Partnerschaftlichkeit im Hochmittelalter

Strickers Konzept für Ehe und Gesellschaft: Die Ehestandsmären


Wissenschaftliche Studie, 2008
133 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Einleitung

3 Der Gevatterin Rat (Aggressivität - Gewalttätigkeit - Dämonisierung, Vergötterung - Selbstvergessenheit - Passivität)

4 Das erzwungene Gelübde (Besitzanspruch - Verlustangst - Eifersucht)

5 Ehescheidungsgespräch (Unbeherrschtheit - Launenhaftigkeit - Jähzorn)

6 Die drei Wünsche (Lamentieren - Fatalismus, Minderwertigkeitskomplex - Geltungssucht)

7 Der begrabene Ehemann (Selbstverleugnung - Fremdbestimmung, Selbstsucht, Selbstsein - Konfliktfähigkeit)

8 Das heiße Eisen (Schuldkomplex, Schuldgefühl - Schuldentlastung - Beschuldigung)

9 Die eingemauerte Frau (Ignoranz - Egozentrik - Willkür, Aufmerksamkeit - Sich Einbringen - Kompromiss-Gemeinschafts-Beziehungsfähigkeit)

10 Abkürzungsverzeichnis

11 Literaturverzeichnis

1 Vorwort

Gegenüber einem in der jüngeren Mediävistik und in der Frauenforschung überwiegend verbreiteten Bild, demzufolge das Schicksal der Frauen im Mittelalter ein Finsteres war, sie männlicher Willkür und Gewalttätigkeit schutzlos ausgeliefert gewesen seien, sprechen die volkssprachlichen Dichtungen eine ganz andere Sprache. Lässt man sich auf die Texte ein und legt die üblichen Schablonen mit denen die Medävistik sie für gewöhnlich einordnet einmal beiseite, kann sich ein ganz anderes Mittelalterbild erschließen. Keine ferne, unverständliche Epoche, die durch exotisches Anderssein glänzt, sondern eine Gesellschaft, die der unseren erstaunlich nahe steht. Insbesondere, was die Problematik der Beziehungen von Männern und Frauen im ehelichen Leben anbelangt.

Zur Frage der Genese und fort wirkenden Attraktivität des 'Alteritäts'- Paradigmas in der Mediävistik, habe ich in meinem Aufsatz 'Achtundsechziger Altgermanistik und das Paradigma Alterität. Von der Revolte mit emanzipatorischem Anspruch zu erneuter Erkenntnisblockade', 2002, ausführlich Stellung genommen. Die vorliegende Arbeit ist auch als inhaltlich konkreter Nachweis gedacht, der die dort geleistete Kritik und postulierte Blockade der Erkenntnis in der Mediävistik näher erläutert und

ergänzt.

Im Vergleich mit unserer zeitgenössischen Gesellschaft waren die Frauen im Hochmittelalter zwar nicht 'emanzipiert', also sie waren z.B. nicht als Politikerinnen oder Schriftstellerinnen in der Gesellschaft präsent, jedoch waren sie nicht ohne Stimme. Nicht erst mit der Schriftstellerin Christine de Pizan (Stadt der Frauen, 1404/1405) hat eine Art 'Gegendiskurs' zum patriarchalen misogynen Diskurs stattgefunden. Denn in der mittelalterlichen Dichtung wird immer wieder die Gleichwertigkeit der Frau in Paar-Beziehungen und ihre Verehrungswürdigkeit propagiert. Das Recht der Frauen auf personale Würde, ihr Anspruch nicht nur zum Objekt männlicher Begierde gemacht zu werden, wird zwar im Mittelalter kaum von den Frauen selbst, aber von einem Teil der dichtenden Männer vertreten. Die Frau wird bei ihnen zur Vertreterin einer 'Gegenwelt' in der Niedriges und Hässliches keinen Platz hat. Zorn und Gewalt, die Jagd nach Macht und Reichtum, sind demnach Bestandteil der männlich-ritterlichen Welt und fordern die ritterlichen Helden immer wieder zur Bewährung heraus. In der Gegenwelt der Frauen herrschen Güte und Sanftmut, Zärtlichkeit, Treue und Liebe. Die adligen Dichter, die die Verehrungswürdigkeit der Frauen vertreten sind keineswegs weltfremd. Sie wissen natürlich auch, dass die realen Frauen keineswegs immer dem idealen Bild entsprechen, das sie entwerfen. Ihre 'Frauenrechtler' Position ist aber auch ganz anders, letztlich gesellschaftspolitisch motiviert. Den Frauen-Verehrern unter den Dichtern steht nämlich eine Frauen-Verächter Fraktion gegenüber, die daran arbeitet das traditionelle Frauen-Ideal zu demontieren. Der Verdacht wird hier gepflegt, es handele sich bei der Frau um ein unbeherrschtes, seinen Begierden ausgeliefertes, untreues Wesen, das deshalb strenger patriarchaler Aufsicht und Herrschaft bedürfe.

Können die Frauen-Verächter ihr misogynes Frauenbild beim adligen Publikum durchsetzen, zerstören sie damit gleichzeitig die Hoffnung auf eine Gegenwelt in der Niedriges und Hässliches keinen Platz hat. Übrig bleibt dann eine Welt in der jeder Ritter seinen Standesgenossen nur mit Misstrauen und als potentiellen Feind betrachtet. Denn die Hoffnung auf eine Gesellschaft, in der sich Mitmenschlichkeit, Solidarität und weitgehende Selbstbestimmung verwirklichen können, ist nur zu haben, wenn den Frauen-Feinden die gesellschaftliche Dominanz streitig gemacht wird und die Frauen als zu verehrende, einer gleichwertigen Partnerschaft würdige Wesen akzeptiert werden.

Die vorliegende Arbeit will anhand von Strickers ehelichen Beziehungsgeschichten nachweisen, dass es dem Stricker als einem der profiliertesten Vertreter der Frauen-Verehrer Fraktion, um die Verteidigung des gleichwertig-partnerschaftlichen Status der Frauen ging und er damit gleichzeitig an einer gesellschaftspolitischen Utopie festhält, die auf eine mitmenschliche Gesellschaft zielt. Die Einleitung diskutiert den gesellschaftlichen Kontext, durch den erst die dichterische Positionierung des Stricker und die seiner Mitstreiter verständlich wird und versucht durch einen aktualisierenden zeitgenössischen Bezug die gesellschaftspolitische Bedeutung zu erläutern, die der 'Beziehungsfrage' offensichtlich seit jeher innewohnt und die am historischen Beispiel vermutlich klarer konturiert erkannt werden kann, als dies eine Analyse der sich diffus darstellenden Gegenwart erlaubt.

Mein Dank für Hilfe bei der Realisierung der Arbeit geht an Professor Ernst Metzner, der mir durch sein wohlwollendes Interesse und seine Offenheit im inhaltlichen Bereich geduldig die Möglichkeit eröffnete meine Überlegungen vorzustellen und zu diskutieren und somit den Prozess der Verschriftlichung anregte. Ebenso wäre die Arbeit ohne die großzügige Hilfsbereitschaft von Alfred Arend im Bereich der Informatik und modernen Textverarbeitung wohl kaum zur Druckreife gelangt.

Anzumerken sei hier noch, dass die vorliegende Arbeit nur sieben Einzelinterpretationen der insgesamt acht Ehestandsmären des Stricker enthält. Die Tatsache, dass 'Der kluge Knecht' nicht mehr in dieser Studie behandelt wird, ist nicht wie etwa zu vermuten, der interpretatorischen Unzugänglichkeit des Textes geschuldet, sondern schlicht dem Umstand, dass die Interpretation der Texte Zeit und Geld erfordert. Auch wenn eine Beschäftigung mit dem umfangreichen Werk des Strickers noch so reizvoll und für ein angemessenes Verständnis des Gangs deutscher Geschichte eigentlich unverzichtbar ist, so ist dies doch ohne die Bereitstellung wenigstens minimaler Rahmenbedingungen nicht zu leisten. Diese waren für die vorliegenden Arbeit nicht gegeben, was doch auch nicht unerwähnt bleiben sollte.

Frankfurt, September 2008

Horst Haub

2 Einleitung

Die Arbeit versteht sich als Beitrag zur Auseinandersetzung mit der in der Mediävistik verbreiteten These, nach der man im Mittelalter nicht von einer partnerschaftlichen Beziehung zwischen Mann und Frau sprechen könne.[1] In der Adelsgesellschaft, und nicht nur da, sei das Eheleben eher eine Lebensform und eine Angelegenheit zur Regelung sozialer Beziehungen gewesen, nicht aber eine Leib- und Seelengemeinschaft zweier Individuen.[2] Wiederholt wird, insbesondere in feministisch ausgerichteten Arbeiten, davor gewarnt, im Zusammenhang mittelalterlicher Ehen von geistiger oder sexueller Partnerschaft zu sprechen. Hierbei handele es sich um anachronistische Reprojektionen des modernen Betrachters bzw. der Betrachterin.[3] Sexuelle Treue der Ehefrau sei als symbolträchtigster Ausweis grundsätzlicher Unterordnung zu verstehen, keineswegs aber als Eigenwert oder als Ausdruck partnerschaftlicher Liebe zu begreifen.[4] Durch eine eingehendere Beschäftigung mit den so genannten 'Ehestandsmären' des Stricker und den hierzu in der literaturhistorischen Mediävistik vorliegenden Interpretationen, sowie weiteren Stricker-Texten, die sich mit der Frage der Geschlechter-Beziehungen auseinandersetzen, soll nachgewiesen werden, dass es das Konzept der Partnerschaftlichkeit zwischen Mann und Frau im Mittelalter durchaus gegeben hat, nämlich insbesondere beim Stricker.

Die Arbeit versucht zudem auch dem Problem nachzuspüren, welche Implikationen mit der Positionierung des Stricker im Bereich der Geschlechterbeziehungen für den sozialen Aufbau der gesamten mittelalterlichen Gesellschaft gegeben sind und verweist damit auch auf die Bedeutung und politische Brisanz, die der Beantwortung der 'Beziehungsfrage' bis auf den heutigen Tag, z.B. für Demokratie und soziale Gerechtigkeit unserer zeitgenössischen Gesellschaft, zukommt. Die Kritik, die Rüdiger Schnell am „allergrößten Teil der mediävistischen Forschung“ im Bereich 'Geschlechterrollen und Sexualität' formuliert, diese beschreibe ungeniert durchaus gegensätzliche Bilder von der Frau im Mittelalter, die Frau als unersättlich geile, für den Mann gefährliche oder aber die Frau als schamhaft zurückhaltende, vom Mann dominierte, auf die Voraussetzungen und Implikationen dieser widersprüchlichen Gesellschaftsentwürfe werde aber nicht eingegangen[5], will die Arbeit aufgreifen. Die Frage, warum die Wahrnehmung einer komplexen Wirklichkeit, schon im Mittelalter selbst, libidinöse und schamhafte Frauen, triebhaft unkontrollierte und selbst beherrschte Männer, nicht dazu geführt hat den Versuch einer Bestimmung des Geschlechtscharakters überhaupt aufzugeben, soll hier einer plausiblen Erklärung zugeführt werden. Die vorliegende Arbeit wird von der Annahme geleitet, dass es sich bei den Diskursen zur Rolle der Geschlechter und zur Sexualität nicht nur um Diskurse (sich selbst widersprechende) handelt[6], sondern um Auseinandersetzungen mit machtpolitischen Konsequenzen, die, weil mit den den existenziellen Interessen der Diskursteilnehmer aufgeladen, deshalb Sinn machen.

Das Unbehagen an einer historischen Beschreibung des Geschlechterverhältnisses im Mittelalter, welches den Frauen unter patriarchalischen Bedingungen politische Einflusslosigkeit zuschreibt und der vermeintlichen Privatsphäre die Geschichtsmächtigkeit abspricht, lässt auch Teile der jüngeren Frauen- und Geschlechterforschung die Forderung erheben, „bislang gültige Grundannahmen und Basiskonzepte der historischen Gesellschaftsanalyse aufzubrechen und neu zu formulieren.“[7] Zumal die Diskurse, seit der biblischen Schöpfungsgeschichte in immer neu formulierten Bezügen, die Ordnung der Geschlechter zueinander normativ festschreiben wollten, was auf die tatsächlich äußerst labile reale Abgrenzung schließen lasse.[8]

Der Stricker hat sich in seinem umfangreichen Werk ausführlich zur gesellschaftlichen Bedeutung der Frau und zur Frage des richtigen Beziehungsverhältnisses der Geschlechter zueinander geäußert. Neben zwei großen Epen, dem „Karl“, der dem Motivkreis der Rolandslieddichtung zugeordnet wird und dem „Daniel von dem blühenden Tal“, einer Art Artusroman, wird seine Bedeutung vor allem im Bereich der Kleinepik, seinen über 160 Reden, Bispeln und Mären gesehen.[9] Die „Ehestandsmären“ scheinen vom Stricker als thematische Gruppe konzipiert zu sein, jedenfalls treten sie als solche in seinem Werk und dessen handschriftlicher Überlieferung auf.[10] Da keine biographischen Daten über den Dichter Stricker vorliegen, ist die Forschung ausschließlich auf das Werk selbst verwiesen, will sie sich ein Bild von dessen Leben und Persönlichkeit machen. Übereinstimmend geht die Forschung davon aus, das Wirken des Stricker sei zwischen 1220-1250 im bayerisch-österreichischen Raum anzusiedeln. Über Standeszugehörigkeit und Aussage seines Werkes gehen die Ansichten dann allerdings weit auseinander. So wird er als Berufsdichter und Propagandist im Dienste kirchlicher Reformbewegung vermutet[11], aber auch im Dienste von Landesherrschaft stehend.[12] Gegen den Landesherren und seine hegemonialen Bestrebungen, als Berufspoet niederer oder unfreier Abstammung, Parteigänger des alten hochfreien Adels und der ministerialen Oberschicht[13], ebenso, wie als Dichter der sich mit dem kleinen landsässigen Adel Niederösterreichs identifiziert[14], dessen Verarmung und Bedrängnis er zur Sprache bringe.[15] Schon früh wurde dem Stricker in der Forschung auch die Rolle eines bürgerlichen Fahrenden zugeschrieben.[16]

Die Aussagen des Stricker im thematischen Bereich Liebe und Ehe wurden zumeist nicht als Problemkonstellationen behandelt, die mit unseren heutigen Beziehungsverhältnissen vergleichbar wären und als interessante exemplarische Lösungsstrategien, sondern als Belegmaterial für einen dahinter liegenden allgemeinen „höheren Zweck“.[17] Was Gustav Rosenhagen bereits als zentralen Inhalt des „Pfaffen Amis“ ausmacht, den „Sieg der Klugheit über die Dummheit[18], wird bei Helmut de Boor auch für die Ehestandsmären geltend gemacht; Schlauheit und Torheit seien Thema dieser Gedichte.[19] Wird bei Hedda Ragotzky die „Demonstration eines situationsspezifischen Interpretations- und Handlungsvermögens“ als „Gegenstand der Mären“ bestimmt[20], so vermutet Helmut Brall man könne die Ehestandsmären des Stricker „durchweg als allegorische Darstellung sozialer Zwangssituationen lesen, in denen Verlaufsformen feudaler Gewaltausübung analysiert werden.“[21] Als Demonstrationsobjekte für die Erziehung zu christlicher Lebensklugheit, zur Prudentia, wollte bereits Ehrhard Agricola die Mären verstanden wissen.[22] Die Probleme selbst, die in den Ehestreitigkeiten abgehandelt werden, Eifersucht, Herrschsucht, Untreue, seien „für den nüchternen Lehrer Stricker [...] leicht und eindeutig zu lösen.“[23] Untreue der Frau verstoße gegen die geheiligte Institution der Ehe und damit gegen Gottes Ordnung. Des gleichen Vergehens mache sich eine Frau schuldig, die sich dazu aufwirft das Regiment im Hause zu führen. Der christliche Hausherr, der seine Frau nicht zur Unterordnung zwingt, versäume eine ihm aufgetragene Pflicht. Lässt er sich trotz seiner Vorrechte das Heft aus der Hand nehmen sei er ein Narr.[24] Ebenso unproblematisch sieht Otfrid Ehrismann die Ehestandsmaeren des Stricker. Nicht um die ehelichen Verhältnisse gehe es dem Stricker eigentlich in seinen Erzählungen vom Eheleben, sondern um die Rückführung der verkehrten Welt in den gottgegebenen Ordo mit Hilfe klugen Handelns.[25] Die Erzählungen vom Eheleben seien nur Vorwand, Chiffre, „Erzählmaterial“ das im „Dienst der ordo -Werbung“ stehe.[26] Streng und patriarchalisch stelle sich der Stricker in den Dienst des ordo, für die Heiligkeit der Ehe.[27] Im Prügeln der Ehefrau stelle sich patriarchalisches Recht wieder her.[28] Dieses sei als „Reduktion der Liebe aufs Maß“ zu verstehen, gegen die Unmäßigkeit des Liebens.[29] In seinen Erzählungen feiere der Stricker den freudlosen, grauen Alltag, in dem die Ehe ungefährdet ist.[30] Das Frauenbild des Stricker sei durch die gängigen patriarchalen Muster und Klischees gekennzeichnet, postuliert Otfrid Ehrismann noch in jüngerer Zeit.[31] Die Frau sei gut, wenn sie die Herrschaft des Mannes über sich anerkenne, wolle sie ihren eigenen Willen durchsetzen, so werde dies in den Erzählungen als satanische Besessenheit definiert.[32] Des Stricker Gespräch über die Ehe spiegele die zivilisationshistorische Situation.
Es müsse „ - im Kontext einer sich steigernden generellen Patriarchalisierung der Gesellschaft,...“ verstanden werden; es sei Folge des „Distanzierungsschubs der Geschlechter“[33], den die höfische Kultur bereits seit Mitte des 12. Jahrhunderts durch die Verehrung der vrouwe eingeleitet habe. Die Rücknahme an sexueller (männlicher) Freiheit, die in der höfischen Lebensform noch durch einen hohen erotischen Standard ausgeglichen werden konnte, sei während des 13. Jahrhunderts nur noch durch eine Stigmatisierung der schönen Frau als böses Weib, als Besessene kompensierbar.[34]

Den Stricker als „Philister“ oder gar als Protagonisten forcierter Patriarchalisierung zu charakterisieren ist m. E. verfehlt. Es dürfte sich bei seiner dichterischen Leistung insgesamt um das genaue Gegenteil dieser Positionierung gehandelt haben. Der Stricker wird in dieser Arbeit vielmehr als leidenschaftlicher Propagandist kleinadliger Solidarität gegen den Herrenstand begriffen, der sich analog dazu, auch vehement für ein gleichwertiges partnerschaftliches Verhältnis zwischen Mann und Frau im Innenverhältnis der Beziehungen einsetzt.[35] Davon geben jedenfalls seine Ehestandsmaeren Zeugnis. Der Wissenschaft darf der Vorwurf wohl nicht erspart werden, sich auf die Ehestandsmaeren des Stricker nicht in der gleichen Weise eingelassen zu haben, wie dies bei Gegenwartsliteratur der Fall gewesen wäre. Prädominant bleiben die jeweiligen Mittelalterbilder, in die das Werk des Stricker eingepasst werden musste. Hatte die ältere Forschung, die von der Idealität des höfischen Frauenbildes eingenommen war, den „Realismus“[36] des Stricker bei der Beschreibung von Frauen im maere als Abstieg und Verfall wahrgenommen[37], als eben nicht mehr adelige sondern bereits von der Verbürgerlichung infizierte Dichtung, so kommt für die jüngere, unter dem Paradigma „Alterität“ stehende Wissenschaft[38], in den Dichtungen des Stricker die „zivilisationshistorische Situation“[39] zum Ausdruck.[40] Das Entscheidende am Bild der Frau in der mittelalterlichen Literatur sei es, dass die Frau während dieses ganzen Zeitraumes nicht eigentlich als reale, beobachtbare, empirische Größe in die Literatur eingehe, geschweige denn als Subjekt eigener Erfahrung, sondern als männliche Konstruktion.[41] Der Erhöhung der Frau durch Verehrung in der Literatur einerseits stehe die Erniedrigung durch Haß und Verachtung andererseits gegenüber.[42] Insbesondere in Novellistik und didaktischer Literatur werde die Frau das Opfer frauenfeindlicher Tendenzen[43] Angst vor den Frauen habe die Männer der adeligen Oberschicht des 12./13. Jahrhunderts zu ihren literarischen Projektionen motiviert. Angst vor der sinnlich oder sexuell initiativen Frau oder aber vor deren Verweigerung (statt Ehe, Flucht in die vita religiosa)[44] Anders Rüdiger Schnell, der z.B. die zahlreichen Warnungen vor – und Schilderungen von sexueller Abhängigkeit des Mannes in der Ehe, „nicht nur als Vorsichtsmaßnahmen oder Projektionen männlicher Angst“ versteht, sondern „auch als Reaktion auf eine dem patriarchalen Diskurs widerstrebende 'Realität“.[45] In der Realität der Höfe, so allerdings Gudrun Aker, hätten Frauen durchaus mit Misstrauen, Verachtung, Prügel und Vergewaltigung zu rechnen gehabt.[46] Sie seien Objekt einer zweckbestimmten Heiratspolitik gewesen, die auf gegenseitige Zuneigung keine Rücksicht nahm, die Ehe sei ein Zweckbündnis zwischen zwei adligen Geschlechtern und keine auf persönliche Liebe gegründete Verbindung zwischen Mann und Frau gewesen.[47] Es sei denn auch in der zeitgenössischen Minnetheorie, etwa bei Andreas Capellanus, nie von ehelicher Liebe die Rede.[48] So wie der Orient seine jungen Frauen hinter undurchdringlichen Schleiern verbarg, habe die westliche Gesellschaft sie mit Zurückhaltung umgeben.[49] Leidendschaftlichkeit in der Ehe sei verpönt gewesen. Zurückhaltung und Unterordnung der Frau unter den Mann sei als weibliche Ausprägung der ehelichen Liebe verstanden worden.[50]

Zwar räumt Ingrid Bennewitz als Vertreterin feministischer Mediävistik[51] ein, literarische Zeugnisse des Mittelalters und der frühen Neuzeit bewiesen zweifellos, dass Vergewaltigung als schweres Verbrechen eingeschätzt wurde, abgesehen von Ausnahmen, wie etwa der berühmt-berüchtigten Stelle aus dem Minnetraktat des Andreas Capellanus, in der die Vergewaltigung von Frauen der bäuerlichen Unterschicht durch männliche Angehörige der feudalen Führungsschichten mehr oder weniger als „Herrensport“, so Bennewitz, freigegeben wird.[52] Für die Realität des Mittelalters geht sie aber davon aus, die Angehörigen der feudaladeligen Männerelite hätten sich selbstverständlich der Frauen in ihrer Umgebung nach Belieben bedient, ausgenommen die Ehefrauen und Töchter eben dieser Schicht.[53] Ruft Bennewitz allerdings ausgerechnet Hartmann von Aue zum Zeugen für die prekäre Situation der Frau im Mittelalter auf, die in der geschichtlichen Realität des Mittelalters ständig den Übergriffen männlicher Willkür ausgesetzt gewesen sei[54], so wird die Bedeutung von Hartmanns Aussage im Iwein (V. 6574 ff.) offensichtlich nicht nur missverstanden, sondern in ihr Gegenteil verkehrt.[55] Denn Hartmann verbindet das Ehrgefühl und die Selbstachtung des rechtschaffenen Mannes ausdrücklich mit der Fähigkeit, sich auch im Falle einer sehr verführerischen Gelegenheit (nachts im Schlafgemach in der Nähe einer betörend schönen Frau liegend,)[56] gegenüber einer Frau zurückhalten zu können.

„Dern weiz niht daz ein biderbe man

sich alles des enthalten kan

des er sich enthalten wil.“ (V. 6579-6581)

Die Verwunderung manches Standesgenossen über derart ehrbares Verhalten,

„swer daz nû vür ein wunder

ime selbem saget“ (V. 6574-6575)

wird von Hartmann konstatiert und mit mildem Tadel zurückgewiesen. Auch wenn er sich der Tatsache bewusst ist, dass das von ihm eingeforderte vorbildliche Verhalten eines rechtschaffenen Mannes, der sich in einer ähnlichen Lage befindet, keineswegs häufig anzutreffen sein wird[57],

„weizgot dern ist aber niht vil.“ (V. 6582)

so hält Hartmann doch an seinem für biderbe man verpflichtenden idealen Entwurf fest, der noch bei dem Minnesänger Dietmar von Aist im 12. Jahrhundert als Sitte, die in ihrer Selbstverständlichkeit ganz außer Frage steht, verwendet wird.[58] Diese Kritik Hartmanns über die leider nur geringe Verbreitung vorbildlichen Verhaltens bei seinen Standesgenossen.[59], gleichzusetzen mit literarischer Anerkennung Hartmanns von angeblich realgeschichtlich üblicher Vergewaltigung von Frauen der Unterschicht durch Angehörige des Herrenstandes, Hartmanns Standesgenossen also, verfehlt die Intention Hartmanns ebenso, wie eine zutreffende Beschreibung der gesellschaftlichen Realität des Mittelalters.[60]

Die Vorstellung, die männlichen Angehörigen des Adels hätten sich in der gesellschaftlichen Realität des Mittelalters doch jederzeit der Frauen aus sozial niedrig stehenden Schichten bedienen können, vor- und außereheliche Sexualbeziehungen zu ihnen hätten als „selbstverständlich“ gegolten, führen Ursula Liebertz-Grün immerhin zu der Feststellung, aus Sicht der Herren wolle das jahrzehntelange vitale Interesse an Minnedichtung und Minnediskussion nicht recht einleuchten.[61] Folgte man dieser Logik, würde die verbreitete Wertschätzung des Minnesangs als Adelskultur, in dessen Zentrum die Vervollkommnung des Mannes durch Verzicht und Leiden an unerfüllter Liebe steht, tatsächlich keinen Sinn machen.[62] Unterschätzt wird bei solchen Vermutungen über das freizügige sexuelle Leben männlicher Adliger im Mittelalter wohl die Kraft der sozialen Normen und der sozialen Kontrolle.[63] Ist die Anerkennung eines adeligen Mannes in der eigenen gesellschaftlichen Schicht gekoppelt mit der Erwartung seines Verzichts auf unmittelbare und gewaltförmige Durchsetzung eigener Triebansprüche, sowie durch das Anstreben einer ernsthaften personalen Beziehung zu einer adeligen Frau, so wird der Umgang mit Frauen aus sozial niedriger stehenden Schichten seine Glaubwürdigkeit und seinen Ruf untergraben[64] und kann für ihn fatale existenzielle Konsequenzen haben[65] Der Stricker greift u.a. in seiner Dichtung „Die Klage“[66], die von Bennewitz und Liebertz-Grün für „selbstverständlich“ gehaltene Praxis adeliger Männer auf, sich mit Frauen sozial niedrig stehender Schichten zu amüsieren, bezeichnet dieses Verhalten allerdings als lasterhaftes Treiben und klagt es entschieden an.

Ich chlage, daz wîn und armiu wip
mer frowent denne frowen lip
- - daz ist ein loter fure - -,
und sihe doch in der rure
vil mangen edelen ritter da,
der billichen anderswa
bi hohern vrouden waere;
die dunchent in zeswaere.[67] (V. 26-33)

Zwar wird vom Stricker hier, wie von Walther von der Vogelweide und Neidhart von Reuental, bestätigt, dass es so manch adligen Ritter gab, der den leichten Weg einschlug, um seine auf weibliche Gesellschaft zielenden Bedürfnisse zu befriedigen[68], statt sich der mühsamen Auseinandersetzung mit einer gleichrangigen Dame zu stellen. Mit gesellschaftlicher Akzeptanz oder Selbstverständlichkeit kann solches Verhalten, wie Hartmann und Stricker zeigen, jedoch keineswegs gleichgesetzt werden. Der Stricker tritt in seiner 'Frauenehre' entschieden dem möglichen Missverständnis entgegen, er wolle mit seiner Kritik alle Ritter als potenzielle Schwerenöter darstellen, die bei sich bietender Gelegenheit die ehrlose Minne (erelosen minne, V. 1585) praktizierten. Es sei nicht seine Absicht, die Ritter pauschal kritisieren zu wollen, sondern es gehe ihm nur um die Schuldigen (ich meine die da schuldick sint, V. 1595), also diejenigen, die durch ihr Verhalten Hochgestimmtheit (hohen mut) und Freude (vreude) zum Verschwinden bringen. Das in Umlauf befindliche falsche Pauschalurteil in Bezug auf den sittlichen Lebenswandel der Ritter führt er auf die Eigenart der Leute zurück, sich möglichst immer über Skandalöses ereifern zu wollen, was dann zu Übertreibungen im Negativen führe.

Ichn weiz die leute nie so kint (V. 1596 - 1596)

sinen sehen der schuldigen so vil.

Der Stricker gibt aber ausdrücklich ein Bekenntnis und eine Ehrenerklärung für einen Teil der Ritterschaft ab. Er selbst kenne viele Ritter, die er hier nicht alle nennen könne, die sich in ehrbarer Weise ernsthaft um die Liebe und Zuneigung (minne) ihrer Frauen (vrowen) bemühten.[69]

Die hier thematisierte Beschädigung der ere eines Ritters wird also von der Gesellschaft keineswegs nur als vernachlässigbares Kavaliersdelikt wahrgenommen, sondern sie kann im Falle seiner Bedrohung durch einen mächtigen Herren oder adligen Konkurrenten schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen.

Lehnen es seine Freunde und Nachbarn mit Verweis auf sein fragwürdiges Ansehen ab, ihm zu Hilfe zu kommen, ist seine gesamte Existenz bedroht. Die Beliebigkeit mit der sich männliche Angehörige feudaler Führungsschichten der Frauen sozial niedriger stehender Schichten bedienten, stellt sich daher als Fiktion dar[70], die die Entwürfe frauenfeindlicher Ideologen, wie die des Andreas Capellanus, mit mittelalterlicher Realität verwechselt.[71]

Wird das Los der Frau im Mittelalter also gemäß häufiger Beschreibungen durch Mediävisten als von Unterordnung unter den Ehemann, Zurückhaltung, Lieblosigkeit in der Ehe, Verachtung, Prügel und Vergewaltigung, patriarchalisch strenger, ja brutaler Herrschaft gekennzeichnet gesehen, so kommt in mittelalterlichen Dichtungen selbst auch ein ganz anderes Frauenbild zur Darstellung. Bei dem Stricker, aber auch anderswo, z.B. in der anonymen Dichtung „Daz buoch von dem übeln wibe“[72], oder bei Reinmar von Zweter.[73] Scheinbar unbeschwert von rechtlichen Regelungen und scholastischen Lehrmeinungen werden hier Frauen dargestellt, die sich in der ehelichen Gemeinschaft keineswegs dem männlichen Führungsanspruch unterordnen, sondern im Gegenteil die Dominanz in der Beziehung anstreben.[74] Allerdings wäre es sicher auch hier wieder verfehlt, den Bericht eines Ehemannes von seinem Martyrium[75], dem Verprügeltwerden durch seine Ehefrau, all zu wörtlich zu nehmen und davon auszugehen, das schreckliche Los der Männer im Mittelalter habe darin bestanden, ständig von ihren Frauen verprügelt worden zu sein. Denn auch wenn es Orte gab, die Ehemänner mit demütigenden Strafen bedrohten, die sich von ihren Frauen hatten schlagen lassen, so dürfte es sich auch hier wiederum um rare Ausnahmen handeln.[76]

Auf eine Reihe mittelalterlicher Texte, die mit der These von der einseitigen patriarchalen Verfügungsgewalt des Mannes in der Ehe kaum zu vereinbaren sind, verweist auch R. Schnell.[77] Überlieferte Gerichtsprotokolle aus dem 15.,16. Jahrhundert belegten zudem eine Vielzahl von Geschlechterrelationen, d.h. von Abhängigkeiten und Machtausübung in der Ehe, die „mit der Etikette von einseitiger patriarchaler Verfügungsgewalt„ kaum angemessen zu beschreiben sei; patriarchale Norm und soziale Realität gehe nicht zusammen.

Soziale, ökonomische, psychische, kommunikative, affektive Faktoren untergruben oft die rechtlich festgeschriebenen Machtpositionen.

Was die mittelalterlichen Dichter vorwiegend umtrieb, wenn sie von Frauen berichteten, die die Vorherrschaft in Dauerbeziehungen anstrebten, war doch wohl eher das ständig aktuelle Problem, im Innenverhältnis der Beziehung zwischen Mann und Frau ein ausbalanciertes, womöglich gleichberechtigtes Verhältnis zu finden, welches die Möglichkeit eines glücklichen Zusammenlebens offenhält, wie es die Institution Ehe ja anscheinend seit je erstrebte. In diesem Zusammenhang wäre auch das Eheverständnis in der vorchristlichen Antike und im germanischen Altertum zu diskutieren, was hier nicht zu leisten ist.

Eine einseitige Vorherrschaft seitens des Mannes oder seitens der Frau, die diktiert und Zwang ausübt, statt Gemeinsamkeit und Einmütigkeit anzustreben, wird dabei als Haupthindernis bei der Realisierung eines gelungenen Zusammenlebens identifiziert.

Die zentrale Beziehungsproblematik die der Stricker in seinen Ehestandsmären thematisiert, wird im 14. und 15. Jahrhundert insbesondere Gegenstand der aufblühenden Gattung Minnerede. Jenseits der rechtlichen und kirchlichen Sanktion der Ehe, so Ingeborg Glier, stehe hier die Aufgabe im Mittelpunkt, miteinander in Treue (triuwe) und Beständigkeit (staete) zu leben. Das Gefährdetsein einer solchen Existenz bleibe in den vielen Klagen immer im Bewusstsein. Das Heil in dieser Welt suchten diese artes amandi als etwas, „um das man sich einzeln und miteinander unablässig mühen muß.“[78] Das allmähliche Verschwinden der Gattung Minnerede als Adelsliteratur zu Ende des 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts bezeichnet dann wohl auch das Ende einer Diskurstradition, die sich noch um Partnerschaftlichkeit und Liebe als erklärtem Ziel menschlichen Glücksstrebens bemühte. Was folgt, ist der Weg in territorialfürstlichen Absolutismus und Gewalt und Vernichtungsdrohung gegen Frauen, die Konjunktur der Hexenverfolgung. Begleitet wird das Ende der Minnereden-Tradition denn auch schon durch die Übernahme von Motiven aus dem früheren Traktat De Amore des Andreas Capellanus[79], das nach Alfred Karnein als der rhetorische Höhepunkt frauenfeindlicher Tendenzen möglicherweise des ganzen Mittelalters gelten könne.[80] Der Anfang der Gattung Minnerede wird kennzeichnender Weise durch einen bedeutenden Beitrag des Stricker, die „Frauenehre“ geprägt. Welcher Wertschätzung sich diese Dichtung und der Stricker in weiten Kreisen des Adels wohl erfreuten, geht aus der Tatsache hervor, dass noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts das 'Ambraser Heldenbuch'[81] mit einem 'Frauenehre'- Fragment eröffnet wird.[82] Geht man davon aus, dass diese von Kaiser Maximilian, dem „letzten Ritter“, also von allerhöchster Stelle in Auftrag gegebene Sammlung von alten Dichtungen, einen repräsentativen Ausdruck adeliger Kultur und adeligen Selbstverständnisses darstellen soll, so wäre mit dem Ehrenplatz, der hier der „Frauenehre“ zugewiesen wird, auch deren Bedeutung benannt; Ausdruck eines kollektiven adeligen Selbstverständnisses zu sein, welches zu Kaiser Maximilians Zeiten bereits gefährdet war und der Versicherung bedurfte.[83] Die Folgen, die ein Missverstehen des Strickerschen Werkes für das Verstehen der mittelalterlichen Gesellschaft zeitigt, liegen auf der Hand.

Lässt man das Postulat beiseite, die mittelalterliche Literatur gebe Zeugnis von der befremdlichen „Andersheit“ dieser geschichtlichen Welt[84], so kann sich sowohl deren Aktualität für unsere heutige Gegenwart, als auch die damalige gesellschaftspolitische Dramatik von Dichtungen zur Frage der Beziehungen der Geschlechter zueinander erschließen. Eine ausführliche Kritik der Methode, mit der vermeintliche Veränderungen und Entwicklungen in den Geschlechterbeziehungen seit dem Mittelalter nachgewiesen werden, hat Rüdiger Schnell bereits geleistet.[85] Wird beispielsweise postuliert, die Liebesheirat habe es erst in der bürgerlichen Gesellschaft gegeben[86], so erfolgt der Nachweis der Liebesheirat als Norm in der bürgerlichen Gesellschaft durch das Zitieren von Dichtungen, während die Skepsis gegenüber der erotischen Liebe in der Ehe mit moraltheologischen Positionen von Kirchenmännern belegt wird.[87] Wären hingegen poetische Zeugnisse miteinander verglichen worden, so wäre deutlich geworden, dass von diesen konstruierten Entwicklungen nicht die Rede sein kann.[88] Rüdiger Schnell konstatiert die weit verbreitete „Untugend“ der sozial-, mentalitäts-, geistes-, und frauengeschichtlichen Forschung, Aussagen völlig unterschiedlicher Textgattungen miteinander zu vergleichen und daraus vermeintliche Veränderungen oder Entwicklungen abzuleiten.[89]

Er kritisiert eine Perspektive auf Geschichtsepochen, die diesen nur eine einzige Geschlechterposition zugestehe. So werde dem Mittelalter immer wieder eine weit verbreitete, allumfassende Misogynie unterstellt.[90] Ebenso führt Lea Otis-Cour in ihrer „Geschichte der Paarbeziehungen im Mittelalter“[91], eine Fülle von Beispielen in der mittelalterlichen Literatur wie im wirklichen Leben[92] der Gesellschaft dafür an, dass es sehr wohl eine Vereinbarkeit von Liebe und Ehe im Mittelalter gegeben habe.

Eine Überprüfung der in der Forschung immer wieder zitierten misogynen Stellen des 10. bis 13. Jahrhunderts auf ihren „Sitz im Leben“ hin ergebe, dass sie fast ausschließlich innerhalb des lateinisch-klerikalen Meinungsaustausches produziert und rezipiert wurden, für die Laienwelt also kaum zugänglich waren.[93] Dass die lateinischen misogynen Schriften in einer gesonderten literarischen Welt zu Hause waren und oft lediglich die rhetorische Kompetenz eines Gelehrten demonstrieren sollten, lasse sich schon daran ablesen, dass sich volkssprachliche Übersetzer lateinischer Texte, die lange misogyne bzw. ehefeindliche Passagen enthielten, gegenüber Frauen dieser Misogynie wegen entschuldigten.[94] Die Vorstellung, der patriarchale Diskurs habe im Mittelalter nur eine einzige Perspektive hervorgebracht, die des sich absolut setzenden Mannes auf die als inferior eingestufte Frau und erst mit Christine de Pizan (Stadt der Frauen 1404/1405) habe eine Art „Gegendiskurs“ zum patriarchalen misogynen Diskurs eingesetzt, sei verfehlt.

Zumindest im Ehediskurs gebe es auch die kritische Perspektive auf den Mann.[95] Dass sich diese kritische Perspektive auf den Mann, der „weibliche Blick“ vor allem im Ehediskurs finde, so Schnells' Annahme, sei vor allem dem Faktor „Erfahrung in der Alltagswelt“ zuzuschreiben. Gegen die jahrhundertealten, im gelehrten Diskurs vermittelten Theorien werde die „Erfahrung in der Alltagswelt“ gesetzt.[96] Zudem sei auch den unterschiedlichen Dichtungsfunktionen bei der Bewertung von Aussagen Rechnung zu tragen. Spielerisch schwankhaften Texten, die vor allem unterhalten wollten, stünden ernsthaft-moralisierende gegenüber, die der Belehrung zugedacht worden seien.[97] Ob man allerdings den Verfassern misogyner Texte durchweg mangelnde „Erfahrung in der Alltagswelt“ unterstellen kann muss doch fraglich bleiben. Entscheidender wird, so steht zu vermuten, wohl die ideologische Absicht der Autoren und das dahinter stehende Interesse sein. Denn wenn die intensivierte Beschäftigung von Gelehrten mit der geschlechtlichen Liebe im 12./13. Jahrhundert, die „Entstehung all dieser lateinischen und altfranzösischen Prosaschriften (..) als Reflex wohl auf die blühende Liebesliteratur der Höfe“ verstanden werden muss[98], so vermutet auch Alfred Karnein hier doch das Vorliegen einer Art „negativen“ Erkenntnisinteresses. „Ein Gutteil der Schriften scheint auf Entzauberung der leidenschaftlichen Paarliebe hin geschrieben zu sein.“[99] Wenn z.B. die dichterische Protzerei von Troubadours mit ihrer Potenz und Listigkeit beim Verführen von Ehefrauen nur als nicht ganz ernst gemeinte, spielerisch-spöttische Selbstdarstellung gewertet wird, die vor allem unterhalten soll[100], dann wird das exemplarische Potential dieser Texte, das geeignet ist auf Haltungen und Einstellungen von Standesgenossen zu wirken, wohl verniedlicht und deren Bedeutung als auch politisch-ideologisches Konzept unterschätzt. Zu identifizieren wären m. E. in der volkssprachlichen Dichtung, also dem für den lateinunkundigen Adel massenwirksamen Teil der mittelalterlichen Literatur, zwei gegensätzliche Entwürfe zu den Geschlechterbeziehungen. Zum einen sind dies Texte, die sich an den Vorstellungen Ovids orientieren.[101] Dessen „urbane Frivolität“ handelt von der Frau nicht als gleichrangiger oder höherrangiger Person, sondern als nicht weiter zu begreifendes Objekt der Lust, welches zu erringen ein gewisses Maß an Wissen und Technik erfordert.[102] Zum anderen handelt es sich um Texte, die die Gleichrangigkeit der Frau propagieren und ihren Wert hervorheben, der sich aus ihrer Rolle als Lebensgefährtin des Mannes ergibt. Der Stricker wäre m.E. hier im folgenden als profilierter ideologisch intervenierender Protagonist jener Fraktion zu verstehen, die die Frau als Lebensgefährtin und gleichrangige Partnerin des Mannes begreift. Der Stricker kritisiert in seinen Ehestandsmaeren das Fehlverhalten von Männern ebenso, wie das Fehlverhalten von Frauen. Die „ungünstige Zeichnung der Frau in vielen seiner Erzählungen“[103] ist keineswegs durch die Absicht bedingt die Frauen herabzuwürdigen[104], ihre Inferiorität nachzuweisen.[105] Sie steht deshalb auch keineswegs in „merkwürdigem Gegensatz“ zu seiner „Frauenehre“[106], sondern wird von der Erkenntnis geleitet, dass sowohl Männer als auch Frauen dazu in der Lage sind ihren Ehepartner zu funktionalisieren, ihn als Objekt egozentrischer Bedürfnisse und Triebansprüche zu missbrauchen und ihm den Status des gleichberechtigten Gefährten zu verweigern.[107] Dies führe zwangsläufig zur Zerrüttung und zum Scheitern von Beziehungen und somit zu einem misslungenen Leben.[108] Immer wieder fordert er deshalb dazu auf, eheliche Beziehungen als gleichwertige und gleichberechtigte Partnerschaften zu gestalten. Indem er die Probleme, die bei der Umsetzung des Ideals partnerschaftlicher Liebe auftauchen können nicht ignoriert, sondern sich ernsthaft mit konkreten Beziehungskonflikten auseinandersetzt, versucht er das Konzept der Partnerschaftlichkeit als Ganzes zu retten und eine Abwertung des Status der Frauen im frauenfeindlichen Sinne zu verhindern. Wird nämlich berechtigte männliche Kritik am Fehlverhalten von Frauen und am zerrütteten Zustand so mancher realexistierender Zweierbeziehung (Ehe, Minne) ignoriert oder geleugnet, so leistet dies letztlich frauenfeindlicher Polemik Vorschub, da solches Schönen von Widersprüchlichem zum Vorwand genommen werden kann, um das Konzept Partnerschaftlichkeit insgesamt zu diskreditieren.

[...]


[1] Spätestens seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts halte sich in der Forschung hartnäckig die Auffassung, das Ideal von Partnerschaft und Freundschaft (companienship) zwischen Mann und Frau in der Ehe sei erst im 16. Jahrhundert – Aufwertung der Institution Ehe durch die Reformatoren - geschaffen worden. Möglich werde dies nur, so Rüdiger Schnell, „infolge einer erschreckenden Vernachlässigung der gesamten mittelalterlichen Ehe-Diskussion.“ R. Schnell, „Sexualität und Emotionalität...“, 2002, S. 155, 157.

[2] So z. B. Claudia Opitz, Frauenalltag im Spätmittelalter, 1250-1500, in: Georges Duby/Michelle Perrot (Hg.), Geschichte der Frauen, Bd. 2 Mittelalter, hg. v.Christiane Klapisch-Zuber, Frankfurt a.M./New York 1993, S. 298.

[3] Ingrid Bennewitz warnt davor, bei geschlechtergeschichtlichen Themen im Bereich der Mediävistik von einer „partnerschaftlichen Beziehung“ zu sprechen. Es handele sich hier um anachronistische Reprojektionen des modernen Betrachters bzw. der Betrachterin. Diese Gefahr könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. I. Bennewitz: Mediäwistische Neuerscheinungen aus dem Bereich der Frauen und Geschlechtergeschichte, 1994, S. 421. Ebenso Monika Jonas: „Eine Ehe basierte v.a. auf dem 'Handel' zwischen einzelnen Familien; sie wurde vorherbestimmt und arrangiert und hatte somit nichts mit geistiger oder/und sexueller Partnerschaft zu tun.“ M. Jonas: „Idealisierung und Dämonisierung...“, 1986, S. 83.

[4] Wolfgang Dittmann, Märendichtung, in Grundkurs Literaturgeschichte, Bd. 2,1982, S.177.

[5] Rüdiger Schnell: Sexualität und Emotionalität in der vormodernen Ehe, 2002, S.319.

[6] R. Schnell, 2002, rekonstruiert in seiner umfassenden Studie die vormodernen Diskurse zu Sexualität und Emotionalität in der Ehe, also die theologischen, medizinischen, ökonomischen, ordnungspolitischen und poetischen Diskurse und kommt zu dem Ergebnis, dass das Mittelalter ein klares, allgemein gültiges, durchgängiges gender-Konzept nicht aufweist (S. 367), was zu dem erklärungsbedürftigen Befund führe, dass ein und dieselbe Gesellschaft/Kultur völlig widersprüchliche Gender-Konzepte entwirft. (S. 370)

[7] Karin Hausen/Heide Wunder, „Frauengeschichte...“, 1992, S. 17.

[8] Heide Wunder: „Geschlechtsidentitäten...“, 1992, S. 135.

[9] Helmut de Boor/Richard Newald: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dritter Band/Erster Teil. Die deutsche Literatur im späten Mittelalter 1. Teil 1250-1350. Fünfte Auflage. Neu bearbeitet von Johannes Janota, München 1997: „Aber seine Eigenart,[...] entfaltete sich erst frei, als er sich aus dem Bann der traditionellen Dichtung löste und in der Kleinerzählung schwankhafter und lehrhafter Art das Feld seiner Meisterschaft fand.“ S. 202

[10] Karl Langosch: Verfasserlexikon, S. 295. So zählt Rosenhagen in der Heidelberger Handschrift cod. Pal. Germ. 341, als der größten, einheitlich angelegten und hergestellten Sammelhandschrift von Reimpaargedichten (59.500 Verse), welche wir aus dem Mittelalter besitzen wie folgt: „Der Gevatterin Rat“,Blatt 258, Spalte c (Nr. 134 bei Rosenhagen unter dem Titel „Das Bloch“), „Das erzwungene Gelübde“, Blatt 262, Spalte c (Nr. 135 bei Rosenhagen, unter dem Titel „Ehe im Leben und im Tod“), „Ehescheidungsgespräch“, Blatt 264, Spalte a (Nr. 136 bei Rosenhagen, unter dem Titel „Scheidung und Sühne“), „Die drei Wünsche“, Blatt 265, Spalte a (Nr. 137 bei Rosenhagen) „Der begrabene Ehemann“, Blatt 266, Spalte c (Nr. 138 bei Rosenhagen), „Das heiße Eisen“, Blatt 268, Spalte a (Nr. 139 bei Rosenhagen). Siehe Gustav Rosenhagen: Kleinere mittelhochdeutsche Erzählungen , Fabeln und Lehrgedichte. III. Die Heidelberger Handschrift cod. Pal. Germ. 341. DTM XVII. Berlin 1909.Ebenso stehen die Mären „Die drei Wünsche“, Der begrabene Ehemann“ und „Das heiße Eisen“ in der Handschrift Codex Vindob. 2705; Österreichische Nationalbibliothek, Wien; Pergament; 1260/1290, als Nummern 34, 35, 36 beieinander. Siehe W. W. Moelleken: „Die Kleindichtung des Strickers“ Bd. I., S. CI.

[11] Bei Gabriele Schieb; „Das Bloch“ 1951 und Ehrhard Agricola; „Die Prudentia...“, 1983 (1954) wird eine Nähe zu den Dominikanern vermutet, während Ute Schwab; „Beobachtungen...“ (1959) und John Margetts; „Die erzählende Kleindichtung...“(1983) von einem Dichten im Dienste des Franziskaner-Ordens ausgehen.

[12] Im Konflikt zwischen verschiedenen Adelsgruppen stehe der Stricker auf der Seite des Landesfürsten, denn der Landesfürst sei derjenige, der im Lande den Frieden garantiere, seine Herrschaft sei legitim, so Joachim Bumke; Strickers „Gäuhühner“, 1976, S. 225, S. 232, und derjenige, der das Recht wahre, so Karl Heinz Borck; „Zeitbezug und Tradition...“,1981, S. 61. An einem der Zentralhöfe fürstlicher oder fürstbischöflicher Territorialgewalt und in machtpolitischer Konkurrenz zur klerikalen Verwaltungsintelligenz stehend, wird der Stricker bei Guido Schneider; „Er nam den spiegel...“ 1994, S. 13, gesehen.

[13] So Helmut Brall; „Strickers Daniel...“,1976, S. 227, S. 251.

[14] Dieter Kartschoke: „Weisheit oder Reichtum?...“, 1974, S. 233.

[15] Die Verarmung der Masse des niederen Adels sei durch die politisch-ökonomische Situation der Zeit, fortschreitende Stadtentwicklung, Expansion der Geldwirtschaft, Ausbildung von Handels- und Wucherkapital etc. bedingt. Im ' Pfaffen Amis' habe der Stricker daher ein „ironisches Handlungsmodell“ für den niederen Adel konzipiert (S. 180). Ein Vergleich zwischen dem ' Helmbrecht' und dem ' Pfaffen Amis' z eige eine unterschiedliche literarische Verarbeitung einer analogen politisch-ökonomischen Situation. Während im ' Helmbrecht' der Adel auf dem ihm genuinen Aneignungsmittel, der unmittelbaren außerökonomischen Gewalt beharre, suche im ' Pfafffen Amis' der Protagonist, der als niedriger Adliger zu verstehen sei, sich dem durch Tausch realisierten Gelderwerb des Kaufmanns anzugleichen (S. 183). Siehe Gerhard Schindele: „Helmbrecht'. Bäuerlicher Aufstieg“, 1974, auch S. 169, 177.

[16] Abweichungen von der Epik der höfischen Klassik lassen Karl Bartsch; „Karl der Große...“, 1857, S. IV und Hans Lambel; „Erzählungen und Schwänke...“,1883, S. 5, im Gefolge Wilhelm Grimms zu dem Urteil gelangen, beim Stricker handele es sich um „Unzulänglichkeit“. Ein „Mißverstehen der ritterlichen Gedankenwelt“, so Hanns Fischer; „Strickerstudien“,1953, scheint vorzuliegen und Helmut de Boor; „Geschichte der deutschen Literatur“, 1967, S. 247, stellt fest, der Stricker sei „weit aus dem Bezirk höfischen Idealdenkens herausgetreten, fühllos für die Werte des Kostbaren, Schönen, Edlen“. Der Stricker habe die ritterliche Welt mehr oder weniger nur von außen oder durch ihre Spiegelung in der Literatur gekannt, so Fischer ;1953, S. 32. Als bürgerlicher Berufsdichter sei der Stricker vom Geschmack seines Publikums und von seiner Gunst abhängig gewesen, „ob der arme Fahrende zu essen hatte oder nicht“ sei dann auch von seiner Fähigkeit zu „vielen dichterischen Metamorphosen „ abhängig gewesen. Fischer; 1953, S. 36. Ebenso H. de Boor, 1 967, S.233: Bei einem wandernden Dichter, der gewerbsmäßig von seiner Kunst lebt, sei die Wahl von Thema und Behandlungsweise nicht von ihm selbst getroffen, sondern durch den Auftraggeber oder durch die Berechnung auf den Geschmack eines bestimmten Publikums diktiert worden. Zu dem Urteil der Stricker sei „... der erste Philister in der deutschen Literatur.“, gelangt gar Gustav Rosenhagen; „Der Pfaffe Amis...,“1925, S. 157, denn „pedantischer Aufbau“ und „gründliche Durchnüchterung“, ein Humor des Alltags und der Enge prägten seine Dichtung.

[17] Gabriele Schieb: „Das Bloch“, 1951, S. 427.

[18] Gustav Rosenhagen: „Der Paffe Amis...“, 1925, S. 157.

[19] Helmut de Boor: „Geschichte ...“, 1967, S. 236.

[20] Hedda Ragotzky: „Gattungserneuerung“, 1981, S.89. Das situationsspezifische Interpretations- und Handlungsvermögen bezeichnet Ragotzky mit gevüege kündekeit. Sie gewinnt diese Kategorie aus der Interpretation des Stricker Märe vom „Klugen Knecht“. (S. 89) Ziel und Leistungsvermögen gevüeger kündekeit sei es das ordogemäße Zusammenspiel der Rollen zu gewährleisten. (S. 97)

[21] Helmut Brall: „Strukturwandel...“,1984, S. 122.

[22] Ehrhard Agricola: „Die Prudentia ...“, 1954, S.297. Auch Bernhard Sowinski; „Die drei Wünsche...“, 1972, geht davon aus, dass sich hinter den einfachen Erzählstrukturen und Moralisationen dieser Mären des Stricker mitunter tiefere theologische, geistesgeschichtliche und gesellschaftliche Sinnzusammenhänge verbergen, die sich erst einer sorgfältigen Textinterpretation erschließen. Ebenda S. 135.

[23] Ebenda S. 301.

[24] Ebenda S. 301.

[25] Otfrid Ehrismann: „der tivel ...“, Giessen 1984, S. 33. Ebenso Klaus Grubmüller: „Das Groteske...“,1993, S. 44: Auf die Ehe, ihre Erfülltheit oder Leere, richte sich weder der Blick des Erzählers noch des Kommentators, sie sei wiederum nur Material für die Konstruktion der zu demonstrierenden Schematik von Verstoß und Strafe. So auch H. Ragotzky: „Gattungserneuerung...“1981: An exemplarischen Rollenbeziehungen man/wip, herr/kneht werde vorgeführt was gevüege kündekeit leistet und wie sie es leistet. Die von einem Handlungspartner begangene Normverletzung werde durch den Gebrauch gevüeger kündekeit durch den anderen Handlungspartner erfolgreich zurückgewiesen und somit das Recht, das ordogemäße Zusammenspiel der Rollen wieder hergestellt. (S. 89) Im experimentellen Umgang mit neuen Gatttungen erneuere der Stricker die klassischen Selbstdeutungsmuster der höfischen Gesellschaft und mache sie funktionsfähig. (S. 38).

[26] O. Ehrismann, „der tivel...“,1984 S. 36.

[27] O. Ehrismann, 1984, S.35.

[28] O. Ehrismann, 1984, S. 29, 30.

[29] O. Ehrismann, S. 28.

[30] O. Ehrismann, S. 35.

[31] Otfrid Ehrismann: „Der Stricker. Erzählungen...“,1996, S. 23.

[32] O. Ehrismann, 1996, S. 25.

[33] O. Ehrismann, 1996, S. 24.

[34] O. Ehrismann, 1996, S. 24. Siehe dagegen R. Schnell zu Anmerkung 45.

[35] Zum Nachweis seiner ständischen und gesellschaftspolitischen Positionierung müssten die Dichtungen des Stricker ausführlich besprochen werden, die sich mit richtigem und falschen ritterlichen Verhalten auseinandersetzen und somit als Ritterlehren zu verstehen wären. Im Bereich seiner Kleindichtung wären dies z.B. Texte wie „Die beiden Knappen“ (W. W. Moelleken: „Die Kleindichtung...“, 1973, Nr. 4.), „ Die Gäuhühner“ (Moelleken: a.a.O., Nr. 36.), „Der Wolf und der Biber“ (Moelleken: a.a.O. Nr. 72) „Die Eule und der Habicht“ (Moelleken: Nr. 55) u.s.w. Siehe auch Anm. 136, 137. Dies soll jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden.

[36] Hanns Fischer; „Strickerstudien“, 1953, S.31, spricht von der realistischen Seh- und Darstellungsweise des Stricker, die als ein besonderes Kennzeichen der bürgerlichen Literatur des Spätmittelalters gelte.

[37] So wird die Kleinepik des Stricker von Helmut de Boor in seinem Spätmittelalterband behandelt, 'Die deutsche Literatur im späten Mittelalter. Zerfall und Neubeginn. 1250-1350'. Joachim Heinzle, 1983, 'Wann beginnt das Spätmittelalter ?',S.220, weist auf die Widersprüchlichkeit dieser Einschätzung hin, denn der Stricker werde als Verfasser des 'Karl', des 'Daniel' und der 'Frauenehre' andererseits dem Hochmittelalterband zugeordnet. So auch Gustav Ehrismann; in „merkwürdigem Gegensatz“ zu der ungünstigen Zeichnung der Frau in vielen seiner Erzählungen, habe der Stricker in seiner 'Frauenehre' ein hohes Lob der Frauen gesungen. G. Ehrismann: „Geschichte der deutschen...“,1935, S. 107.

[38] Nach Hans Robert Jauss; „Alterität und Modernität...“, 1976, sei die Chance einer neuen Erkenntnis mittelalterlicher Literatur gegeben, wenn man ihren Charakter als Zeugnis einer archaischen, politisch wie kulturell ganz für sich stehenden geschichtlichen Welt in befremdender „Andersheit“ erkenne.

[39] Orfrid Ehrismann; „Erzählungen“,1996, S. 24.

[40] Männer in der Defensive, Beginenbewegung, erwachendes Selbstbewusstsein der Frauen komme in „Das erzwungene Gelübde“ des Stricker zum Ausdruck, wenn auch unbewusst und unbeabsichtigt, so Hannelore Christ; „Frauenemanzipation...“, 1976. Siehe hierzu das Kapitel Das erzwungene Gelübde.

[41] Becker, Bovenschen, Brackert u. a.: „Aus der Zeit der Verzweiflung...“, 1978, S. 30. „Hier ist zunächst festzuhalten, daß die idealisiert dargestellte Frau nicht etwa um ihrer selbst willen da war, sondern als ein passives Instrument auf dem Weg männlicher Selbstfindung, -darstellung und -befriedigung fungiert.“, so auch Barbara Becker-Cantarino; „Frau Welt' und 'Femme Fatale'. Die Geburt eines Frauenbildes...“, 1983, S. 62. Die Frau als Produkt des männlichen Blicks ist ebenso Gegenstand der Forschung in der „Geschichte der Frauen“, Bd. II. Mittelalter, hg. v. Christiane Klapisch-Zuber, 1993, S. 18.

[42] Idolisierung und Dämonisierung , das seien zwei literarische Präsentationsformen des Weiblichen im deutschen Mittelalter. Barbara Becker -Cantarino, 1983,S. 62.

[43] Becker, Bovenschen, Brackert u.a., !978, S. 29. Ebenso Monika Jonas: „Idealisierung und Dämonisierung...“,1986: Idealisierung und Dämonisierung der Frau seien als notwendiges Korrelat in einem Konstrukt von Weiblichkeit zu verstehen, das durch die patriarchalen Strukturen bedingt sei. Das überwiegend negativ gezeichnete Bild der Frau im Schwank stehe daher in keinem Gegensatz zum sonst typischen Bild der Höhe (Minnesang , Geistlichendichtung) , sondern sei eben lediglich als Korrelat zu begreifen. (S. 68) Siehe hierzu auch die von Johannes Janota neu bearbeitete Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd. 3,1. Die deutsche Literatur im späten Mittelalter 1250-1350, Tl 1, Fünfte Auflage, München 1997, S. 239, die ebenso diese Auffassung festschreibt. Als genretypisches Rollenmodell begreifen auch Ulrike Gaebel/Erika Kartschoke (Hg.), Trier 2001, S. 9, die Konstruktion 'Böse Frauen-Gute Frauen' in Literatur und bildender Kunst. Sie seien Teil des Ordo-Diskurses der Zeit. Sie exemplifizierten die bedrohte Ordnung der Welt an ihrem neuralgischen Punkt, der hierarchischen Struktur des Geschlechterverhältnisses und beschwörten diese durch feste Verhaltensnormen gesicherte Ordnung.

[44] Gudrun Aker: „Göttin, 'Frouwe', Übel Wip'. Zur Konstitution...“, 1985, S. 104.

[45] Rüdiger Schnell: „Sexualität und Emotionalität...“, 2002, S. 112.

[46] Gudrun Aker , 1985, S. 97, stützt sich hier auch auf die einflussreiche Zivilisationstheorie von Norbert Elias: Über den Prozeß der Zivilisation. Soziogenetische und Psychogenetische Untersuchungen. Bd. II. Wandlungen der Gesellschaft. Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation. Baden Baden 1976, S. 98, 105.

[47] Gudrun Aker, 1985, S. 97. So auch J. L. Flandrin: „Die alte Gesellschaft unterschied sich von der unseren ganz erheblich, insofern die Heirat dort in der Regel keine Liebesbeziehung absegnete, sondern eine Familienangelegenheit: einen Vertrag, den zwei Menschen nicht zu ihrem Vergnügen, sondern nach dem Ratschluß der beiden Familien und zu deren Nutzen geschlossen hatten.“ Jean Louis Flandrin: Das Geschlechtsleben der Eheleute in der alten Gesellschaft. In: Ariès, Bejin, Foucault u.a.: Die Masken des Begehrens und die Metamorphosen der Sinnlichkeit. Zur Geschichte der Sexualität im Abendland. Frankfurt 1989 (1982), S. 159. Desgleichen Wolfgang Dittmann; der Ehefrau werde, „wie aus vielen anderen Mären gleichfalls ersichtlich, immer wieder zuallererst die Rolle der gehorsamen Unterwerfung zugewiesen.“ Das Adjektiv undertân sei „eines der beliebtesten Signalwörter für diesen Sachverhalt.“ W. Dittmann, 1982, S. 177. Das Bild einer Ehe primär als Fortpflanzungsgemeinschaft, in der die Unterdrückung der Frau als unaufhebbar galt, Liebe in der Ehe keineswegs den Charakter eines Wesensmerkmals hatte, legt auch Wolfgang Beutin seiner literaturpsychologischen Studie über epische Dichtung des Mittelalters und der Renaissance zugrunde. W. Beutin, „Sexualität und Obszönität...“, 1990, S. 329.

[48] G. Aker, 1985, S. 97.Dass es sich bei dem Traktat des Andreas Capellanus 'De Amore' keineswegs um eine Theorie der höfischen Minne handelt, wie die ältere Forschung lange Zeit vermutete und was G. Aker hier ebenfalls postuliert, sondern um eine gegen die höfische Minne gerichtete Streitschrift, wird von Alfred Karnein; „Wie Feuer und Holz“, 1989, erläutert.

[49] Philippe Ariès: „Liebe in der Ehe“, 1989, S. 166.

[50] Ebenda S. 170.

[51] Ingrid Bennewitz: Der frauwen buoch. Versuche zu einer feministischen Mediävistik. Hg. v. Ingrid Bennewitz, Göppingen 1989, Vorwort.

[52] Ingrid Bennewitz: „Lukretia oder...“, 1989, S. 128. Bennewitz bezieht sich offensichtlich hier auf die Empfehlung von Andreas Capellanus im 1. Buch, 20. Kapitel von De Amore: Wär aber, das dir die mynn naygung gäb zu den selben pawren weybern, so soltu gedenncken, das du dye mit grossem lob gewdest, und ob die stat sey, die dir zäm zu der mynn genosz sein, so verzeuch nit, du nembst, was dein begern sey und ring mit ir, wann sunder zweifel ist, du mögst mit ir allso nit geleben und sy als müed machen, das sy dir mynn mit tailt, du nöttest sy dann ain klain dartzü mit ringen oder sunst mit freuelichem hallsen. Bennewitz greift in ihrer Literaturangabe auf eben jene von Alfred Karnein herausgegebene deutsche Übersetzung von De Amore durch Johann Hartlieb im Jahre 1440 zurück. Siehe Alfred Karnein: De Amore deutsch. Der Tractatus des Andreas Capellanus in der Übersetzung Johann Hartliebs . München: Beck' sche Verlagsbuchhandlung, 1970 (MTU 28), S. 191.

[53] Ebenda S. 121. Bennewitz verweist auf auf die Anklageschrift gegen Friedrich den Streitbaren von Österreich (1236) zur Begründung der Reichsacht: „Die Ministerialen (..) behandelt er nach seiner Willkür, Mädchen und Frauen fallen seinen Lüsten zum Opfer“. Dieses Dokument zeige, dass sexuelle Übergriffe eines Herrschers gegenüber seinen Untertanen gängige Praxis waren. Anklageschriften im Kontext machtpolitischer Auseinandersetzungen als Belege für reale Vorgänge zu werten, scheint allerdings doch zumindest als sehr gewagt. Die Funktion solcher Anklageschriften, die moralische Integrität des eigenen Lagers der Unsittlichkeit und Abscheulichkeit des potentiellen Kriegsgegners gegenüber zu stellen, dürfte bei der Beschreibung von Untaten des gegnerischen Lagers nicht allzu große Genauigkeit walten lassen.

Bennewitz reiht sich hier in die Anhängerschar der Eliasschen Zivilisationstheorie ein, die davon ausgeht, ein Adliger habe nicht viel Federlesen mit einer Bäuerin gemacht, die ihm über den Weg gelaufen sei, z.B. Jos van Ussel: Sexualunterdrückung. Reinbek 1970, S. 69. „ein mittelalterlicher Ritter hätte sich lächerlich gemacht, wenn er ein Mädchen, das ihm gefiel und dem er irgendwo allein begegnete, nicht vergewaltigt hätte“. Zit. Nach H. P. Duerr: „Der Mythos...Bd. III, Obszönität und Gewalt“, S. 386.

[54] Ingrid Bennewitz: „Lukretia oder...“, 1989, S. 128. Auch Joachim Bumke versteht die Aussage 'Hartmanns' in diesem Sinne. Der Schlusssatz (weizgot dern ist aber niht vil) weise darauf hin, wie weit das höfische Verhalten der Männer in der Dichtung von den wirklichen Verhältnissen entfernt war. J. Bumke: „Höfische Kultur...“,1986, S.565. Zwar ist die Überzeugung, insbesondere bei gelehrten Männern fest verankert, im Falle eines nebeneinander Schlafens seien sexuelle Kontakte zwischen Mann und Frau nicht zu vermeiden, eine solche Selbstdisziplin sei bei Männern völlig ausgeschlossen, so Bernhard von Clairvaux, Sermones super Cantica Canticorum, Nr. 65 (siehe R. Schnell: „Frauendiskurs...“1998, S. 202/203, ebenda auch zur Vorstellung vom 'keuschen Beiliegen'

in der Trobadourliteratur) und auch Andreas Capellanus lässt seine Dame die Erläuterung des amor purus (keusche, reine Liebe ohne den letzten Liebesakt) dahingehend kommentieren, eine solche reine Liebe würde „von allen Menschen für widernatürlich gehalten“. Zit. Nach J. Bumke, Höfische Kultur Bd. 2, S. 513. Jedoch gibt es in der Mären- Dichtung Beispiele von Männern, die, trotz 'Beiliegens' erst durch den pädagogischen Einsatz eines Freundes, ('Der schwangere Müller' , Nr. 88, H. Fischer, „Studien..., 1983) oder gar der eigenen Ehefrau '('Der hohle Baum A', Nr. 11, 'Der hohle Baum B', Nr. 29, H. Fischer a.a.O.) zu sexueller Aktivität gebracht werden müssen oder aber ein Ehepaare das zufrieden bereits längere Zeit ehelich keusch zusammenlebt und erst danach die Freuden sexueller Aktivität entdechkt. ('Rache für die Helchensöhne', Nr. 99, H. Fischer, a.a.O.)

[55] Hartmann von Aue; Iwein. Aus dem Mittelhochdeutschen übertragen und mit einem Nachwort versehen von Max Wehrli. Zürich 1988.

[56] 'Iwein', V. 6576, daz im ein unsippiu maget

nahtes alsó nâhen lac

mit der er anders niht enpflac,

„daß ein nichtverwandtes Mädchen nachts so nah bei ihm lag und er sie nicht anrührte“

(V. 6576-6578, Übertragung von Max Wehrli, 1988)

[57] Von der Einschätzung (die er der Gräfin im Moriz von Craûn unterstellt), „daß die Männer, auch die Minneritter, prinzipiell dazu disponiert sind, sich mit Gewalt zu nehmen, wozu es sie gelüstet“, geht mit Verweis auf die Iwein-Stelle, offenbar für die mittelalterliche Realität auch Hartmut Kokott in seinem Aufsatz zum Moriz von Craûn aus. Das Handeln der Gräfin in der 'Schlafzimmerszene' sieht Kokott durch die Überlegung motiviert, der „Situationsmächtigkeit des Mannes und seiner möglichen Gewalttätigkeit zuvorzukommen“. Dies werfe ein bezeichnendes Licht auf das Männer- bzw. Ritterbild des Textes. Hartmut Kokott: Mit gossem schaden an eere (V. 1718). Zur Minne-Lehre des 'Moriz von Craûn', S. 379. Kokott verwickelt sich allerdings in einen Widerspruch, wenn er bei der Beschreibung der 'Schlafzimmerszene' an anderer Stelle davon spricht, die Gräfin habe den zunächst „apathisch“ (H. Kokott, S. 381) neben ihr liegenden Moriz dazu gebracht mit ihr zu schlafen. Einen apathisch neben ihr liegenden Minneritter, der selbst auf wiederholtes Küssen nicht reagiert als einen potentiellen Gewalttäter zu begreifen, erscheint als Handlungsmotiv für die Gräfin kaum schlüssig. Diese Überlegung stellt offenbar auch Waltraud Fritsch-Rössler an, wenn sie auf das Ungewöhnlich-Skurrile des Verhaltens der Gräfin im Märe zu sprechen kommt, „Statt ihn mit einem Seufzer der Erleichterung schlafen zu lassen, hält sie ihn nun mit Küssen und Umarmungen, mit dem Lohn also, den inzwischen keiner mehr will, wach!“ W. Fritsch-Rössler in: „Moriz von Craun...“, 1991, S. 241.

[58] Duerr interpretiert die Rede vom toerschen biligen bei Dietmar von Aist so,

dieser habe nicht glauben können, es gehe beim toerschen biligen anständig zu. (Duerr, 2002, S. 437). Diese Interpretation scheint jedoch in Bezug auf das in Frage kommende Gedicht MF 40,19 – 41,6 ' Wart âne wandel ie kein wip,' über das Ziel hinaus zu schießen. Denn wenn der Dichter seine Dame in der Phantasie mit dem Vorwurf konfrontieren will, dass sie, trotz seines langen Dienens und Leidens an der Liebe zu ihr, nie auch nur an ein unschuldiges toersches biligen mit ihm dachte, dann beabsichtigt er damit ja nur seine Minneherrin aufzurütteln, damit sie ihm mehr Beachtung schenke, si sol gedenken ob sie toerschen ie bi mir gelac. Gleichgesetzt werden müsste also diese Klage mit konventionellen Beschwerden des Minnesängers, nicht ausreichend durch einen Gruß oder Blick durch die Minnedame für seinen Dienst gewürdigt zu werden. In der Frauenstrophe 41,1 lässt der Dichter seine Minneherrin ob dieses phantasierten Vorwurfs empört reagieren. Auch seine wilde Leidenschaft, boeser kip, berücksichtigend, sei ein solcher Gedanke jedoch nicht akzeptabel, denn auch wenn er der hervorragendste (ihr Favorit) unter den Männern sei, der beste man, so habe er doch keinen Grund Ansprüche zu stellen. ' Waz wizet mir der beste man ? Er fröit sich âne schulde' Sie lasse sich jedenfalls von dem Gedanken an toersches biligen nicht beeinflussen und verwirren, ' mir wirret niht'. Wozu sollte solch ein Gedanke auch gut sein, 'waz half dêr toerschen bi mir lac ? jon wart ich nie sin wip'. Durch das Äußern solch kühner Vorstellungen werde er es jedenfalls nie dahin bringen, dass sie ihn erhöre. Dietmar von Aist scheint hier also nur einmal mehr die konventionelle Antwort für ein Minneverhältnis bestätigen zu wollen. Der Minnende solle sich ohne all zu kühne Erwartungen an seine Minneherrin zu entwickeln, klaglos in den Minnedienst fügen. Dietmar will sich hier offensichtlich keineswegs kritisch zum Brauch des toerschen biligens äußern. Ganz im Gegenteil scheint die Institution des toerschen biligens bei ihm, jenseits irgendwelcher möglichen Gefahren für die Sittlichkeit, noch ganz außer Frage zu stehen. In eben jener Bedeutung, der Abwesenheit jeglichen Wunsches an sexuelle Erfüllung, wird auch bei Reinmar toert verwendet. In Lied 150,1 ' Ein liep ich mir vil nâhe trage...', legt er vielen Männern angesichts seines langjährigen unerfüllten und doch zufriedenen Dienens den Ausruf in den Mund „wes toert sich der ?“ Her Reinmar, in: 'Des Minnesangs Frühling, 1967.

[59] Auf die Tatsache, dass es sich bei dem Edelmut und der ungeheuren Selbstbeherrschung junger Männer in ähnlichen Situationen, dem 'keuschen Beiliegen' also, nicht nur um seltene Ausnahmefälle handelt, sondern dass hier Verhaltensstandards angesprochen sind, die in verschiedenen traditionellen Gesellschaften Geltung beanspruchen durften, verweist H. P. Duerr, 2002 (so z.B. bei dem im Süden des Kaspischen Meeres lebenden persischen Stamm der Tabaristani, sowie bei den Zimba am Sambesi, Duerr S. 439). Im Mittelalter gehörte es insbesondere im kalten nördlichen Europa in verschiedenen Gegenden zum Brauchtum, es den jungen Leuten im heiratsfähigen Alter zu gestatten, nachts in der Kammer des Mädchens in einem Bett miteinander Umgang zu pflegen, um sich kennen zu lernen, wobei jedoch sexuelle Enthaltsamkeit vorausgesetzt und erwartet wurde. Die Sitte findet bereits im 6. Jahrhundert bei dem byzantinischen Historiker Prokopios v. Caesarea Erwähnung, vom „toerschen bîligen“ ist bei dem Minnesänger Dietmar von Aist im 12. Jh. die Rede, Erzherzog Maximilian von Österreich erwähnt den Brauch in einem Brief im Jahre 1485, wie auch das Reysebuechlein des Jahres 1584, in der Chronik derer von Zimmern des 16. Jh.wird „das beischlafen uf glauben“ besprochen, wie im Kanton Basel 1726 als „Gadensteigen“ verboten. Als maraîchinage vendéen war der Brauch in der Vendée, als albergement in Savoyen und als bundling im englischen Bereich bekannt, wenn es auch in Großbritannien im 19. Jh. kaum noch eine Gegend gab in der das 'Nachtfreien' noch erlaubt war. Siehe Hans Peter Duerr, „Der Mythos...“, 2002, Bd. V, insbes. Kap.14. 'Die Nachtfreien, die Hochzeitsnacht und die Ahnungslosigkeit der Braut', S. 406.

[60] So stellt Shulamit Shahar fest: „In Frankreich und England konnte Notzucht mit Blendung , Kastrierung oder sogar Hinrichtung geahndet werden. Nach der Gesetzgebung Friedrichs II. in Sizilien stand auf Vergewaltigung generell (auch einer Dirne) die Todesstrafe; wer die Hilferufe einer Frau hörte und ihr nicht beistand, erhielt eine massive Geldbuße. Shulamit Shahar: „Die Frau im Mittelalter“, 1986 (1981), S. 29.

Zwar will auch Hans Peter Duerr gar nicht bestreiten, dass es im Bezug auf Vergewaltigungen durch Adelige im Mittelalter eine „Klassenjustiz“ gegeben habe, er weist jedoch nach, dass von Straflosigkeit und Selbstverständlichkeit im Falle der Vergewaltigung eines nichtadeligen Mädchens, nicht die Rede sein kann. So werden z.B. in der Mitte des Trecento in Venedig von 33 Adeligen, denen die Vergewaltigung eines nichtadeligen Mädchens nachgewiesen werden konnte, 12 ins Gefängnis geworfen, der Rest wird mit Geldstrafen belegt.

Hans Peter Duerr: „Der Mythos vom Zivilisationsprozess Bd. III; Obszönität und Gewalt“, S. 388.

Im Jahre 1271 führt die Vergewaltigugung einer jungen Bürgerin durch den jugendlichen Grafen Heinrich von Freiburg auf dem Fleischmarkt in Neuenburg, im Schutze der Dunkelheit, zu einem Aufruhr in der Stadt und zur Verweigerung des Treueeides der gesamten Bürgerschaft. H.P.Duerr, aa.O., S. 390. Joachim Bumke: „Höfische Kultur...“II, 1986, S. 564.

Da selbst Sklavinnen und Prostituierten eine Geschlechtsehre und persönliche Integrität nicht abgesprochen wurde, wurden in mittelalterlichen Handelsverträgen zwischen Städten Bestimmungen über die Entschädigung dieser Opfergruppe im Falle einer Vergewaltligung festgelegt. H.P.Duerr a.a.O., S. 389.

[61] „Aus der Perspektive der Herren wird die Beliebtheit dieser literarischen Minnegeselligkeit nicht verständlich,...“ Ursula Liebertz-Grün: „I Höfische Autorinnen“, 1988, S. 43.

[62] Diesen Gedanken verfolgt offenbar auch Rüdiger Schnell, wenn er in seiner Kritik an der Beschreibung deutscher Adelsgruppen durch den Elias-Schüler Michael Schröter (Wildheit und Zähmung des erotischen Blicks. Zum Zivilisationsprozeß von deutschen Adelsgruppen im 13. Jahrhundert, 1987), das in der mittelalterlichen Literatur weitverbreitete Motiv „schöne Frau erblicken - in heftiger Liebe entbrennen – sexuelle Handlung“ habe dem „ sozialen Habitus von mittelalterlichen Kriegeradligen „ entsprochen, räsonniert: „Der Mediävist fragt sich, für welche soziale Schicht dann der Minnesang entstanden ist:.“ Schnell macht darauf aufmerksam, dass dieses von Schröter angeführte erotische Motiv bereits in der antiken, wie auch in der mittellateinischen Dichtung zuhause ist.. Rüdiger Schnell: „Kritische Überlegungen“,2004, S. 55.

[63] So wird von Ulrich von Liechtenstein in seinem 'Frauenbuch' (650, 1-4) bereits dem Mann eine Rüge erteilt, der gleichzeitig den Umgang mit mehreren Frauen pflegt.. „ Der Mann, der mit Frauen so umgeht, daß er gerne viele von ihnen hat, dieser übel gesinnte Mann soll vornehmen Frauen widerwärtig sein.“ Zitiert nach J. Bumke: „Höfische Kultur...“ II, 1986, S.564. Dass Fehlverhalten und Vergehen im sexuellen Bereich dazu führen können männliche Adlige unter Ihresgleichen in Misskredit zu bringen , berichtet zu Beginn des 14. Jahrhunderts auch Ottokar von Steiermark, in Bezug auf Adolf von Nassau, in seiner 'Reimchronik'. Siehe Duerr, 1993, S. 390. Als einen Grund für die Absetzung Adolfs von Nassau als König 1298 in Mainz durch die Kurfürsten, führt Siegfried von Balnhausen ebenfalls dessen sexuelle Vergehen an, er habe Jungfrauen geschändet. Siehe Bumke, 1986, S. 563 und Duerr, 1993, S.390. Zwar mag auch hier, wie im Falle Friedrich des Streitbaren von Österreich der Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen aufgrund der machtpolitischen Bedeutung und Prominenz der Beschuldigten fraglich sein. Das Anführen solcher Beschuldigungen in öffentlichen Anklagen aber verweist darauf, dass dem sittlichen Lebenswandel von Adligen und dem damit einhergehenden öffentlichen Ansehen unter ihren Standesgenossen, eine auch im Mittelalter keineswegs zu unterschätzende politisch-gesellschaftliche Bedeutung zukommt. Stand ein Adliger in einem anrüchigen sittlichen Ruf, so konnte dieser im Konfliktfall glaubwürdig gegen ihn instrumentalisiert werden, um ihn zu diskreditieren und von potentiellen Mitstreitern und Unterstützern zu isolieren.

[64] Bereits Andreas Capellanus warnt in 'De Amore' (ca. 1185-1187) vor dem Umgang mit nicht standesgemäßen, käuflichen Frauen. Diese seien zu fliehen und zu vermeiden, denn wer mit solchen Frauen Umgang pflege, sich gemain mache, werde von allen Angesehenen verschmäht und jeglicher der solches pflege verliere seinen Ehre. Siehe A. Karnein: 'De Amore deutsch“, 1970, S. 191, Kap. 21 Von der hüren und püben pülschaft.

[65] So wird noch in der 'Zimmerischen Chronik' aus der Mitte des 16. Jahrhunderts (160. Kapitel) vom sittenwidrigen Verhalten des Grafen Gottfried Werner von Zimmern berichtet. Dieser wendete sich, nach enttäuschten Hoffnungen auf die Geburt eines männlichen Nachkommen von seiner Gattin Apolonia ab und nicht nur heimlich, sondern öffentlich einer Mätresse zu. Nach dem Weggang seiner Ehefrau muß er jedoch erkennen, dass ihn die Missbilligung seines Verhaltens in adeligen Kreisen in eine prekäre politische Situation gebracht hat, weshalb er sich umgehend um die Rückkehr seiner Gattin und um Einigung mit ihr bemüht. Graf Gottfried musste erkennen, „daß er nach dem Scheitern seiner dynastischen Pläne sich nicht einfach aus dem adligen Normbereich verabschieden und seinen sexuellen Bedürfnissen entsprechend leben konnte.“, so Gerhard Wolf, „Starke Frauen – schwache Männer..“, 2001, S. 275.

[66] Wolfgang Wilfried Moelleken: Die Kleindichtung des Stricker, 1978, Bd. 5, S. 199.

[67] Ich klage, dass Wein und Frauen von niederem Stand
sich größerer Beliebtheit erfreuen als das Streben nach der Zuneigung von adligen Frauen

-- das ist ein lasterhaftes Treiben --

und doch sehe ich manch adligen Ritter sich so verhalten,
dem es gemäßer wäre sich anderswo, bei schätzenswerteren Freuden aufzuhalten,
die er jedoch für zu anstrengend hält. (Sinngemäße Übersetung, d.V.)

[68] Während bei Walther die niedere Minne die Liebesbeziehung eines Ritters mit einer ständisch unter ihm stehenden Frau meint (im Bereich der Mädchenlieder, Under der linden und Nemt frouwe disen kranz, siehe Helmut Brackert: „Minnesang...“, S. 311), deren Erfolg und Lust besungen werden, wird solches Verhalten durch Misserfolg und Leid, das sich selbst bei der Minnewerbung im dörflichen Bereich für den Ritter einstellt, bei Neidhart mit Spott und Sarkasmus gegeißelt. Siehe Sumers und des winders beider vîentschaft in: Neidhart von Reuental. Lieder. Auswahl mit den Melodien zu neun Liedern. Mittelhochdeutsch und übersetzt von Helmut Lomnitzer. Stuttgart: Philipp Reclam 1966. Nr. 20, S. 84. H. Brackert: „Minnesang...“, S.317.

Die bukolische Situation in der französischen Pastourelle, in der ein Ritter einer Schäferin seine Liebe erklärt, hat denn allerdings nach Arnold Hauser kaum etwas mit realen gesellschaftlichen Verhältnissen zu tun, sondern verweise auf eine „Wunschphantasie der Erlösung“ vom Druck der gesellschaftlilchen Konvention. (A. Hauser, „Sozialgeschichte...“, S. 533) Die zweitausendjährige literarische Tradition der Hirtendichtung sei seit ihren Anfängen im Hellenismus als Flucht in die Idylle gerade aufgrund des Vorherrschens einer überzivilisierten, blasierten Gesellschaft in den Städten und an den Höfen zu verstehen. Arnold Hauser, „Sozialgeschichte...“; 1975, S. 529 ff.

[69] Der Stricker, 'Die Frauenehre', V. 1584 – 1607.Moelleken, 1973

[70] Wenn also die Ratgeber Ludwigs von Thüringen ihren Herrn mit der Frage necken, warum er denn nicht zu den Mägden gehe um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen, da es bei seiner Jugend doch schwer sei keusch zu bleiben, dann weisen sie ihn doch wohl nur scheinbar auf einen leichten Weg der Triebbefriedigung hin, „sein unumwundenes Herrenrecht gegenüber den weiblichen Hofbediensteten“ (So Claudia Opitz, „Frauenalltag...“,1993, S. 294) wahrzunehmen: Das Necken besteht ja gerade im gemeinsamen Wissen von Ratgebern und jungem Landesherren, dass es zwar ohne weiteres in der Macht Ludwigs läge, sich mit einer Magd zu vergnügen, er aber gleichzeitig seine gesellschaftliche Reputation einbüßen und einem gefährlichen Zweifel an seinen Herrscherqualitäten Raum geben würde, da er mit seinem Verhalten offenkundig macht, dass er noch nicht einmal in der Lage ist sich selbst zu beherrschen. Der Zusammenhang von Selbstbeherrschung als Tugend und Herrschaft über andere ist auch Gegenstand von Sittenlehren, die sich an künftige Herren und Fürsten richten. So z.B. bei Jacobus de Cessolis (1275), der dem jungen König ans Herz legt „sich stets zu vergegenwärtigen, daß es nicht rechtens sei, über andere zu herrschen, wenn man sich nicht selbst beherrschen könne.“ H. P. Duerr, 2002, S. 80.

[71] Insbesondere Andreas Capellanus Empfehlung an sein adlig-männliches Publikum, sich bei Bedarf , im Falle sexuellen Begehrens, einfach eine Bäuerin mit Gewalt zu nehmen, da es bei den Bauern sowieso üblich sei, es wie das Vieh zu treiben, kann hier als eindeutiger Beleg gelten: „Die Vergewaltigung einer Bäuerin ist in Wahrheit gar keine Vergewaltigung, denn das bäuerliche Triebleben ist nach Capellanus so ungezügelt, so 'unzivilisiert' wie das der Tiere: 'Bespringt' also der hohe Herr irgendein Landmädchen, das seine Lust entfacht hat, so tut er nichts anderes als das, was ohnehin Bauernart ist.“ Duerr, 1993, S. 387.

Die ältere Forschung hat irrtümlich fast durchweg Andreas' Werk als Dokumentation einer umfassenden Theorie der höfischen Liebe gesehen, stellt Joachim Bumke fest. J. Bumke: „Höfische Kultur“ Bd. II, S. 506.

[72] Daz buoch von dem übeln wibe. Hg. v. Ernst A. Ebbinghaus, Tübingen 1968.
So auch bei Berthold von Regensburg wenn er von der ê handelt:

Nû sint die frouwen als küene für die man worden,
sam sie mit dem tivel beheftet sin, unde stritent,
als in der tivel daz swert gesegnet habe,
so sie an der heimeliche sint, und sitzent danne dâ vor mir,
als sie niht ein wazzer künnen betrüben.
Und sô sie danne in die kamern koment, so vehtent sie
unde kempfent, sam sie mit dem tivel beheftet sin.

Berthold von Regensburg : Von der ê. Vollständige Ausgabe seiner Predigten, mit Anmerkungen. Hg. v. Franz Pfeiffer, mit einem Vorwort von Kurt Ruh. Bd. I, Berlin 1965, S. 325.

[73] Reinmar von Zweter spricht von der Frau, die das längere Messer trägt, was metaphorisch für den Führungsanspruch steht (Nr. 104), und dem übel wip, das die Meisterschaft pflegt, also die Beziehung dominiert (Nr. 105), einer Eva, die ihrem Adam Befehle erteilt (Nr. 101). Gustav Roethe (Hg.): Die Gedicht Reinmars von Zweter, Leipzig 1887. Zu weiteren Textstellen, die selbstbewusste Frauen mit Herrschaftsanspruch darstellen, siehe Franz Brietzmann: „Die böse Frau in der Literatur des 12.-14. Jahrhunderts...“, 1912, S. 120.

[74] Zur Kritik des Stricker an der verbreiteten Vorstellung von der Frau als dem 'Schwachen Geschlecht', siehe hier insbesondere das Kapitel zu 'Das heiße Eisen'.

[75] Der Ehemann stellt sich in „Daz buoch von dem übeln wibe“ als amen Märtyrer dar:

swer marteraere gedenket
der lâze ouch sich erbarmen
über mich vil armen. (V. 492 – 494)

[76] Shulamith Shahar berichtet von dem demütigenden Brauch, von ihren Frauen verprügelte Ehemänner wie Dirnen oder Ehebrecher rücklings auf einen Esel zu setzen und mit den Händen an dessen Schwanz geklammert durch den Ort zu treiben. Shulamith Shahar: „Die Frau im Mittelalter“, 1986 (1981), S. 97.

[77] Neben dem Stricker, 'Der begrabene Ehemann', Berthold von Regensburg, 'Rusticanus de Communi Sanctorum, Nr. 63, Reinmar von Zweter, führt Rüdiger Schnell: „Sexualität und Emotionalität...“, 2002, S. 112, hier auch Thomas von Zirklaere, 'Der welsche Gast' und Marcus von Weida, 'Spigell des ehlichen ordens' an.

[78] Ingeborg Glier: „Artes Amandi“, 1971, S. 13.

[79] „De Amore deutsch. Der Tractatus des Andreas Capellanus“,1970, hg. v. Alfred Karnein.

[80] Der Traktat des Andreas Capellanus enthielt das traditionell-misogyne Frauenbild, so Alfred Karnein, ja man müsse sagen, dass sein sogenanntes 3. Buch des Traktats, „das er mit Reprobatio amoris (Zurückweisung der Liebe) überschrieb, der rhetorische Höhepunkt frauenfeindlicher Tiraden möglicherweise des gesamten Mittelalters ist.“ Alfred Karnein: „Wie Feuer...“, 1989, S. 99.

[81] Bereits im Jahre 1483 hatten Verse des Stricker das bei Johann Prüss zu Straßburg gedruckte 'Heldenbuch' eingeleitet. Das 'Heldenbuch' beginnt mit den ersten 6 Versen des Strickerschen Prologs seines Schwankzyklus vom 'Pfaffen Amis'. Michael Schilling, 1994, S.199.

[82] Ingeborg Glier: „Artes Amandi“, 1971, S. 39 u. S. 389. Die 'Frauenehre', ein knapp 2000 Verse umfassendes Gedicht, müsse sich noch drei Jahrhunderte später „einer solchen Wertschätzung erfreut haben, dass es zum repräsentativen Incipit des in kaiserlichem Auftrag geschriebenen sogenannten 'Ambraser Heldenbuchs' bestimmt wurde“, so H.-H. S. Räkel: „Die Frauenehre...“, 1976, S. 164. Die Bedeutung des Stricker geht auch aus der Überlieferung seines Werkes hervor. Seine kleineren und mittellangen Dichtungen sind in insgesamt 53 Handschriften zu finden. Thomas Frank, Albrecht Koschorke u.a., „Des Kaisers neue Kleider...“,2002, S. 36.

[83] Das 'Ambraser Heldenbuch' wird von Hans Ried geschrieben, 1496 als Mitglied der kaiserlichen Kanzlei bezeugt und seit 1500 Zöllner am Eisack bei Bozen. „Auswahl und Zusammenstellung hatte nicht der Schreiber zu verantworten, sondern der kaiserliche Auftraggeber selbst bzw. sein literarischer Berater Paul von Lichtenstein.“ Dorothea Klein, „Mauricius von Craûn...“,1999, S. 10. Geht man davon aus, dass bereits die Anordnung des Heldenbuchs eine Botschaft vermitteln soll (bereits Hugo Kuhn ging von der Annahme aus, Strickers Frauenehre und Moritz von Craon stellten eine programmatische Einleitung des Ambraser Heldenbuchs dar. H. Kuhn: Minnesangs Wende,1967, S. 185. D. Klein vermutet, man habe den MvC möglicherweise als Komplement und Kontrast zur vorausgehenden 'Frauenehre' gelesen. Während mit der 'Frauenehre' die Vorbildlichkeit höfischer Damen gepriesen werde, gehe es dort um die Folgen inadäquaten weiblichen Verhaltens. Die dem MvC von Hans Ried vorausgesetzte Überschrift brauche dem intendierten Programm der Textzusammenstellung nicht zu widersprechen; „Von Kuenig Nero ainem Wuettrich, der auch wie ein fraw Swanger wolt sein.Vund sein mueter aufschneiden liesse, von seins fuerbitz.“ , D. Klein, 1999, S. 9. Albrecht Classen erwägt die Möglichkeit, Maximilian habe den MvC des historischen Abrisses wegen in die Sammlung des Heldenbuches aufgenommen und ihn deshalb auch an den Anfang gestellt. A. Classen, „MvC...“, 1992, S. 163), so ermahnen offensichtlich die ersten beiden Texte, das Fragment der 'Frauenehre', welches eine Beispielerzählung vom Ackermann enthält (I. Glier, 1971, S. 39, nämlich die Verse. 1321-1890, Dorothea Klein, 1999, S.9), als auch der 'Mauricius von Craûn', die Ritterschaft, nicht etwa zu glauben ohne die Anstrengung ritterlich-tugendhafter Lebensweise den Ritterstand bewahren zu können. Ebenso, wie der Ackermann der 'Frauenehre' beschließt fortan ohne arbeit, Acker und Pflug auskommen zu wollen und damit unheil über sich und diejenigen bringt, die ihm nacheifern, ebenso tragen im 'Mauricius von Craûn' Griechen und Römer selber Schuld am Verlust der Ritterschaft. Die Folge sind Abhängigkeit, Knechtschaft, Elend und Verlust der Ehre. In der Beispiel Erzählung vom Ackermann der 'Frauenehre', wie im 'Mauricius von Craûn', droht der Verlust der Ritterschaft durch das Fehlverhalten der Ritter. Der Verlust von Freude und Ehre ist selbstverschuldet. In beiden Texten wird die bôsheit (V. 97 'Mauricius von Craûn' ) grozze bosheit ('Frauenehre ' V. 1687) der Protagonisten für das daraufhin eintretende Elend verantwortlich gemacht. Von der Absicht eine Warnung und einen Appell an die Ritterschaft zu Maximimlians Zeiten mit der Platzierung der ersten beiden Dichtungen im 'Ambraser Heldenbuch' auszusprechen, kann also wohl ausgegangen werden. So wie der Stricker in den 'Unsichtbaren Bildern' seines Schwankzyklus vom 'Pfaffen Amis', setzt auch der anonyme Dichter des Mauricius von Craûn die Bewunderung der Antike und das Geschichtsbild von der Wanderung der idealen Ritterschaft von Griechenland/Troja über Rom nach Frankreich der Fragwürdigkeit und Komik aus. Auch das Bild von der Überlegenheit französischer Ritterschaft und französischer Kultur wird von beiden Dichtern verspottet. Durch das groteske und moralisch verwerfliche Handeln der Protagonisten ihrer Erzählungen, des französischen Königs (Stricker) und des französischen Hochadligen Mauricius von Craûn (Anonym), wird die verbreitete Idee des Idealen französischer Ritterschaft der Lächerlichkeit preisgegeben (siehe hierzu auch das Kapitel „Ehescheidungsgespräch“, zum Thema tougen minne). Vor Antiken-Verehrung und Begeisterung für französische Ritterkultur warnen beide Dichter mit dem Verweis auf die keineswegs ehrenwerten, sondern sehr durchsichtigen Motive, die bei den Propagandisten der Vorbildlichkeit dieser Kulturen gegeben seien.

[84] Zur Bedeutung und Funktion der Alteritäts-These für die Germanistik siehe: Hans Robert Jauss: „Alterität und Modernität “, 1976.

[85] Dem Versuch auch, den in der Forschung populären, beschriebenen Fehleinschätzungen zur Situation der Geschlechterbeziehungen im Mittelalter entgegenzutreten, verdankt sich ebensfalls die Untersuchung von Lea Otis-Cour zur Geschichte der Paarbeziehungen im Mittelalter. Siehe Lea Otis Cour: „Lust und Liebe. Geschichte der Paarbeziehungen ...“, 2000.

[86] Siehe oben.

[87] Rüdiger Schnell: „Frauen – Männer – Ehediskurs...“, 1998, S. 17. In seiner Studie „Sexualität und Emotionalität in der vormordernen Ehe“, 2002, weist R. Schnell nach, dass es die Vorstellung von Sexualität und Emotionalität die sich in einer ehelichen Beziehung gegenseitig bedingen, selbst im theologischen Ehediskurs des 13. Jahrhunderts schon gegeben habe (S. 248), was jedoch in der Regel von Studien des 20. Jahrhunderts zur Sexualgeschichte ignoriert werde (S. 238), da sich diese an den breit ausgetretenen 'offiziellen' Diskussionspfaden des lateinisch-gelehrten moraltheologischen Diskurses orientierten.

[88] R. Schnell, 1998, S. 17.

[89] R. Schnell, 1998, S. 16.

[90] R. Schnell, 1998, S. 11.

[91] Lea Otis-Cour: „Lust und Liebe. Geschichte der...“, 2000, S. 158 ff.

[92] Für die Vereinbarkeit von Liebe und Ehe verweist L. Otis-Cour z.B. auf die zahlreichen Fälle von heimlichen Eheschließungen, im Adel, wie auch im gemeinen Volk, um gegen arrangierte Ehen „den Triumph der persönlichen Wahl zu besiegeln.“ (S. 172) Der kirchliche Grundsatz der Eheschließung einzig durch freiwillige Zustimmung (auf dem Vierten Laterankonzil 1215 wird das öffentliche Aufgebot bei Heiraten eingeführt) beider Partner eröffnet grundsätzlich diese Möglichkeit. Eheprozesse, die vor geistlichen Gerichten ausgetragen wurden, lieferten zahllose Beispiele für Verliebte die sich heimlich zusammengetan hatten, um sich dem Widerstand der Eltern zu entziehen. (S. 173). L. OtisCour a.a.O.

[93] Rüdiger Schnell: „Frauen – Männer.-.Ehediskurs...“,1998, S. 15. Beim Thema Liebe wird man um 1200 von starker Opposition der lateinisch-gelehrten und der volkssprachlichen höfischen Literatur ausgehen müssen. Beide Bereiche können als unabhängig nebeneinander existierende literarische Systeme angesehen werden, so Alfred Karnein, „De Amore..., 1985, S. 109.

[94] So z.B. 'Li livres d' amours' von Drouart la Vache (ca. 1290), V. 7533, (Übersetzung des dritten, frauendfeindlichen Buches von Andreas Capellanus), das 'Buch der Rügen' (ca. 1300), V. 889-912. Das 'Schachzabelbuch' des Konrad von Ammenhausen (ca. 1337) V. 4043-4083, Hugo von Trimberg, 'Renner' (ca. 1300), V. 1312. Hans von Bühel, 'Diocletians Leben' (ca. 1400), V. 9437-9478. Niklas von Wyle, 'Translationen' (15. Jh.), S. 93-95 und S. 314 f (Siehe R. Schnell, 1998, S. 14.) Ebenso, wie sein französicher Kollege Ende des 13. Jahrhunderts, sieht sich auch Johann Hartlieb noch zur Mitte des 15. Jh. genötigt, möglichen Vorhaltungen, die ihm Damen des Hofes wegen des frauenfeindlichen Inhalts seiner Übersetzung von 'De Amore' des Andreas Capellanus machen könnten, zu emtschuldigen. Er handele ja schließlich mit seinen Übersetzungen nur im Auftrag seines Herren, Albrecht VI. Von Österreich und dessen Hofes und meint, er habe daher weder Anschuldigung noch Strafe durch ehrbare Frauen verdient, „wann ich mayn darumb aller frauen straff wol ledig sein,...Hyerumb chayn werd weyb mich schuldigen solt,...“ (A. Karnein: „De Amore deutsch...“, 1970, S. 18.) Dieser „Entschuldigungs“-Topos ist auch insgesamt in mittelalterlicher Dichtung weit verbeiteit. So findet er sich z.B. bereits bei Heinrich von Melk, (1150-1160) 'Erinnerung an den Tod', der die guten Frauen von seiner Kritik ausgenommen wissen will. Seine Kritik an Prunk und Hoffärtigkeit richtet sich an die wiben, die Verehrungswürdigkeit der Frauen bleibt gesichert , hie mugen wir der vrowen wol geswigen, V. 318. Als besonders deutliches Beispiel für die politische Brisanz, die frauenfeindlichen Äußerungen innewohnte, die nicht den „Entschuldigungs“-Topos enthielten (mit der vorgetragenen Kritik an Frauen seien natürlich nicht die tugendhaften Frauen gemeint, sondern nur die anderen), sich also pauschal auf alle Frauen bezogen, kann der Fall einer französischen Adligen gelten, von der Peter von Limoges (ca. 1250/1280) berichtet. Diese sei mitten in der Predigt aufgestanden und habe den Prediger, einen französischen Dominikaner, aufgefordert, er solle seine Verleumdungen des weiblichen Geschlechts unterlassen. Rüdiger Schnell, „Frauendiskurs...“, 1998, S.12. Ebenso muss der Herr Reinhart von Westerburg noch am Anfang des 14. Jahrhunderts einer Dame Genugtuung leisten, die er in einem Lied in Gegenwart Kaiser Ludwigs des Bayern (gest. 1374) zu schmähen wagte. Der Kaiser hatte den Sänger umgehend für dieses Lied getadelt und ihn zur öffentlichen Entschuldigung aufgefordert. Herr Reinhart kam dieser Aufforderung durch den Vortrag eines Minneliedes im höfischen Stil der Minnesänger nach. J. Bumke, Höfische Kultur Bd. II, 1986, S. 459.

[95] R. Schnell, 1998, S. 301.

[96] R. Schnell, 1998, S. 302.

[97] R. Schnell, „Darstelllung...“, 2000, S.19.

[98] Alfred Karnein, „Frauenliebe im...“,1985, S. 19.

[99] Alfred Karnein, 1985, S. 20.

[100] Siehe Rüdiger Schnell, „Darstellung und Bewertung des Ehebruchs...“, 2000, S.19.

[101] Publius Ovidius Naso: Liebeskunst.. Ars amatoria libri tres. Nach der Übersetzung von W. Hertzberg, bearbeitet von Franz Burger, München 1978.

[102] A. Karnein: „Wie Feuer...“, 1989, S. 99.

[103] Gustav Ehrismann: „Geschichter der deutschen Literatur...“, 1935, S.107.

[104] Dies wird allerdings noch in der jüngeren Literaturgeschichtsschreibung als fast ausschließliches Merkmal des Schwankes betrachtet . Fast immer sei die Frau die Schuldige, in einem Fall die Verbuhlte und Gerissene, im anderen die Boshafte und Zänkische. Werde die Frau in der höfischen Epik erhöht, so scheine die Triebkraft des Schwankes Hass und Verachtung zu sein, die darauf ziele, die Frau zu erniedrigen. Der Stricker habe in seinen schwankhaften Erzählungen beide Möglichkeiten des Verstoßes gegen die eheliche Ordnung aufgegriffen, die Frau als herrschsüchtiger Zankteufel, der Mann als Pantoffelheld, die Frau als Buhlerin, der Mann als Hahnrei. Siehe Helmut de Boor/Richard Newald: „Geschichte der deutschen Literatur ...“, 1997, S.239.

[105] Zu diesem Ergebnis gelangt auch Albrecht Classen bei der Betrachtung der Ehestandsmaeren des Stricker. Dem Stricker könne nicht eine Haltung traditioneller Misogynie angelastet werden. Er sei hingegen Fürsprecher einer Ehe, in der beide Ehepartner entsprechend ihrer gegebenen Versprechen leben und sich gegenseitig in allen Angelegenheiten ihres Lebens unterstützen.
We may argue that the Stricker here reveals his true literary intentions, that is his opposition against misogyny as a traditional approach to woman, against selfdeception and unfaithful relationship among married people. He advocates a marriage in which both live up to their promises and support each other in all the matters of their lives. A. Classen:“Misogyny and the battle of genders...“, S. 115.
Ebenso will John Margetts die Ehemären des Stricker nicht einfach als „Attacken auf die Frau schlechthin“ gewertet wissen, da hier nur töricht handelnde Frauen bestraft werden. („Persona...“, S. 544) Die Frauenehre des Stricker sieht Margetts schließlich als Beleg dafür, dass der Stricker einer Festlegung seiner Person als misogyner Dichter entgegentreten wollte und seinem Publikum stattdessen seine Absichten, Visionen und Überzeugungen vom Wert der Frau darstellen wollte. („Persona...“, S. 547). Ihnen sei die Gleichrangigkeit mit Männern zu zuerkennen. Dies stelle den Stricker „vielleicht überraschenderweise“ in die Nähe seiner beiden großen Epikerkollegen Wolfram von Eschenbach und Hartmann von Aue. („Persona...“, S. 549). John Margetts: „Persona. Entlarvung des Adels und Entdeckung des Strickers...“, 2002.

[106] Gustav Ehrismann: „Geschichte “ 1935, S. 107. Als ähnlich gegensätzlich wird das Frauenbild des Stricker noch in jüngerer Zeit auch bei Sabine Böhm beurteilt. Frauenpreis und Frauenschelte sieht sie bei ihm nebeneinander stehen. (S. 137). Böhm formuliert allerdings selbst widersprüchlich; einerseits; das Frauenbild des Stricker sei in seinen Grundzügen von misogynen Auffassungen geprägt. Andererseits, trotz der prinzipiell gegensätzlichen Wirkung der Texte wie „Ehemanns Rat“ (als misogyner Text bei ihr verstanden) und „Frauenehre“ (Frauenpreisgedicht) widerspreche sich der Stricker allerdings nie. (S. 141) Das Nebeneinander von Frauenpreis und Frauenschelte sei sicher einerseits durch das pragmatische Interesse des Stricker bedingt unterschiedlichen Rezipientengruppen (adlige Hofgesellschaft, gehobenes Bürgertum, religiöse Kreise) Identifikationsangebote zu machen, andererseits wolle der Stricker wohl auch verschiedene Ansichten zum Thema Frau zur Sprache bringen, um auf den Perspektivenreichtum aufmerksam zu machen. (S. 137) Die sich nicht selten widersprechenden Charaktereigenschaften der Frau beim Stricker seien als „Typenliste“ zu verstehen, nicht als Eigenschaften e i n e r Frau. (S. 141) Es gehe ihm nicht darum d e r Frau negative Eigenschaften zuzuschreiben, sondern er wolle differenzieren und deutlich machen, daß es solche und solche Frauen gebe. (S. 141) Sabine Böhm: „Der Stricker – Ein Dichterprofil...“, 1995.

[107] Das Auftauchen unterschiedlicher Frauen/Männerbilder bei ein und demselben Autor (R. Schnell, 2002, S. 352), die Frau als triebhaft-egoistisches, Männer schädigendes, zerstörendes Wesen oder aber die Frau als sanftmütige, den Mann ergänzende, Kraft spendende, ja beseligende (also z.B. beim Stricker, Mären versus 'Frauenehre'), unterschiedliche gender-Konzepte also, stellen Sinn und Notwendigkeit traditioneller Studien zu einzelnen mittelalterlichen Autoren m.E. keineswegs in Frage, wie Rüdiger Schnell mit Bezug auf Adressatenwechsel und Wechsel des gender-Konzepts anmerkt. (R. Schnell, 2002, S. 354) Denn entscheidend ist es doch wohl, zu erfahren, welches Beziehungsmodell zwischen Mann und Frau der Autor insgesamt propagieren will: Sex/Unverbindlichkeit oder Partnerschaftlichkeit /Treue jenseits des jeweiligen Männer/Frauenbildes in argumentativen Kontexten, die jedoch die gleiche Absichten verfolgen können, z.B. Männer zur Zurückhaltung/Selbstdisziplin und Achtung der Frauen auffordern (Bild des schwachen, triebgeleiteten unbeherrschten Mannes – der diszipliniert, asketischen Frau als Gegenbild) oder Frauen zur Zurückhaltung/Achtung ihrer Männer auffordern (Bild der schwachen triebgeleiteten Frau – des verständig, rationalen disziplinierten Mannes als Gegenbild).

[108] Von den 8 Ehestandsmaeren des Stricker setzen sich 3 mit dem Fehlverhalten und der Schuld von Ehefrauen auseinander. So „Das heiße Eisen“, „Die eingemauerte Frau“ und „Der kluge Knecht“. Allerdings thematisieren auch 3 Mären die ausschließliche Schuld und das Fehlverhalten der Ehemänner, so „Der Gevatterin Rat“, „Das erzwungene Gelübde“ und „Das Ehescheidungsgespräch“. Die Mären „Der begrabene Ehemann“ und „Die drei Wünsche“ sprechen beiden Ehepartnern ein ähnliches Maß an Schuld zu.

Ende der Leseprobe aus 133 Seiten

Details

Titel
Partnerschaftlichkeit im Hochmittelalter
Untertitel
Strickers Konzept für Ehe und Gesellschaft: Die Ehestandsmären
Autor
Jahr
2008
Seiten
133
Katalognummer
V116308
ISBN (eBook)
9783640183043
ISBN (Buch)
9783640183289
Dateigröße
1116 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Partnerschaftlichkeit, Hochmittelalter
Arbeit zitieren
Horst Haub (Autor), 2008, Partnerschaftlichkeit im Hochmittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116308

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