Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Older German Literature, Medieval Studies

Partnerschaftlichkeit im Hochmittelalter

Strickers Konzept für Ehe und Gesellschaft: Die Ehestandsmären

Title: Partnerschaftlichkeit im Hochmittelalter

Scientific Study , 2008 , 133 Pages

Autor:in: Horst Haub (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Gegenüber einem in der jüngeren Mediävistik und in der Frauenforschung überwiegend verbreiteten Bild, demzufolge das Schicksal der Frauen im Mittelalter ein Finsteres war, sie männlicher Willkür und Gewalttätigkeit schutzlos ausgeliefert gewesen seien, sprechen die volkssprachlichen Dichtungen eine ganz andere Sprache. Lässt man sich auf die Texte ein und legt die üblichen Schablonen mit denen die Medävistik sie für gewöhnlich einordnet einmal beiseite, kann sich ein ganz anderes Mittelalterbild erschließen. Keine ferne, unverständliche Epoche, die durch exotisches Anderssein glänzt, sondern eine Gesellschaft, die der unseren erstaunlich nahe steht. Insbesondere, was die Problematik der Beziehungen von Männern und Frauen im ehelichen Leben anbelangt.
Zur Frage der Genese und fort wirkenden Attraktivität des 'Alteritäts'-Paradigmas in der Mediävistik, habe ich in meinem Aufsatz 'Achtundsechziger Altgermanistik und das Paradigma Alterität. Von der Revolte mit emanzipatorischem Anspruch zu erneuter Erkenntnisblockade', 2002, ausführlich Stellung genommen. Die vorliegende Arbeit ist auch als inhaltlich konkreter Nachweis gedacht, der die dort geleistete Kritik und postulierte Blockade der Erkenntnis in der Mediävistik näher erläutert und ergänzt.
Die vorliegende Arbeit will anhand von Strickers ehelichen Beziehungsgeschichten nachweisen, dass es dem Stricker als einem der profiliertesten Vertreter der Frauen-Verehrer Fraktion, um die Verteidigung des gleichwertig-partnerschaftlichen Status der Frauen ging und er damit gleichzeitig an einer gesellschaftspolitischen Utopie festhält, die auf eine mitmenschliche Gesellschaft zielt. Die Einleitung diskutiert den gesellschaftlichen Kontext, durch den erst die dichterische Positionierung des Stricker und die seiner Mitstreiter verständlich wird und versucht durch einen aktualisierenden zeitgenössischen Bezug die gesellschaftspolitische Bedeutung zu erläutern, die der 'Beziehungsfrage' offensichtlich seit jeher innewohnt und die am historischen Beispiel vermutlich klarer konturiert erkannt werden kann, als dies eine Analyse der sich diffus darstellenden Gegenwart erlaubt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Einleitung

3 Der Gevatterin Rat

3.1 Textinhalt

3.2 Analytischer Teil

4 Das erzwungene Gelübde

4.1 Textinhalt

4.2 Analytischer Teil

5 Ehescheidungsgespräch

5.1 Textinhalt

5.2 Analytischer Teil

6 Die drei Wünsche

6.1 Textinhalt

6.2 Analytischer Teil

7 Der begrabene Ehemann

7.1 Textinhalt

7.2 Analytischer Teil

8 Das heiße Eisen

8.1 Textinhalt

8.2 Analytischer Teil

9 Die eingemauerte Frau

9.1 Textinhalt

9.2 Analytischer Teil

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Ehedarstellungen in den Werken des Strickers, um der in der mediävistischen Forschung verbreiteten These entgegenzutreten, dass im Mittelalter keine partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau existiert hätten. Anhand der "Ehestandsmären" soll nachgewiesen werden, dass der Stricker ein dezidierter Verfechter gleichwertiger, partnerschaftlicher Beziehungen war und diese als utopisches Gegenmodell zu einer von Misogynie und Willkür geprägten Gesellschaft propagierte.

  • Analyse des gesellschaftlichen Kontextes der Strickerschen Mären.
  • Untersuchung der Eheproblematik als "Beziehungsfrage" mit politischer Brisanz.
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Alteritäts-Paradigma der Mediävistik.
  • Nachweis der partnerschaftlichen Utopie in den Texten des Strickers.
  • Diskussion der Bedeutung von Geschlechterbeziehungen für soziale Gerechtigkeit und Demokratie.

