Das Zitat des Dalai Lama: "Leben, arbeiten und wirtschaften mit der Natur und nicht mehr länger gegen die Natur ist unser größter Lernprozess.“, zeigt die Notwendigkeit, den Nachhaltigkeitsaspekt in unseren Alltag und in die Bildung zu integrieren. Die Frage inwieweit der Nachhaltigkeitsgedanke in die berufliche Bildung integriert werden kann, und so dem gerade zitierten Ziel entgegenzukommen, wird in dieser Arbeit diskutiert.
Zunächst wird der Bildungsbegriff historisch beleuchtet, um eine Grundlage für die anschließende Erläuterung der Bildungstheorien zu schaffen. Bei der Erörterung des Bildungsbegriffs wird auf die geschichtliche Entwicklung von den Anfängen im Neuhumanismus bis zur heutigen Zeit eingegangen. Hierzu werden die Ausführungen der Autoren Wolfgang Klafki, Hartmut von Hentig und Dietrich Hoffmann verwendet. Der zuvor erläuterte Bildungsbegriff findet sich in dem anschließenden Kapitel der Bildungstheorien wieder. In diesem Abschnitt werden exemplarisch die Bildungstheorien von Wilhelm von Humboldt und Wolfgang Klafki erläutert und deren Kernthesen herausgearbeitet. Die Bildungstheorien geben einen Überblick über die Aufgaben und Inhalte von Bildung und sind ein spätere Anknüpfungspunkt für die Integration der Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung. Im Anschluss an das Kapitel des Bildungsbegriffs und der Bildungstheorien wird die berufliche Bildung über den Berufsbegriff und den Stellenwert des Berufs für die berufliche Bildung dargestellt. Über eine kurze Einführung der Entwicklung des Berufsbegriffs wird die Komplexität und Vielfalt dieses Begriffes aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildungsbegriff und Bildungstheorien
2.1 Die Entwicklung des Bildungsbegriffs
2.2 Die Entwicklung der Bildungstheorien
3. Die Bedeutung des Berufs in der beruflichen Bildung
3.1 Der Berufsbegriff im Allgemeinen
3.2 Beruf als Bildungsobjekt
4. Die Entwicklung des Nachhaltigkeitsgedanken
4.1 Kerngedanken einer nachhaltigen Entwicklung
4.2 Die Integration der Idee der Nachhaltigkeit in der Bildung
5. Die Übertragung der BNE auf die berufliche Bildung
6. Problemstellungen bei der Einführung des Nachhaltigkeitsaspekts in die berufliche Bildung
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen der Integration des Nachhaltigkeitsgedankens in die berufliche Bildung. Dabei wird analysiert, wie bestehende Bildungstheorien und das Berufsprinzip mit dem Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) verknüpft werden können, um eine zukunftsfähige berufliche Qualifizierung zu gewährleisten.
- Historische und theoretische Fundierung des Bildungsbegriffs
- Die Rolle des Berufs als zentrales Bildungsobjekt
- Grundlagen der nachhaltigen Entwicklung und BNE
- Strategien zur Implementierung ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung in Ausbildungsprozesse
Auszug aus dem Buch
3.2 Beruf als Bildungsobjekt
In Deutschland ist die duale Berufsausbildung mit den Lernorten Schule und Betrieb weit verbreitet. Dieses System, welches dem Beruf einen hohen Stellenwert zumisst, wird seit vielen Jahren diskutiert.
Eduard Spranger formulierte in den 1920er Jahren, dass in der Berufsschulentwicklung der eigentliche schöpferische Punkt der Schulreform seiner Zeit liege und spielte damit auf die Entstehung des dualen Ausbildungssystems mit den Faktoren Betrieb und begleitende Teilzeit-Schule an. Hieraus entwickelte sich der kulturpädagogische Ansatz, welcher auf die neuhumanistische Bildungsidee Wilhelm von Humboldts aufbaute. Dieser Ansatz beinhaltet zwei Prämissen. Zum einen die Einbeziehung der Kulturleistungen der Technik und der Wirtschaft in die Bildung und zum anderen die Überlegung, dass sich an die grundlegende Bildung zunächst die Berufsbildung anschließt und erst aus dieser die eigentliche Allgemeinbildung erwächst (vgl. Kutscha, 2003, S. 337 f). Der Leitgedanke Sprangers, dass der Weg zu der höheren Allgemeinbildung nur über den Beruf führen kann, stimmt mit der Bildungsidee nach Humboldt überein, sofern man berücksichtigt, dass auch für Spranger die grundlegende, im humboldtschen Sinne allgemeine, Bildung die Grundlage für eine anschließende berufliche bzw. spezielle Bildung bildet und für diese allgemeine Bildung die formale Dimension als Bildung der Menschlichen Kräfte unverzichtbar ist (vgl. ebd., S. 338 f).
In Deutschland stellt das duale Ausbildungssystem den Übergang zwischen Ausbildung und Beschäftigung durch ein System definierter Ausbildungsberufe her. Diese Ausbildungsberufe orientieren sich an bestimmten Kriterien, die in ihrer Summe das Berufsprinzip repräsentieren und in dem Berufsbildungsgesetz von 1969 festgesetzt wurden. Das Berufsbildungsgesetz legt die Dauer sowie die inhaltlichen Rahmenbedingungen der staatlich anerkannten Ausbildungsberufe fest. Die dort festgelegten Standards sind die Vermittlung einer breit angelegten beruflichen Grundbildung, die vermittlung der notwendigen fachlichen Fertigkeiten und Kenntnisse, die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit befähigen, die Durchführung der Ausbildung in einem geordneten Ausbildungsgang und schließlich der Erwerb der erforderlichen Berufserfahrung (vgl. Brötz, 2005, S. 90 f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema der Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
2. Bildungsbegriff und Bildungstheorien: Historische Herleitung des Bildungsbegriffs und Darstellung klassischer Theorien, insbesondere bei von Humboldt und Klafki.
3. Die Bedeutung des Berufs in der beruflichen Bildung: Untersuchung des Berufsbegriffs und dessen Wandel zum Bildungsobjekt im dualen System.
4. Die Entwicklung des Nachhaltigkeitsgedanken: Definition nachhaltiger Entwicklung und Vorstellung des Konzepts der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
5. Die Übertragung der BNE auf die berufliche Bildung: Verknüpfung der Bildungstheorien mit den Anforderungen an eine nachhaltige berufliche Ausbildung.
6. Problemstellungen bei der Einführung des Nachhaltigkeitsaspekts in die berufliche Bildung: Analyse der Herausforderungen und Hindernisse bei der Integration in bestehende Wirtschaftsstrukturen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit einer nachhaltigen Ausrichtung der beruflichen Bildung für eine zukunftsfähige Wirtschaft.
Schlüsselwörter
Berufliche Bildung, Nachhaltige Entwicklung, BNE, Bildungstheorie, Duales System, Wilhelm von Humboldt, Wolfgang Klafki, Berufsbegriff, Qualifikation, Nachhaltigkeit, Didaktik, Bildungsbegriff, Berufsprinzip, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Integration des Nachhaltigkeitsaspekts in die berufliche Bildung und untersucht, wie berufliche Bildung zukunftsfähig gestaltet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die theoretischen Grundlagen des Bildungsbegriffs, das duale Ausbildungssystem in Deutschland sowie die Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ökologische und gesellschaftliche Verantwortung durch eine Anpassung der beruflichen Bildungsinhalte in der Praxis umgesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die auf Basis einschlägiger pädagogischer und bildungswissenschaftlicher Standardwerke (u.a. von Humboldt, Klafki, Kutscha) argumentiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Bildungsbegriffs, die Analyse des Berufs als Bildungsobjekt und die Übertragung von Nachhaltigkeitsstrategien auf berufliche Lernprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Berufliche Bildung, Nachhaltigkeit, BNE, Bildungstheorie, Duales System und Kompetenzentwicklung.
Welche Rolle spielt Wilhelm von Humboldt für die Argumentation?
Humboldt dient als theoretisches Fundament, um Bildung als Selbstbestimmung des Menschen zu definieren und diese mit der heutigen Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung zu verknüpfen.
Welches Dilemma wird bei der Einführung von Nachhaltigkeit identifiziert?
Es besteht ein Spannungsfeld zwischen der Forderung nach nachhaltiger Rationalität und den ökonomischen Zwängen des aktuellen Beschäftigungssystems.
Welche Bedeutung hat das duale Ausbildungssystem in diesem Kontext?
Das duale System wird sowohl als bewährtes Modell der Qualifizierung als auch als potenzieller Anknüpfungspunkt für die didaktische Integration nachhaltiger Inhalte betrachtet.
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- Christoph Mikat (Author), 2019, Wie kann die Nachhaltigkeit in die berufliche Bildung integriert werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1163783