Die Helotenfurcht im Spiegel der Forschung


Seminararbeit, 1996
16 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Verschwörung des Pausanias

3. Der Helotenaufstand von 464

4. Die Helotenfurcht im Peloponnesischen Krieg

5. Ergebnisse und Diskussion

6. Quellenangabe

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das zentrale Ereignis der Helotenfurcht in Sparta war das große Erdbeben im Jahr 464 v.Chr., das einen Aufstand der messenischen Heloten nach sich zog. Weder vor, noch nach dieser gewaltsamen Erhebung der Heloten, sind bei den antiken Autoren Aufstände ähnlichen Ausmaßes bekannt.

Die Heloten entstanden aus der von den Dorern unterworfenen Bevölkerung[1]. In einem ersten Schritt wurden die Einwohner Lakoniens von den Spartanern zu Staatssklaven gemacht, bevor später die in zwei Kriegen unterworfenen Messenier in das System der Helotie integriert wurden[2].

Gegenstand dieser Arbeit ist es zu untersuchen, inwiefern sich die Behandlung der Heloten und der Umgang mit diesem Konfliktpotential seitens der Spartaner durch den Aufstand geändert hat. Eine Darstellung der Situation vor 464 ist zur Beurteilung der Problematik ebenfalls unerläßlich. Als Vorgeschichte des Helotenaufstandes ergibt sich aus Thukydides Geschichtswerk über den Peloponnesischen Krieg die Verschwörung des Pausanias, an der die Heloten beteiligt gewesen sein sollen. Dieses Ereignis wird im ersten Teil dieser Arbeit behandelt. Der zweite Abschnitt erläutert den Aufstand selbst und beleuchtet seine Ursachen und seinen Verlauf. Durch die Umstände des Peloponnesischen Krieges und der äußeren Bedrohung des spartanischen Staates durch Athen, treten die sozialen Spannungen wieder in den Vordergrund. Die Ereignisse Mitte bis Ende der 420er Jahre bis zum Nikias-Frieden werden im dritten Abschnitt näher betrachtet.

Im letzten Teil der vorliegenden Arbeit wird auf das Alltagsleben der Heloten, ihre Rolle im spartanischen Kriegswesen, ihre Bildung und ihr Bewußtsein sowie ihre Rolle im spartanischen Staatsgebilde eingegangen.

2. Die Verschwörung des Pausanias

Pausanias stammte aus dem königlichen Geschlecht der Agiaden[3] und war ein hochdekorierter Feldherr der Spartaner, da unter seiner Führung der Sieg gegen die Perser bei Plataiai im Jahr 479 gelang[4]. Nach der siegreichen Schlacht ließ er das Weihgeschenk nach Delphi ausschließlich mit seinem Namen versehen, doch die Ephoren ließen seinen Namen wieder entfernen und ersetzten ihn durch die Nennung aller am Krieg gegen Persien beteiligten griechischen Staaten[5]. Obwohl sich schon bei dieser Episode die Profilierungssucht und das Machtstreben des Pausanias gezeigt hatten, wurde er im Jahr darauf erneut an die Spitze eines griechischen Heeres gestellt[6]. Er richtete seinen Eroberungszug zuerst nach Zypern und wandte sich anschließend Byzanz zu, das zu dieser Zeit in den Händen der Perser war. Abermals gelang ihm ein großer Sieg gegen die Truppen des Großkönigs Xerxes und die Stadt wurde eingenommen.

Trotz seiner unzweifelhaften militärischen Fähigkeiten, beschwerten sich die mit den Spartanern verbündeten Griechen über sein herrisches Auftreten und sein tyrannisches Wesen. So beklagten sich die „Ionier und alle, die eben erst von der Herrschaft des Großkönigs losgekommen waren“, weil sie „...die Gewalttätigkeiten des Pausanias nicht länger dulden“ (Thuk. I, 95).

Als das tyrannische Verhalten des Pausanias in Sparta bekannt wurde, beorderte man ihn zurück, um ihn vor Gericht anzuklagen. Man warf ihm nicht nur vor „in seinem Gebaren offenbar einem Tyrann ähnlicher zu sehen, als einem Feldherrn“ (Thuk. I, 132), sondern auch, daß er heimlich mit Xerxes verhandelt habe[7]. Pausanias hatte nämlich nach der Eroberung von Byzanz die Verwandten und Angehörigen der persischen Königsfamilie, die gefangen genommen worden waren, eigenmächtig freigelassen. Ferner unterstellte man ihm Verrat, da er per Brief seine Hilfe zur Unterwerfung ganz Griechenlands angeboten haben soll. Diesen Pakt mit Persien wollte er angeblich mit der Heirat der persischen Königstochter besiegeln[8].

Da die Ephoren ihn aus Mangel an Beweisen nicht verurteilen konnten, weil der Brief an Xerxes nicht gefunden worden war, wurde Pausanias freigesprochen. Postwendend kehrte er nach Byzanz zurück, um seine Verhandlungen mit Persien fortzusetzen[9]. Er hatte zum Ärger der Athener und der anderen verbündeten Poleis seine Sympathie zu den Persern und deren Lebensweise offen zur Schau getragen. So ließ er sich von persischen Leibwachen begleiten und trug persische Kleidung[10]. Da er weiterhin seine hochtrabenden Zukunftspläne offen zur Schau stellte, wurde er von den Athenern vertrieben und erneut nach Sparta abberufen. Doch dieses mal weigerte sich Pausanias zu erscheinen und führte seine Verhandlungen von Kolonai aus weiter[11]. Die Ephoren standen erneut vor dem Problem, daß es an eindeutigen Beweisen fehlte, um einen Angehörigen der Königsfamilien des Hochverrats zu verurteilen.

Um das Sinken seines Sterns aufzuhalten und die Macht des Ephorats zu brechen, verhandelte Pausanias nun mit den Heloten und „versprach ihnen Befreiung und Bürgerrecht, wenn sie sich am Umsturz und seinen ganzen Unternehmungen beteiligen wollten“ (Thuk. I, 132). Obwohl die Heloten daraufhin Pausanias bei den Ephoren denunzierten, wurde er nicht verurteilt, da man ihnen offenbar nicht glauben wollte. Erst nachdem der verräterische Feldherr von den Ephoren belauscht worden war und seine Pläne geäußert hatte, sollte er gefangen genommen werden. Pausanias konnte sich aber in die Tempelanlagen flüchten, wo er durch das dort herrschende Asyl[12] Schutz vor den Ephoren fand. Seine Verfolger sperrten alle Ausgänge aus dem Tempel und ließen Pausanias verhungern.

Folgende Erkenntnisse in bezug auf die Helotenfurcht kann man aus diesen Ereignissen ziehen. Die Tatsache, daß die Ephoren den Heloten nicht glauben wollten, daß Pausanias diese zu einem Aufstand anstacheln wollte, zeigt, daß man es offenbar für abwegig hielt, daß die Heloten überhaupt rebellieren könnten. Offenbar sahen sie in ihnen keinerlei Bedrohung. Es lag wohl weniger daran, daß man Pausanias eine solche Tat nicht zugetraut hätte, denn sein Machtstreben war hinlänglich bekannt, schließlich war er ja bereits zwei mal angeklagt worden.

Andererseits muß schon zu dieser Zeit der soziale Zündstoff zwischen den Spartiaten und den Heloten erkennbar gewesen sein, sonst hätte Pausanias die Heloten erst gar nicht in seine Pläne einbezogen. Er hat möglicherweise bei den Heloten keine ausgeprägte Loyalität zu Sparta erkannt, auch wenn er sich letztlich in ihrer Gesinnung getäuscht hatte. Die Unzufriedenheit der Heloten kann jedoch noch nicht so groß gewesen sein, sonst hätten sie wohl diese Gelegenheit ergriffen, anstatt sich ihren Herren gegenüber loyal zu verhalten. Es ist aber durchaus möglich, daß durch Pausanias eine Bewußtseinsänderung bei den Heloten stattgefunden hat, zumindest was die Bereitschaft zu rebellieren betrifft.

3. Der Helotenaufstand von 464

Der Auslöser des großen Helotenaufstandes war das starke Erdbeben von 464 v.Chr.. Die Spartaner und auch alle übrigen Griechen, speziell die Athener, sahen die Ursache des Erdbebens im Fluch von Tainaron: „Die Spartaner hatten nämlich einst schutzflehende Heloten aus dem Poseidontempel am Tainaron aufstehn heißen, aber dann zum Tode geführt, das halten auch sie [die Spartaner] für den Grund des großen Erdbebens in Sparta“ (Thuk. I, 128). Talbert schreibt in seinem Aufsatz The Role of the Helots in the Class Struggle at Sparta, daß es den Heloten erscheinen müsse, als sei die spartanische Gesellschaft zusammengebrochen, was letztendlich zu den Unruhen und einzelnen Erhebungen geführt haben müsse[13]. Diese These wird auch noch durch die Tatsache gestützt, daß sich zwei Periökenstädte am Aufstand beteiligten, obwohl die Periöken im Gegensatz zu den Heloten frei waren. Die Spartaner unterbanden die lokalen Aufstände in Lakonien recht schnell, aber in Messenien hatte sich der Konflikt stark ausgeweitet, da sich die aufständischen Heloten auf dem Berg Ithome festgesetzt hatten. Aufgrund der günstigen strategischen Lage auf dem Berg[14], konnten sich die Messenier dort die nächsten zehn Jahre halten. Sparta hatte sogar Athen um Hilfe gebeten, da es ihnen nicht gelang diese natürliche Festung zu erobern. Die Athener zogen dann unter Führung Kimons nach Messenien, doch die Spartaner schickten sie unverrichteter Dinge zurück, da sie befürchteten, daß sich unter dem Einfluß der demokratischen Athener der Aufstand ausweiten könnte[15]. Dieser Affront belastete nicht nur das zukünftige Verhältnis zwischen den beiden mächtigsten griechischen Poleis, sondern hatte auch großen Einfluß auf die inneren Verhältnisse Athens[16], denn erst jetzt setzte sich die Demokratie in Athen ganz durch.

[...]


[1] Clauss, S. 109

[2] Schuller, S. 21f

[3] RE XVIII, 4 (1949) 2563 s.v. Pausanias (Schäfer)

[4] Schuller, S. 30

[5] Thuk. I, 132

[6] RE XVIII, 4 (1949) 2567 s.v. Pausanias (Schäfer)

[7] RE XVIII, 4 (1949) 2568 s.v. Pausanias (Schäfer)

[8] Thuk. I, 128 vgl. bei Herodot V, 32 wird berichtet, Pausanias habe beabsichtigt die Tochter des Megabates, einem Vertrauten des Großkönigs zu heiraten.

[9] Thuk. I, 128

[10] RE XVIII, 4 (1949) 2569 s.v. Pausanias (Schäfer)

[11] Thuk. I, 131

[12] RE XVIII, 4 (1949) 2576 s.v. Pausanias (Schäfer)

[13] Talbert, S. 28

[14] RE IX, 2 (1916) 2305 s.v. Ithome (Fimmen)

[15] Thuk. I, 102

[16] Schuller, S. 32

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Helotenfurcht im Spiegel der Forschung
Hochschule
Universität Konstanz  (Geschichte und Soziologie)
Veranstaltung
Proseminar: Sparta
Note
1
Autor
Jahr
1996
Seiten
16
Katalognummer
V11632
ISBN (eBook)
9783638177429
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Helotenfurcht, Spiegel, Forschung, Proseminar, Sparta
Arbeit zitieren
Sebastian Schmid (Autor), 1996, Die Helotenfurcht im Spiegel der Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11632

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