Ein Hausherr, der nicht in Zorn gerät, als ihm ein Feind Unkrautsamen auf das treu
gehütete Weizenfeld sät, der es seinen engagierten Knechten untersagt, das Unkraut
zu jäten und damit seinen Ernteertrag aufs Spiel setzt, und der schließlich erst zur
Erntezeit durch seine Erntehelfer das Unkraut sammeln und bündeln lässt, um es
letztlich zu verbrennen. Diese Geschichte will verstören. Aber warum will ein
gleichniserzählender Jesus auf diese Weise irremachen? Und warum erhalten nur die
Jünger eine Aufschlüsselung der Gleichnismetaphern? Und was hilft eine Deutung,
die selbst wieder in Bildern spricht und somit auslegungsbedürftig bleibt? Ist die
Antwort auf diese Fragen in der Person des historischen Jesus zu finden oder in der
Theologie bzw. Christologie eines Matthäus, dem das markinische Gleichnis „Vom
Wachsen der Saat“ zu dünn war?
Biblische Texte geben zu lernen. Den Gleichnissen muss als Kernstück
neutestamentlicher Rede von Gott eine Sonderstellung zuerkannt werden, weshalb sie
bis heute überall dort, wo christlicher Glaube thematisiert wird – somit auch im
christlichen Religionsunterricht – nicht fehlen dürfen und auch dort ihren Lernort
haben.
„Die Gleichnisse Jesu geben auch heute noch Orientierung. Mehr noch, sie geben zu
denken, fordern heraus, sie sprechen an.“
Diese Arbeit fragt nach der redaktionellen Bearbeitung des Textes (Kap. 2.1), der
Entstehungssituation (Kap. 2.2) sowie nach der sprachlichen Gestalt (Kap. 3), um
davon ausgehend Rückschlüsse auf Glaubensaussagen und Intention des Gleichnisses
im Rahmen seiner matthäischen Deutung (Mt 13,36-43) zu ziehen. Ist zu klären,
woran der historische Jesus, der Evangelist bzw. die matthäische Gemeinde glaubte?
Dass und inwiefern dieses Gleichnis für SuS (Schülerinnen und Schüler) der
Postmoderne relevant sein will, werden kann und sogar muss, ist im Anschluss im
Rahmen eines unterrichtlichen Impulses darzulegen (Kap. 4).
Inhaltsverzeichnis
- Hinführung
- Fragehorizont und Aufbau der Arbeit
- Einordnung des Textes in den Zusammenhang des Evangeliums
- Historische Analyse
- Quellen- und Redaktionskritik
- Historischer Kontext
- Sprachliche Analyse
- Gliederung und Struktur des Gleichnisses
- Semantische Analyse zentraler Begriffe
- Formkritik
- Funktion und Intention des Gleichnisses
- Unterrichtlicher Impuls zum Gleichnis
- Fazit
- Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Gleichnis „Vom Unkraut unter dem Weizen“ (Mt 13,24-30) mit dem Ziel, die redaktionelle Bearbeitung des Textes, die Entstehungssituation sowie die sprachliche Gestalt zu analysieren und Rückschlüsse auf Glaubensaussagen und Intention des Gleichnisses im Rahmen seiner matthäischen Deutung (Mt 13,36-43) zu ziehen.
- Die Rolle der Quellen- und Redaktionskritik bei der Analyse des Gleichnisses
- Der historische Kontext des Gleichnisses und seine Relevanz für die Interpretation
- Die sprachliche Struktur und Semantik des Gleichnisses
- Die Funktion und Intention des Gleichnisses im Kontext der matthäischen Lehre
- Die Relevanz des Gleichnisses für den Unterricht in der Postmoderne
Zusammenfassung der Kapitel
- Hinführung: Diese Einleitung präsentiert den Fragehorizont der Arbeit und skizziert den Aufbau. Sie stellt das Gleichnis „Vom Unkraut unter dem Weizen“ vor und verdeutlicht die zentrale Frage nach der Intention des Gleichnisses sowie der Rolle der matthäischen Deutung.
- Historische Analyse: Dieses Kapitel befasst sich mit der Quellen- und Redaktionskritik des Gleichnisses und untersucht den historischen Kontext. Es wird die Frage nach der Authentizität des Gleichnisses und der möglichen Einflussnahme des Evangelisten Matthäus behandelt.
- Sprachliche Analyse: Dieses Kapitel analysiert die sprachliche Struktur des Gleichnisses, untersucht die Semantik zentraler Begriffe und befasst sich mit der Formkritik. Es werden Überlegungen zur Funktion und Intention des Gleichnisses im Rahmen seiner matthäischen Deutung angestellt.
- Unterrichtlicher Impuls zum Gleichnis: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Relevanz des Gleichnisses für den Unterricht in der Postmoderne und zeigt auf, wie es für Schülerinnen und Schüler relevant sein kann und sogar muss.
Schlüsselwörter
Die zentralen Schlüsselwörter dieser Arbeit sind: Gleichnis, Unkraut, Weizen, Matthäusevangelium, Redaktionskritik, Historischer Kontext, Semantische Analyse, Formkritik, Funktion, Intention, Unterricht, Postmoderne.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern des Gleichnisses 'Vom Unkraut unter dem Weizen'?
Es beschreibt einen Hausherrn, der einen Feind Unkraut säen lässt, aber das Jäten bis zur Ernte untersagt, um den Weizen nicht zu gefährden. Am Ende wird das Unkraut verbrannt und der Weizen gesammelt.
Warum wird das Gleichnis als 'verstörend' bezeichnet?
Die Untätigkeit des Hausherrn gegenüber dem Feind und das Verbot, das Unkraut sofort zu entfernen, widersprechen herkömmlichem Handeln und fordern zum Nachdenken über Gottes Geduld heraus.
Was ist die matthäische Deutung des Gleichnisses?
In Mt 13,36-43 wird das Gleichnis allegorisch aufgelöst: Der Menschensohn sät den guten Samen, der Acker ist die Welt, und die Ernte ist das Ende der Weltzeit.
Was ist der Unterschied zum markinischen Gleichnis 'Vom Wachsen der Saat'?
Matthäus erweitert die Thematik um den Konflikt mit dem Bösen (Unkraut) und das endzeitliche Gericht, was über das bloße organische Wachstum bei Markus hinausgeht.
Welche Relevanz hat das Gleichnis für den heutigen Religionsunterricht?
Es bietet Anknüpfungspunkte für Fragen nach dem Umgang mit dem "Bösen" in der Welt und der Spannung zwischen menschlichem Handlungsdrang und göttlichem Zeitplan.
- Arbeit zitieren
- Janina Pfaffner (Autor:in), 2008, Exegese - Das Gleichnis „Vom Unkraut unter dem Weizen“ Mt 13,24-30 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116404