Auszug aus dem Buch

2 Einleitung

Die Arbeit versteht sich als Beitrag zur Auseinandersetzung mit der in der Mediävistik verbreiteten These, nach der man im Mittelalter nicht von einer partnerschaftlichen Beziehung zwischen Mann und Frau sprechen könne. In der Adelsgesellschaft, und nicht nur da, sei das Eheleben eher eine Lebensform und eine Angelegenheit zur Regelung sozialer Beziehungen gewesen, nicht aber eine Leib- und Seelengemeinschaft zweier Individuen. Wiederholt wird, insbesondere in feministisch ausgerichteten Arbeiten, davor gewarnt, im Zusammenhang mittelalterlicher Ehen von geistiger oder sexueller Partnerschaft zu sprechen. Hierbei handele es sich um anachronistische Reprojektionen des modernen Betrachters bzw. der Betrachterin. Sexuelle Treue der Ehefrau sei als symbolträchtigster Ausweis grundsätzlicher Unterordnung zu verstehen, keineswegs aber als Eigenwert oder als Ausdruck partnerschaftlicher Liebe zu begreifen. Durch eine eingehendere Beschäftigung mit den so genannten 'Ehestandsmären' des Stricker und den hierzu in der literaturhistorischen Mediävistik vorliegenden Interpretationen, sowie weiteren Stricker-Texten, die sich mit der Frage der Geschlechterbeziehungen auseinandersetzen, soll nachgewiesen werden, dass es das Konzept der Partnerschaftlichkeit zwischen Mann und Frau im Mittelalter durchaus gegeben hat, nämlich insbesondere beim Stricker.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Vorwort: Der Autor distanziert sich von einem einseitig finsteren Mittelalterbild und betont die Aktualität der mittelalterlichen Dichtung für heutige Beziehungsfragen.

2 Einleitung: Hier wird die Forschungslage zum mittelalterlichen Ehediskurs analysiert und die Absicht der Arbeit dargelegt, Stricker als Vertreter partnerschaftlicher Ideale zu rehabilitieren.

3 Der Gevatterin Rat: Untersucht wird ein Ehefall, in dem grundlose männliche Aggression durch das Eingreifen einer Gevatterin und einen Scheintod-Trick in eine neue, geheilte Partnerschaft überführt wird.

4 Das erzwungene Gelübde: Dieses Kapitel behandelt die Problematik übersteigerter Besitzansprüche und Eifersucht, die durch eine radikale Spiegelung der Forderungen gelöst wird.

5 Ehescheidungsgespräch: Das Kapitel analysiert einen Ehestreit, in dem die Ehefrau durch eine schlagfertige Reaktion auf die Drohung des Ehemannes das partnerschaftliche Gleichgewicht wiederherstellt.

6 Die drei Wünsche: Behandelt wird ein Ehepaar, das durch Unzufriedenheit und falsche Prioritäten trotz Einmütigkeit in eine existenzielle Krise gerät.

7 Der begrabene Ehemann: Analysiert wird die Gefahr der Selbstverleugnung und des Verzichts auf die eigene Persönlichkeit um des ehelichen Friedens willen.

8 Das heiße Eisen: Untersucht wird die Dynamik von grundlosen Schuldvorwürfen und Eifersucht in einer scheinbar intakten Beziehung.

9 Die eingemauerte Frau: Das letzte Kapitel widmet sich dem Problem der Eigenwilligkeit und Herrschsucht, die durch konsequente, aber gewaltfreie Führung korrigiert werden sollen.

Schlüsselwörter

Stricker, Mittelalter, Ehestandsmären, Partnerschaftlichkeit, Ehediskurs, Mediävistik, Geschlechterbeziehungen, Minne, Patriarchat, Ehe, Literaturgeschichte, Sozialstruktur, Gender, Solidarität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Studienarbeit untersucht die "Ehestandsmären" des Dichters Stricker und widerlegt die in der Mediävistik verbreitete Ansicht, dass im Mittelalter keine partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Eheleuten möglich waren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf Ehediskurse, die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern, das Spannungsfeld zwischen traditionellen Normen und realer Lebenspraxis sowie die Frage nach gegenseitiger Achtung und Liebe.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist nachzuweisen, dass Stricker als bedeutender Vertreter eines partnerschaftlichen Eheideals gelten muss, das auf Gleichwertigkeit und gegenseitiger Mitmenschlichkeit basiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durch, die das Werk des Strickers in den Kontext der zeitgenössischen Forschung stellt und eine kritische Auseinandersetzung mit gängigen Mediävistik-Paradigmen vornimmt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von sieben spezifischen Ehestandsmären, wobei jeweils Inhalt und analytische Hintergründe zu Konflikten wie Eifersucht, Gewalt oder Machtansprüchen dargelegt werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben dem Autor "Stricker" und dem historischen Kontext "Mittelalter" vor allem "Partnerschaftlichkeit", "Ehe", "Geschlechterbeziehungen", "Misogynie" und der soziologische Begriff "Gender".

Wie bewertet der Autor die "Ehestandsmären"?

Der Autor sieht in ihnen nicht bloße Unterhaltungsschwänke, sondern ernsthafte didaktische Interventionen, die vor einer einseitigen Herrschaftsstruktur warnen und zur Etablierung eines "attraktiven menschlichen Gegenmilieus" aufrufen.

Ist der Stricker ein Frauenfeind?

Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass Stricker im Gegenteil als ein profiliertes Gegenmodell zu frauenfeindlichen Strömungen seiner Zeit zu sehen ist und vehement die Partnerschaft auf Augenhöhe verteidigt.

Excerpt out of 133 pages  - scroll top

Details

Title
Partnerschaftlichkeit im Hochmittelalter
Subtitle
Strickers Konzept für Ehe und Gesellschaft: Die Ehestandsmären
Author
Horst Haub (Author)
Publication Year
2008
Pages
133
Catalog Number
V116308
ISBN (eBook)
9783640183043
ISBN (Book)
9783640183289
Language
German
Tags
Partnerschaftlichkeit Hochmittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Horst Haub (Author), 2008, Partnerschaftlichkeit im Hochmittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116308
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  133  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint