Exegese - Das Gleichnis „Vom Unkraut unter dem Weizen“ Mt 13,24-30


Seminararbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Hinführung
1.1 Fragehorizont und Aufbau der Arbeit
1.2 Einordnung des Textes in den Zusammenhang des Evangeliums

2 Historische Analyse
2.1 Quellen- und Redaktionskritik
2.2 Historischer Kontext

3 Sprachliche Analyse
3.1 Gliederung und Struktur des Gleichnisses
3.2 Semantische Analyse zentraler Begriffe
3.3 Formkritik
3.4 Funktion und Intention des Gleichnisses

4 Unterrichtlicher Impuls zum Gleichnis

5 Fazit

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Hinführung

1.1 Fragehorizont und Aufbau der Arbeit

Ein Hausherr, der nicht in Zorn gerät, als ihm ein Feind Unkrautsamen auf das treu gehütete Weizenfeld sät, der es seinen engagierten Knechten untersagt, das Unkraut zu jäten und damit seinen Ernteertrag aufs Spiel setzt, und der schließlich erst zur Erntezeit durch seine Erntehelfer das Unkraut sammeln und bündeln lässt, um es letztlich zu verbrennen. Diese Geschichte will verstören.1 Aber warum will ein gleichniserzählender Jesus auf diese Weise irremachen? Und warum erhalten nur die Jünger eine Aufschlüsselung der Gleichnismetaphern? Und was hilft eine Deutung, die selbst wieder in Bildern spricht und somit auslegungsbedürftig bleibt? Ist die Antwort auf diese Fragen in der Person des historischen Jesus zu finden oder in der Theologie bzw. Christologie eines Matthäus, dem das markinische Gleichnis „Vom Wachsen der Saat“ zu dünn war? Biblische Texte geben zu lernen. Den Gleichnissen muss als Kernstück neutestamentlicher Rede von Gott eine Sonderstellung zuerkannt werden, weshalb sie bis heute überall dort, wo christlicher Glaube thematisiert wird – somit auch im christlichen Religionsunterricht – nicht fehlen dürfen und auch dort ihren Lernort haben.

„Die Gleichnisse Jesu geben auch heute noch Orientierung. Mehr noch, sie geben zu denken, fordern heraus, sie sprechen an.“2

Diese Arbeit fragt nach der redaktionellen Bearbeitung des Textes (Kap. 2.1), der Entstehungssituation (Kap. 2.2) sowie nach der sprachlichen Gestalt (Kap. 3), um davon ausgehend Rückschlüsse auf Glaubensaussagen und Intention des Gleichnisses im Rahmen seiner matthäischen Deutung (Mt 13,36-43) zu ziehen. Ist zu klären, woran der historische Jesus, der Evangelist bzw. die matthäische Gemeinde glaubte? Dass und inwiefern dieses Gleichnis für SuS (Schülerinnen und Schüler) der Postmoderne relevant sein will, werden kann und sogar muss, ist im Anschluss im Rahmen eines unterrichtlichen Impulses darzulegen (Kap. 4).

1.2 Einordnung des Textes in den Zusammenhang des Evangeliums

Mancher Neutestamentler hat sich bemüht, dem MtEv einen Aufbau nachzuweisen, der bereits Rückschlüsse auf matthäische Christologie zulässt. Feldmeier erklärt diese Versuche zwar für müßig und konstruiert, jedoch ist in jedem Fall festzumachen, dass Matthäus klare Schwerpunkte setzt und so seine Jesusüberlieferung systematisiert.3 Typische matthäische Akzente finden sich in seinen fünf Reden, in deren Mitte – so doch eine ringförmige Anordnung sämtlichen Stoffes im MtEv angenommen wird – sich Mt 13 mit der Gleichnisrede befindet. Ob und inwiefern die Gleichnisse in diesem Kapitel insofern auch das zu untersuchende Gleichnis „Vom Unkraut unter dem Weizen“ mit seiner Deutung tatsächlich das Zentrum matthäischer Lehre darstellen, bleibt zu zeigen. Luz bezeichnet die Gleichnisrede in Mt 13 nicht als Zentrum matthäischer Verkündigung, sondern als Unterbrechung des Großzusammenhangs von Mt 12,1-16,20, in dem für ihn die Entstehung der Jüngergemeinschaft geschildert wird. Dennoch weist auch er Matthäus` Zusammenstellung von sieben Gleichnissen in der Beschreibung der Jüngergemeinschaft eine besondere Funktion zu.4 Diese trete besonders durch die narrativ angezeigte und dadurch deutlich erkennbare Zweiteilung der Rede hervor. In Mt 13,36 lässt Jesus die Volksmenge gehen, die ihm zuvor am Seeufer gelauscht hat und zieht sich in die Intimität des Kreises seiner Jünger zurück. Was nun folgt ist gezielte Jüngerunterweisung. Da gerade das Unkrautgleichnis diesen narrativen Bogen schlägt, erhält die Tatsache, dass das Volk nur das Gleichnis, die Jünger aber eine allegorisierende Deutung zu hören bekommen, gerade für die zu untersuchende Textstelle theologischen Gehalt.

Im Folgenden ist für das Gleichnis nach dem Sitz im Leben innerhalb der matthäischen Gemeinde bzw. in der geistlichen Umgebung des Evangelisten zu fragen, um im Anschluss an die Untersuchung der Form und jesustypischer Rede Überlegungen zu Funktion und Intention des Gleichnisses anstellen zu können.

2 Historische Analyse

2.1 Quellen- und Redaktionskritik

Hat Jesus das Gleichnis „Vom Unkraut unter dem Weizen“ so erzählt, hat er es sich ausgedacht oder von älteren Überlieferungen her übernommen? Oder stammt es gar aus der Feder eines Evangelisten? Bereits an dieser Frageweise wird ein markantes Problem der Quellen- und Redaktionskritik im Allgemeinen offenbar: Selbst wenn angenommen wird, dass es über Gleichnisse besser möglich ist, dem historischen Jesus nahe zu kommen als über andere Texte des NT, stellt der Schritt von der mündlichen Erzählung Jesu hinein die Literalität, d.h. in die schriftliche Fixiertheit die rückwärtsgewandte Quellenforschung vor die schwierige Aufgabe, mögliche mündliche Überlieferungsformen wieder auszugraben.5 Immerhin liegen zwischen Jesu Reden und dem Schreiben der Evangelien mindestens 40 Jahre.6 In einer solchen Zeitspanne kann viel geschehen, das sich auf deutungspotente Texte mündlicher Überlieferung wie die Gleichnisse auswirkt und sie beeinflusst.

Da Mt-, Mk- und LkEv in weiten Teilen nicht nur inhaltlich, sondern stellenweise sogar wörtlich übereinstimmen, wird generell von einer gemeinsamen literarischen Abhängigkeit (sowohl des LkEv als auch des MtEv vom älteren MkEv sowie von der sog. Logien- oder Spruchquelle) ausgegangen, die in der Zwei-Quellen-Theorie ihren Niederschlag findet.7 Zimmermann bejaht eindeutig die Frage, ob der historische Jesus Gleichnisse erzählt habe. Er glaubt dennoch nicht, dass es einwandfrei möglich ist, herauszufinden, welcher Wortlaut von diesem gleichniserzählenden Jesus stammt.8 In solchem Sinne, dass „die Suche nach dem authentischen Jesusgleichnis ...

im Ansatz verfehlt“9 ist, beschränkt sich diese Arbeit darauf, wie ein Evangelist das überlieferte Gleichnis zunächst einmal so wahrzunehmen, wie es vorliegt und in einem nächsten Schritt zu fragen, was es wirkungsgeschichtlich betrachtet verschiedenen Menschen (wie dem Evangelisten des MtEv selbst) bedeutet hat und was es heute bedeuten kann und will. Insofern sind Erweiterungen, Auslegungen und Veränderung nicht als verfälschender Ballast zu beurteilen, sondern als Möglichkeit, zu erkennen, dass und in welcher Weise Jesu Worte zum einem interpretationsbedürftig sind und bleiben und zum anderen davon zeugen, wie Jesu Worte in jede Zeit und Situation verschieden hineinwirken. Die Forschung erfasst den Bereich mit diesem Fragehorizont mit dem Begriff der Wirkungsgeschichte.10

In Bezug auf die zu untersuchende Textstelle fällt bei Matthäus im Vergleich mit Markus auf, dass wie bei diesem nach der Perikope über „Jesu wahre Verwandte“ (Mt 13,1-52; Mk 4,1-34) eine Zusammenstellung von Gleichnissen folgt, die die Evangelisten als zusammenhängende Rede Jesu darstellen. Für Matthäus scheint es dabei von Bedeutung zu sein, eine Siebenzahl zu erreichen. Innerhalb der matthäischen Rede nimmt das Gleichnis „Vom Unkraut unter dem Weizen“ die Position ein, die bei Markus das Gleichnis „Vom Wachsen der Saat“ (Mk 4,26-29) innehat11, jedoch weisen beide nur eine oberflächliche, d.h. in diesem Falle inhaltliche Ähnlichkeit auf der Bildebene (Bauer, Saat, Wachsen, Ernte) auf. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass das Matthäus-Gleichnis nicht einfach als redigierte Fassung des markinischen zu betrachten ist. Es ist nicht einmal eine Interpretation, sondern nutzt allenfalls das Bildmaterial, um einen ganz eigenen Schwerpunkt zu setzen. Geht es Markus noch darum, dass der Wachstumsprozess sowie der Ertrag nicht im Machtbereich des Säenden liegen, so will Matthäus zeigen, durch welche Faktoren die Ernte zwar beeinflusst wird, dass es aber nicht im Ermessen und Machtbereich des Menschen liegt, diese Faktoren zu beeinflussen. Diesen Kern legt zumindest die evangeliumsinterne Deutung (Mt 13,36-43) nahe, die in der Regel Matthäus selbst zugeschrieben wird. Der Zwei-Quellen-Theorie dennoch folgend muss also gefragt werden, warum Matthäus sich gegen die durch den Evangelisten vorgefundene markinische Gleichnispräsentation und sogar für eine deutliche Akzentverschiebung entscheidet.

Finden wir bei den anderen Synoptikern keine wirklich eindeutige Parallelstelle, so zeigt die Synopse zwischen Matthäus- und Thomasevangelium klare Gemeinsamkeiten der entsprechenden Perikopen (Mt 13,24-30; EvThom Log 57).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1213

[...]


1 Gegen: P. v. Gemünden, Ausreißen oder wachsen lassen? Mt 13,24-30.36-43. In: R. Zimmermann (Hg.), Kompendium der Gleichnisse Jesu. Gütersloh 2007, S. 410.

2 R. Zimmermann (Hg.), Kompendium der Gleichnisse Jesu. Gütersloh 2007, S. 2.

3 Vgl. R. Feldmeier, Das Matthäusevangelium. In: K.-W. Niebuhr (Hg.), Grundinformation Neues Testament. Göttingen ²2003, S. 76.

4 Vgl. U. Luz, Die Jesusgeschichte des Matthäus. Neukirchen-Vluyn ²2008, S. 100.

5 Gerade bei der Suche nach den ursprünglichen Jesusworten, ist dieses Bedürfnis, Jesus vom dogmatischen Ballast zu befreien, nicht zu unterschätzen und erklärt das – auch derzeit nicht enden wollende – Interesse an apokryphen Evangelien sowie das aufmerksame Verfolgen der Logienquellenforschung.

6 Vgl. R. Zimmermann 2007, S. 4.

7 Näheres dazu: Vgl. H. Conzelmann/ A. Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament. Tübingen ¹¹1995, S. 70f; R. Feldmeier 2003, S. 83f.

8 Vgl. R. Zimmermann 2007, S. 4.

9 Ebd.

10 Dazu später mehr: Vgl. Kap. 3.4 dieser Arbeit.

11 Das zu untersuchende Gleichnis wird trotz der Nähe zu anderen Saat-Ernte-Gleichnissen zum matthäischen Sondergut gerechnet.

12 Zit. nach: K. Aland (Hg.), Synopse der Vier Evangelien. Griechisch-Deutsche Ausgabe. Stuttgart 1989, S. 117.

13 R. Nordsieck, Das Thomas-Evangelium. Neukirchen-Vluyn ²2004, S. 225.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Exegese - Das Gleichnis „Vom Unkraut unter dem Weizen“ Mt 13,24-30
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie Abteilung Theologie)
Veranstaltung
Grundkurs Neues Testament
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V116404
ISBN (eBook)
9783640184552
ISBN (Buch)
9783640184613
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine gut angelegte, selbstständig durchgeführte und auch in sachlicher Hinsicht korrekte Arbeit mit vielen guten eigenen Überlegungen.
Schlagworte
Exegese, Gleichnis, Unkraut, Weizen“, Grundkurs, Neues, Testament, synoptischer Vergleich
Arbeit zitieren
Janina Pfaffner (Autor), 2008, Exegese - Das Gleichnis „Vom Unkraut unter dem Weizen“ Mt 13,24-30 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116404

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