Supply Chain Risikomanagement durch Einführung der Blockchain Technologie


Bachelorarbeit, 2020

58 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

3. Grundlagen der Supply Chain
3.1. Traditionelle Lieferkette
3.2. Supply Chain
3.2.1. Definition der Supply Chain
3.2.2. Supply Chain als Liefernetzwerk
3.3. Flüsse entlang einer Supply Chain
3.3.1. Materialfluss
3.3.2. Informationsfluss
3.3.3. Finanzfluss

4. Grundlagen des Risikomanagements
4.1. Definition des Risikomanagements
4.2. Supply Chain Risikomanagement
4.3. Supply Chain Risiken
4.3.1. Klassifizierung von Risiken
4.3.2. Wirkung von Supply Chain Risiken

5. Grundlagen der Blockchain
5.1. Distributed-Ledger-Technologie
5.2. Prinzip der Blockchain
5.3. Arten der Blockchain
5.3.1. Öffentliche Blockchain
5.3.2. Private Blockchain
5.4. Kryptographie
5.4.1. Hash-Verfahren
5.4.2. Merkle-Trees
5.4.3. Digitale Signaturen
5.5. Konsensalgorithmen
5.5.1. Proof of Work
5.5.2. Proof of Stake
5.5.3. Proof of Authority
5.5.4. Practical Byzantine Fault Tolerance
5.6. Technologien der Blockchain
5.6.1. Smart Contracts
5.6.2. Internet of Things
5.6.3. Künstliche Intelligenz

6. Supply Chain Risikomanagement durch die Einführung der Blockchain Technologie
6.1. Mögliche Risiken entlang einer Supply Chain
6.1.1. Materialfluss
6.1.2. Informationsfluss
6.1.3. Finanzfluss
6.2. Risikoreduzierung durch Blockchain-Technologie
6.2.1. Materialfluss
6.2.2. Informationsfluss
6.2.3. Finanzfluss
6.3. Anwendungsbeispiel Corona-Virus (Covid-19)
6.3.1. Risiken im Materialfluss
6.3.2. Risiken im Informationsfluss
6.3.3. Risiken im Finanzfluss
6.3.4. Implementierung der Blockchain in den Materialfluss
6.3.5. Implementierung der Blockchain in den Informationsfluss
6.3.6. Implementierung der Blockchain im Finanzfluss

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Klassische Lieferkette

Abbildung 2 Lieferkette im modernen Wertschöpfungsnetzwerk

Abbildung 3 Flüsse entlang einer Lieferkette

Abbildung 4 Schritte des Risikomanagements

Abbildung 5 Wirkungsphasen eines Supply Chain Risikos.

Abbildung 6 Centralized Ledger und Distributed Ledger

Abbildung 7 Vereinfachte Darstellung der Blockchain

Abbildung 8 Hash-Baum

Abbildung 9 Digitale Signaturen

Abbildung 10 Aktuelle Lieferkette

Abbildung 11 Blockchain basierte Lieferkette

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Unterschiede zwischen privater und öffentlicher Blockchain

Tabelle 2 SHA256 funktionsweise

Abkürzungsverzeichnis

SCRM Supply Chain Risikomanagement

DLT Distributed Ledger Technologie

IoT Internet of Things

JIT Just-In-Time

P2P Peer-to-Peer-System

PoA Proof of Authority

PoS Proof of Stake

PoW Proof of Work

RFID Radio Frequency Identification

Vgl Vergleiche

z.B. zum Beispiel

1. Einleitung

Die Industrie 4.0 ist mittlerweile mehr als nur eine Theorie. Die Digitalisierung der Industrie durch Elektronik und Informationstechnik zur automatisierten Produktion begann mit der Industrie 4.0. Unternehmen haben immer mehr das Ziel ihre Wertschöpfungsketten zu optimieren, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Es entstehen Unterschiedliche Rahmenbedingungen, wie die zunehmende Globalisierung und die Verkürzung der Produktlebenszyklen. Durch die Vernetzung von Maschinen, Menschen und dem Internet entstehen immer wieder neue Risiken für die Industrie. Solche Risiken führen nicht nur zu Schäden bei dem betroffenen Unternehmen, sie führen auch zum weiteren Eintritt von Risiken in der Lieferkette. Dadurch entstehen hohe Anforderungen bei Unternehmen, sowie bei den Kunden im Hinblick auf den Datenschutz und die Sicherheit der Systeme.1

Die Blockchain ist eine passende Technologie für solche Zusammenhänge. Sie wird als eine Lösung für Herausforderungen, Probleme und Risiken in der Zukunft angesehen. Immer mehr und mehr gewinnt die Blockchain-Technologie an Bedeutung. Anfangs wurde diese Technologie nur als Peer-to-Peer Überweisungssystem genutzt, welche vom Bitcoin bekannt ist. Durch die P2P Technologie werden zentrale Autoritäten ersetzt und es kommt zu sichereren Transaktionen. Die Blockchain ist ein wichtiger Faktor in der Logistik, da es dort zu sehr vielen Transaktionen zwischen Kunden, Unternehmen und Zulieferern kommt. Durch die Globalisierung der Wirtschaft werden die Lieferketten der Unternehmen immer länger. Dies führt zu Problemen, Störungen und Herausforderungen in der Lieferkette. Um solche Probleme zu vermeiden, ist ein funktionierendes Risikomanagement, welches sich nicht nur auf das eigene Unternehmen fokussiert, sondern auch auf die komplette Supply Chain, sehr bedeutsam. In den letzten Jahren hat die Logistik deshalb die Blockchain-Technologie für sich entdeckt, um aufkommende Risiken eventuell zu beheben, oder die Wahrscheinlichkeit des Auftretens so gering wie möglich zu halten. Diese Technologie beinhaltet sehr viel Potential für die Zukunft, denn Blockchain-Applikationen können in der Zukunft komplexe Prozesse automatisieren, welche derzeit manuell betrieben werden. Dazu zählen automatisierte Rechnungsabwicklungen oder intelligente Verträge.2 Es wird schnell erkannt welche Möglichkeiten überhaupt die Blockchain und damit koppelbare Systeme wie Smart Contracts oder das Internet of Things bieten. Im Hinblick auf diese Ansätze in der Industrie wird deutlich welch große Möglichkeiten die Einführung einer Blockchain-Applikation für die Logistik bietet.

2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Das Ziel dieser Thesis ist die Analyse des Supply Chain Risikomanagements durch die Einführung der Blockchain-Technologie. Lieferketten sollen komplett digitalisiert werden, mit so wenig Risiken wie möglich. Ziel ist es Lösungen durch die Blockchain-Technologie zu finden, die Risiken in einer Supply Chain minimieren können. Hierzu werden die Merkmale der Supply Chain, des Risikomanagements und die technischen Eigenschaften der Blockchain dargestellt, um zu zeigen, welche Möglichkeiten sich zur Risikominimierung bieten.

Im folgenden Kapitel der Bachelorarbeit gibt es eine Einführung in die Grundlagen der Supply Chain. Hierzu wird die traditionelle Lieferkette und die Supply Chain als Netzwerk erläutert, um die gewissen Unterschiede zu verdeutlichen. Daraufhin werden die drei Flüsse entlang einer Supply Chain beschrieben, da im Hauptteil auf diese zurückgegriffen wird.

Im nächsten Abschnitt werden die Grundlagen des Risikomanagements dargestellt. Dafür wird Anfangs das Risikomanagement an sich definiert. Anschließend wird das Supply Chain Risikomanagement erläutert, da dieses, explizite Aufgaben hat und sich vom allgemeinen Risikomanagement unterscheidet. Um einen Einblick in die Risiken zu verschaffen, werden zum Ende von Abschnitt vier Supply Chain Risiken dargestellt, in dem diese klassifiziert werden und deren Wirkungsphasen erläutert werden.

Im fünften Abschnitt erfolgt eine Einführung in die Blockchain-Technologie. Hierzu wird am Anfang die Grundlage der Blockchain, die Distributed Ledger Technologie erklärt. Daraufhin wird das Prinzip der Blockchain erläutert, um die Funktionsweise darzustellen und für ein besseres Verständnis zu sorgen. Im Anschluss werden die zwei unterschiedlichen Arten der Blockchain zusätzlich ihrer Eigenschaften erklärt. Da die Blockchain auf Kryptographie basiert, werden danach drei verschiedene Verschlüsselungsverfahren der Blockchain-Technologie nähergebracht. Zur Überprüfung der Richtigkeit gibt es vier verschiedene Konsensalgorithmen die, die Blockchain benutzt. Nach den Verschlüsselungsverfahren werden diese zugrunde gelegt. Zum Ende werden die Technologien der Blockchain Smart Contracts, Internet of Things und die künstliche Intelligenz erörtert, da diese einen wichtigen Punkt im Einsatz der Blockchain in der Supply Chain spielen.

Im Hauptteil der Thesis wird das Supply Chain Risikomanagement durch die Einführung der Blockchain-Technologie analysiert. Es soll dargestellt werden, wie Risiken in einer Supply Chain durch die Einführung der Blockchain minimiert werden. Als erstes werden mögliche Risken innerhalb einer Supply Chain beschrieben. Dafür wird auf die drei Flüsse entlang der Supply Chain eingegangen, um die möglichen Risiken zu verdeutlichen. Daraufhin wird die Risikoreduzierung durch die Blockchain-Technologie beschrieben. Hierfür werden wieder die drei Flüsse analysiert, wie die Blockchain sinnvoll implementiert und angewendet werden kann, um die Risiken vom vorherigen Abschnitt zu minimieren oder komplett abzuschaffen. Zum Abschluss des Hauptteils wird das Anwendungsbeispiel Corona-Virus untersucht. Hier werden die Risiken und Engpässe, welche durch den Virus entstanden sind, wieder anhand der drei Flüsse erklärt und dargestellt. Daraufhin Implementierungsmöglichkeiten der Blockchain analysiert, welche diese Risiken im Vorhinein oder während der Krise vermieden oder minimiert hätten. Dies soll die Potentiale und Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie im Supply Chain Risikomanagement anhand eines realen Beispiels verdeutlichen.

Im Fazit werden die Lösungsmöglichkeiten zusammengefasst und es wird auf die gewonnenen Eindrücke unter Berücksichtigung der Zielsetzung eingegangen.

3. Grundlagen der Supply Chain

In diesem Abschnitt wird die Supply Chain definiert. Die dazugehörenden Bestandteile wie die drei Flüsse in der Supply Chain werden erläutert. Darüber hinaus werden klassische Lieferketten und moderne Liefernetzwerke erläutert und es wird auf deren Unterschiede eingegangen.

3.1. Traditionelle Lieferkette

Eine typische Lieferkette wie gezeigt in Abbildung 1 ist eine Kette, die beim Lieferanten anfängt und beim Kunden aufhört. Innerhalb der Lieferkette befindet sich die Beschaffung, die Produktion und der Absatzmarkt. Bei traditionellen Lieferketten sind die Teilnehmer vom gesamten System ausgeschlossen und isoliert. Dies hat zur Bedeutung, dass bei jedem einzelnen Teilnehmer der Lieferkette, Entscheidungen bezüglich der Beschaffung, Produktion und Absatz getroffen werden, ohne die komplette Kette in Betracht zu ziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Klassische Lieferkette. Chen und Paulraj (2004)

3.2. Supply Chain

3.2.1. Definition der Supply Chain

Der Begriff „Supply Chain“ wird meist unterschiedlich definiert. Klar ist, dass Supply Chain ein Netzwerk aus mehreren Unternehmen darstellt, die durch Flüsse miteinander verbunden sind. Die Supply Chain besitzt das Ziel, eine Dienstleistung, einen Service oder ein Produkt für den Endkunden fertigzustellen.3

Die Supply Chain beinhaltet alle Prozesse zwischen Rohstofflieferanten und Endkunden. Diese Kette ist aus Unternehmen aufgebaut, die an der Entwicklung, Erstellung und Lieferung der Produkte oder Dienstleistungen beteiligt sind. Zwischen all diesen Mitgliedern der Kette kommt es neben dem Materialfluss zum Informations- und Finanzfluss.4

Es ist möglich Supply Chains nach ihrem Komplexitätsgrad zu unterscheiden:

- Direkte Supply Chain: Diese Art der Supply Chain beinhaltet ein Unternehmen und seine direkten Partner, welche aus direkten Zulieferern und direkten Kunden besteht.
- Erweiterte Supply Chain: Der Unterschied dieser Art zu der direkten Supply Chain ist, dass diese zusätzlich noch die Zulieferer der Zulieferer und die Kunden der Kunden einbezieht.
- Ultimative Supply Chain: Die Ultimative Supply Chain involviert zusätzlich zur erweiterten Supply Chain alle am Material-, Informations- und Finanzfluss integrierten Unternehmen.5

3.2.2. Supply Chain als Liefernetzwerk

Oft wird erwähnt, dass die Supply Chain keine Lieferkette ist, dessen Beginn beim Zulieferer und Ende beim Kunden ist. Im Wesentlichen handelt es sich um ein Netzwerk, welches Lieferanten, Produzenten, Logistiker, Händler und Kunden zu einem System verbindet. Zusätzlich beinhaltet dieses Netzwerk die Material-, Informations- und Finanzflüsse zwischen den einzelnen Faktoren.6 Der Kunde besitzt in diesem Netzwerk die Hauptrolle. Das komplette Liefernetzwerk ist vom Kunden abhängig, da der Kunde das Netzwerk steuert. Die Steuerung gelingt dem Kunden, indem er Dienstleistungen und Produkte von mehreren verschiedenen Anbietern anfragt. Die Lieferanten hingegen passen ihre Leistungen an und implementieren diese an die passenden Stellen des Netzwerkes.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Lieferkette im modernen Wertschöpfungsnetzwerk. Gothaer (2016)

Mit der Abbildung 2 wird ein sehr wichtiger Unterschied zwischen einem Liefernetzwerk und einer Lieferkette verdeutlicht. In einem Liefernetzwerk wird im Gegensatz zur Lieferkette jedes Individuum, welches sich in dem Prozess befindet, miteinander vernetzt. Dadurch berücksichtigt das Liefernetzwerk, dass Lieferanten der Lieferanten zugleich Lieferanten der Kunden oder auch Endkunden sein können.8

3.3. Flüsse entlang einer Supply Chain

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Flüsse entlang einer Lieferkette. Eigene Darstellung (2020)

Abbildung 2 stellt die einzelnen Flüsse in einer Supply Chain dar, die nach Material-, Informations- und Finanzflüsse differenziert sind. Die Abbildung veranschaulicht zudem, dass Materialien vom Zulieferer zum Kunden fließen und dabei mehrere Stationen durchlaufen. Im Gegensatz zum Materialfluss fließt der Finanzfluss in die entgegengesetzte Richtung. Der Informationsfluss jedoch fließt in beide Richtungen. Im weiteren Verlauf werden die einzelnen Flüsse genauer beschrieben und es wird erklärt, welche Bedeutung diese für eine Lieferkette besitzen.

3.3.1. Materialfluss

Der Materialfluss beinhaltet alle Prozesse in einem Betrieb, die mit den Aufgaben des Einkaufs, der Produktion und des Vertriebs in Verbindung stehen. Eine der Aufgaben des Materialflusses ist es, die Fertigungs- und Montageeinheiten miteinander zu verbinden. Der Materialfluss bezieht sich nicht nur auf den Transport des Materials, er umfasst auch deren Bearbeitung, Verpackung und Lagerung. Durch die unterschiedlichen Produkte fällt es den Unternehmen sehr schwer, diese zu transportieren und zu lagern. Zur Vermeidung dieses Problems setzen Unternehmen auf die Differenzierung der Produkte in unterschiedliche Kategorien. Verschiedene Eigenschaften der Artikel, wie z.B. Größe, Haltbarkeit oder Zerbrechlichkeit haben einen großen Einfluss auf die Gestaltung des Materialflusses. Die Unterscheidung der Produkte ermöglicht den Unternehmen, die richtigen Transportmittel und Lagerorte zu wählen. Je größer die Produktvielfalt, desto komplizierter wird die Gestaltung des Materialflusses.9

3.3.2. Informationsfluss

Der Informationsfluss stellt die Planung, Steuerung und Überwachung aller Informationen zur Realisierung der Nachfragen über alle Stationen in einer Lieferkette dar. Der Materialfluss benötigt den Informationsfluss, um vervollständigt zu werden. Für eine gut funktionierende Lieferkette ist es von höchster Priorität, dass der Materialfluss und Informationsfluss parallel zueinander verlaufen. Der Informationsfluss fließt in beide Richtungen. Es kann sich um Informationen hinsichtlich der vom Kunden bestellten Produkte oder um Informationen über den Lieferstatus handeln.10

Es ist möglich den Informationsfluss in vier wesentliche Punkte aufzuteilen:

- Vorauslaufender Informationsfluss: Das Einholen des Angebots für das Material
- Begleitender Informationsfluss: Der mit dem Artikel zusammen versendete Lieferschein
- Nachlaufender Informationsfluss: Die Rechnung an den Kunden
- Rücklaufender Informationsfluss: Die Reklamation des Kunden über das Produkt

Es lässt sich hieraus erschließen, dass der Informationsfluss den Materialfluss begleiten, nachfolgen, bestätigen oder ablehnen kann. Für sämtliche Informationen bezüglich der Aufträge und deren Übermittlung und Prozesse spielt der Informationsfluss eine wichtige Rolle. Außerdem ist der Informationsfluss von großer Bedeutung, da durch schnellen Informationsaustausch eine kürzere Reaktionszeit auf dem Markt erwirkt werden kann.11

3.3.3. Finanzfluss

Der Finanzfluss ist, wie zuvor erwähnt, dem Materialfluss entgegengerichtet, da die Bezahlung erst nach der Lieferung der Produkte erfolgt. Dadurch fließen die erzielten Gewinne zurück vom Transport, von der Produktion und bis hin zur Beschaffung. Hierbei handelt es sich um leistungsbezogene Geldflüsse. Generell ist der Finanzfluss im Vergleich zu den anderen Flüssen zeitlich verschoben, da oft Zahlungen im Voraus getätigt werden müssen, damit es überhaupt zur Produktion und Lieferung kommt. Diese Vorauszahlungen werden für den Fall der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens oft vom Kunden verlangt. Durch die nicht vorhandene Liquidität der Unternehmen entwickeln sich Verzögerungen und Probleme bei Lieferungen.

4. Grundlagen des Risikomanagements

4.1. Definition des Risikomanagements

Bei einer genauen Betrachtung des Begriffs Risiko fällt es auf, dass eine Vielzahl an unterschiedlichen Definitionen in der Betriebswirtschaftslehre existieren. Allgemein wird Risiko als ein Ereignis dargestellt, welches zu einer negativen Zielabweichung in einem Unternehmen führen kann. Risiken können in allen Bereichen eines Unternehmens auftauchen.12 Es gibt Risiken, die das Unternehmensziel langfristig beeinflussen können. In der Fachliteratur werden diese strategischen Risken bezeichnet. Außerdem ist die Rede von operativen Risiken, die einen kurz- oder mittelfristigen Einfluss auf das Unternehmen benennen. Zu den Bedingungen von Risiken gehören nicht vollständige Informationen über zukünftige interne als auch externe Zustände. Hierzu können nicht vorhersehbares Verhalten von Kunden, Mitarbeitern oder anderen Stakeholdern als Beispiele genannt werden.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Schritte des Risikomanagements. Eigene Darstellung in Anlehnung an Hammer (2016)

In Abbildung 3 sind vier wesentliche Schritte des Risikomanagements dargestellt, welche in ihren Abläufen in weitere Schritte unterteilt werden. In diesem Zusammenhang wird das Risikomanagement als ein Ablauf dargestellt, der aus den verschiedenen Entwicklungsstadien Entdeckung, Analyse, Beurteilung, Administration und Überwachung von Risiken besteht. Im Risikomanagement ist es von großer Bedeutung, dass diese Aufgaben dauerhafter Bestandteil der Planungs- und Kontrollprozesse sind. Die wesentliche Aufgabe des Risikomanagements ist die Handhabung oder Behandlung von Risiken.14 Die Unternehmen können ungewollte Risiken abschaffen und Folgen begrenzen. Das Risikomanagement ist ein Teil der strategischen Unternehmensführung, weil das Bezwingen von Risiken gewisse Kosten mit sich trägt. Das Ziel ist es, das optimale Gleichgewicht zwischen den Risiken und den damit im Zusammenhang stehenden Gewinnchancen zu bilden. Das Risikomanagement trägt der Wertschöpfung des Unternehmens bei, in dem es mögliche Risiken frühzeitig erkennt und den Umgang mit möglichen oder vorhandenen Risiken ermöglicht.15

4.2. Supply Chain Risikomanagement

Der Begriff Supply Chain Risikomanagement leitet sich von den Themen Supply Chain Management und Risikomanagement her. Im Gegensatz zum Risikomanagement geht es beim SCRM um den Umgang mit Supply Chain Risiken. Diese Risiken werden systematisch erkannt, analysiert, bewertet, kontrolliert und dokumentiert. Der eigentliche Unterschied zum Risikomanagement in einzelnen Unternehmen besteht in der unternehmensübergreifenden Ausrichtung des SCRM.16 Dieser Unterschied macht das Managen von Risiken in Supply Chains ziemlich kompliziert. Risiken einer Supply Chain sind gebunden an unterschiedliche Formen des Risikos in den einzelnen Unternehmen. Unternehmen unterscheiden sich auch in deren Risikobereitschaft, sodass es zu Komplikationen beim Managen der unternehmensspezifischen Risiken kommen kann. Als ein weiteres Ziel gilt die Vermeidung von Kettenreaktionen in der Lieferkette. Dadurch soll die Unternehmensexistenz erhalten bleiben und Zielabweichungen in der Supply Chain sollen vermieden werden. Zusammengefasst ist das SCRM ein unternehmensübergreifendes, kollektives und systematisches Managen von Supply Chain Risiken.17

4.3. Supply Chain Risiken

Bei Supply Chain Risiken handelt es sich um Risiken, die die Erreichung eines Ziels des Supply Chain Management stark beeinflussen können. Diese Supply Chain Risiken können in interne und externe Risiken unterteilt werden. Interne Supply Chain Risiken stören den Material-, Informations- und Finanzfluss. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Lager- oder Transportrisiken. Bei externen Supply Chain Risiken handelt es sich um Risiken, welche aus dem Umfeld der Lieferkette eintreten. Als Beispiel hierfür können Naturkatastrophen genannt werden. Das Besondere an Supply Chain Risiken ist, dass die dadurch verursachten Störungen einen Einfluss auf den Material-, Informations- und Finanzfluss haben. Diese Risiken betreffen nicht nur ein Unternehmen, sondern beeinflussen die gesamte Kette bzw. den Prozess. Durch die Vernetzung sind Unternehmen voneinander abhängig. Daher sind diese Art von Risiken nicht mit gängigen Unternehmensrisiken zu vergleichen und müssen anders behandelt werden.18

Zusammengefasst sind Supply Chain Risiken mögliche Störungen oder Umstände, die mehrere Unternehmen einschließen und die durch interne oder externe Auslöser verursacht werden. Sie können als Folge eine negative Zielabweichung mit sich bringen und für eine Beeinträchtigung sorgen. Schließlich kann es dazu kommen, dass der Kunde nicht ausgestattet werden kann.

4.3.1. Klassifizierung von Risiken

Risiken werden generell in vier Kategorien unterteilt. Hierbei handelt es sich um Lieferanten-, Hersteller-, Kunden- und Umweltrisiken. Im weiteren Verlauf werden diese Risiken genauer erläutert.

4.3.1.1. Lieferantenbezogene Risiken

Bei Lieferantenbezogenen Risiken handelt es sich um Versorgungsrisiken. Dieses Risiko stellt die Unsicherheit zwischen dem Hersteller und dem Lieferanten dar. Risiken, welche durch Lieferanten verursacht werden, sind oft Behinderungen beim Materialfluss. Dazu gehören Risiken wie verspätete Lieferungen durch Transportprobleme. Oft kommt es zu diesen Verzögerungen, weil sich die Lieferanten wegen zu hoher Menge an Arbeit nicht an die Nachfrageveränderungen angleichen können. Veränderte Transportbedingungen sind weitere Risikofaktoren.19

4.3.1.2. Herstellerbezogene Risiken

Herstellerbezogene Risiken werden auch Prozessrisiken genannt, die beispielsweise Störungen in der Produktion wiederspiegeln. Außerdem werden fehlerhafte Planungen im Produktions- und Logistikprozess, sowie die daraus entstehenden Abweichungen bei den Produktionszeiten und Qualitäten, welche zur Beendigung der Produktion führen können, zu den herstellerbezogenen Risiken eingeordnet.20

[...]


1 Vgl. Eßig et al. (2013).

2 Vgl. Siepermann et al. (2015)

3 Vgl. Wente (2013) S.20 f.

4 Vgl. Freiwald (2018). S.6 f.

5 Vgl. Wente (2013). S.21 f.

6 Vgl. Freiwald (2018).

7 Vgl. Planung und Betrieb von Logistiknetzwerken (2005); Strategische Liefernetze (2007). S.30 ff.

8 Vgl. Stadtler et al. (2015).

9 Vgl. Martin (2011). S.23 ff.

10 Vgl. Freiwald (2018). S.7

11 Vgl. Kuhn und Hellingrath (2002).

12 Vgl. Kajüter (2012).

13 Vgl. Wente (2013). S.14f.

14 Vgl. Kajüter (2012). S.269ff.

15 Vgl. Schöning et al. (2017). S.277ff.

16 Vgl. Wente (2013). S32ff.

17 Vgl. Czaja (2009).

18 Vgl. Stölzle und Otto (2003).

19 Vgl. Wente (2013).

20 Vgl. Schöning et al. (2017).

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Supply Chain Risikomanagement durch Einführung der Blockchain Technologie
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1.7
Autor
Jahr
2020
Seiten
58
Katalognummer
V1164480
ISBN (Buch)
9783346569899
Sprache
Deutsch
Schlagworte
supply, chain, risikomanagement, einführung, blockchain, technologie
Arbeit zitieren
Eyüp Tuncel (Autor:in), 2020, Supply Chain Risikomanagement durch Einführung der Blockchain Technologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1164480

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