nennen konnte, herrschte, lässt sich daraus schließen, dass schon Aristoteles, ein Schüler Platons, eine gegensätzliche Position zum Thema vertrat. Er war ein Verfechter der sogenannten Katharsisthese, die auch heute noch Anhänger findet: „ (...) ,die zumeist von der Existenz eines angeborenen Aggressionstriebes ausgehen, behaupten, durch das dynamische Mitvollziehen von an fiktiven Modellen beobachteten Gewaltakten in der Phantasie nehme die Bereitschaft des Rezipienten ab, selbst aggressives Verhalten zu zeigen“ (Kunczik 2006, S.85). Einfacher gesagt, je grausamer und gewalttätiger der gesehene Gewaltakt ist, umso höher in der Theorie die Wahrscheinlichkeit, dass der Rezipient durch gesteigertes Mitgefühl und Identifizierung mit dem Opfer gehemmt ist, selbst Gewalt auszuüben. Gleichwohl übten Gewaltakte immer schon eine Attraktivität und Faszination aus, deren sich der Mensch nur selten entziehen kann. Die Heldenepen der Antike sind voll von blutigen Geschichten und Sagen:

„Die Darstellung übertrieben grausamer, horribilisierter Gewalttaten als Wirklichkeit des Kampfes zielt auf die Umsetzung der Ideologie der Sieger in das Bewußtsein der Allgemeinheit. Durch sie soll die Wahrnehmung von Gewalt als Heldentum unausweichlich werden. Aus dem brutalen Gemetzel der Schlachtfelder fabriziert das Epos grandiose Bühnen heroischer Siege. In den ,zahllosen Detaileinstellungen' der Reality-Epen der Antike inszeniert und deutet sich ,Mordlust (und Lust an der Beschreibung des Mordens) als kollektives Vergeltungsritual'. Wenn der Terminator Achill das Schlachtfeld betritt, ,kommt es zu rauschartigen Tötungsorgien, die Gegner werden zerstückelt, die Achsen der Kampfwagen glänzen und drehen sich im Blut der Feinde.' (Wertheimer 1986, S.22; zit.nach Rathmayr 1996, S.49).

Hier ist jedoch zu beachten, dass diese übertriebenen Darstellungen nicht zufällig gewählt wurden, denn: „Sie erfüllen die Anforderungen der Volkserziehung im Zeitalter der Erlangung, Verteidigung und Erhaltung der Macht durch Krieg und Sieg.“ (ebd. S.51), weitergehend, so schreibt Kunczik, sei die Gewalt schon immer Materie künstlerischer Tätigkeiten gewesen (vgl. 2006, S.30).

Eine wichtige Rolle spielt der Circus Maximus im antiken Rom, in dem aus einer Vorführung von Gewalt, wie im Epos oder dem Theater, eine real aufgeführte Gewalt wird. Sklaven und Verbrecher kämpften hier bis zum Tod gegeneinander und das vor bis zu hundertfünfzigtausend Zuschauern, dies diente sowohl der Machtdemonstration des antiken römischen Reiches, als auch der Unterhaltung der Bevölkerung. „Der römische Staat gründete sich wie kein anderer auf die ständige, unmittelbare und uneingeschränkte Präsenz von Gewalt als Prinzip, nicht als ultima ratio oder als Entgleisung der Politik“ (Rathmayr, S.56).

Die Feudalgesellschaften des frühen Mittelalters erfuhren ihre Stabilität aus der Notwendigkeit heraus, Angreifer und Wegelagerer mit Gewalt zu bekämpfen aber auch Gewalt an Frauen, Kindern und Gesinde auszuüben, um das alltägliche Leben und Überleben zu sichern (vgl. Rathmayr 1996, S.39). Es war also eine gesellschaftliche Notwendigkeit, Gewalt anzuwenden, die wiederum durch ihre Notwendigkeit legitimiert wurde. Neben den Bauern, Frauen und Kindern gehörte das Bild eines kämpfenden Kriegers oder Ritters also ebenfalls zum Alltäglichen. Als dann zur Hochzeit des Mittelalters die Ländereien knapp wurden und kleinere Grundbesitzer nicht mehr in der Lage waren ihren Grund und Boden selbst zu verteidigen, mussten sie sich in Leibeigenschaft begeben, sich also einem mächtigeren Grundbesitzer, dem Feudalherren, unterwerfen, um weiterhin ihren Lebensunterhalt sichern zu können (vgl. Rathmayr 1996, S.40 f.). Zu dieser Zeit kam es dann jedoch auch zu einer Eindämmung der Gewalttätigkeit, die zum guten Ton gehörte und als „Verhöflichung der Krieger“ bezeichnet werden kann. Es bildete sich eine ständische Gesellschaft heraus, die nicht mehr nur durch kriegerische Auseinandersetzungen stabilisiert werden konnte, sondern durch Herrschaftsverhältnisse und Stände von innen heraus organisiert werden musste. Diese innere Zurückhaltung gegenüber anderen ohne die Anwendung der Gewalt führte laut Rathmayr zu einer Unterdrückung der körperlichen Triebe zugunsten einer Etablierung individueller psychischer Kontrollinstanzen (vgl. ebd., S.43). Auf eine detailliertere Darstellung der Ereignisse um das Entstehen des mittelalterlichen Feudalstaats muss an dieser Stelle verzichtet werden, da sie nicht Gegenstand dieser Arbeit ist und zudem ihren Rahmen sprengen würde.

Auch in der Neuzeit setzt sich die Faszination der Gewalt fort, nicht selten sind die Theaterspiele Shakespeares angefüllt mit grausamen Gewaltakten, ebenso wie Richard Wagners Ring der Nibelungen. Die Neuzeitliche Literatur, so Kunczik, sei eine „Fundgrube detaillierter Gewaltschilderungen“ (2006, S.30). Von Johann Wolfgang von Goethes Die Leiden des jungen Werther über Heinrich von Kleist bis hin zu Abraham Stokers Dracula wird man den Rausch der Gewalt finden können. Eine ganz neue Dimension erreichte die Diskussion um mediale Gewalt mit der Erfindung des Kinematographen, oder einfach ausgedrückt, des Kinos 1894. Groß war die Kritik schon damals, so zitiert Kunczik den Gerichtsassessor Albert Hellwig aus Berlin, dass: „häufiges Anschauen von Schundfilms mit fast mathematischer Sicherheit zu einer Verrohung des Jugendlichen führen muss.“ (Hellwig 1911, S.58; zit. nach Kunczik 2006, S.34). Der Ruf nach Zensur und Strafandrohung wurde lauter, was sogar bis zu einem Verbot jedweder Vorführungen von Filmen durch das Königlich Sächsische Ministerium des Inneren 1906 führte (vgl. ebd. S.35).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Gewalt in Medien. Thesen zu den Funktionen und Theorien zu der Wirkung medialer Gewalt
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Historische & anthroplogische Grundlagen
Note
1
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V1162753
ISBN (Buch)
9783346565396
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt, Medien, Erziehungswissenschaften
Arbeit zitieren
BA Sascha Hülcker (Autor:in), 2013, Gewalt in Medien. Thesen zu den Funktionen und Theorien zu der Wirkung medialer Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1162753

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gewalt in Medien. Thesen zu den Funktionen und Theorien zu der Wirkung medialer Gewalt



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden